Kobler-Spängler-Briefe von 1890 bis 1894: Unterschied zwischen den Versionen
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==== | ==== Brief vom 9. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, eingeschrieben "R Krems No 328", drei Marken abgelöst, dadurch Poststempel unleserlich, rückseitig "Salzburg-Stadt 10/4 11 F"; ''Wohlgeboren // Herrn Dr'' [unterstrichen:] ''Franz Spängler // k. k. Landesgerichtsrat // derzeit in //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Mozartplatz N. 4 1. St. // bei Frau von'' [unterstrichen:] ''Angermayer<ref>Maria, geborene Spängler (* 1832; † 1896)</ref> //'' [unterstrichen:] ''Recomandiert!''; rückseitig Bleistiftnotizen ''Breite 180 cm // Tiefe 64 cm ohne Gesims // Vom Thürrand bis Gesimsrand 32 cm''. Zwei Bögen, fünf Blätter; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Krems, 9. April 1890. // Liebster Mann! // Zum erstenmale, seit ich mit dir vereint bin, feierst du dein Geburtsfest fern von mir; laß dir also, da ich dir nicht wie sonst in aller Morgenfrühe gratuliren kann, schriftlich alles Schöne und Gute wünschen. Schenke dir der liebe Gott, dessen Güte wir soviel verdanken, vor Allem das kostbare Gut der Gesundheit und erhalte dich noch recht lange so jung an Geist und Körper, wie du es trotz des 51. Jahres noch bist. Und, du Liebster, behalte mich lieb, wie bisher und laß dir danken für deine Treue und Liebe die ich in den 18 Jahren unserer Ehe empfangen habe. Hab auch noch weiters Geduld mit mir, ich will mein / Bestes thun, deine Geduld nicht zu sehr zu beanspruchen. // Soll ich dir sagen, wie sehr ich mich freue, auf deine Heimkehr, und wie langweilig und öde mir die Tage erscheinen, wo ich dich nicht habe? Feire recht froh deinen Geburtstag, und wenn du – beim Traualtare stehst, so denke daran, wie wir vor 18 Jahren mitsammen an dieser Stelle gestanden haben. Und nun sei tausendmal geküßt.'' | |||
''Den gestrigen Abend verlebten wir ungewöhnlich, ich war sehr müde und ging sammt den Kindern gegen 9 Uhr schlafen. Heute um 5 ¾. Uhr war Franzl schon auf, bald darauf auch die Ande[r]n, mit Ausnahme der Franzi, die gegen 6 ½ aus den Federn kroch. // Um 7 ½ trollte sich die Gesellschaft in die Schule, ebe[n]falls mit Ausnahme der Franzi, die etwa 5 Minuten / später wegging. // Heute ist es bei uns kirchenstill, Otto speist mit größtem Behagen einen Apfel, er hat sehr gut geschlafen und hustet fast gar nicht mehr. // Ich danke Gott daß das Kind wieder gesund ist. Ich habe große Angst gehabt, besonders, als in der Nacht auf den 6. April, das Fieber wiederkam. Heute ist es so kalt, daß ich im Speisezimmmer einheitzen ließ und ich bin sehr froh, daß du den Plaid für die Nacht mithattest. Gieb nur Acht, daß dein Husten nicht stärker wird. // Alle Bekannten und Verwandten sage beste Grüße und sei 1000 mal geküßt von deiner Alten. /'' | |||
[[Datei:Franzi (13 Jahre alt) und Franz (7 Jahre alt) Spängler, 1890.JPG|thumb|Kinderbriefe Franzi (13 Jahre alt) und Franz (7 Jahre alt) Spängler, 1890.]] | |||
