Steinmetzzeichen: Unterschied zwischen den Versionen
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Bei aufmerksamer Betrachtung historischer Bauten stößt man auf Zeichen, auf Spuren, auf die Sprache der Steine im Laufe der Geschichte. Wenn man diese richtig zu lesen versteht, eröffnen sich faszinierende Blicke in unsere Vergangenheit. | Bei aufmerksamer Betrachtung historischer Bauten stößt man auf Zeichen, auf Spuren, auf die Sprache der Steine im Laufe der Geschichte. Wenn man diese richtig zu lesen versteht, eröffnen sich faszinierende Blicke in unsere Vergangenheit. | ||
Vermutlich unter dem Einfluss Kaiser Friedrich | Vermutlich unter dem Einfluss Kaiser [[Friedrich I. Barbarossa]] beginnt um [[1155]], weniger als Hilfe für die Stücklohnverrechung, sondern vielmehr als Selbstdarstellung und Ehrenbezeugung der Steinmetze, eine neue Persönlichkeitsbildung. In den [[mittelalter]]lichen Handwerkern, den Steinmetzen, erwachte der "Zunftstolz". Natursteinfassungen bei sakralen und profanen Bauten werden auf der Sichtseite werkmäßig bearbeitet und meist beim Zusammenstoß der Flächen mit geometrischen Marken versehen, sogenannten Steinmetz- oder Hüttenzeichen, deren Anwendung erstmals beim Bau der Pfalz Barbarossas im [[12. Jahrhundert]] bekannt wurde. | ||
Der mittelalterliche Steinmetz bearbeitet mit Schlag-, Spitz-, Zahneisen, Keil und Holzklipfel den rohen Stein. Die Verwendung der Zahnfläche, die Breite des Randschlages, die in Muster gesetzten Hiebe der Fläche und die Bearbeitung der Bossen zu Buckeln sind Ausdruck künstlerischer Gestaltung des [[12. Jahrhundert|12.]] und [[13. Jahrhundert]]s. Die Steinmetzzeichen entwickeln eine eigene Sprache in Stein: so wurden Farben durch verschiedene Strich- und Punktierungen dargestellt und wurde ein Kontrast entwickelt, auch Pelze wie Hermelin, Feh und Damaste wurden durch eigene Mustermeisselungen und Schraffierungen, besonders in der Heraldik hervorgehoben. Die Verschönerung und Verzierung des Steines lag in den Händen der Bildhauer. Sie schlugen wiederum mit Schlageisen und Holzklipfel in die steinmetzmäßig bearbeiteten Bossen und Quader, Profile, Zierfriese, Kapitelle, Maßwerk und Figuren. | Der mittelalterliche Steinmetz bearbeitet mit Schlag-, Spitz-, Zahneisen, Keil und Holzklipfel den rohen Stein. Die Verwendung der Zahnfläche, die Breite des Randschlages, die in Muster gesetzten Hiebe der Fläche und die Bearbeitung der Bossen zu Buckeln sind Ausdruck künstlerischer Gestaltung des [[12. Jahrhundert|12.]] und [[13. Jahrhundert]]s. Die Steinmetzzeichen entwickeln eine eigene Sprache in Stein: so wurden Farben durch verschiedene Strich- und Punktierungen dargestellt und wurde ein Kontrast entwickelt, auch Pelze wie Hermelin, Feh und Damaste wurden durch eigene Mustermeisselungen und Schraffierungen, besonders in der Heraldik hervorgehoben. Die Verschönerung und Verzierung des Steines lag in den Händen der Bildhauer. Sie schlugen wiederum mit Schlageisen und Holzklipfel in die steinmetzmäßig bearbeiteten Bossen und Quader, Profile, Zierfriese, Kapitelle, Maßwerk und Figuren. | ||
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Noch eine Rarität sei angeführt: es ist dies eine Zunftplatte aus Stein heute links neben dem Eingang der [[Salzburger Sparkasse|Sparkasse]] unter dem [[Hotel "Weißer Bär"]] − ehemals "Peinsteiner oder Ackerhaus", seit [[1540]] als Gastgeb bezeichnet − eingemauert und nach dem Umbau erhalten. Bei aufmerksamem Betrachten dieser Steinkartusche‚ die in volkstümlicher Weise einen springenden Steinbock zeigt und die Anfangsbuchstaben "M.S." mit der Jahreszahl [[1618]] aufweist, ahnt man freilich die interessanten Zusammenhänge vergangener Zeit. [[Friedrich Barth]] führt in seinem Heimatbuch ''St. Wolfgang'' an, dass ein [[Melchior Steinböck]] 1618 dieses Anwesen erworben hat und daselbst das Gast- und Herbergswesen ausübte. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass es sich hier um das Hauswappen des Michael Steinböck handelt. | Noch eine Rarität sei angeführt: es ist dies eine Zunftplatte aus Stein heute links neben dem Eingang der [[Salzburger Sparkasse|Sparkasse]] unter dem [[Hotel "Weißer Bär"]] − ehemals "Peinsteiner oder Ackerhaus", seit [[1540]] als Gastgeb bezeichnet − eingemauert und nach dem Umbau erhalten. Bei aufmerksamem Betrachten dieser Steinkartusche‚ die in volkstümlicher Weise einen springenden Steinbock zeigt und die Anfangsbuchstaben "M.S." mit der Jahreszahl [[1618]] aufweist, ahnt man freilich die interessanten Zusammenhänge vergangener Zeit. [[Friedrich Barth]] führt in seinem Heimatbuch ''St. Wolfgang'' an, dass ein [[Melchior Steinböck]] 1618 dieses Anwesen erworben hat und daselbst das Gast- und Herbergswesen ausübte. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass es sich hier um das Hauswappen des Michael Steinböck handelt. | ||
