Kobler-Spängler-Briefe von 1878 bis 1879: Unterschied zwischen den Versionen
| (41 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 7: | Zeile 7: | ||
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | ||
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [ | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
== 1878 == | == 1878 == | ||
==== Brief vom 5. Jänner 1878 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ==== Brief vom 5. Jänner 1878 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stelle<ref>Zu generellen Problemen mit der Übertragung der Briefe von Antonia Spängler siehe zum Brief vom 18. April 1870, Einzelnachweis; siehe [[Kobler-Spängler-Briefe von 1870]], und ebenso zu den Briefen vom 24. Jänner 1873 und vom 8. Jänner 1875. Dieser Brief ist mit durchscheinender Schrift stellenweise schwer zu lesen.</ref>:<br /> | Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stelle<ref>Zu generellen Problemen mit der Übertragung der Briefe von Antonia Spängler siehe zum Brief vom 18. April 1870, Einzelnachweis; siehe [[Kobler-Spängler-Briefe von 1870]], und ebenso zu den Briefen vom 24. Jänner 1873 und vom 8. Jänner 1875. Dieser Brief ist mit durchscheinender Schrift stellenweise schwer zu lesen.</ref>:<br /> | ||
''Salzburg den 5/1 [18]78 Meine lieben Theuren! Ich dancke Euch recht herzlich, für die guten Wünsche zum neuen Jahr, der liebe Gott welcher uns bis hirher so glücklich geleitet, möge uns auch ferner in seinen heiligen Schutz nehmen. Ich bethe schon immer fleißig für Euch. Einen Wunsch hege ich für dich lieber Franz – – das du recht bald eine höhere Stellung erhalten mögest, damit du dich leichter thust, in jeder Beziehung. Man braucht so viel zum Lebensunterhalt, ohne den mündesten Aufwand. Nun ist endlich der Fany ihr Wunsch in erfühlung gegangen, mit Zweck [?], ein Christbäumchen herzurichten, ich freute mich für Sie. Wie wird die Kleine gezapelt haben, als sie ihm [!] beleuchtet gesehen. Wie werde ich mich freuen, die Kleine zu sehen. / Otto und Louise wird diese Freude nun zu theil. Bey Otto war ein sehr schöner Christbaum wir halfen alle zu sammen den selben zu Zieren. Die Kindlein bekammen viele und hübsche Sachen. Auch ich wurde reichlich beschenckt mit einer sehr hübschen Haube und 6 sehr hübsche Sacktü[c]her welche ich recht gut brauchen kann. Ich dancke Euch recht schön, das Ihr mir auch woltet eine Freude machen, und etwas kaufen lassen, es wird sich schon einmal etwas finden, was ich recht gut brauchen kann. Mir ist das Liebste wen alles Gesund ist, und Alle Zufrieden sind, dann bin ich es auch. Die Therese läßt allen ein recht glückliches Neujahr wünschen, sie schreibt das ihr zittern in den Händen immermehr überhand nimt, sonnst ist sie Gottlob wohl. / sie freut sich schon wider wen wir zusammen nach Baumkirchen gehen so gott will thue ich es so lange die Therese geht.'' | ''Salzburg den 5/1 [18]78 Meine lieben Theuren! Ich dancke Euch recht herzlich, für die guten Wünsche zum neuen Jahr, der liebe Gott welcher uns bis hirher so glücklich geleitet, möge uns auch ferner in seinen heiligen Schutz nehmen. Ich bethe schon immer fleißig für Euch. Einen Wunsch hege ich für dich lieber Franz – – das du recht bald eine höhere Stellung erhalten mögest, damit du dich leichter thust, in jeder Beziehung. Man braucht so viel zum Lebensunterhalt, ohne den mündesten Aufwand. Nun ist endlich der Fany ihr Wunsch in erfühlung gegangen, mit Zweck [?], ein Christbäumchen herzurichten, ich freute mich für Sie. Wie wird die Kleine gezapelt haben, als sie ihm [!] beleuchtet gesehen. Wie werde ich mich freuen, die Kleine zu sehen. / Otto und Louise wird diese Freude nun zu theil. Bey Otto war ein sehr schöner Christbaum wir halfen alle zu sammen den selben zu Zieren. Die Kindlein bekammen viele und hübsche Sachen. Auch ich wurde reichlich beschenckt mit einer sehr hübschen Haube und 6 sehr hübsche Sacktü[c]her welche ich recht gut brauchen kann. Ich dancke Euch recht schön, das Ihr mir auch woltet eine Freude machen, und etwas kaufen lassen, es wird sich schon einmal etwas finden, was ich recht gut brauchen kann. Mir ist das Liebste wen alles Gesund ist, und Alle Zufrieden sind, dann bin ich es auch. Die Therese läßt allen ein recht glückliches Neujahr wünschen, sie schreibt das ihr zittern in den Händen immermehr überhand nimt, sonnst ist sie Gottlob wohl. / sie freut sich schon wider wen wir zusammen nach Baumkirchen gehen so gott will thue ich es so lange die Therese geht.'' | ||
