Schnapsbrennen im Pinzgau: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Brennzeug.jpg|thumb|Brennzeug in einem [[Bauernhof]] im [[Unterpinzgau]]]]
Berechtigte Bauern brennen nur einmal im Jahr '''Schnaps''', nämlich in der Vorweihnachtszeit.  
Berechtigte Bauern brennen nur einmal im Jahr '''Schnaps''', nämlich in der Vorweihnachtszeit.  


== Was ist Schnaps? ==
== Was ist Schnaps? ==
Schnaps zählt zu den   hochprozentigen Alkoholi­ka, der durch Destillation gewonnen wird.   Bereits um 700 n. Chr. wurde dieses Verfahren   von arabischen Alchemisten entdeckt. Sie destillierten [[Wein]] zu "''aqua   ardens''", zu ''brennendem Wasser''. Da Alkohol im Ruf stand, gegen [[Pest]] zu   helfen, be­gann man zur Zeit der großen   Pestepidemie um 1350 in Euro­pa vielerorts mit der Herstel­lung von Schnaps.
Schnaps zählt zu den hochprozentigen Alkoholi­ka, der durch Destillation gewonnen wird. Bereits um 700 n. Chr. wurde dieses Verfahren von arabischen Alchemisten entdeckt. Sie destillierten [[Wein]] zu "aqua ardens", zu ''brennendem Wasser''. Da Alkohol im Ruf stand, gegen [[Pest]] zu helfen, be­gann man zur Zeit der großen Pestepidemie um 1350 in Euro­pa vielerorts mit der Herstel­lung von Schnaps.


== Wie wird nun Schnaps herge­stellt? ==
== Wie wird nun Schnaps herge­stellt? ==
Zur Erntezeit werden Äpfel, Birnen, Zwetschken, [[Vogelbeerbaum|Vo­gelbeeren]], [[Holunder]], seltener [[Himbeere]]n, Schwarzbeeren, vereinzelt [[Berberitze]]n und ge­mischt mit Obst auch [[Enzian­]] und Meisterwurzeln oder auch [[Wacholder]] in einem Behälter unter Luftabschluss zur Gä­rung gebracht - Zucker wird in Ethylalkohol umgewandelt. Sobald die Gärung abgeschlos­sen ist, erfolgt die Destillation. Da Alkohol einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser hat, ver­dampft bereits bei 78 Grad ein Ethanol-Wasser-Gemisch. So kann Alkohol durch Erhitzen destilliert werden.  
Zur Erntezeit werden Äpfel, Birnen, Zwetschken, [[Vogelbeerbaum|Vo­gelbeeren]], [[Schwarzer Holunder|Holunder]], seltener [[Himbeere]]n, Schwarzbeeren, vereinzelt [[Berberitze]]n und ge­mischt mit Obst auch [[Enzian­]] und Meisterwurzeln oder auch [[Wacholder]] in einem Behälter unter Luftabschluss zur Gä­rung gebracht - Zucker wird in Ethylalkohol umgewandelt. Sobald die Gärung abgeschlos­sen ist, erfolgt die Destillation. Da Alkohol einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser hat, ver­dampft bereits bei 78 Grad ein Ethanol-Wasser-Gemisch. So kann Alkohol durch Erhitzen destilliert werden.  


Die alther­gebrachte Brennweise verläuft so: Die Anlage besteht aus ei­ner Feuerung, die die in einen Kupferkessel gefüllte Maische erhitzt, sodass Alkohol in Form von Dampf durch ein Rohr ent­weicht. Dieses wird durch ei­nen Bottich mit kaltem Wasser geleitet, sodass sich der Dampf durch die Abkühlung verflüs­sigt. Der giftige Alkohol Metha­nol sowie Ethylacetat verdampfen bei niedrigerer Temperatur   und bilden den ungenießbaren "Vorlauf'. Dieser wird vieler­orts in der Tiermedizin ver­wendet. Im zweiten   Brennvor­gang ("Läutern"), erhält man das Endprodukt, den Schnaps.
Die alther­gebrachte Brennweise verläuft so: Die Anlage besteht aus ei­ner Feuerung, die die in einen Kupferkessel gefüllte Maische erhitzt, sodass Alkohol in Form von Dampf durch ein Rohr ent­weicht. Dieses wird durch ei­nen Bottich mit kaltem Wasser geleitet, sodass sich der Dampf durch die Abkühlung verflüs­sigt. Der giftige Alkohol Metha­nol sowie Ethylacetat verdampfen bei niedrigerer Temperatur und bilden den ungenießbaren "Vorlauf'. Dieser wird vieler­orts in der Tiermedizin ver­wendet. Im zweiten Brennvor­gang ("Läutern"), erhält man das Endprodukt, den Schnaps.


