Überblick (Die Weltkriege): Unterschied zwischen den Versionen
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[[ | Die erste Hälfte des [[20. Jahrhundert]]s war von '''zwei Weltkriegen''' geprägt, die auch Salzburg erfasst hatten. | ||
Im [[Ersten Weltkrieg]] leistete Salzburg einen hohen Blutzoll. Von 49.000 Soldaten, die das Land stellte, fanden 6.000 den Tod. Zu ihnen zählte auch der Dichter [[Georg Trakl]], der[[ 1914]] im Lazarett von Krakau starb. Aber bereits mitten im Krieg erfolgte [[ | ==Der Erste Weltkrieg== | ||
Im [[Ersten Weltkrieg]] leistete Salzburg einen hohen Blutzoll. Von 49.000 Soldaten, die das Land stellte, fanden 6.000 den Tod. Zu ihnen zählte auch der Dichter [[Georg Trakl]], der[[ 1914]] im Lazarett von Krakau starb. Das [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]] leistet Österreich treu seine Dienst, zuletzt in [[Südtirol]], bevor es am [[10. November]] [[1918]] nach Salzburg zurückkehrte. | |||
Aber bereits mitten im Krieg erfolgte [[1917]] in Wien die Gründung der [[Salzburger Festspielhaus-Gemeinde]]. Gegen Kriegsende kam es im September 1918 in der [[Landeshauptstadt]] zu Unruhen und Plünderungen durch eine hungrige Volksmenge. Die Proklamation der Republik "Deutschösterreich" am [[12. November]] deutete bereits an, dass der Zusammenschluss mit Deutschland als einzige Überlebenschance des kleinen "Restösterreich" betrachtet wurde. Eine am [[29. Mai]] [[1921]] in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] durchgeführte, inoffizielle Volksabstimmung über den Anschluss an Deutschland ergab 98.986 Pro-Stimmen, nur 889 Personen waren dagegen. | |||
==Zwischenkriegszeit== | |||
===Zahlreiche Großprojekte werden durchgesetzt=== | ===Zahlreiche Großprojekte werden durchgesetzt=== | ||
Der christlichsoziale Landeshauptmann [[Franz Rehrl|Dr. Franz Rehrl]], der von [[1922]] bis [[1938]] an der Spitze der [[Salzburger Landesregierung|Landesregierung]] stand, suchte in den schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Zusammenarbeit auch mit den politischen Gegnern. Dem Ziel der Arbeitsbeschaffung diente die Durchführung zahlreicher Großprojekte, darunter der Bau der [[Gaisbergstraße]], der [[Schmittenhöhebahn]], der [[Großglockner Hochalpenstraße]], des [[Fusch]]er Bärenwerkes und die Planung der [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerke]] trotz heftiger Widersprüche. Für die [[Salzburger Festspiele]], die unter der Regie von [[Max Reinhardt]] internationale Anerkennung gefunden hatten, erstellte Rehrl angesichts der finanziellen Krise [[1925]]/[[1926|26]] ein Sanierungskonzept. Der Bau des [[Kleines Festspielhaus|Kleinen Festspielhauses]] [[1937]] bedeutete einen Höhepunkt in dieser Entwicklung. | Der christlichsoziale Landeshauptmann [[Franz Rehrl|Dr. Franz Rehrl]], der von [[1922]] bis [[1938]] an der Spitze der [[Salzburger Landesregierung|Landesregierung]] stand, suchte in den schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Zusammenarbeit auch mit den politischen Gegnern. Dem Ziel der Arbeitsbeschaffung diente die Durchführung zahlreicher Großprojekte, darunter der Bau der [[Gaisbergstraße (Stadt Salzburg)|Gaisbergstraße]], der [[Schmittenhöhebahn]], der [[Großglockner Hochalpenstraße]], des [[Fusch an der Großglocknerstraße|Fusch]]er Bärenwerkes und die Planung der [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerke]] trotz heftiger Widersprüche. Für die [[Salzburger Festspiele]], die unter der Regie von [[Max Reinhardt]] internationale Anerkennung gefunden hatten, erstellte Rehrl angesichts der finanziellen Krise [[1925]]/[[1926|26]] ein Sanierungskonzept. Der Bau des [[Kleines Festspielhaus|Kleinen Festspielhauses]] [[1937]] bedeutete einen Höhepunkt in dieser Entwicklung. | ||
===Blutiger Putschversuch der Nazis=== | ===Blutiger Putschversuch der Nazis=== | ||
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===Viel Jubel beim Einmarsch Hitlers=== | ===Viel Jubel beim Einmarsch Hitlers=== | ||
Dass der Einmarsch deutscher Truppen in Salzburg am [[12. März]] [[1938]] mit besonderem Jubel begrüßt wurde, hatte mehrere Gründe. Einerseits war schon am Ende des 19. Jahrhunderts der Liberalismus von einem entschiedenen Deutschnationalismus abgelöst worden, was im Ergebnis der Volksabstimmung 1921 deutlich zum Ausdruck kam. Andererseits hatte die Arbeitsbeschaffungspolitik des NS-Regimes in dem Grenzland Salzburg, das zeitweise 32% Arbeitslose zählte, große Hoffnungen geweckt. Hitler selbst hielt sich häufig in unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem "Berghof | Dass der Einmarsch deutscher Truppen in Salzburg am [[12. März]] [[1938]] mit besonderem Jubel begrüßt wurde, hatte mehrere Gründe. Einerseits war schon am Ende des 19. Jahrhunderts der Liberalismus von einem entschiedenen Deutschnationalismus abgelöst worden, was im Ergebnis der Volksabstimmung 1921 deutlich zum Ausdruck kam. Andererseits hatte die Arbeitsbeschaffungspolitik des NS-Regimes in dem Grenzland Salzburg, das zeitweise 32% Arbeitslose zählte, große Hoffnungen geweckt. [[Adolf Hitler|Hitler]] selbst hielt sich häufig in unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem "Berghof" in [[Berchtesgaden]], auf. Die Volksabstimmung am [[10. April]] brachte in Salzburg 157.595 Prostimmen, nur 463 Personen waren gegen den "Anschluss" an Deutschland. | ||