[in flüchtiger Schrift:] ''Mir ist aber eine Idee gekommen; du weißt, daß mir immer die Kästen zu wenig werden; nun könnte in unserm Schlafzimmer ganz gut der Brautkasten Platz finden. Es müßte mein Kleiderkasten in das kleine Zimmer kom[m]en, wo die Nähmaschine steht, an der Stelle meines Kastens käme der Waschtisch, an dessen Platz das "Haus" käme, es hätte ganz gut Platz.'' [darüber:] ''habe gemeßen! Wo heute das "Haus" steht, wäre genug Raum für den sog. Brautkasten. Wenn dir dieser Vorschlag gefällt, könntest du gleich die Rosa bitten, daß sie die Sendung besorgt. Das im Brautkasten'' [der offenbar noch in Salzburg ist; Anm.]<ref>Dazu gehören die Bleistiftnotizen auf dem Briefumschlag; vgl. folgende Karte vom 10. April 1890.</ref> ''befindliche Bettzeug könnte in die andern Kästen vertheilt werden, die Leinwand in den Schubladkasten in unserm Zimmer in Salzburg kommen. Überlege die Sache, etwas mehr Raum für die Kleider wäre sehr erwünscht. Leb wo[h]l. Fanni.'' | |||
Die fünf Kinder sind: Franzi (* 1877), Antonia/Toni (* 1879), Rosa (* 1880), Johanna/Hansi (* 1882), Franz (* 1883) und Otto (* 1886). Die folgenden Briefschreiber sind also ca. 13, 11, 10, 8, 7 und 4 Jahre alt. Abgesehen vom (offenbar diktierten) Inhalt erscheint die Abfolge der Schulschrift in den verschiedenen Altersstufen bemerkenswert. Man kann diese "Deutsche Schrift" mit der älteren Schulschrift vergleichen, wie ich, [[Otto Holzapfel]], sie im Anschluss an den Brief vom 14. April 1861 dargestellt habe. Sie ist weiterhin nicht die "Sütterlin"-Schrift, wie sie erst ab 1911 normiert wurde. Dazu einige Charakteristika: "d" groß und klein wird offenbar nicht unterschieden; "f" groß und klein wird von den älteren Kindern identisch geschrieben, Franz, 7 Jahre alt, unterscheidet dagegen deutlich zwischen "f" und "F" ("Franz"); auslautend wird "scharfes s" = ß geschrieben ("fleiß"), inlautend kurzes ss ("Schlusse") und langes ß ("Grüße") unterschieden [Franzi]; "daß" wird dagegen mit "s" und Schluss-s geschrieben [Toni, Franzi], aber inlautend am Silbenschluss wird ebenfalls Schluss-s geschrieben: "Geburtstag" [Toni], "Geburtsfeste" [Franzi]; Franzi schreibt "fleißig", aber vermutlich "Freude" (größerer Anfangsbogen). Während Toni und Franzi "Tochter" offenbar mit einem großen T schreiben, ist bei Rosa kein großes t zu erkennen = "tochter" (ebenso bei Johanna). Eine solche allzu kurze Skizze kann allerdings keine individuellen Schreibgewohnheiten beurteilen. | |||
''Lieber guter Vater! // Morgen feierst du deinen Geburtstag. Noch immer konnte ich dir mündlich gratulieren, diesmal muß es schriftlich geschehen. // Nimm also meine herzlichsten Glückwünsche entgegen. // Gott schenke dir vor allem Gesundheit, er erhalte dich noch lange als unsern guten Vater, als unsern Führer durch das Leben. // Mein Streben wird sein, dir durch Gehorsam u. Fleiß Freude zu bereiten. // Ich freue mich schon sehr auf deine Heimkehr. / Bei uns ist es kalt und regnerisch. Ist’s bei euch schöner? // Zum Schlusse bitte ich dich, entrichte herzliche Grüße an Onkeln und Tanten u. an alle andern Verwandten // Dich bittend, mich lieb zu behalten küsse ich dich im Geiste als deine // dankbare Tochter Franzi. // Krems, am 9. April 1890.'' | |||
''Lieber Vater! // Zu deinem werthen Geburtsfeste wünsche ich dir alles Gute. Gott möge dich gesund erhalten. Ich will brav, fleißig und gehorsam sein, und dir und der Mutter Freude machen. Ich freue mich schon sehr, wenn du wieder kXXtest'' [kehrst] ''Ich hoffe, daß es in Salzburg schöner ist als hier, denn bei uns ist es sehr kalt, und es hat auch geregnet. Ich lasse die Großmutter und alle Tanten und den Onkel Otto schön grüßen. / Behalte lieb // deine // dankbare Tochter // Toni. // Krems, am 9. April 1890.'' | |||