== Schnaps, Salzburg und die Weihnachtszeit ==
== Schnaps, Salzburg und die Weihnachtszeit ==
In geringen Mengen getrunken   zählt Schnaps zu den Genuss­mitteln.   In größeren Mengen genossen führt er zu Enthem­mung und Abhängigkeit. [[1587]] beschwerte sich der   [[Saalfelden|Saalfeldner]] Landrichter Sebastian Seidl über das Lärmen im Markt. Zu   nächtlicher Weile herrsche Un­zucht mit Gotteslästerung so­wie ein Singen und   Geschrei. Ursache dieses Missstandes seien 28 Branntweinwirte in seinem   Gerichtsbezirk.  
In geringen Mengen getrunken zählt Schnaps zu den Genuss­mitteln. In größeren Mengen genossen führt er zu Enthem­mung und Abhängigkeit. [[1587]] beschwerte sich der [[Saalfelden|Saalfeldner]] Landrichter Sebastian Seidl über das Lärmen im Markt. Zu nächtlicher Weile herrsche Un­zucht mit Gotteslästerung so­wie ein Singen und Geschrei. Ursache dieses Missstandes seien 28 Branntweinwirte in seinem Gerichtsbezirk.  
 
Offenbar   hatten [[Erzbischof|erzbischöfli­che]] Mandate keinen Erfolg ge­zeitigt.   Von der Obrigkeit in Salzburg kam der strenge Be­fehl, an Sonn- und   Feiertagen "''keinerlei Prandtwein''" auszu­schenken. An Werktagen   hinge­gen dürften vier Personen Branntwein ausschenken. Je­doch nur eine   Menge im Wert von drei [[Pfenning]]en, damit sich "''kainer des Prandtweins   mit solchem Überfluß und Unmes­sigkhait wie bisher beschechen   gebrauche''".  
Offenbar hatten [[Erzbischof|erzbischöfli­che]] Mandate keinen Erfolg ge­zeitigt. Von der Obrigkeit in Salzburg kam der strenge Be­fehl, an Sonn- und Feiertagen "keinerlei Prandtwein" auszu­schenken. An Werktagen hinge­gen dürften vier Personen Branntwein ausschenken. Je­doch nur eine Menge im Wert von drei [[Pfennig]]en, damit sich "kainer des Prandtweins mit solchem Überfluß und Unmes­sigkhait wie bisher beschechen gebrauche".  
     
Im [[18. Jahrhundert]] wurden Brenn­rechtskataster geführt. Von den   142 [[Oberpinzgau]]er Konzessio­nen lauteten nur 14 auf Enzian- oder   Meisterwurz­schnaps. [[1749]] wird berichtet, dass Lorenz Prandstätter und Georg   Seidl am [[Steinernes Meer|Steinernen Meer]], am [[Funtensee]] berechtigt waren, Enzianwurzeln zu gra­ben.   Da ihnen deren Transport ins Tal zu beschwerlich war, ga­ben sie die   Konzession zurück. Statt ihnen erhielt Mathias Dengg zu Egg im [[Pfleggericht Mittersill]] die Erlaubnis, Enzi­anwurzeln am Steinernen Meer durch seine [[Dienstbote]]n gra­ben und zum Brennen nach Hause bringen zu lassen.
Im [[18. Jahrhundert]] wurden Brenn­rechtskataster geführt. Von den 142 [[Oberpinzgau]]er Konzessio­nen lauteten nur 14 auf Enzian- oder Meisterwurz­schnaps. [[1749]] wird berichtet, dass Lorenz Prandstätter und Georg Seidl am [[Steinernen Meer]], am [[Funtensee]] berechtigt waren, Enzianwurzeln zu gra­ben. Da ihnen deren Transport ins Tal zu beschwerlich war, ga­ben sie die Konzession zurück. Statt ihnen erhielt Mathias Dengg zu Egg im [[Pfleggericht Mittersill]] die Erlaubnis, Enzi­anwurzeln am [[Steinernen Meer]] durch seine [[Dienstbote]]n gra­ben und zum Brennen nach Hause bringen zu lassen.
     
Für einfache   Menschen war der Schnaps eine wichtige Ein­nahmequelle. Christoph Pfeffer zu Saalfelden-[[Bsuch]] suchte [[1654]] an,   Schnaps brennen und ausschenken zu dürfen. Der Saalfeldner [[Pfleger]] Ferdinand   Gottlieb von [[Rehlingen]] lehnte das ab, da sich in dem abgelege­nen Gebiet   "unnützes Gesin­del" herumtreibe und auch Pfeffer vor seiner   Vereheli­chung ein leichtfertiges Leben geführt habe. Da er jung und stark   sei, könnte er sich mit der täglichen Handarbeit ernähren.  
Für einfache Menschen war der Schnaps eine wichtige Ein­nahmequelle. Christoph Pfeffer in Saalfelden-[[Bsuch (Saalfelden am Steinernen Meer)|Bsuch]] suchte [[1654]] an, Schnaps brennen und ausschenken zu dürfen. Der Saalfeldner [[Pfleger]] Ferdinand Gottlieb von [[Rehlingen]] lehnte das ab, da sich in dem abgelege­nen Gebiet "unnützes Gesin­del" herumtreibe und auch Pfeffer vor seiner Vereheli­chung ein leichtfertiges Leben geführt habe. Da er jung und stark sei, könnte er sich mit der täglichen Handarbeit ernähren.  
 