''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um Weihnachten bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.'' | ''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um [[Weihnachten]] bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.'' | ||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 29: | Zeile 26: | ||
==== Fotos Fasching 1878 1 bis 4 ==== | ==== Fotos Fasching 1878 1 bis 4 ==== | ||
Personen von links: Camilla Mertens, weißes Kleid, datierbar 1846; Goldhaube wohl vor 1837. - Fanni: grünes Kleid, offenbar datierbar vor 1837, Pelzhaube ebenso vor 1837. - Marie Spängler [sitzend]: weißes Kleid, offenbar datierbar 1837. - Gabriele Egghofer: blau-braun gestreiftes Kleid, Schürze. - Fotos von Rudolf Krziwanek (* 1843; † 1905), Hoffotograf in Wien. | Personen von links: Camilla Mertens, weißes Kleid, datierbar 1846; Goldhaube wohl vor 1837. - Fanni: grünes Kleid, offenbar datierbar vor 1837, Pelzhaube ebenso vor 1837. - Marie Spängler [sitzend]: weißes Kleid, offenbar datierbar 1837. - Gabriele Egghofer: blau-braun gestreiftes Kleid, Schürze. - Fotos von Rudolf Krziwanek (* 1843; † 1905), Hoffotograf in Wien. | ||
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> | |||
Datei:Fasching 1878 1.JPG | |||
Datei:Fasching 1878 2.JPG | |||
Datei:Fasching 1878 3.JPG | |||
Datei:Fasching 1878 4.JPG | |||
</gallery> | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 26. und 27. Februar 1878 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung:<br /> | |||
''Salzburg den 26/2 [18]78. // Meine inigst geliebten theuren! // Es ist nun schon sehr lange das ich an Euch geschrieben, aber ich weiß nicht wie es kamm, das es sich so weit hinauß geschoben. 14 Tag war wol auch die Louise sehr kranck, so das auch der Herr Professor des Tages 2 mal kamm, sie hatte sehr heftiges Fieber, in der Minute 132 Schläge, das ganze war ein Aport'' [Abort; b gestrichen, p darübergeschrieben] ''welches sie, aber nicht wissen lassen wollen, ich bitte daher es auch nicht weiter zu erzählen, sie liegt noch Täglich ein paar Stunden im Bett, um Mittag um zu ruhen. Da war besonders die Emile viel herunten, und ich mehrere Stunden oben. So vergingen die Wochen, gerade recht schnel. Nun will ich dir lieber Franz schreiben, das wir von den Romania Obligationen die Coupons bekomen haben, es sollen / von vorigen Jahr, wie von Heuer die Coupons außgezahlt werden, was ich sehr froh bin.'' | |||
''Wie wünsche ich Euch von ganzen Herzen Glück, das Eure kleine die Zähne so leicht bekömmt unsere Kleine hier hat noch keinen auch nicht bey Koch, und unsere Perta'' [Berta] ''ist erst hö[c]hstens 4 Wochen, das sie nicht mehr so viel weint, es war schon arg für die Kindsmagd was sie außzustehen hatte, gott gebe das es keinen Sturm mehr abgiebt beim Zahn bekommen sonst ist sie sehr lieb, lußtig und freundlich. Ich freue mich schon die beyde Kindlein beysammen zu sehen. Nur hoffe ich wird es bey der Louise auch ernstlich beßer, heute ist'' [hochgestellt:] ''27. sie den ganzen Tag auf, und ist nach Tisch zum erstenmal außgegangen. Ich hoffe Ihr seid alle Gesund, ich Gottlob bin es auch, ich kann Gottlob immer [?] meine Wege gehen. / In die Kirche einkaufen, und die nöthigsten Besuche machen, dazu komme ich aber am wenigsten. Zur Großmutter gehe ich wenigstens die Woche einmal. Heute wird die Hanl [?] begraben, sie