Zeller See: Unterschied zwischen den Versionen

korrigiert
ergänzt
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Zeller_See.jpg|thumb|Blick über den Zeller See nach [[Zell am See]].]]
[[Datei:Zeller See Juni 2020.jpg|thumb|Der Zeller See aus 2 900 Meter Höhe.]]
[[Datei:Zeller See Juni 2020.jpg|thumb|Der Zeller See aus 2 900 Meter Höhe.]]
[[Datei:Zeller See-Panoramabild von Westen mit Grand Hotel.jpg|thumb|Zeller See-Panoramabild von Westen mit [[Grand Hotel Zell am See|Grand Hotel]].]]
 
[[Datei:Panoramabild vom Zeller See.JPG|thumb|Panoramabild des Zeller Sees in Richtung Ostufer.]]
Der '''Zeller See''' ist ein See und [[Landschaftsschutzgebiet]] in der [[Pinzgau]]er Bezirkshauptstadt [[Zell am See]].
Der '''Zeller See''' ist ein See und [[Landschaftsschutzgebiet]] in der [[Pinzgau]]er Bezirkshauptstadt [[Zell am See]].


==Geografie ==
==Geografie ==
Der in nord–südliche Richtung längsgestreckte Zeller See wird auf seinen Längsseiten von hohen Bergen – der [[Schmittenhöhe]] im Westen und dem [[Hundstein (Maria Alm)|Hundstein]] im Osten – eingerahmt. Die Berge gehören zu den [[Salzburger Schieferalpen]]. An seinen Breitseiten entwässert er im Süden über die [[Kanäle im Naturschutzgebiet Zeller See]] in die [[Salzach]] und wird im Norden von einer Wasserscheide begrenzt, die verhindert, dass die [[Saalach]] aus dem [[Glemmtal]] in den Zeller See entwässert. Stattdessen fließt sie nach Norden über den [[Unterpinzgau]] und das [[Kleines Deutsches Eck|Deutsche Eck]] in Richtung [[Stadt Salzburg]].
Der Zeller See erstreckt sich in nordsüdliche Richtung. Das [[Zeller Becken]], in dem sich der See befindet, unterbricht die [[Salzburger Schieferalpen]], die sich von Osten nach Westen ausbreiten. An seinen Längsseiten erheben sich im Westen mit der [[Schmittenhöhe]] die östlichen Ausläufer der [[Kitzbüheler Alpen]] (1 965 [[m ü. A.]]und im Osten die [[Hundsteingruppe]] mit dem [[Hundstein (Maria Alm)|Hundstein]] (2 117 m ü. A.) als höchsten Gipfel im Osten.


[[Datei:Zell am See.jpg|thumb|Der Zeller See.]]
[[Datei:Zell am See.jpg|thumb|Der Zeller See.]]  


Seine Zuflüsse sind im Nordwesten der Seehäuslbach sowie mehrere Wildbäche im Bereich der [[Einödsiedlung Zell am See|Einödsiedlung]], im Westen der Bittner-, Ebenberg- und [[Schmittenbach]], im Südwesten zahlreiche kleinere Wildbäche und im Osten der [[Thumersbach (Wildbach)|Thumersbach]].
Im Süden entwässert er über die [[Kanäle im Naturschutzgebiet Zeller See]] in die [[Salzach]] und wird im Norden von einer Wasserscheide begrenzt, die verhindert, dass die [[Saalach]] aus dem [[Glemmtal]] in den Zeller See entwässert. Stattdessen fließt sie nach Norden durch den [[Unterpinzgau]] und das [[Kleines Deutsches Eck|Deutsche Eck]] in [[Bayern]] in Richtung [[Stadt Salzburg]]. Seine Zuflüsse sind im Nordwesten der [[Seehäuslbach]] sowie mehrere Wildbäche im Bereich der [[Einödsiedlung Zell am See|Einödsiedlung]], im Westen der Bittner-, Ebenberg- und [[Schmittenbach]], im Südwesten zahlreiche kleinere Wildbäche und im Osten der [[Thumersbach (Wildbach)|Thumersbach]].


