Franz Josef Binder: Unterschied zwischen den Versionen

ergänzt
 
(39 dazwischenliegende Versionen von 6 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
'''Franz Josef Binder, Ritter von Degenschild''' (*[[8. Juli]] [[1908]] in Marburg, damals Steiermark, heute Slowenien, † [[31. März]] [[1960]] in [[Salzburg]]) war Versuchsingenieur und ein international bekannter Motorradrennfahrer vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.
[[Datei:Franz Josef Binder.jpg|thumb|Franz Josef Binder.]]
'''Franz Josef Binder''' Ritter von Degenschild (* [[8. Juli]] [[1908]] in Marburg an der Drau, slowenisch ''Maribor'', [[Slowenien|Untersteiermark]];<ref name="TfB"/> † [[31. März]] [[1960]] in der [[Stadt Salzburg]]) stammte aus der Familie [[Binder von Degenschild]] und war Versuchsingenieur sowie ein international bekannter [[Motorradrennfahrer]], vor und nach dem [[Zweiten Weltkrieg]].<ref>Archiv der "[[Salzburger Nachrichten]]", Ausgabe vom 1. April 1960, Seite 9</ref>


==Leben==
== Leben ==
Nach der Ausbildung zum Zahntechniker wanderte Binder in die Niederlande aus, wo er von [[1928]] bis [[1931]] blieb. [[1929]] begann er als Amateur-Motorradrennfahrer, wurde einmal holländischer Meister und errang vier Einzelsiege. Dann bekam er von der englischen Motorradmarke ''Rudge Whitworth'' das Angebot, Werksrennfahrer zu werden. Zunächst fuhr er zwei Mal wöchentlich Bahnrennen, so genannte "Dirt Track" Rennen, Vorläufer der heutigen Sandbahnrennen. Daneben nahm er sein [[1924]] unterbrochenes Studium an der Universität von Birmingham, England, wieder auf, Fachrichtung: Höchstleistungsmotoren.
Franz Josef wurde als uneheliches Kind der Neunkirchnerin Anna Tribaumer geboren; durch deren Eheschließung mit dem Kindesvater Robert Binder, Ritter von Degenschild, erhielt er sieben Jahre später dessen Familiennamen.<ref name="TfB">Taufbuch der [[Pfarre]] Marburg-St.&nbsp;Maria, [https://data.matricula-online.eu/de/slovenia/maribor/maribor-sv-marija/01582/?pg=174 1905–1911, S.&nbsp;174]; Trauungsbuch der Pfarre Neunkirchen, [https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/neunkirchen/02-24/?pg=17 Bd.&nbsp;XVII S.&nbsp;14]</ref>


Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium war er vom [[1. Dezember]] [[1934]] bis [[31. Dezember]] [[1935]] Versuchsingenieur bei der englischen Motorradmarke A.J.S. Motors Ltd. in Wolverhampton. Er entwickelte Renn- und Serienmotoren. Ab [[1. Jänner]] [[1936]] bis [[31. Dezember]] des selben Jahres arbeitete er dann für eine private Forschungsstelle für Motoren am Rolls Roycee Flugmotoren Merlin I.und Merlin II. Auch ein Automobilmotor wurde von dieser Firma entwickelt. Es war ein 1.500 cm³ Motor für den späteren E.R.A.  
Nach der Ausbildung zum Zahntechniker wanderte Binder in die [[Niederlande]] aus, wo er von [[1928]] bis [[1931]] blieb. [[1929]] begann er als Amateur-Motorradrennfahrer, wurde einmal holländischer Meister und errang vier Einzelsiege. Dann bekam er von der englischen Motorradmarke ''Rudge Whitworth'' das Angebot, Werksrennfahrer zu werden. Zunächst fuhr er zweimal wöchentlich [[Bahnsport|Bahnrennen]], sogenannte ''Dirt‑Track''‑Rennen, Vorläufer der heutigen Sandbahnrennen. Daneben nahm er sein [[1924]] unterbrochenes Studium an der Universität von Birmingham, [[England]], wieder auf, Fachrichtung Höchstleistungsmotoren.


Nach neuerlichem Arbeitsplatzwechsel kam Binder dann am [[1. Jänner]] [[1939]] als Versuchsingenieur und Rennfahrer zur englischen Motorradmarke Velocette in Birmingham. Hier entwickelte er den 350 cm³ Rennmotor weiter und war mit der Neukonstruktion der zwei-Zylinder-500-cm³-Rennmaschine befasst. Der Erfolg zeigte sich auch durch Sieg von Binder beim "Großen Preis von Finnland", Silber in der englischen Tourist Trophy und Dritte beim "Großen Preis von Großdeutschland".
Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium war er vom [[1. Dezember]] [[1934]] bis [[31. Dezember]] [[1935]] Versuchsingenieur bei der englischen Motorradmarke ''A.J.S. Motors Ltd.'' in Wolverhampton. Er entwickelte Renn- und Serienmotoren. Ab [[1. Jänner]] [[1936]] bis [[31. Dezember]] desselben Jahres arbeitete er dann für eine private Forschungsstelle für Motoren am ''Rolls‑Royce''‑Flugmotoren Merlin I und Merlin II. Auch ein Automobilmotor wurde von dieser Firma entwickelt. Es war ein 1&nbsp;500‑cm³‑Motor für den späteren E.R.A.