war sehr kurz krank, sie fühlte sich schon einige Tage unwohl, machte aber niemand auf, sie wolte keinen Menschen in ihre Wohnung lassen, wie ihr endlich zu schlecht war kroch [?] sie herauß und machte auf, als man ihr einen Docktor holte so sagte dieser gleich versehen, dan holte man eine Kreutzschwester, man mußte sie aber gleich in ein anderes Zimmer legen, damit man nicht von den Flöhen gefreßen wird, so sach'' [sah] ''es dort auß. Und wie ich höre sollen Sechzig Tausend Gulden da sein / Testament soll sie keines gemacht haben, es sind wohl weitschichtige Verwan[d]te da – die werden lachen – so viel zu bekommen.'' | |||
''Ich bin begierig ob die Großmutter Euch die Sachen schückt zur Mascke sie erzählte mir das Ihr darum geschrieben, und du schickst es Ihnen sagte ich darauf, dann sagte sie das muß ich mir erst überlegen es könte etwas daran geschehen, a sagte ich die Fany giebt ja recht obacht ob sie es thut weiß ich nicht, o hätte es nur ich – heute schückte ich es. Lebt recht wohl meine lieben seid recht herzlich gesegnet und geküßt von Eurer // treuen // Mutter Spángler // von den Bekanten viele herzliche grüße. Wie ist es den mit der Stadtbanwaldstelle [!], nun haben wir schon Februar. | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 48: | Zeile 60: | ||
''Bei Franz Spängler haben sie auch noch ein altes Costüm von blauer u. brauner gestreifter Seide, mit kurzer Taille und in Zwickel geschnitten, das hatte Frau Gabriele. Für Marie Spängler war das schöne weiße Kleid und denke dir für Frau von Mertens, die sehr zierlich / und kaum größer als meine selige Mutter ist, richteten wir, aus dem Brautkleid meiner Mama ein zweites weißes Costüm her, notabene, ohne etwas zu verschneiden. Bitte, das war kein kleines Kunststück, mit Hilfe eines Halstuches, kunstgerecht gesteckt, stand der Leib ganz gut; wir haben von dem Rest des Seidenkleides ein Paar Ärmel herabgeschnitten, aber so groß, daß ich jederzeit Ärmel für ein Kleid daraus bekomme, die haben wir so geheftet, daß sie die Form der alten Kleiderärmel bekamen. Dazu trug Fr. v. Mertens deine Goldhaube u. eine der beiden Schürzen. Die kleine junge Frau sah allerliebst aus mit ihrem rosigen, freundlichen Gesichtchen, und war so vergnügt. Für Marie trieb mein Mann mit großer Mühe eine zweite Goldhaube auf und Gabriele machte mit wirklichem Genie aus einem Muff eine Pelzhaube, so wie die deiner Mutter. /'' | ''Bei Franz Spängler haben sie auch noch ein altes Costüm von blauer u. brauner gestreifter Seide, mit kurzer Taille und in Zwickel geschnitten, das hatte Frau Gabriele. Für Marie Spängler war das schöne weiße Kleid und denke dir für Frau von Mertens, die sehr zierlich / und kaum größer als meine selige Mutter ist, richteten wir, aus dem Brautkleid meiner Mama ein zweites weißes Costüm her, notabene, ohne etwas zu verschneiden. Bitte, das war kein kleines Kunststück, mit Hilfe eines Halstuches, kunstgerecht gesteckt, stand der Leib ganz gut; wir haben von dem Rest des Seidenkleides ein Paar Ärmel herabgeschnitten, aber so groß, daß ich jederzeit Ärmel für ein Kleid daraus bekomme, die haben wir so geheftet, daß sie die Form der alten Kleiderärmel bekamen. Dazu trug Fr. v. Mertens deine Goldhaube u. eine der beiden Schürzen. Die kleine junge Frau sah allerliebst aus mit ihrem rosigen, freundlichen Gesichtchen, und war so vergnügt. Für Marie trieb mein Mann mit großer Mühe eine zweite Goldhaube auf und Gabriele machte mit wirklichem Genie aus einem Muff eine Pelzhaube, so wie die deiner Mutter. /'' | ||