Am Ende der letzten Eiszeit reichte der Zeller See noch bis [[Saalfelden am Steinernen Meer]] und im Süden weit ins [[Salzachtal]] hinein. Sein Seespiegel war zu dieser Zeit wohl noch um 50 Meter höher. Erst vor rund 10 000 Jahren erreichte er seine derzeitige Höhe.
Am Ende der letzten Eiszeit reichte der Zeller See nach Norden noch bis ins [[Saalfeldener Becken]] und im Süden weit ins [[Salzachtal]] hinein. Sein Seespiegel war zu dieser Zeit wohl noch um 50 Meter höher. Erst vor rund 10 000 Jahren erreichte er seine heute Höhe.


[[Datei:Ufer_Zell_am_See.JPG|thumb|Das Ufer des Zeller Sees im Herbst.]]
[[Datei:Ufer_Zell_am_See.JPG|thumb|Das Ufer des Zeller Sees im Herbst.]]


Der See bedeckt eine Fläche von 4,55 km² und hat ein Volumen von 178 000 000 m³ bei einer maximalen Tiefe von 70 Metern. Sein Spiegel liegt auf der mittleren Höhe von 750 [[m ü. A.]]. Er unterliegt nur kleinen Schwankungen, da der Abfluss in die [[Salzach]] aufgrund des geringen Gefälles bei [[Hochwasser]] der Salzach als Zufluss fungiert. Der Wasserstandsunterschied zwischen Sommer und Winter beträgt um einen Meter. Ein völliges Zufrieren im Winter verhindern die etwa 100 Grundquellen, über denen sogenannte ''Brunnenlöcher'' (siehe weiter unten) durch das ständige Aufsteigen von Luftblasen die Eisdecke offen halten. Die mittlere Wassertemperatur im Sommer beträgt 18°C.
Der See bedeckt eine Fläche von 4,55 km² und hat ein Volumen von 180,6 Mio <ref>Angabe Land Salzburg unter Hinweis auf Mittelwasser → [https://www.salzburg.gv.at/themen/wasser/see/zellersee3d salzburg.gv.at]</ref> bei einer maximalen Tiefe von 69,8 Metern. Sein Spiegel liegt auf der mittleren Höhe von 749,7 [[m ü. A.]].<ref>Morphometrische Daten nach Bundesamt für Wasserwirtschaft in "Atlas der natürlichen Seen Österreichs", Stand 2005</ref> Er unterliegt nur geringen Schwankungen, da der Abfluss in die Salzach wegen des geringen Gefälles bei [[Hochwasser]] der Salzach zeitweise sogar als Zufluss wirkt. Der Wasserstandsunterschied zwischen Sommer und Winter beträgt etwa einen Meter. Ein vollständiges Zufrieren im Winter verhindern rund 100 Grundquellen, über denen sogenannte Brunnenlöcher (siehe weiter unten) durch das ständige Aufsteigen von Luftblasen die Eisdecke offen halten. Die mittlere Wassertemperatur im Sommer beträgt 18&nbsp;°C.


[[Eberhard Fugger]] hat die "Lebensdauer" dieses Sees mit 23&nbsp;000 Jahren unter Zugrundelegung der damals bekannten Schotterzufuhr berechnet.
[[Eberhard Fugger]] hat die "Lebensdauer" dieses Sees mit 23&nbsp;000 Jahren unter Zugrundelegung der damals bekannten Schotterzufuhr berechnet.
Zeile 26: Zeile 24:
* der Ortsteil [[Prielau (Zell am See)|Prielau]] am Nordufer des Zeller Sees
* der Ortsteil [[Prielau (Zell am See)|Prielau]] am Nordufer des Zeller Sees


===Verkehr===  
[[Datei:Zeller_See.jpg|thumb|Blick über den Zeller See nach [[Zell am See]].]]
 