''Lieber Vater! // Da morgen dein Geburtstag ist, wünsche ich dir alles Gute. Ich will brav und gehorsam sein; ich freue mich sehr wenn du wieder zurückkehrst. Behalte lieb // Deine dankbare Tochter Rosa. // Krems, am 9 April 1890.'' | |||
''Lieber Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. Bleibe gesund und behalte lieb. // deine // dankbare Tochter Johanna. // Krems am 9. April 1890.'' | |||
[auf Hilfslinien:] ''Lieber Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. // Ich will gehorsam, fleißig und brav sein. Behalte lieb deinen dankbaren Sohn Franz Spängler. Krems, am 9./4. 1890.'' | |||
[die Handschrift der Mutter, von ihr geführt:] ''Lieber guter Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. Behalte lieb deinen // dankbaren Sohn // Otto Spängler.'' | |||
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==== Correspondenz-Karte vom 10. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler ==== | |||
[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems 10. 4., Salzburg 11. 4. An [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] ''derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4. // I Stock. // bei Frau von Angermayer''. […] = Auslassungen:<br /> | |||
''Krems 10/4. 1890. // Lieber Mann! // Mit Freude empfing ich d. K. Schade, daß du so schlechtes Wetter hast! Ich muß heutig Klavierstunde heitzen. Uns geht es gut.'' […] ''Bitte, messe doch den Brautkasten genau ab. Ich wäre sehr froh, wenn wir denselben bekämen.'' […] ''Otto trägt mir auf, dir zu sagen, daß er brav ist. Die Kinder grüßen dich.'' […] ''Behüt dich Gott, freu mich schon auf dein Kommen. F Spä'' [?] | |||
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==== Correspondenz-Karte vom 11. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler ==== | |||
[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems verwischt, Salzburg verwischt. An [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] ''derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4 I. Stock // bei Frau von Angermayer''. […] = Auslassungen:<br /> | |||
''Krems 11/4. 1890. // Lieber Mann! // Deine beiden Karten erhielt ich früh Morgens, besten Dank.'' […] ''Wann wird der Erzbischof begraben<ref>[[Franz de Paula Albert Eder]], zu dem Franz Spängler ein besonders enges, freundschaftliches Verhältnis hatte.</ref>, wirst du dem Leichenbegängnisse beiwohnen? Gott gebe ihm die ewige Ruhe.'' […] ''Die Kinder sind annehmbar brav, Franzl fürchtet nichts mehr, als wenn ich drohe, daß ich über ihn klage. Lebe wohl [!] und behalte lieb deine Alte.'' | |||
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==== Correspondenz-Karte vom 12. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler ==== | |||
[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems 12. 4., Salzburg 13. 4., Krems 15. 4. An [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] ''derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4 I. St'' Gestrichen und: ''Krems'' [zurückgeschickt]. […] = Auslassungen:<br /> | |||
''Krems 12 April 1890. // Lieber Mann! // Deine'' […] ''Sonst Alles in Ordnung.'' […] ''Morgen werde ich mit den Kindern baden gehen. Auf Montag freue ich mich schon'' [unterstrichen:] ''sehr. Bin neugierig, ob wir den Kasten herunter bekommen. Es wäre wo[h]l sehr gut. Grüße alle Verwandten u. Bekannten herzlichst von mir'' […] ''Behüt‘ dich Gott, deine Alte.'' | |||
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