[zweiter Bogen] ''II. Das Goldböderl<ref>sonst: Böndl, der Knauf der [[Goldhaube]]</ref> machte ich aus den Spitzen, die an dem grünseidenen alten Hauberl sind, ebenfalls, ohne etwas zu zerschneiden. Damit die Sachen so | [zweiter Bogen] ''II. Das Goldböderl<ref>sonst: Böndl, der Knauf der [[Goldhaube]]</ref> machte ich aus den Spitzen, die an dem grünseidenen alten Hauberl sind, ebenfalls, ohne etwas zu zerschneiden. Damit die Sachen so wenig als möglich aus meiner Hand kamen, ersuchte ich die drei andern Frauen, sich bei mir anzukleiden, was auch geschah. Die Kleine schlief in unserm Speisezimmer und wir waren im Schlafzimmer. Um 9 1/2 Uhr kam der Wagen, welcher uns zur "Goldenen Ente"<ref>Hotel "Goldenen Ente", Wien, Riemergasse 4, nahe dem Stefansdom, allerdings Neubau von 1886; vorher an gleicher Stelle als Eckhaus Schulerstraße 24 [früher 22].</ref> brachte Zu Hause war noch Frau v Däscher [?] u Fr. v. Angermayer gekom[m]en um uns anzuschauen; wir waren aber auch wirklich hübsch. Beiliegend folgt der Spruch, den wir bei unserm Erscheinen in der Salzb: Ges: sagten, verfaßt hat ihn Vetter Franz Spängler. Dank der Schnelligkeit, mit der die ganze Sache ging, war unse[r] Geheimniß auch nicht verrathen worden, die Männer brachten uns unbemerkt in ein Nebenzimmer, von wo wir wie vom Himmel geschneit mitten unter die Salzburger traten. / | ||
''Wir sagten unsern Spruch; nachdem ein ganzes Halloh vorbei war, setzten wir uns in die Gesellschaft und waren sehr heiter. Denke dir, so verblüfft waren die Herren, daß sie im ersten Augenblick meinten, junge Studenten haben sich verkleidet. Als wir erkannt wurden brach der Beifall auf's Neue los. Wir wurden von allen Seiten bewundert, und sogleich auf's Ernstlichste gebeten, uns fotografiren zu laßen. Am Sonntag Vormittag wurden wir wirklich fotografiert, und zwar einmal alle Vier zusammen, dann Frau v Mertens und ich und zuletzt noch Frau Gabriele allein. Wir sind nun schon sehr neugierig auf die Bilder. Auch der Fotograf versicherte selten so interessante Kostüme gesehen zu haben. Er gab sich alle Mühe, daß die Bilder hübsch ausfallen, und sagte, daß wir uns sehr ruhig gehalten haben. / | ''Wir sagten unsern Spruch; nachdem ein ganzes Halloh vorbei war, setzten wir uns in die Gesellschaft und waren sehr heiter. Denke dir, so verblüfft waren die Herren, daß sie im ersten Augenblick meinten, junge Studenten haben sich verkleidet. Als wir erkannt wurden brach der Beifall auf's Neue los. Wir wurden von allen Seiten bewundert, und sogleich auf's Ernstlichste gebeten, uns fotografiren zu laßen. Am Sonntag Vormittag wurden wir wirklich fotografiert, und zwar einmal alle Vier zusammen, dann Frau v Mertens und ich und zuletzt noch Frau Gabriele allein. Wir sind nun schon sehr neugierig auf die Bilder. Auch der Fotograf versicherte selten so interessante Kostüme gesehen zu haben. Er gab sich alle Mühe, daß die Bilder hübsch ausfallen, und sagte, daß wir uns sehr ruhig gehalten haben. / | ||
| Zeile 110: | Zeile 122: | ||
''Otto fand Euch alle recht gut auß sehen, und die kleine Fany sehr lieb und gut, ich bin für Euch froh das Fany ein so gutes Kind ist, den wen man alles selbst thun muß und sind die Kinder so streitig wie zum beyspiel die Berta bey der Louise, da müßte man schon verzagt werden. Die Therese welche Euch herzlich grüßen läßt vereint ihre wünsche mit den meinen für die kleine Fany. Mit herzlichen Gruß und Kuß an alle Eure treue Mutter Spángler.'' | ''Otto fand Euch alle recht gut auß sehen, und die kleine Fany sehr lieb und gut, ich bin für Euch froh das Fany ein so gutes Kind ist, den wen man alles selbst thun muß und sind die Kinder so streitig wie zum beyspiel die Berta bey der Louise, da müßte man schon verzagt werden. Die Therese welche Euch herzlich grüßen läßt vereint ihre wünsche mit den meinen für die kleine Fany. Mit herzlichen Gruß und Kuß an alle Eure treue Mutter Spángler.'' | ||
<hr> | |||
==== Brief vom 6. Juli 1878 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung:<br /> | |||