[[1757]] suchten die   [[Leogang]]er "''unterthänigst und flehentlich''" um eine Brenn-Konzession   für Andrä Langegger vom Scha­cherhäusl   in Rosental und Bartlmä Kreidlsberger an. Ihre Begründung: Branntwein und Öle   würden bei menschlichen Gebrechen und bei Viehkrank­heiten verordnet und dass   "''be­drängte Leut sich leichter er­nähren können''". [[1777]] wird von   einem "versoffenen" Bauern berichtet, der sich "''bald zu Todt   gefallen''" hat, als er aus dem Branntwein-Wirtshäusl Unternasen sternvoll   heimge­hen wollte.  
[[1757]] suchten die [[Leogang]]er "unterthänigst und flehentlich" um eine Brenn-Konzession für Andrä Langegger vom Scha­cherhäusl in Rosental und Bartlmä Kreidlsberger an. Ihre Begründung: Branntwein und Öle würden bei menschlichen Gebrechen und bei Viehkrank­heiten verordnet und dass "be­drängte Leut sich leichter er­nähren können". [[1777]] wird von einem "versoffenen" Bauern berichtet, der sich "bald zu Todt gefallen" hat, als er aus dem Branntwein-Wirtshäusl Unternasen sternvoll heimge­hen wollte.  
 
[[1788]] wurden auch in anderen Orten Missstände aufgezeigt. Das [[Hofgericht]]   wurde gebeten, die Branntwein- Brennrechte einzuschränken. In den   .Branntweinhäusln" geschehe Unfug, der zur "Erzeugung so vieler   unehelicher Kinder" füh­re. Die   Pfleggerichte waren je­doch gegen eine Verminderung, da die jungen Leute   Schnaps in den Wirtshäusern oder aus [[Ti­rol]] bekämen, wodurch wieder Geld   ins Ausland ginge. Außer­dem sei Schnaps für die starke Arbeit im Gebirge   notewendig.  
[[1788]] wurden auch in anderen Orten Missstände aufgezeigt. Das [[Hofgericht]] wurde gebeten, die Branntwein-Brennrechte einzuschränken. In den .Branntweinhäusln" geschehe Unfug, der zur "Erzeugung so vieler unehelicher Kinder" füh­re. Die Pfleggerichte waren je­doch gegen eine Verminderung, da die jungen Leute Schnaps in den Wirtshäusern oder aus [[Ti­rol]] bekämen, wodurch wieder Geld ins Ausland ginge. Außer­dem sei Schnaps für die starke Arbeit im Gebirge notwendig.  
 
Ein Pfleger   berichtete, dass sich Bauerntöchter und Dirnen mit Branntwein versehen,   um damit ihre Gasselgeher   und Ver­ehrer bis zum Rausch zu bedie­nen. Trotzdem sah sich der [[Hofrat]] nicht   genötigt, die Brenn-Gerechtigkeiten zu re­duzieren ([[Kaprun]] 85, Saalfel­den   25, [[Taxenbach]] 213?, [[Mitter­sill]] 142, [[Rauris]] 35).  
Ein Pfleger berichtete, dass sich Bauerntöchter und Dirnen mit Branntwein versehen, um damit ihre Gasselgeher und Ver­ehrer bis zum Rausch zu bedie­nen. Trotzdem sah sich der [[Hofrat]] nicht genötigt, die Brenn-Gerechtigkeiten zu re­duzieren ([[Kaprun]] 85, Saalfel­den 25, [[Taxenbach]] 213?, [[Mittersill]] 142, [[Rauris]] 35).  


== Quelle ==
== Quelle ==
* [[Salzburger Woche]], Weihnachtsausgabe Dezember 2012, ein Artikel von Alois Eder,
* "[[Salzburger Woche]]", Weihnachtsausgabe Dezember 2012, ein Artikel von [[Alois Eder (Lehrer und Chronist)|Alois Eder]]


[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Kulinarisches]]
[[Kategorie:Getränke]]
[[Kategorie:Getränke]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Kulturgeschichte]]
[[Kategorie:Kulturgeschichte]]
[[Kategorie:Pinzgau]]
[[Kategorie:Pinzgau]]