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| − | [[Bild:Fischhorn.jpg|thumb|300px|Schloss Fischhorn]]Das '''Schloss Fischhorn''' liegt bei [[Bruck an der Großglocknerstraße]] im [[Pinzgau]]. | + | [[Bild:Fischhorn.jpg|thumb|300px|Schloss Fischhorn]]Das '''Schloss Fischhorn''' |
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| | + | Schloss Fischhorn in Bruck an der Großglocknerstraße ist ein alter Ansitz an historisch bedeutender Stelle, der im 19. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut wurde. |
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| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Urkundlich nachweisbar seit [[1227]] ist der Name ''Vischarn''. Älter jedoch dürfte die Burg sein, die bereits um 1200 entstanden ist. Bevor Fischhorn lange bis zur Säkularisierung [[1803]] den [[Bischöfe von Chiemsee|Chiemseern]], war es zuerst im Besitz der [[Goldegg]]er. Fürstin Sophie Löwenstein und [[Johann II. von Liechtenstein|Fürst Johann II. von Liechtenstein]] erwarben [[1862]] das Schloss und ließen es unter der Leitung von [[Josef Wessicken]] im neugotischen Stil umbauen. Die als Eigentümer aufscheinende Bremer Kaufmannsfamilie Gildemeisteri, seit einem Großbrand [[1920]], ließen es wiedererstehen nach Ansichten aus dem [[19. Jahrhundert]].
| + | =====Einführung===== |
| | + | Schloss Fischhorn liegt am Rand des [[Zeller Becken]]s auf einer Anhöhe am nordwestlichen Ortsende von [[Bruck an der Großglocknerstraße]]. Es befindet sich am Kreuzungspunkt zweier inneralpinen Verkehrslinien, der Nord-Süd-Route über den Tauern und der Ost-West-Route [[Bischofshofen]] – Oberpinzgau/Tirol. Durch die Untersuchung von Funden und durch archäologische Grabungen im Umfeld des Schlosses weiß man heute, dass an dieser Stelle eine römische Ansiedlung war, von der [[Fritz Moosleitner]] vermutet, dass es sich um eine Straßenstation gehandelt hat. |
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| | + | =====Die Ableitung des Namens== |
| | + | Der Name Fischhorn leitet sich von Vischarn, Vischern, Vischorn = Fischplatz ab. Im Jahr [[1040]] wird ein Waltman von Prukke in einer Urkunde erwähnt. Aus[[1227]] findet sich der erste urkundliche Hinweis auf einen Ansitz mit befestigter Anlage. In einem Geschäft des Bischofs Rudiger von Chiemsee mit dem Kloster Baumburg in Oberbayern wird eine Mühle in Chieming mit einem Gut zu Viscarn in Binzgo getauscht. [[1230]] scheint ein Ulrich von Vischarn, [[1250]] ein Heinrich von Vischarn, [[1290]]Wulfing von Vischarn (Goldegger Wulfing) auf. Im Jahr [[1300]] ist Vischarn Lehen der Bischöfe von Chiemsee. Es gibt darüber hinaus noch weiter urkundliche Erwähnungen. [[1366]] ist ein Heinrich von Vischarn Herr des Ansitzes. |
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| | + | =====Fischhorn wird Sitz des Pflegers===== |
| | + | Seit dem Jahr [[1497]] tragen die Verwalter der Burg den Titel Pfleger und üben die Hofmarksgerechtigkeit, d.h. die niedere Gerichtbarkeit aus. Im Jahr [[1674]] wird dieser Titel auch durch den Landesherrn anerkannt. |
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| | + | =====Fischhorn zur Zeit der Bauernkriege===== |
| | + | [[1526]] wird die Burg von aufständischen Bauern geplündert und angezündet. In der 2. Hälfte des [[16. Jahrhundert]]s wird der Ansitz teilweise wiederhergestellt. Im Jahr [[1602]] geht aus einer Urkunde der schlechte Bauzustand hervor. |
| | + | [[1796]] stirbt der letzte chiemseeische Pfleger auf Fischhorn, es ist Josef de Franciscis, der das Amt 54 Jahre lang ausgeübt hat. |
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| − | Das Schloss soll Lagerstätte für wertvolle Beutestücke der Nazis gegen Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] gewesen sein.
