Psychoides verhuella: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Psychoides verhuella''' Bruand, 1853 ist eine Art aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]], Familie [[Tineidae]].
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'''Psychoides verhuella''' Bruand, 1850: 30 ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]], [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Tineidae]](Echte Motten).
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie==
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==Diagnose==
''P. verhuella'' wurde zum ersten Mal am 5.7.1909 von [[Karl Mitterberger|Mitterberger]] (1909) beim Torrener Wasserfall im [[Bluntautal]] für Salzburg nachgewiesen und blieb dann bis 1990 verschollen. Durch gezielte Suche der Raupen wurde die Art seitdem aber verbreitet in den Zonen II ([[Salzburger Kalkalpen|Kalkalpen]]), IV ([[Zentralalpen]]) und V ([[Lungau]]) nach [[Gernot Embacher#Embacher et al.|Embacher et al. (2011)]] gefunden. Auch die Höhenverbreitung ist mit 500-1700 m bereits für einen recht großen Bereich im Land dokumentiert (Kurz & Kurz 2011). Lebensraum der Art sind Felsblöcke und Felsabbrüche von Karbonatgestein (Kalk oder Dolomit) an feuchteren, teils schattigen Stellen, besonders an Rändern von Buchen-Fichten-Tannenmischwäldern oder Nadelmischwäldern, wo die Futterpflanzen der Raupen gedeihen.
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Die Art ist unter den Salzburger Tineidae zwar unverwechselbar, es gibt aber zahlreiche andere, einfarbig dunkelbraune Arten aus anderen Lepidopterenfamilien, die mit ''Psychoides verhuella'' verwechselt werden könnten.
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==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
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''P. verhuella'' wurde zum ersten Mal am 5.7.1909 von [[Karl Mitterberger|Mitterberger]] (1909) beim Bluntauwasserfall im [[Bluntautal]] für [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] nachgewiesen und blieb dann bis 1990 verschollen. Durch gezielte Suche der Raupen wurde die Art seitdem aber verbreitet in den Zonen II ([[Salzburger Kalkalpen|Kalkalpen]]), IV ([[Zentralalpen]]) und V ([[Lungau]]) nach [[Gernot Embacher#Embacher et al.|Embacher et al. (2024)]] gefunden. Auch die Höhenverbreitung ist mit 500 bis 1700 m bereits für einen recht großen Bereich im Land dokumentiert ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2024). Lebensraum der Art sind Felsblöcke und Felsabbrüche von Karbonatgestein (Kalk oder Dolomit) an feuchteren, teils schattigen Stellen, besonders an Rändern von [[Buche]]n-[[Fichte]]n-[[Tanne]]nmischwäldern oder Nadelmischwäldern, wo die Futterpflanzen der Raupen gedeihen, aber auch angrenzende hochstauden- und gebüschreiche Schlagflächen sowie Magerwiesen.
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Die [[Glossar Biologie#I|''Imagines'']] fliegen in einer Generation pro Jahr im Juli. Die Raupen wurden in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] im September und Oktober, sowie nach der Überwinterung wieder von Februar bis April gefunden. Puppen traten von April bis Juni auf (alle Daten nach Kurz et al. 2024).
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==Nachbarfaunen==
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''P. verhuella'' kommt nach Huemer (2013) mit Ausnahme von Osttirol und Burgenland in allen österreichischen Bundesländern vor. In Oberösterreich fehlen nach Klimesch (1990) Angaben aus dem [[Mühlviertel]], im [[Alpenvorland]] und im [[Alpen]]gebiet wurde die Art aber mehrfach gefunden. In [[Bayern]] (Haslberger & Segerer) werden Funde vor 2000 aus dem Schichtstufenland, sowie vor 1970 aus dem voralpinen Hügel- und Moorland (Alpenvorland) und den [[Alpen]] gemeldet.
  
Die [[Glossar Biologie#I|''Imagines'']] fliegen in einer Generation pro Jahr im Juli. Die Raupen wurden in Salzburg im September und Oktober, sowie nach der Überwinterung wieder von Februar bis April gefunden. Puppen traten von April bis Juni auf (alle Daten nach Kurz et al. 2011).
 
 
==Biologie und Gefährdung==
 
==Biologie und Gefährdung==
Über die Biologie der ''Imagines'' ist in Salzburg nichts bekannt.
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Über die Biologie der ''Imagines'' ist in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] kaum etwas bekannt. Die Tiere sind aber nicht sehr fluglustig und dürften eine versteckte Lebensweise führen. Sie wurden in zwei Fällen am Morgen zwischen 6 und 7 Uhr MEZ, sowie am Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr MEZ fliegend angetroffen (Kurz & Kurz 2024).  
 
