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Als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlräume und Kühlschränke gab, behalf man sich mit Eis aus Seen, Teichen oder Flüssen. Die Eisgewinnung erfolgte in Handarbeit mittels spezieller Sägen. Es wurden ganze Blöcke herausgeschnitten und zu den sogenannten Eiskellern transportiert, in denen das dort deponierte Eis über die warme Jahreszeit [[Bier]] und Lebensmittel kühlte. Die Eisgewinnung war schwer und gefährlich und galt als Männerarbeit. Es ist aber bekannt, dass mancherorts auch Frauen armer Familien Eis gesägt und gehackt haben.
 
Als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlräume und Kühlschränke gab, behalf man sich mit Eis aus Seen, Teichen oder Flüssen. Die Eisgewinnung erfolgte in Handarbeit mittels spezieller Sägen. Es wurden ganze Blöcke herausgeschnitten und zu den sogenannten Eiskellern transportiert, in denen das dort deponierte Eis über die warme Jahreszeit [[Bier]] und Lebensmittel kühlte. Die Eisgewinnung war schwer und gefährlich und galt als Männerarbeit. Es ist aber bekannt, dass mancherorts auch Frauen armer Familien Eis gesägt und gehackt haben.
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Im [[19. Jahrhundert|19.]] und zu Beginn des [[20. Jahrhunderts]] war das oft 50 Zentimeter dicke Eis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor dem Siegeszug von Eismaschinen und Kühlschränken hielt man mit Natureis Lebensmittel frisch. Vor allem die Brauereien und Gasthöfe in den Städten hatten einen großen Bedarf und oft eigene Eisteiche. Aber die waren teilweise verschmutzt, und auf den Winter war in der Stadt schon damals kein Verlass. Also schaffte man Eis von Gebirgsseen und sogar Gletschern herbei.
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Im [[19. Jahrhundert|19.]] und zu Beginn des [[20. Jahrhundert]]s war das oft 50 Zentimeter dicke Eis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor dem Siegeszug von Eismaschinen und Kühlschränken hielt man mit Natureis Lebensmittel frisch. Vor allem die Brauereien und Gasthöfe in den Städten hatten einen großen Bedarf und oft eigene Eisteiche. Aber die waren teilweise verschmutzt, und auf den Winter war in der Stadt schon damals kein Verlass. Also schaffte man Eis von Gebirgsseen und sogar Gletschern herbei.
    
[[1884]] hatte die Gemeinde 20.000 [[Gulden]] Gewinn mit dem Eis gemacht, das waggonweise verkauft wurde. Viele Einheimische fanden Arbeit beim Eisschneiden. Die „[[Salzburger Chronik]]“ schreibt am [[15. März]] 1884:<blockquote>''Gestern ging der zweitausendste Waggon Eis nach Ulm, der zweitausenderste nach [[Wien]] ab, beide festlich geschmückt. Es sind zirka 450 Arbeiter, teils aus der Umgebung, teils aus [[Rauris]], [[Hallein]], [[Königreich Bayern|Baiern]] etc. mit dem Eisschneiden und Verladen beschäftigt. Die Baiern (108) sind im benachbarten [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] untergebracht.''</blockquote>
 
[[1884]] hatte die Gemeinde 20.000 [[Gulden]] Gewinn mit dem Eis gemacht, das waggonweise verkauft wurde. Viele Einheimische fanden Arbeit beim Eisschneiden. Die „[[Salzburger Chronik]]“ schreibt am [[15. März]] 1884:<blockquote>''Gestern ging der zweitausendste Waggon Eis nach Ulm, der zweitausenderste nach [[Wien]] ab, beide festlich geschmückt. Es sind zirka 450 Arbeiter, teils aus der Umgebung, teils aus [[Rauris]], [[Hallein]], [[Königreich Bayern|Baiern]] etc. mit dem Eisschneiden und Verladen beschäftigt. Die Baiern (108) sind im benachbarten [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] untergebracht.''</blockquote>
    
Das Zufrieren des Sees wurde mit Ungeduld erwartet. Das "[[Salzburger Volksblatt]]" schrieb am [[2. Februar]] [[1912]]:<blockquote>''Endlich ist das Langersehnte eingetroffen: In der Nacht vom [[30. Jänner|30.]] auf den [[31. Jänner]] ist der Zeller See zugefroren. Nun kann bald das Eisschneiden beginnen.''</blockquote>
 
Das Zufrieren des Sees wurde mit Ungeduld erwartet. Das "[[Salzburger Volksblatt]]" schrieb am [[2. Februar]] [[1912]]:<blockquote>''Endlich ist das Langersehnte eingetroffen: In der Nacht vom [[30. Jänner|30.]] auf den [[31. Jänner]] ist der Zeller See zugefroren. Nun kann bald das Eisschneiden beginnen.''</blockquote>
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=== Die Brunn- und Walllöcher in der Eisdecke des Zeller Sees ===
 
=== Die Brunn- und Walllöcher in der Eisdecke des Zeller Sees ===
 
Eine Besonderheit in der Eisdecke des Zeller Sees sind die meist runden, eisfreien oder dünneisigen Stellen, die sogenannten Brunnlöcher. Sie befinden sich in Ufernähe, die sogenannten Walllöcher jedoch auch im Bereich der Seemitte. Die Brunnlöcher bilden sich durch aufsteigende Grundquellen. Die zu beobachtenden Luftblasen enthalten Methangas, das bei der Fäulnis organischer Stoffe entsteht. Aufgrund von Temperatur und Bewegung hemmen oder verhindern sie die Eisbildung. Die aufsteigenden Gase sind brennbar. Die Walllöcher entstehen ebenfalls durch chemisch-biologische Prozesse. Die Löcher in der Eisdecke sind meist 25 bis 30 cm groß, manche erreichen jedoch einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Diese dünneren oder eisfreien Stellen in der Eisdecke des Zeller Sees waren von jeher Ursache für Unfälle.
 
Eine Besonderheit in der Eisdecke des Zeller Sees sind die meist runden, eisfreien oder dünneisigen Stellen, die sogenannten Brunnlöcher. Sie befinden sich in Ufernähe, die sogenannten Walllöcher jedoch auch im Bereich der Seemitte. Die Brunnlöcher bilden sich durch aufsteigende Grundquellen. Die zu beobachtenden Luftblasen enthalten Methangas, das bei der Fäulnis organischer Stoffe entsteht. Aufgrund von Temperatur und Bewegung hemmen oder verhindern sie die Eisbildung. Die aufsteigenden Gase sind brennbar. Die Walllöcher entstehen ebenfalls durch chemisch-biologische Prozesse. Die Löcher in der Eisdecke sind meist 25 bis 30 cm groß, manche erreichen jedoch einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Diese dünneren oder eisfreien Stellen in der Eisdecke des Zeller Sees waren von jeher Ursache für Unfälle.

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