Landflucht: Unterschied zwischen den Versionen
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==Erklärungsversuche== | ==Erklärungsversuche== | ||
* | *[[Gernot Filipp]], Leiter der Landesstatistik, verweist darauf, dass man 30 Jahre lang von den geburtenstarken Jahrgängen profitiert habe. Es habe dadurch viele Frauen gegeben, die Kinder kriegen konnten. Nun seien die geburtenschwachen Jahrgänge der 70er- und 80er-Jahre im gebärfähigen Alter. | ||
*[[Wolfgang Eder]], Lungauer Regionalverbandschef und Bürgermeister von [[Mauterndorf]], beklagt die fehlenden Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. | *[[Wolfgang Eder]], Lungauer Regionalverbandschef und Bürgermeister von [[Mauterndorf]], beklagt die fehlenden Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. | ||
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Die Schönheit der Landschaft ist Basis des Tourismus, aber als Lebensgrundlage nicht ausreichend. Die Attraktivität eines Raumes wird durch mehrere Faktoren bestimmt. An entscheidender erster Stelle für die individuelle Wahl des Lebensortes stehen für hochqualifizierte Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gut ausgebildete Frauen, die Familie und qualifizierte Arbeit auch in einer ländlichen Region vereinbaren wollen, scheitern am Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen, an den nur spärlich vorhandenen qualifizierten Arbeitsplätzen und an der fehlenden Infrastruktur im Bereich öffentlicher Verkehrsmittel, die ja nach wie vor vorwiegend von Frauen benutzt werden. | Die Schönheit der Landschaft ist Basis des Tourismus, aber als Lebensgrundlage nicht ausreichend. Die Attraktivität eines Raumes wird durch mehrere Faktoren bestimmt. An entscheidender erster Stelle für die individuelle Wahl des Lebensortes stehen für hochqualifizierte Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gut ausgebildete Frauen, die Familie und qualifizierte Arbeit auch in einer ländlichen Region vereinbaren wollen, scheitern am Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen, an den nur spärlich vorhandenen qualifizierten Arbeitsplätzen und an der fehlenden Infrastruktur im Bereich öffentlicher Verkehrsmittel, die ja nach wie vor vorwiegend von Frauen benutzt werden. | ||
=====Arbeitsplatzangebot===== | =====Arbeitsplatzangebot===== | ||
Die Arbeitsplatzsituation ist geprägt vom einseitigen Branchenmix mit dem Tourismus als Haupterwerbszweig, damit verbunden der Baubranche und dem Baunebengewerbe, sowie dem Handel als Versorgungsbasis für Einheimische und Touristen. Dieser Branchenmix bietet relativ zur Gesamtzahl an Arbeitsplätzen wenige qualifizierte Arbeitsplätze und diese sind vorwiegend im traditionell männlich besetzten Segmenten wie Baubranche und Baunebengewerbe zu finden. Es verwundert daher auch nicht, dass der [[Pinzgau]] österreichweit seit Jahren zu den Niedrigstlohn-Bezirken zählt. | Die Arbeitsplatzsituation ist geprägt vom einseitigen Branchenmix mit dem Tourismus als Haupterwerbszweig, damit verbunden der Baubranche und dem Baunebengewerbe, sowie dem Handel als Versorgungsbasis für Einheimische und Touristen. Dieser Branchenmix bietet relativ zur Gesamtzahl an Arbeitsplätzen wenige qualifizierte Arbeitsplätze und diese sind vorwiegend im traditionell männlich besetzten Segmenten wie Baubranche und Baunebengewerbe zu finden. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze im Handel sind Teilzeitstellen im Niedriglohnbereich. Es verwundert daher auch nicht, dass der [[Pinzgau]] österreichweit seit Jahren zu den Niedrigstlohn-Bezirken zählt. | ||
=====Kinderbetreuungseinrichtungen===== | =====Kinderbetreuungseinrichtungen===== | ||
Die Kinderbetreuungseinrichtungen bieten, sofern sie überhaupt vorhanden sind, nach wie vor wenig kundenfreundliche Öffnungszeiten, obwohl darüber seit Jahrzehnten diskutiert wird. Ideologische Barrieren bestimmen die Entscheidungen und der Kinderbetreuung zweckgewidmete Bundesmittel werden hierzulande nicht ausgeschöpft. Auch ist die Wertschätzung der Kindergartenpädagoginnen, die sich durch deren Bezahlung ausdrückt, verglichen mit von Männern dominierten Berufen (beispielsweise Förster), bis heute im Ungleichgewicht, was die Motivation verständlicherweise beeinflusst. | Die Kinderbetreuungseinrichtungen bieten, sofern sie überhaupt vorhanden sind, nach wie vor wenig kundenfreundliche Öffnungszeiten, obwohl darüber seit Jahrzehnten diskutiert wird. Ideologische Barrieren bestimmen die Entscheidungen und der Kinderbetreuung zweckgewidmete Bundesmittel werden hierzulande nicht ausgeschöpft. Auch ist die Wertschätzung der Kindergartenpädagoginnen, die sich durch deren Bezahlung ausdrückt, verglichen mit von Männern dominierten Berufen (beispielsweise Förster), bis heute im Ungleichgewicht, was die Motivation verständlicherweise beeinflusst. | ||