===Schifffahrt ===  
Der bäuerliche Personen- und Gütertransport über den Zeller See erfolgte bis etwa Mitte des [[20. Jahrhundert]]s mittels Flachbooten. Die [[Flachboote des Zellersees]] hatten eine sehr eigenwillige Bauart und auch die Stehruder und die Art des Ruderns waren bemerkenswert. Jeder Bauer verfügte über ein derartiges Boot, das in einer Bootshütte - in der Bauweise ähnlich der eines Heustadels - am Seeufer untergebracht war. Heute existieren nur mehr eine Handvoll Flachboote in Privatbesitz und das Stehrudern wird nur mehr von einigen wenigen Personen beherrscht.
Der bäuerliche Personen- und Gütertransport über den Zeller See erfolgte bis etwa Mitte des [[20. Jahrhundert]]s mittels Flachbooten. Die [[Flachboote des Zellersees]] hatten eine sehr eigenwillige Bauart und auch die Stehruder und die Art des Ruderns waren bemerkenswert. Jeder Bauer verfügte über ein derartiges Boot, das in einer Bootshütte - in der Bauweise ähnlich der eines Heustadels - am Seeufer untergebracht war. Heute existieren nur mehr eine Handvoll Flachboote in Privatbesitz und das Stehrudern wird nur mehr von einigen wenigen Personen beherrscht.
Am Zeller See kommt auch die [[Libelle (Schiff)]] zum Einsatz.
 
Auf dem Zeller See fuhr [[1907]] das erste elektrische Passagierschiff der Monarchie.
 
Die [[Schmittenhöhebahn AG]], die seit [[2001]] die Konzession für die Schifffahrt auf dem Zeller See von der Gemeinde gepachtet haben, bekommen [[2026]] ein neues Schiff. Es handelt sich um das erste Schiff mit Elektroantrieb in der aktuellen Flotte. Die "[[Libelle (Schiff)|Libelle]]", die "Großglockner", die "Kaiserin Elisabeth" und die "Schmittenhöhe", die derzeit im Einsatz sind, werden alle mit Diesel angetrieben.
 
Das neue Schiff, dessen Name im März 2026 noch geheim war, werde ebenso wie [[2005]] die "Schmittenhöhe" von der Lux-Werft in Mondorf bei Bonn am Rhein gebaut. Nach Zell am See kommt es in zwei Teilen. Zuerst wird es auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal bis [[Passau]] transportiert, von wo es in Tiefladern auf der Straße weitergeht. Mit Kränen wird es schließlich in den Zeller See gehoben. Die Ankunft des Schiffes soll Mitte Mai erfolgen. Da es dann noch zusammengebaut werden muss und auch noch technische Abnahmen nötig sind, wird es wohl bis Ende Juni dauern, bis die Schiffstaufe stattfinden kann.
 
Die Kosten für das Schiff samt dem aufwendigen Transport betragen etwa 3,9 Mill. Euro. Es füllt von der Größe her eine Lücke zwischen der "Schmittenhöhe", die 250 Passagiere befördern kann, und den drei kleineren Schiffen der Flotte. Das neue Schiff ist 25 Meter lang. Es bietet außen 100 Sitzplätze und innen 80. Das Design stammt von des in Zell am See ansässigen [[Porsche Design Studio]]s.<ref>{https://www.sn.at/salzburg/chronik/zeller-see-elektroschiffe-kehren-nach-ueber-60-jahren-zurueck-art-640114 sn.at], 14. März 2026</ref>


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Zeile 64: Zeile 71:
Die Eisdecke wurde nach [[Josef Lahnsteiner]] früher um den 10. Jänner herum tragfähig und erreichte im Höchstfall eine Stärke von 50 cm. Sie hielt in durchschnittlichen Wintern bis ca. Ende März. Die Eisdecke des Sees bildete einen kurzen und angenehmen Weg von und nach Thumersbach, der entweder zu Fuß, aber auch mit Fuhrwerken genutzt wurde. Seit dem weiter unten beschriebenen Unfall im Rahmen eines Sportbewerbes darf die Eisdecke, sobald sie behördlicherseits freigegeben ist, auch heute noch zu Fuß, mit den Langlaufschiern oder mit den Schlittschuhen genutzt werden, aber das Befahren mit Motorrädern oder Pkw für Verkehrs- oder Sportzwecke ist nicht mehr möglich.
Die Eisdecke wurde nach [[Josef Lahnsteiner]] früher um den 10. Jänner herum tragfähig und erreichte im Höchstfall eine Stärke von 50 cm. Sie hielt in durchschnittlichen Wintern bis ca. Ende März. Die Eisdecke des Sees bildete einen kurzen und angenehmen Weg von und nach Thumersbach, der entweder zu Fuß, aber auch mit Fuhrwerken genutzt wurde. Seit dem weiter unten beschriebenen Unfall im Rahmen eines Sportbewerbes darf die Eisdecke, sobald sie behördlicherseits freigegeben ist, auch heute noch zu Fuß, mit den Langlaufschiern oder mit den Schlittschuhen genutzt werden, aber das Befahren mit Motorrädern oder Pkw für Verkehrs- oder Sportzwecke ist nicht mehr möglich.