Bei Kriegsbeginn verließ Binder am [[3. September]] [[1939]] endgültig das Festland, ging zurück nach England und trat am [[10. Oktober]] [[1939]] freiwillig der englischen Luftwaffe bei.  
Nach einem weiteren Arbeitsplatzwechsel trat Binder am [[1. Jänner]] [[1939]] als Versuchsingenieur und Rennfahrer bei der englischen Motorradmarke &#34;&#34;Velocette&#34;&#34; in Birmingham ein. Dort entwickelte er den 350‑cm³‑Rennmotor weiter und war an der Neukonstruktion der Zweizylinder‑500‑cm³‑Rennmaschine beteiligt. Der Erfolg zeigte sich im Sieg Binders beim "Großen Preis von [[Finnland]]", dem zweiten Platz in der englischen ''Tourist Trophy'' auf der ''Isle of Man'' und dem dritten Platz beim "Großen Preis von Großdeutschland".


Nach Kriegsende war Binder in Salzburg aufgrund seiner Englischkenntnisse als Verbindungsoffizier zwischen den amerikanischen Besatzungstruppen und der Salzburger Regierung tätig. Dabei traf er auch den jungen [[Helmut Krackowizer]], der für Binder auf abenteuerlichen Wegen seine Renn-Velocette aus dem sowjetisch besetzten Berlin, Deutschland, nach Salzburg brachte. Binder konnte dann am [[6. Oktober]] [[1946]] mit dieser Maschine beim [[1. Motorrad-Nachkriegsrennen Salzburg Nonntal]] antreten. [[1947]], am [[6. Juli]], gewann Binder dann beim (später so genannten) [[1. Mai Rennen]] bei Salzburg - [[Liefering]] das Rennen seiner Klasse.
Mit dem [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsbeginn]] meldete sich F. J. Binder freiwillig zum Dienst bei der deutschen Luftwaffe, wo er zunächst als Maschinenbauingenieur an der Fliegerschule unterrichtete, um kurz darauf als Pilot (Aufklärer, Jagdflieger) eingesetzt zu werden. Er beendete den Krieg im Rang eines Luftwaffenmajors, holte seine [[1941]] geehelichte Frau aus der sowjetischen Besatzungszone und fand nach abenteuerlicher Flucht schließlich in Salzburg bei seiner Schwester, der Burgschauspielerin [[Beatrix von Degenschild]], und seiner Mutter seine neue Heimat.


Bald darauf zog sich Binder aus dem Motorradrennsport zurück, trat in die Dienste einer Ölgesellschaft und ging nach Persien (heute Iran). Seine Velocette-Rennmaschine verkaufte er an Helmut Krackowizer, der damit weiter Rennen fuhr. Ende [[1959]] kehrte Binder bereits totkrank, wieder nach Salzburg zurück, wo er Ende März 1960 an seinem Leiden verstarb.
Nach dem Kriegsende war Binder in Salzburg aufgrund seiner Englischkenntnisse als Verbindungsoffizier zwischen den amerikanischen Besatzungstruppen und der [[Salzburger Landesregierung]] tätig. Dabei traf er auch den jungen [[Helmut Krackowizer]], der für Binder auf abenteuerliche Weise seine ''Velocette''‑Rennmaschine aus dem sowjetisch besetzten Berlin [[Deutschland]] nach Salzburg brachte. Binder konnte am [[6. Oktober]] [[1946]] mit dieser Maschine beim [[1. Motorrad-Nachkriegsrennen Salzburg Nonntal]] antreten. [[1947]], am [[6. Juli]], gewann Binder beim (später so genannten) [[1. Mai Rennen]] in Salzburg‑[[Liefering]] das Rennen in seiner Klasse.


Sein Begräbnis fand am [[4. April]] um 11 Uhr auf dem [[Salzburger Kommunalfriedhof]] statt.
[[Datei:MotorradKultur 05.jpg|thumb|[[MotorradKult(ur) 1900–1970]], Blick in die Ausstellung; im Bild eine Werkstattnachbildung aus früherer Zeit mit einer englischen ''Velocette KTT MK8'', Baujahr 1939, mit der zunächst F. J. Binder und später Helmut Krackowizer Rennen fuhren.]]