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=====Sonstige Faktoren===== | =====Sonstige Faktoren===== | ||
Bestrebungen die Gegebenheiten zu verändern, stoßen immer wieder an Grenzen, die von den politischen Entscheidungsträgern, in den Landbezirken sind das nach wie vor überwiegend Männer – beispielsweise werden die 28 Pinzgauer Gemeinden von 25 Männern und von nur drei Frauen geleitet – wesentlich bestimmt werden. | Bestrebungen die Gegebenheiten zu verändern, stoßen immer wieder an Grenzen, die von den politischen Entscheidungsträgern, in den Landbezirken sind das nach wie vor überwiegend Männer – beispielsweise werden die 28 Pinzgauer Gemeinden von 25 Männern und von nur drei Frauen geleitet – wesentlich bestimmt werden. | ||
Auch wenn man das geistige und gesellschaftliche Klima in den ländlichen Regionen – wie Anton Kaindl meint – nicht mehr als | Auch wenn man das geistige und gesellschaftliche Klima in den ländlichen Regionen – wie Anton Kaindl meint – nicht mehr als "rückständig" bezeichnen kann, ist dieses aber nach wie vor durch männliche Dominanz geprägt. Bedingt durch den unterschiedlichen Erfahrungshintergrund und die unterschiedliche Interessenslage stehen Meinungsbildung und Entscheidungen auf regionaler und örtlicher Ebene oft im Gegensatz zu den Interessen junger gebildeter Frauen, die wenig gefragt und kaum gehört werden. Daraus entsteht ein fataler Teufelskreis. | ||
==Folgen der Landflucht== | ==Folgen der Landflucht== | ||
Der aus dieser Abwanderung resultierende | Der aus dieser Abwanderung resultierende "Braindrain", laut deutschsprachiger Wikipedia "wörtlich Gehirn-Abfluss im Sinne von Talentschwund, somit der Abwanderung der Intelligenz einer Volkswirtschaft", bedeutet einen hohen Verlust an geistigem und gesellschaftlichen Entwicklungs- und Veränderungspotential und begünstigt Stillstand und Beharrungstendenzen, Phänomene, die eine negative Auswirkung auf die betroffenen Regionen haben. Gemäß der Wirtschaftstheorie von Richard Florida, bewirkt die "Mobilität der kreativen Klasse im Raum" eine Ballung "kluger Köpfe" in attraktiven Räumen, wo als positive Folge überdurchschnittliches Wachstum und Wohlstand entstehen, während die von der Abwanderung dieser "Kreativen Klasse" betroffenen Regionen unter den Auswirkungen in umgekehrter Richtung betroffen sind: das sind fehlendes kreatives Potential und daraus folgend abnehmendes Wachstum und abnehmender Wohlstand. | ||
==Initiative gegen die Landflucht== | |||
Der Regionalverband [[Oberpinzgau]] hat im Frühjahr 2012 ein auf drei Jahre angelegtes und mit 180.000 Euro dotiertes Projekt mit der Bezeichnung "Komm – bleib" ins Leben gerufen. Es sollen aus dem Oberpinzgau Abgewanderte aktiv angesprochen und mit Informationen über Arbeitsplätze in der Region versorgt werden. Dabei sucht man auch die Unterstützung regional ansässiger Unternehmen und der Bevölkerung. Die Servicestelle des Projektes – das "Komm-Bleib-Office" - befindet sich beim Regionalverband im Gemeindeamt [[Mittersill]]. Neben der Arbeitsplatzinformation für potentielle Rückkehrer sollen diese auch bei der Wohnungssuche unterstützt und über Betreuungseinrichtungen informiert werden. | |||
==Weblink== | |||
* [http://salzburg.orf.at/news/stories/2526771/ ORF-Bericht zum Thema Landflucht] | |||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
*[[Salzburger Nachrichten]], Lokalteil, S. 2 und 3, [[26. März]] [[2012]] | *Anton Kaindl, [[Salzburger Nachrichten]], Lokalteil, S. 2 und 3, [[26. März]] [[2012]], sowie Lokalteil [[29. März]] 2012 | ||
*Deutschsprachige Wikipedia, Stichwörter Braindrain, Kreative Klasse | *Deutschsprachige Wikipedia, Stichwörter Braindrain, Kreative Klasse | ||
[[Kategorie:Geografie]] | [[Kategorie:Wissenschaft]] | ||
[[Kategorie:Wirtschaft]] | [[Kategorie:Geografie]][[Kategorie:Wirtschaft]] | ||
[[Kategorie:Infrastruktur]] | [[Kategorie:Infrastruktur]] | ||
[[Kategorie:Politik]] | [[Kategorie:Politik]] | ||
[[Kategorie:Pinzgau]] | [[Kategorie:Pinzgau]] | ||
[[Kategorie:Lungau]] | [[Kategorie:Lungau]] | ||