''Baumkirchen<ref>Antonia Spängler war mehrmals in "Bad" Baumkirchen; vgl. u.a. den Brief vom 2. Juni 1880, Fußnote.</ref> den 6/7 [18]78. // Meine inigst geliebten Theuren! // Recht herzlichen dannck dir mein lieber Franz für deinen lieben Brief. Ich kürze wegen Ankunft der Fanny, meine Badezeit nicht ab, im gegentheil, sind wir dießmal sogar um einen Tag länger hier, weil der 26 t[e] Tag auf einen Sontag treffe da kann man nicht leicht gehen wegen den Geb[p]äck, und verkürzen will ich der Schwester den Aufenthalt um keinen Tag, aber früher ging ich deßhalb, um 8 Tag als im vorigen Jahr, dammit ich gewiß bis dahin zu hauße komme. Ich freue mich ja schon selbst sehr auf die beiden Fanys, ich stelle mir die kleine schon recht herzig vor. // Wie geht es mit den Füßchen? muß sie noch die Bantasche'' [Bandage] ''tragen? oder ist sie schon frey davon? wie wird es den Kindlein taugen, wen sie in den Füschen, wie andere Kinder, Strimmpfe und Schuhe tragen kann. / | |||
''Ich hoffe so gott will am Sammstag Abends in Salzburg einzutreffen, und am Monntag so gott will sehe ich schon meine lieben beyden Fannys. Gottlob uns beyden hat das Bad ganz gut angeschlagen, wir waren recht heiter beysammen, die letzten 12 Tage war auch Leopold, und Linna [?] bey uns. Heute den 8 te[n] gehen wir Nachmmittag nach Hall am Mittwoch fahren wir nach Inspruck'' [Innsbruck] ''wo wir von den Payer Brieflich in Baumkirchen schon eingeladen wurden am Donnerstag bleibe ich noch in Hall, am Freitag fahre ich nach Zell am See, und amm Sammstag mit Gottes hülfe nach Hauß. Ich bin nun seit 8 Juny von Hauß weg. In Maria Absamm'' [Absam] ''werde ich schon auch Euer gedencken. Lieber Franz Wie freue ich mich wen du im August kömmst, plage dich zuvor, ja zuvor nicht zu sehr, mir ist schon ganz bange, wen niemand ist, der dich vom Schreibtisch jagt / An die Angermeyer'' [Angermayer] ''habe ich gleich nach empfang deines Briefes, sogleich eine Carte geschrieben. Therese dankt herzlich für die grüße Leopold und Therese grüßen euch herzlich. Die Beithe [?] bedaure ich recht sehr wegen ihres Unwohlsein, es wird dieß wohl, der Anfang vom Ende sein. Wen du sie noch einmal sehen soltest, so bitte ich sie recht herzlich zu grüßen und ich lasse eine gute beßrung wünschen. Es ist halt ein Kreutz wen man alt wird, da kommen halt alletag gebrechen Frau von Fenzl bedaure ich auch recht sehr, wie schwer ist es in einen fremden ort Krank zu werden, sie werden wohl nach[h]auße reisen, den in Brixen wird es wohl in dieser Jahreszeit zu warmm sein. Wegen Lida ist es mir von Salzburg geschrieben worden. /'' | |||
''Ich dencke die großmutter wird mit ihren Beinn wohl bis Fany kömmt geheilt sein, ich habe seither nichts mehr gehört. Wen sie nur nicht so eigensinig were und immer allein ginge, es wird ja doch jemand geben der mit ihr ginge, gegen eine bestimmte Bezahlung. Lebt nun recht wohl meine Lieben seid herzlich gegrüßt und geküßt mit der lieben kleinen von // Euerer // treuen Mutter // Spángler // Viele grüße an alle Bekanten. // Wen ich die Attresse wüßte von Franz Spángler in Wien<ref>[[Franz Spängler (Linz)]], 1874 "Staatsanwalt-Substitut" in Wien</ref> so hätte ich ihnen schon lange gedannckt für ihre freundlichen Wünsche zum Nammenstag, so konnte ich ihnen nicht schreiben'' | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 117: | Zeile 138: | ||
''Mit Freude höre ich, daß du dich doch wieder so von dem großen Malheur erholt hast, schone dich nur recht, damit sich dein Arm wieder kräftigt. // Ich freue mich schon sehr, dir meine Franzi zu bringen, doch habe ich noch eine Menge zu ordnen u. zu richten, ehe ich fort gehe. Franzl, der dich bestens grüßt, hat vom 2 August / an seinen Urlaub, ich werde ihn also etwa 2 Wochen allein laßen. // Es ist recht freundlich von dir daß du es veranlaßt hast, daß ich Betti einmal treffe. Wir grüße[n] Frau Theres und alle Bekannten bestens. Verzeihe, liebe Großmutter wenn ich schon schließe, aber ich habe wirklich keine Zeit, mehr zu schreiben. // Sobald ich bestimmt weiß, wann ich fort komm, schreibe ich sogleich eine Karte, mit der genauen Angabe wann ich in Salzburg ankomme. // Sei herzlich geküßt von deiner dankbaren Enkelin. Fanni. // Franzl