==Quelle==
Bald darauf zog sich Binder aus dem Motorradrennsport zurück, trat in die Dienste einer Ölgesellschaft und ging nach Persien (heute Iran). Seine ''Velocette''-Rennmaschine verkaufte er an Helmut Krackowizer, der damit weiter Rennen fuhr. Ende [[1959]] kehrte Binder, bereits todkrank, wieder nach Salzburg zurück, wo er Ende März 1960 an seinem Leiden starb.
* [http://www.reisemosaik.at/Oldtimer/index.htm Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer]


[[Kategorie:Motorradrennfahrer|Binder, Franz Josef]]
Sein Begräbnis fand am [[4. April]] um 11 Uhr auf dem [[Salzburger Kommunalfriedhof]] statt. Auf dem Grabstein steht ein falsches Sterbedatum.
[[Kategorie:Zuagroaste|Binder, Franz Josef]]
 
[[Kategorie:Person (Geschichte)|Binder, Franz Josef]]
[[Datei:Grab_Binder_Franz_Josef_Grab_Kommunalfriedhof_Salzburg.jpg|thumb|Grabstätte auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.]]
 
== Rennergebnisse ==
* [[1936]]: Motorrad-Straßenrennen in Lustenau, [[Vorarlberg]]
: Sieger der Klasse bis 350 cm³ auf Velocette, 34:10 min = 85,87&nbsp;km/h sowie schnellste Runde im Rennen mit 1:36,5 min = 91,21&nbsp;km/h<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=mfr&datum=19360821&seite=27&zoom=33&query=%22F.%2BJ.%2BBinder%22&ref=anno-search ANNO], "Österreichische Auto-Rundschau", Ausgabe vom 21. August 1936, Seite 27</ref>
 
* [[1946]], [[6. Oktober]] 
: 1. Motorrad-Nachkriegsrennen Salzburg Nonntal
: Zweiter der Klasse bis 350 cm³ auf Velocette<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbt&datum=19461007&seite=7&zoom=33 ANNO], [[Salzburger Tagblatt]], Ausgabe vom 7. Oktober 1946, Seite 7</ref>
 
* [[1947]]:
: [[31. August]]: Straßenrennen Rankweil, Vorarlberg 
:: 2. in der Klasse bis 350 cm³ auf Velocette in 21:55&nbsp;min 
: [[6. Juli]]: 1. Autobahnrennen Salzburg-Liefering 
:: Sieger in der Klasse bis 350 cm³ auf Velocette in 21:55&nbsp;min<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svz&datum=19470707&query=%22F.+J.+Binder%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Volkszeitung]]", Ausgabe vom 7. Juli 1947, Seite 4</ref> 
: [[28. September]]: 13. Ries-Rennen bei Graz 
:: 7. in der Klasse bis 350 cm³ auf Velocette in 3:08,6&nbsp;min 
: [[5. Oktober]]: 1. Nationales Bergrennen Vaduz-Triesenberg, [[Liechtenstein]] 
:: Gäste, Klasse bis 350 cm³: 6. Platz mit einer Zeit von 7:37,4&nbsp;min
 
* [[1948]]:
: [[15. August]]: 4. Motorrad-Straßenrennen in Lustenau, Vorarlberg 
:: 2. im 3. Rennen, Klasse B bis 350 cm³, 34:57&nbsp;min
 
* [[1948]]:
: [[25. Juli]]: Straßenrennen "Rund um das Heustadlwasser" in Wien 
:: 5. in der Klasse bis 350 cm³ 
: August: 5. Motorrad-Straßenrennen in Lustenau, Vorarlberg 
:: Zweiter in der Klasse bis 350 cm³ (20 Runden), 34:57,4&nbsp;min hinter [[Leonhard Faßl|Leo Faßl]] (Wien, NSU, 32:21,2&nbsp;min = 88,36&nbsp;km/h)
 
== Quellen ==
* [https://www.reisemosaik.at/Oldtimer/ Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer]
* [https://www.sn.at/archivsn?img=huvv9rSQPzmNNmMBo55qLxcfmw7voBOV6AGgBrUIzI1bWfxBhbbv5RScGjnUDDM7k0c1ekjenl3nijh%2Fm%2FZXyZV3dMzxfxvDsPOvTuPm7ir3S8lHh8DL00gC7JLkEoH9&id1=19960921_65&q=%2522F.%2520J.%2520Binder%2522#slide9 www.sn.at], Archiv der "[[Salzburger Nachrichten]]", Ausgabe vom 21. September 1996 "Die Enthusiasten"
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
{{SORTIERUNG:Binder, Franz Josef}}
[[Kategorie:Person]]
[[Kategorie:Person (Familie)]]
[[Kategorie:Person (Geschichte)]]
[[Kategorie:Person (Sport)]]
[[Kategorie:Person (Motorsport)]]
[[Kategorie:Sport]]
[[Kategorie:Motorsport]]
[[Kategorie:Techniker]]
[[Kategorie:Ingenieur]]
[[Kategorie:Sport (Geschichte)]]
[[Kategorie:Motorsport (Geschichte)]]
[[Kategorie:Sport]]
[[Kategorie:Motorsport]]
[[Kategorie:Motorradrennfahrer]]
[[Kategorie:Zuagroaste]]
[[Kategorie:Steiermark]]
[[Kategorie:Geboren 1908]]
[[Kategorie:Gestorben 1960]]