===Jüdische Geschäfte verwüstet=== | ===Jüdische Geschäfte verwüstet=== | ||
Anfangs schienen sich die großen Hoffnungen der Salzburger Bevölkerung auch zu erfüllen. Autobahnbau, Rüstungsindustrie und Kraftwerksbau sorgten für Vollbeschäftigung. Aber bald zeigten sich auch die negativen Auswirkungen: in der [[Reichskristallnacht]] vom [[10. November|10.]] zum [[11. November]] wurden jüdische Geschäfte verwüstet und die Einrichtung der Synagoge zerstört. | Anfangs schienen sich die großen Hoffnungen der Salzburger Bevölkerung auch zu erfüllen. Autobahnbau, Rüstungsindustrie und Kraftwerksbau sorgten für Vollbeschäftigung. Aber bald zeigten sich auch die negativen Auswirkungen: in der [[Reichskristallnacht]] vom [[10. November|10.]] zum [[11. November]] wurden jüdische Geschäfte verwüstet und die Einrichtung der Synagoge zerstört. | ||
Kriegsgefangene, die zum Bau von Straßen und Brücken eingesetzt wurden, starben zu Tausenden. Besonders hart traf es die Russen im Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau", wie [[St. Johann]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg ein KZ, in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden [[1938]] - [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. | Kriegsgefangene, die zum Bau von Straßen und Brücken eingesetzt wurden, starben zu Tausenden. Besonders hart traf es die Russen im [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]], wie [[St. Johann]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg ein KZ, in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden [[1938]] - [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. | ||
==Der Zweite Weltkrieg== | |||
===US-Bomben zerstörten Dom=== | ===US-Bomben zerstörten Dom=== | ||
Die 15 [[Bombenangriffe]]n der Amerikaner, die am 16. | [[Bild:Domkuppel.jpg|thumb|Die am 16. Oktober 1944 zerstörte Domkuppel]] | ||
Die 15 [[Bomben auf Salzburg|Bombenangriffe]]n der Amerikaner, die am [[16. Oktober]] [[1944]] einsetzten, waren gegen die Bahnanlagen gerichtet. Mit deren Zerstörung sollte der Nachschub in die von an Alliierten befürchtete Alpenfestung hinter dem [[Pass Lueg]] verhindert werden. Wegen der großen Höhe der Luftangriffe erreichten viele Bomben aber nicht ihr Ziel, sondern fielen auch auf die Altstadt und andere Stadtteile. Zerstört wurden in der [[Stadt Salzburg]] der [[Salzburger Dom|Dom]], [[Mozart Wohnhaus]], das [[Salzburger Museum Carolino-Augusteum]] und viele andere Gebäude, insgesamt mehr als ein Drittel der Wohnobjekte. Mindestens 547 Todesopfer und unzählige Verletzte waren zu beklagen. Zu Kriegsende wurden weitere Zerstörungen verhindert, weil der gemäßigte Gauleiter, Dr. [[Gustav Adolf Scheel]], und der Kampfkommandant, Oberst [[Hans Lepperdinger]], am [[4. Mai]] [[1945]] die kampflose Übergabe der Stadt an die amerikanische Truppen durchsetzten. | |||
===Wiederaufbau=== | |||
Nach dem Kriegsende erhielt Salzburg, das in der amerikanischen Besatzungszone und damit im "goldenen Westen" lag, bald wieder politische und wirtschaftliche Bedeutung. Hier fanden die "Länderkonferenzen" des Jahres [[1945]] statt, auf denen die westlichen Bundesländer von Salzburg aus ihren Beitritt zur Regierung Renner und damit zur Zweiten Republik vollzogen. Die [[Salzburger Festspiele]], die auch von den Nationalsozialisten sehr geschätzt worden waren, brachten bald wieder internationales Publikum in die Landeshauptstadt. | Nach dem Kriegsende erhielt Salzburg, das in der amerikanischen Besatzungszone und damit im "goldenen Westen" lag, bald wieder politische und wirtschaftliche Bedeutung. Hier fanden die "Länderkonferenzen" des Jahres [[1945]] statt, auf denen die westlichen Bundesländer von Salzburg aus ihren Beitritt zur Regierung Renner und damit zur Zweiten Republik vollzogen. Die [[Salzburger Festspiele]], die auch von den Nationalsozialisten sehr geschätzt worden waren, brachten bald wieder internationales Publikum in die Landeshauptstadt. | ||
[[Kategorie: Die Weltkriege (Geschichte)]] | Salzburg hatte die Unterbringung und Versorgung von zehntausenden Flüchtlingen zu bewältigen, die großteils in Barackenlagern leben mussten. Die letzten dieser Notunterkünfte wurden erst in den [[1960er]] Jahren beseitigt. | ||
==Quelle== | |||
* Erich Marx (Hg.), Bomben auf Salzburg. Die "Gauhauptstadt" im "Totalen Krieg", Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg Nr. 6, Salzburg 1995. | |||
[[Kategorie:Die Weltkriege (Geschichte)]] | |||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
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