[[1884]] erreichte die Eisdecke eine Stärke von 60 cm. Die längste Eiszeit gab es im Jahre [[1889]] mit 119 Eistagen. [[1900]] waren es 114 Eistage. [[1906]] fror er später als sonst zu und konnte erst nach dem 16. Jänner begangen werden.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19060118&query=%22Zeller+See%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Volksblatt]]", Ausgabe vom 18. Jänner 1906, Seite 4</ref> [[1917]] fror der See am [[28. Jänner]] zu.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170130&query=%22Zeller+See%22&ref=anno-search&seite=6 ANNO], "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 30. Jänner 1917, Seite 6</ref> [[1937]] fror der See gleich zweimal zu: einmal vom [[18. Jänner|18.]] bis [[20. Jänner]], und dann wieder gegen Ende Dezember des gleichen Jahres. Hingegen fror der See [[1948]] erst im März zu und die dünne Eisschicht hielt nur acht Tage. Im Winter 1967/[[1968]] hatte der See nur für zwei Tage ([[10. Jänner|10.]] bis [[12. Jänner]]) eine geschlossene Eisdecke.
[[1884]] erreichte die Eisdecke eine Stärke von 60 cm. Die längste Eiszeit gab es im Jahre [[1889]] mit 119 Eistagen. [[1900]] waren es 114 Eistage.  
 
[[1906]] fror er später als sonst zu und konnte erst nach dem 16. Jänner begangen werden.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19060118&query=%22Zeller+See%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Volksblatt]]", Ausgabe vom 18. Jänner 1906, Seite 4</ref> Im selben Jahr begann dann der See bereits im Dezember mit der Eisbildung und war erst am [[22. April]] [[1907]] - nach 113 Tagen ! - wieder eisfrei.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19070424&query=%22Zeller+See%22&ref=anno-search&seite=6 ANNO], "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 24. April 1907, Seite 6</ref>
 
[[1917]] fror der See am [[28. Jänner]] zu.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170130&query=%22Zeller+See%22&ref=anno-search&seite=6 ANNO], "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 30. Jänner 1917, Seite 6</ref> [[1937]] fror der See gleich zweimal zu: einmal vom [[18. Jänner|18.]] bis [[20. Jänner]], und dann wieder gegen Ende Dezember des gleichen Jahres. Hingegen fror der See [[1948]] erst im März zu und die dünne Eisschicht hielt nur acht Tage. Im Winter 1967/[[1968]] hatte der See nur für zwei Tage ([[10. Jänner|10.]] bis [[12. Jänner]]) eine geschlossene Eisdecke.


; Bilder:
; Bilder:
Zeile 84: Zeile 95:
Als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlräume und Kühlschränke gab, behalf man sich mit Eis aus Seen, Teichen oder Flüssen. Die Eisgewinnung erfolgte in Handarbeit mittels spezieller Sägen. Es wurden ganze Blöcke herausgeschnitten und zu den sogenannten Eiskellern transportiert, in denen das dort deponierte Eis über die warme Jahreszeit [[Bier]] und Lebensmittel kühlte. Die Eisgewinnung war schwer und gefährlich und galt als Männerarbeit. Es ist aber bekannt, dass mancherorts auch Frauen armer Familien Eis gesägt und gehackt haben.
Als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlräume und Kühlschränke gab, behalf man sich mit Eis aus Seen, Teichen oder Flüssen. Die Eisgewinnung erfolgte in Handarbeit mittels spezieller Sägen. Es wurden ganze Blöcke herausgeschnitten und zu den sogenannten Eiskellern transportiert, in denen das dort deponierte Eis über die warme Jahreszeit [[Bier]] und Lebensmittel kühlte. Die Eisgewinnung war schwer und gefährlich und galt als Männerarbeit. Es ist aber bekannt, dass mancherorts auch Frauen armer Familien Eis gesägt und gehackt haben.