 
Die Tiere sind aber nicht sehr fluglustig und dürften eine versteckte Lebensweise führen.
 
  
Die Raupen fressen an verschiedenen Farnen. Sie spinnen dabei eine Art Seidendecke, die sie außen mit Farnsporen bekleiden und nagen unterhalb dieser Decke die grünen Farnblätter von einer Seite her an (Schabefraß). Die Decke wird dann gelockert und ein kleines Stückchen weiter, an einer frischen Stelle wieder festgesponnen. Als Futterpflanzen wurden in Salzburg bisher die drei verwandten [[Farne|Farnarten]] [[Asplenium ruta-muraria]], [[Asplenium trichomanes]] und selten auch [[Asplenium viride]] festgestellt.
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Die Raupen fressen an verschiedenen [[Farn]]en. Sie spinnen dabei eine Art Seidendecke, die sie außen mit Farnsporen bekleiden, und nagen unterhalb dieser Decke die grünen Farnblätter von einer Seite her an (Schabefraß). Die Decke wird dann gelockert und ein kleines Stückchen weiter, an einer frischen Stelle wieder festgesponnen. Als Futterpflanzen wurden in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] bisher die drei verwandten Farnarten ''[[Asplenium ruta-muraria]]'', ''[[Asplenium trichomanes]]'' und selten auch ''[[Asplenium viride]]'' festgestellt.
  
Trotz der guten optischen Tarnung der Raupen durch die mit Farnsporen bekleidete Seidendecke werden die Tiere von Parasiten aus der Ordnung der Hautflügler heimgesucht.
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Trotz der guten optischen Tarnung der Raupen durch die mit Farnsporen bekleidete Seidendecke werden die Tiere von Parasiten aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] der [[Hautflügler]] heimgesucht (unbestimmte Braconidae, sowie ''Diadegma'' sp.).
  
''P. verhuella'' besitzt in Salzburg ausreichend geeigneten Lebensraum und ist auch wegen ihrer weiten Verbreitung im Land ungefährdet.
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''P. verhuella'' besitzt in Salzburg ausreichend geeigneten Lebensraum und ist auch wegen ihrer weiten Verbreitung im Land ungefährdet (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).
 
==Weiterführende Informationen==
 
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[[Salzburgwiki:Projekt_Fauna_und_Flora|Projekt:  Fauna und Flora von Salzburg]]
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==Quellen==
 
==Quellen==
*Embacher, G., P. Gros, M.E. Kurz, M.A.Kurz & C. Zeller-Lukashort 2011: Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil I: Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die geologischen Zonen des Landes (Insecta: Lepidoptera). In Vorbereitung
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*{{Quelle Embacher et al. 2024}}
*Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2011. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 14 April 2011].
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*Haslberger, A. &amp; A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
*[[Karl Mitterberger|Mitterberger, K.]] 1909: Verzeichnis der im Kronlande Salzburg bisher beobachteten Mikrolepidopteren (Kleinschmetterlinge). – In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 49: 195-552.
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*Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
[[Kategorie: Biologie]]
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*Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Ent. Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
[[Kategorie: Pflanzen und Tiere]]
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*[[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz, M. A.]] &amp; [[Marion Kurz|M. E. Kurz]] 2000–2024. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2024.11.01].
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*[[Karl Mitterberger|Mitterberger, K.]] 1909: Verzeichnis der im [[Kronland Salzburg|Kronlande Salzburg]] bisher beobachteten Mikrolepidopteren (Kleinschmetterlinge). – In: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] 49: [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19090003&zoom=2&seite=00000195 195-552].
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== Einzelnachweis ==
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[[Kategorie:Wissenschaft]]
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[[Kategorie:Naturwissenschaft]]
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[[Kategorie:Biologie]]
 
[[Kategorie:Fauna]]
 
[[Kategorie:Fauna]]
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[[Kategorie:Insekt]]
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[[Kategorie:Schmetterling]]
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[[Kategorie:Kleinschmetterling]]

Aktuelle Version vom 16. November 2024, 07:38 Uhr

Psychoides verhuella Bruand, 1850: 30 ist eine Art aus der Ordnung Lepidoptera, Familie Tineidae(Echte Motten).