grüßt herzlichst'' | ''Mit Freude höre ich, daß du dich doch wieder so von dem großen Malheur erholt hast, schone dich nur recht, damit sich dein Arm wieder kräftigt. // Ich freue mich schon sehr, dir meine Franzi zu bringen, doch habe ich noch eine Menge zu ordnen u. zu richten, ehe ich fort gehe. Franzl, der dich bestens grüßt, hat vom 2 August / an seinen Urlaub, ich werde ihn also etwa 2 Wochen allein laßen. // Es ist recht freundlich von dir daß du es veranlaßt hast, daß ich Betti einmal treffe. Wir grüße[n] Frau Theres und alle Bekannten bestens. Verzeihe, liebe Großmutter wenn ich schon schließe, aber ich habe wirklich keine Zeit, mehr zu schreiben. // Sobald ich bestimmt weiß, wann ich fort komm, schreibe ich sogleich eine Karte, mit der genauen Angabe wann ich in Salzburg ankomme. // Sei herzlich geküßt von deiner dankbaren Enkelin. Fanni. // Franzl grüßt herzlichst'' | ||
<hr> | |||
==== Brief vom 15. Juli 1878, von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Meine liebste Fanny // Ich gebe mich der angene[h]men Hoffnung hin, daß Du mit der Kleinen glü[c]klich in Salzburg angekommen seiest, u ich freue mich schon sehr darauf, morgen von Dir Nachricht zu erhalten. // Ich bin gestern, ohne naß zu werden, nach Hause gekommen, auch habe gut geschlafen; aber Du ru[h]st nicht neben mir u. die Franzi kam auch am Morgen nicht daher, um dem Papa ein Bußerl zu geben // Im übrigen ist alles in Ordnung. Die Anna hat heute alle Zimmer zusammengeräumt, u. im Speisezimmer den Boden gebürstet; unser Menu war heute: Sagosuppe, Rindfleisch mit Kohl, Omletten mit gedünsteten Kirschen. // Ich war heute vor der Kanzlei bei Dr Wallmann u. habe diesem unsere / Glü[c]kwünsche u deine Empfehlungen entrichtet, u. ich habe mit ihm verabredet am Mittwoch bei entsprechender Witterung zu Dr Kaserer zu gehen. Deine Schwester Mina'' [Schlegel, Anm.]<ref>"Mina" ist [[Wilhelmine Schlegel]] (* 1861; † 1918), Halbschwester zu Fanni; Lehrerin, 1914-1918 Direktorin der Jubliäumsschule (Mädchenschule) St. Andrä, [[Volksschule St. Andrä]], in Salzburg. Sie 1878 offenbar in Wien. Vgl. Brief vom 20. Juli 1877.</ref> ''wird wahrscheinlich nicht mit Dir gefahren sein, da heute eine Karte kam, dß sie, weil sie von Dir keine Nachricht habe mit den andern Salzburgerinnen fahre. //'' | |||
''Wie hast du alle unsere Angehörigen getroffen? Wer erwartete Dich am Bahnhofe? was sagt meine Mutter bezüglich unserer Kleinen. Neugierig bin ich auch zu erfahren wie sich die geistige und körperliche Entwi[c]klung unserer Franzi zu der von Ottos Bertha verhält, u. wie sie und die Kinder Ottos sich mit einander vertragen u. unterhalten. / Wir haben hier heute passable Witterung; Morgens regnete es noch doch scheint es besser zu werden. Dir wünsche ich insbesondere günstige Witterung, damit Du fleißig mit der Kleinen ins Freie gehen kannst. // Was macht die Franzi? wie findet sie sich in die neue Umgebung? Erinnert sie sich noch meiner? Ich bin sehr neugierig ob sie mich noch kennen wird, wenn ich im August hinauf komme. Frage sie öfters um den Papa, und gibt'' [gib] ''ihr ein paar herzhafte Bußerln anstatt mir. Ich werde sie dir dann, wenn ich nachkomme, schon zurü[c]kgeben. // Grüße alle bestens von mir insbesondere meine Mutter. // Anna küßt Dir die Hand, und / schi[c]kt der Franzi Bußerln. Mit herzlichem Gruße u. Kuße Dein // treuer Franz // Wien 15 Juli am 1. Tage der Strohwittwenschaft.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 17. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] aus Salzburg an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> | |||