Im [[19. Jahrhundert|19.]] und zu Beginn des [[20. Jahrhunderts]] war das oft 50 Zentimeter dicke Eis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor dem Siegeszug von Eismaschinen und Kühlschränken hielt man mit Natureis Lebensmittel frisch. Vor allem die Brauereien und Gasthöfe in den Städten hatten einen großen Bedarf und oft eigene Eisteiche. Aber die waren teilweise verschmutzt, und auf den Winter war in der Stadt schon damals kein Verlass. Also schaffte man Eis von Gebirgsseen und sogar Gletschern herbei.
Im [[19. Jahrhundert|19.]] und zu Beginn des [[20. Jahrhundert]]s war das oft 50 Zentimeter dicke Eis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor dem Siegeszug von Eismaschinen und Kühlschränken hielt man mit Natureis Lebensmittel frisch. Vor allem die Brauereien und Gasthöfe in den Städten hatten einen großen Bedarf und oft eigene Eisteiche. Aber die waren teilweise verschmutzt, und auf den Winter war in der Stadt schon damals kein Verlass. Also schaffte man Eis von Gebirgsseen und sogar Gletschern herbei.


[[1884]] hatte die Gemeinde 20.000 [[Gulden]] Gewinn mit dem Eis gemacht, das waggonweise verkauft wurde. Viele Einheimische fanden Arbeit beim Eisschneiden. Die [[Salzburger Chronik]]schreibt am [[15. März]] 1884:<blockquote>''Gestern ging der zweitausendste Waggon Eis nach Ulm, der zweitausenderste nach [[Wien]] ab, beide festlich geschmückt. Es sind zirka 450 Arbeiter, teils aus der Umgebung, teils aus [[Rauris]], [[Hallein]], [[Königreich Bayern|Baiern]] etc. mit dem Eisschneiden und Verladen beschäftigt. Die Baiern (108) sind im benachbarten [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] untergebracht.''</blockquote>
[[1884]] hatte die Gemeinde 20.000 [[Gulden]] Gewinn mit dem Eis gemacht, das waggonweise verkauft wurde. Viele Einheimische fanden Arbeit beim Eisschneiden. Die "[[Salzburger Chronik]]" schreibt am [[15. März]] 1884:<blockquote>''Gestern ging der zweitausendste Waggon Eis nach Ulm, der zweitausenderste nach [[Wien]] ab, beide festlich geschmückt. Es sind zirka 450 Arbeiter, teils aus der Umgebung, teils aus [[Rauris]], [[Hallein]], [[Königreich Bayern|Baiern]] etc. mit dem Eisschneiden und Verladen beschäftigt. Die Baiern (108) sind im benachbarten [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] untergebracht.''</blockquote>