| + | =====Fischhorn nach der Säkularisierung des Erzbistums===== |
| | + | [[1803]] erfolgt die Säkularisierung des [[Erzbistums Salzburg]]. |
| | + | Zwischen [[1808]] und [[1811]] bleibt Fischhorn unbewohnt. |
| | + | 1811 zieht das königlich-bayrische Rentamt mit Rentmeister Heinrich Huber ein. |
| | + | [[1815]] kommt der Ansitz unter österreichische Verwaltung und beherbergt Fischhorn das k.k. Oberforstamt Kaprun. |
| | + | Anfang der Vierziger-Jahre des [[19. Jahrhundert]]s wird das Forstamt verlegt und Fischhorn wird dem Verfall preisgegeben. Von [[1842]] bis [[1862]] wohnen dort noch Forstwarte, zuletzt nur mehr ein „Hausweibl“. |
| | + | Die Bauern der Umgebung beschleunigen den Verfall, in dem sie sich mit den Steinen der Mauern und Schutt von der Burg billig zu Baumaterial und zum Schottern der Wege verhelfen. Schon damals gab es Probleme mit dem Verkauf des Ansitzes. Der beabsichtigte Freihandverkauf gelang nicht und es kam [[1859]] zur Versteigerung. Der Meistbietende war der k.k. Postmeister und Landtagsabgeordnete Embacher von [[Taxenbach]]. Er bezahlte 13.000 Gulden. Embacher renovierte aber nicht sondern ließ weitere Stein abtransportieren. |
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| − | Das Schloss ist nicht zu besichtigen und befindet sich in Privatbesitz. | + | =====Fischhorn wird Eigentum der Familie Liechtenstein===== |
| | + | [[1862]] tritt eine anonyme Käufergruppe auf und erwirbt unter der Vertretung von Architekt Lößl das Anwesen um 12.000 Gulden. Die Käufergruppe entpuppte sich als Johannes II., regierender Fürst von und zu Liechtenstein und dessen Schwester Sophie, Fürstin zu Löwenstein, mit ihrem Gatten Carl, Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Die umliegende Bevölkerung ist von den neuen Besitzern angetan. Seit dem Erwerb durch die Fürstenfamilie wird der Besitz laufend erweitert und ist schließlich der größte landwirtschaftliche betrieb des Landes Salzburg. Noch im Jahr [[1863]] besucht die Fürstenfamilie zum ersten Mal ihr neues Eigentum und es wird ihr von Seiten der Bevölkerung ein großer und begeisterter Empfang bereitet. |
| | + | Im Frühjahr [[1863]] wird mit dem Wiederaufbau begonnen. Unter Oberbaurat Friedrich von Schmidt, Dombaumeister von St. Stephan in Wien, und Bauleiter Architekt Josef Wessiken, erfolgt ein Umbau in neugotischem Stil. Das Schloss konnte im Jahr [[1873]] fertig gestellt werden. |
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| | + | =====Brand des Schlosses und Erwerb durch Familie Gildemeister ===== |
| | + | [[1920]] wird das Schloss durch einen großen Brand bis in die unteren Stockwerke vernichtet. Die Fürstenfamilie verlor das Interesse an diesem Besitz und so konnte das Anwesen schließlich von der Familie Gildemeister, vertreten durch Heinrich Gildemeister, angekauft werden. (Heinrich Gildemeister, geboren in Peru, war [[1931]] bis [[1942]] Botschafter der Republik Peru in Deutschland). In seinem Auftrag erfolgt nun der Wiederaufbau des Schlosses durch den Architekten Karl Wolters aus Bremen. Das Schloss wird in vereinfachter Form wieder hergestellt. Gildemeister modernisiert die zum Besitz gehörende Landwirtschaft und führt die maschinelle Bearbeitung ein. |
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| | + | =====Schloss Fischhorn in der NS-Zeit===== |
| | + | Die Besitzerfamilie verliert vorerst große landwirtschaftlich genutzte Flächen durch Enteignung, u.a. für den Bau der [[Schleppbahn Kaprun]]. Nachdem alle Beziehungen zwischen Peru und Deutschland abgebrochen waren, reist die Familie Gildemeister [[1942]] nach Peru. |