''Salzburg 17 Juli 1878. // 6 1/2 Uhr Morgens // Mein Herzensfranzl! // Du bist schon sehr brav, daß du mir so einen lieben, langen Brief geschrieben hast; ich werde so gut ich kann, auch mit einem langen Brief antworten und dir unser Leben beschreiben. // Daß die nächtliche Fahrt recht gut von statten ging, weißt du bereits, wie ich froh war, daß unser Weibi<ref>Franziska Spängler (* 18. Juni 1877 in Wien)</ref> so ruhig war, kannst du dir denken. Bis Linz war unser Coupé recht voll, einige Zeit waren unser 8 Frauen. Ich hielt Franzi größtentheils auf dem Schoße, habe aber doch theilweise schlafen können. Von Linz an hatten wir mehr Platz. In Wels besorgte ich Kafe, während Berta die Kleine beaufsichtigte. Franzi ließ sich den höchst unschädlichen Kafe, gemischt mit Wiener Milch ganz vortrefflich schmecken. Dann wurde sie sehr lustig, so daß sie schrie vor Vergnügen. Hier, wo sie so viel Neues sieht /'' | |||
[oben, auf dem Kopf:] ''Die Stiefel passen der Kleinen sehr gut. Eben steht Franzi ganz allein, d. h. sie hält sich selbst am.'' | |||
''gefällt es ihr sehr gut, sie ist gar nicht scheu, deine Mutter scheint sie'' [ihr, Anm.] ''recht gut zu gefallen. Mit Otto’s Kindern, zu denen ich sie gestern brachte, unterhält sie sich recht gut. Die kleine Berta hat ihr gestern, nachdem sie ihre Scheu überwunden hatte, immer schön gethan. Noch hat Niemand etwas dagegen gesagt, daß ich das Kind trage. Franzi war gestern sehr schön mit ihrem grauen Kleidchen und dem blauen Bande. Besuch habe ich zuerst bei deiner Mutter gemacht dann bei meinen Eltern. Die Geschwister freuen sich sehr über ihre kleine Nichte, besonders lieb hat sie aber meine Mutter, die ja alle Kinder so gern hat. Gestern war ich zuerst bei Schneeberger, welche nächstens fortreist, da ich sie doch sehen wollte. Nach Tische war ich bei Plachetka, dann bei Otto, Abends im Mirabellgarten. Heute will ich Vormittag zu Tante Alois gehen, und Nachmittag / in’s Weinbründl<ref>vielleicht ein Vorgänger der [[Villa Weinbründl]]?</ref> zu Emma'' [ [[Emma Schumacher|Schumacher]], Anm.] '', welche mich sogleich am Tage meiner Ankunft besuchte.'' // | |||
''11 ¼ Uhr. // Du Lieber, Guter, beschämst mich heute, indem du mir die Karte schickst, und ich dir gestern nicht geschrieben habe. Deinen Brief bekam ich erst nach Tisch, da kam ich nicht mehr rechtzeitig zum Schreiben. So viel ich kann, gehe ich fort. Es geht mir im Ganzen recht gut, ich setze schon durch was ich haben will. Die kleine Maus ist recht brav, ich hoffe, sie lernt auch je[t]zt einschlafen, ohne daß ich bei ihr sitze. Sie hat ein recht nettes Gitterbett von Frau Emma, da befindet sie sich sehr wo[h]l darin. Der halck Nazi [?] ist meist ihre Schlafgesellschaft. // Wenn ich Franzi frage, wo ist der Papa, so zeigt sie mit der Hand: nicht da, oder wenn ich das Medaillon habe, zeigt sie darauf, / und giebt dann dem Papa ein Bußerl, und die Mamma thut desgleichen. // Lieber guter Franzl, ich freue mich schon schrecklich auf dich. // Deine gute Mutter sieht recht gut aus, auch die Großmutter u. die Eltern. Bei Großmutter ist es wunderbar wie sie sich wieder erholt hat. Ihr Sehen ist leider schlecht, aber sie will nicht merken laßen, wenn sie etwas nicht sieht. Mit der Kraft geht es an, es könnte wo[h]l Manches anders sein.'' | |||
''Abends trinke ich Bier und eße etwas Kaltes, von der berühmten Suppe habe ich mich emanzipi[e]rt. Geld werd ich mir von Otto geben laßen müßen, da Fr. Portenschlag [?] das Geld noch nicht gebracht hat. Schreib mir nur, wenn ich dir das Geld schicken soll u. wie viel. Wie soll ich dir den[n] den Schlüßel deines Koffers schicken, und kann ich le[t]zteren als Eilgut schicken? Wenn du kannst, nim mir doch das rund[e] Hutbürsterl mit ich habe es glücklich vergeßen. Und nun 10000 Küße und behalte lieb deine Gattin und Tochter'' [Kinderschrift:] ''Franziska'' | |||
[oben, auf dem Kopf:] ''Alle einschl: Betti grüßen dich. Grüße alle in Wien. Anna laße ich noch schön grüßen.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 19. Juli 1878 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien an seine Frau in Salzburg; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [?] = unsichere Lesung:<br /> | |||