Die Kunst, diese alten Schriftzeichen in Stein einzuordnen und ihre Zugehörigkeit zu bestimmen, erfordert ein eigenes Studium. Herr Hofrat Dr. Benno Ulm, mit dem [[Adele Sungler]] aus der Jugend in Freistadt | Die Kunst, diese alten Schriftzeichen in Stein einzuordnen und ihre Zugehörigkeit zu bestimmen, erfordert ein eigenes Studium. Herr Hofrat Dr. Benno Ulm, mit dem [[Adele Sungler]] aus der Jugend in Freistadt im Mühlviertel, eine persönliche Freundschaft verband, hat sich besonders mit diesen frühen Selbstdarstellungszeichen in vielen Arbeiten zur Kunst- und Kulturgeschichte [[Oberösterreich]]s und des Mühlviertels beschäftigt. Zur Landesausstellung 1976 in St. Wolfgang leistete Dr. Ulm viele wertvolle Hinweise, die ihren fruchtbaren Niederschlag in vielen Arbeiten als Leiter der Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte des Bundesdenkmalamts OÖ gefunden haben. Dr. Ulm war sehr interessiert an einer Zusammenstellung der oberösterreichischen Bauinschriften und einer Aufnahme der Steinmetzzeichen in ein Konzept einer Kunst- und Kulturgeschichte Oberösterreichs im Rahmen der wissenschaftlichen Landeskunde. So ergaben die sprechenden Steine in St. Wolfgang Hinweise auf Bauhütten aus Straßburg, Ulm, Passau und Wien für die Herstellung der kunstvollen Steinmetzarbeiten. Sie haben viele Brände des Ortes überdauert und sind heute noch namhafte Nachweise und Zeugnis des Mittelalters. | ||
Die Ausbildung der Steinmetze erfolgte im Verband der Bauhütte, ihre durch Erfahrungen erworbenen Kenntnisse wurden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln strengstens gehütet. Die Tradition, vermittelt durch die Lehre bei einem bedeutendem Baumeister, gibt die Befähigung. Nach fünfjähriger Steinmetzlehrzeit geht der Geselle zwei Jahre auf Wanderschaft, dann begibt er sich in ein ordentliches Anstellungsverhältnis zu einem Steinmetzmeister in einer Hütte oder Zunft. Zur Selbständigkeit muss er als Meisterknecht zusätzlich bei einem Baumeister arbeiten. Nach weiteren zwei Jahren endet die Lehrzeit mit einem Meisterstück. Er muss das Bildhauerhandwerk, das Visieren, das heißt das Anfertigen von Planrissen verstehen. Planrisse sind seit dem 13. Jahrhundert aus vielen Kathedralen, z.B. in [[Salzburg]], Straßburg, Köln, Ulm, Prag, Wien, Passau und vor allem in Klöstern erhalten. So hat die beeindruckende Tradition der Steinmetze von der Antike bis in unsere Jahrhunderte überdauert und bleibt nach wie vor eine große Orientierungshilfe. | Die Ausbildung der Steinmetze erfolgte im Verband der Bauhütte, ihre durch Erfahrungen erworbenen Kenntnisse wurden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln strengstens gehütet. Die Tradition, vermittelt durch die Lehre bei einem bedeutendem Baumeister, gibt die Befähigung. Nach fünfjähriger Steinmetzlehrzeit geht der Geselle zwei Jahre auf Wanderschaft, dann begibt er sich in ein ordentliches Anstellungsverhältnis zu einem Steinmetzmeister in einer Hütte oder Zunft. Zur Selbständigkeit muss er als Meisterknecht zusätzlich bei einem Baumeister arbeiten. Nach weiteren zwei Jahren endet die Lehrzeit mit einem Meisterstück. Er muss das Bildhauerhandwerk, das Visieren, das heißt das Anfertigen von Planrissen verstehen. Planrisse sind seit dem 13. Jahrhundert aus vielen Kathedralen, z. B. in der [[Stadt Salzburg]], Straßburg, Köln, Ulm, Prag, Wien, Passau und vor allem in Klöstern erhalten. So hat die beeindruckende Tradition der Steinmetze von der Antike bis in unsere Jahrhunderte überdauert und bleibt nach wie vor eine große Orientierungshilfe. | ||
== Steinmetzzeichen in Salzburg == | |||
Steinmetzzeichen kann man heute noch an alten Baudenkmälern sehen, beispielsweise am Portal der [[Kirche Mariae Himmelfahrt (Abtei Nonnberg)]]. | |||
== Verfasser == | |||
Dieser Artikel wurde von [[Adele Sungler]] verfasst und als Word-Dokument an das SALZBURGWIKI gesandt. Alle Bilder stammen aus dem Archiv Adele Sungler. | |||
== Quellen == | == Quellen == | ||
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* Friedrich Barth: ''St. Wolfgang'' | * Friedrich Barth: ''St. Wolfgang'' | ||
* Pers. Aufzeichnungen zur Fremdenführerprüfung 1978 | * Pers. Aufzeichnungen zur Fremdenführerprüfung 1978 | ||
* [http://www.stein-lienbacher.at/ueber-uns.html www.stein-lienbacher.at] in der Geschichte der [[Lienbacher (Steinmetz)|Lienbacher]]-Familie | |||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
[[Kategorie:Handwerk]] | [[Kategorie:Handwerk]] | ||