| | + | Im gleichen Jahr erfolgt die Beschlagnahmung von Schloss und Gut Fischhorn. Es ziehen Parteiorganisationen und die Waffen-SS ein. Leitung und Aufsicht des Schlosses unterstehen einem Offizier der Waffen-SS. Junge Frauen aus Bruck werden zur Garten- und Hausarbeit zwangsverpflichtet. Es wird das SS-Remonteamt (zur Aufzucht von Jungpferden zwecks Ergänzung des militärischen Pferdebestandes) auf Gut Fischhorn installiert. Zur Verrichtung der Bauarbeiten wird ein Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau mit ca. 150 Häftlingen eingerichtet. Dieses Nebenlager wird am [[6. September]] [[1944]] zum ersten Mal, am [[22. April]] [[1945]] zum letzten Mal erwähnt. |
| | + | =====Schloss Fischhorn am Ende des Zweiten Weltkrieges===== |
| | + | Das Schloss wird gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Lagerstätte für wertvolle Beutestücke der Nazis. Am [[8. Mai]][[1945]] wird Hermann Göring im Schloss gefangen genommen. Zwischen dem endgültigen Abzug der Nationalsozialisten und dem Einzug amerikanischer Truppen wird das Schloss von Teilen der Bevölkerung geplündert. |
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| | + | =====Schloss Fischhorn von 1945 bis [[2010]]===== |
| | + | Schloss und Gut Fischhorn werden nach dem Krieg den rechtmäßigen Besitzern rückerstattet. Heinrich Gildemeister stirbt [[1964]] in Lima, Peru. |
| | + | In den letzten Jahrzehnten wurden wieder Verkaufsgerüchte laut. Davon ausgehend entstanden unterschiedliche Ankaufs- und Verwertungsabsichten. Längere Zeit war von der Verlegung des Nationalparkzentrums nach Schloss Fischhorn die Rede. Ein anderer Plan war die Errichtung eines regionalen Kulturzentrums. Beide Pläne dürften politisch an der Finanzierung und an den anderen Bedingungen der Besitzer gescheitert sein. In der Zwischenzeit wurde das Schloss Fischhorn von der Besitzerfamilie restauriert. Das Schloss ist nicht zu besichtigen und befindet sich nach wie vor in Privatbesitz. Eine Öffnung ist insofern erfolgt, als Herr Medem, Mitglied der Besitzerfamilie, von Zeit zu Zeit kulturelle Veranstaltungen im schloss ermöglicht. |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| − | * [http://www.salzburg.gv.at/en/themen/ks/kultur/burgen/fischhorn.htm www.salzburg.gv.at]
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| | + | BEGDV 6 Anlage zu § 1Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG unter http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/begdv_6/anlage_6.html |
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| | + | Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German occupied Territories, Sept. 1st, 1939 – May 8th, 1945, Band K-15, 20-3210 (Vol.) II, scheint unter Fischhorn/Bruck im Pinzgau, Kreis Zell am See, US-Zone, N(oder X)48/E 86 folgende Eintragung auf: CC Kdo. of Dachau. First mentioned on 6.9.1944, aprox. 150 pris. were working on construction of SS-Remonteamt Fischhorn. Last mentioned on 22.4.45 (Dachau Files). |
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| | + | Maximilian Effenberger, Brucker Heimatbuch, HG Gemeinde Bruck |
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| | + | Josef Lahnsteiner, „Unterpinzgau – Zell am See, Taxenbach, Rauris, Selbstverlag, Hollersbach 1960 |
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| | + | Gespräch mit Herrn Medem (anlässlich der archäologischen Grabung) zum Thema Plünderung im Jahr 1945. |
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| | + | Friederike Zaisberger, Walter Schlegel, „Burgen und Schlösser in Salzburg – Pongau, Pinzgau, Lungau, Birken-Verlag Wien, 1978 |
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