Diagnose

Die Art ist unter den Salzburger Tineidae zwar unverwechselbar, es gibt aber zahlreiche andere, einfarbig dunkelbraune Arten aus anderen Lepidopterenfamilien, die mit Psychoides verhuella verwechselt werden könnten.

Verbreitung, Lebensraum und Phänologie[1]

P. verhuella wurde zum ersten Mal am 5.7.1909 von Mitterberger (1909) beim Bluntauwasserfall im Bluntautal für Salzburg nachgewiesen und blieb dann bis 1990 verschollen. Durch gezielte Suche der Raupen wurde die Art seitdem aber verbreitet in den Zonen II (Kalkalpen), IV (Zentralalpen) und V (Lungau) nach Embacher et al. (2024) gefunden. Auch die Höhenverbreitung ist mit 500 bis 1700 m bereits für einen recht großen Bereich im Land dokumentiert (Kurz & Kurz 2024). Lebensraum der Art sind Felsblöcke und Felsabbrüche von Karbonatgestein (Kalk oder Dolomit) an feuchteren, teils schattigen Stellen, besonders an Rändern von Buchen-Fichten-Tannenmischwäldern oder Nadelmischwäldern, wo die Futterpflanzen der Raupen gedeihen, aber auch angrenzende hochstauden- und gebüschreiche Schlagflächen sowie Magerwiesen.

Die Imagines fliegen in einer Generation pro Jahr im Juli. Die Raupen wurden in Salzburg im September und Oktober, sowie nach der Überwinterung wieder von Februar bis April gefunden. Puppen traten von April bis Juni auf (alle Daten nach Kurz et al. 2024).

Nachbarfaunen

P. verhuella kommt nach Huemer (2013) mit Ausnahme von Osttirol und Burgenland in allen österreichischen Bundesländern vor. In Oberösterreich fehlen nach Klimesch (1990) Angaben aus dem Mühlviertel, im Alpenvorland und im Alpengebiet wurde die Art aber mehrfach gefunden. In Bayern (Haslberger & Segerer) werden Funde vor 2000 aus dem Schichtstufenland, sowie vor 1970 aus dem voralpinen Hügel- und Moorland (Alpenvorland) und den Alpen gemeldet.

Biologie und Gefährdung

Über die Biologie der Imagines ist in Salzburg kaum etwas bekannt. Die Tiere sind aber nicht sehr fluglustig und dürften eine versteckte Lebensweise führen. Sie wurden in zwei Fällen am Morgen zwischen 6 und 7 Uhr MEZ, sowie am Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr MEZ fliegend angetroffen (Kurz & Kurz 2024).

Die Raupen fressen an verschiedenen Farnen. Sie spinnen dabei eine Art Seidendecke, die sie außen mit Farnsporen bekleiden, und nagen unterhalb dieser Decke die grünen Farnblätter von einer Seite her an (Schabefraß). Die Decke wird dann gelockert und ein kleines Stückchen weiter, an einer frischen Stelle wieder festgesponnen. Als Futterpflanzen wurden in Salzburg bisher die drei verwandten Farnarten Asplenium ruta-muraria, Asplenium trichomanes und selten auch Asplenium viride festgestellt.

Trotz der guten optischen Tarnung der Raupen durch die mit Farnsporen bekleidete Seidendecke werden die Tiere von Parasiten aus der Ordnung der Hautflügler heimgesucht (unbestimmte Braconidae, sowie Diadegma sp.).

P. verhuella besitzt in Salzburg ausreichend geeigneten Lebensraum und ist auch wegen ihrer weiten Verbreitung im Land ungefährdet (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).

Weiterführende Informationen

Allgemeine Informationen und Hilfe:

Naturkundliche Gesellschaft

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Über das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora
Das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora möchte eine Übersicht über alle Pflanzen-, Pilz- und Tierarten des Landes Salzburg erstellen. Wer eine Art beschreiben will, kann sich die hier hinterlegte Formatvorlage kopieren und für einen neuen Artikel verwenden. Im Abschnitt "Material und Methoden" wird erklärt, wann deutsche und wann lateinische Namen als Artikelnamen verwendet werden sollen.

Quellen

  • Haslberger, A. & A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
  • Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
  • Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Ent. Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
  • Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2024. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2024.11.01].
  • Mitterberger, K. 1909: Verzeichnis der im Kronlande Salzburg bisher beobachteten Mikrolepidopteren (Kleinschmetterlinge). – In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 49: 195-552.

Einzelnachweis