Das Zufrieren des Sees wurde mit Ungeduld erwartet. Das "[[Salzburger Volksblatt]]" schrieb am [[2. Februar]] [[1912]]:<blockquote>''Endlich ist das Langersehnte eingetroffen: In der Nacht vom [[30. Jänner|30.]] auf den [[31. Jänner]] ist der Zeller See zugefroren. Nun kann bald das Eisschneiden beginnen.''</blockquote>
Das Zufrieren des Sees wurde mit Ungeduld erwartet. Das "[[Salzburger Volksblatt]]" schrieb am [[2. Februar]] [[1912]]:<blockquote>''Endlich ist das Langersehnte eingetroffen: In der Nacht vom [[30. Jänner|30.]] auf den [[31. Jänner]] ist der Zeller See zugefroren. Nun kann bald das Eisschneiden beginnen.''</blockquote>
=== Die Brunn- und Walllöcher in der Eisdecke des Zeller Sees ===
=== Die Brunn- und Walllöcher in der Eisdecke des Zeller Sees ===
[[Datei:Brunnlöcher und Risse in der Eisdecke des Zeller Sees.jpg|thumb|Brunnlöcher und Risse in der Eisdecke des Zeller Sees.]]
Eine Besonderheit in der Eisdecke des Zeller Sees sind die meist runden, eisfreien oder dünneisigen Stellen, die sogenannten Brunnlöcher. Sie befinden sich in Ufernähe, die sogenannten Walllöcher jedoch auch im Bereich der Seemitte. Die Brunnlöcher bilden sich durch aufsteigende Grundquellen. Die zu beobachtenden Luftblasen enthalten Methangas, das bei der Fäulnis organischer Stoffe entsteht. Aufgrund von Temperatur und Bewegung hemmen oder verhindern sie die Eisbildung. Die aufsteigenden Gase sind brennbar. Die Walllöcher entstehen ebenfalls durch chemisch-biologische Prozesse. Die Löcher in der Eisdecke sind meist 25 bis 30 cm groß, manche erreichen jedoch einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Diese dünneren oder eisfreien Stellen in der Eisdecke des Zeller Sees waren von jeher Ursache für Unfälle.
Eine Besonderheit in der Eisdecke des Zeller Sees sind die meist runden, eisfreien oder dünneisigen Stellen, die sogenannten Brunnlöcher. Sie befinden sich in Ufernähe, die sogenannten Walllöcher jedoch auch im Bereich der Seemitte. Die Brunnlöcher bilden sich durch aufsteigende Grundquellen. Die zu beobachtenden Luftblasen enthalten Methangas, das bei der Fäulnis organischer Stoffe entsteht. Aufgrund von Temperatur und Bewegung hemmen oder verhindern sie die Eisbildung. Die aufsteigenden Gase sind brennbar. Die Walllöcher entstehen ebenfalls durch chemisch-biologische Prozesse. Die Löcher in der Eisdecke sind meist 25 bis 30 cm groß, manche erreichen jedoch einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Diese dünneren oder eisfreien Stellen in der Eisdecke des Zeller Sees waren von jeher Ursache für Unfälle.


=== Das "Kooperatorloch" ===
=== Das "Kooperatorloch" ===
In der [[Weihnachtszeit]] des Jahres [[1905]] fuhr der Kooperator Jakob Hirzinger mit einem Beinschlitten von der Schule Thumersbach in rasantem Tempo Richtung Zell am See. Plötzlich brach er mit seinem Schlitten durch das Eis. Infolge der Geschwindigkeit bewegten sich Ross und Schlitten samt Fahrer unter der geschlossenen Eisdecke in Fahrtrichtung weiter. Der Kooperator glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Da jedoch die Unterseite der Eisdecke gerippt war, arbeitete er sich in seiner Todesangst mit seinen Händen an diesen Unebenheiten zurück an die Einbruchsstelle und konnte von herbeieilenden Helfern hrausgezogen werden. Ross und Schlitten gingen verloren, aber der Kooperator war gerettet.
In der [[Weihnachtszeit]] des Jahres [[1905]] fuhr der Kooperator Jakob Hirzinger mit einem Beinschlitten von der Schule Thumersbach in rasantem Tempo Richtung Zell am See. Plötzlich brach er mit seinem Schlitten durch das Eis. Infolge der Geschwindigkeit bewegten sich Ross und Schlitten samt Fahrer unter der geschlossenen Eisdecke in Fahrtrichtung weiter. Der Kooperator glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Da jedoch die Unterseite der Eisdecke gerippt war, arbeitete er sich in seiner Todesangst mit seinen Händen an diesen Unebenheiten zurück an die Einbruchsstelle und konnte von herbeieilenden Helfern herausgezogen werden. Ross und Schlitten gingen verloren, aber der Kooperator war gerettet.


==Sport auf dem Zeller See==
==Sport auf dem Zeller See==
Zeile 198: Zeile 212:
* [https://www.sn.at/kolumne/geschaefte-und-geschichte/das-eis-brachte-arbeit-und-der-gemeinde-hohe-gewinne-101155240 www.sn.at], ''Das Eis brachte Arbeit und der Gemeinde hohe Gewinne'', 16. März 2021   
* [https://www.sn.at/kolumne/geschaefte-und-geschichte/das-eis-brachte-arbeit-und-der-gemeinde-hohe-gewinne-101155240 www.sn.at], ''Das Eis brachte Arbeit und der Gemeinde hohe Gewinne'', 16. März 2021   
{{Quelle AMap}}
{{Quelle AMap}}
== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references/>
<references/>