''Liebste Fanny! Du hast hoffentlich heute meine mit Bleistift geschriebene Karte erhalten, die ich dir gestern in dem Westbahnhofe schrieb. Auch'' [ist] ''mir heute deine Karte zugekommen, für die ich dir herzlich danke. Ich freue mich aus deinen Mittheilungen zu entnemen, daß Ihr beide Euch recht wohl befindet, u. dß Ihr auch gute Witterung habt. // Über einiges was ich gerne wissen möchte, habe ich bisher keine Mittheilung von dir erhalten, ich frage daher ausdrücklich darum; wo schläfst du u. die Kleine?, wo Betty; wie lange bleibt Betty da?, wartet sie bis ich komme, u. wo werde ich in diesem Falle untergebracht? od[er] sollte ich dann einige Tage bei der Mutter wohnen? // Wie taugen der Kleinen<ref>Franziska (Franzi) Spängler, * 18. Juni 1877 in Wien</ref> die Schuhe<ref>vgl. Briefe vom 1. März 1877, vom 21. Mai 1878 und vom 8. Juli 1878</ref>, u. wie geht es Ihr mit dem Füßchen? // Ich hoffe in deinem nächsten'' [unterstrichen:] ''Briefe, den ich bald erwarte, hierüber Antwort zu erhalten. / | |||
''Von hier kann ich dir folgendes berichten Ich war Mittwoch Abends bei D[r]Kaserer u. g. [?] mit Wallmann; auch Anton Sattler kam zufällig hin. Der Abend war recht hübsch, doch zeitweilig etwas drehend [?], u. am Heimwege wurden wir auch vom Regen überrascht. Ich habe deine Empfehlungen entrichtet, u. habe selbe zu erwidern; Herr u Frau Dr. Kaserer u der Kleine, der schon einige Worte zu reden anfängt, befinden sich wohl. Auch Wallmann u Sattler empfehlen sich dir; die Eltern Sattler sind wieder heim; ich werde nächster Tage sie besuchen. // Adolf Gutenberg hat sich an der linken Hand, wo er eine ähnliche Einkrümmung hatte, wie D Lanter in Salzburg, am Montag operiren lassen u hatte ein Paar Tage starke Schmerzen, doch geht es ihm wieder besser. Marie Steiner ist mit der Schwiegermutter nach Ischl abgereist. Ich habe vor meinem Urlaube nicht mehr Journal, worüber ich gar nicht böse bin./ | |||
''Dieser Tage habe ich die kleine Sparkasse der Franzi geöffnet, u gefunden, dß keine Guldennote darin ist, sondern nur etwas über einen Gulden in Silber u. Kupfer-münze? Hast du diese zwei Guldennoten herausgenommen? In diesem Falle würde es bei k[m]einer Rechnung um diese 2 Gulden wahrscheinlich fehlen. Schreibe mir gewiß hierüber. // Ueber die Frage, ob du mir Geld schicken sollst, werde ich dir später schreiben; bisher habe ich noch keinen Coupon ausgewechselt. // Frau Skiwa hat heute die Wäsche gebracht; Was soll ihr das nächstemal mitgegeben werden? Anna hat in dieser Woche noch nicht gewaschen; aber in der nächsten Woche muß sie doch jedenfalls waschen; nicht wahr? Ich wollte in dieser Woche auch nicht darauf bestehen, da sie wieder etwas im Gesichte geschwollen war. // Da siehst du, um was sich der Mann alles kümmern muß, wenn / die Frau ihm davon geht! // | |||
''Ich war bisher die Abende mit Ausna[h]me Mittwochs immer zu Hause; ich muß aber nächstens einmal zu Angermayer gehen, sonst könnte es sie verdrießen. // An Großmutter, meine Mutter die Eltern u. deine Geschwister sowie Otto u dessen Familie meine herzlichsten Grüße. Deiner Kleinen gib mehrere Busserln in meinem Namen; u sage ihr öfters von mir, damit sie mich nicht vergißt. Ich freue mich schon sehr auf ein frohes Wiedersehen. Vielleicht bin ich heute über 14 Tage schon in Salzburg; ich hoffe, dß es möglich sein wird, schon am 1. Aug Abends anzukommen. // Ich schließe für heute, und freue mich, morgen von dir wieder zu hören Somit Gott befohlen! Lebe wohl u denke fleißig // Deines treuen // Mannes Franz // Wien 19 Juli 1878 | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 20. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Ein Bogen und ein Blatt; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br /> | |||
''Salzburg, 20 Juli 1878. // 11 Uhr Vorm. // Mein Herzensfranzl! // Da unser liebes Weiberl schläft, kann ich sofort nach Empfang deines lieben Briefes dir für denselben danken; ob ich meine Epistel auch fertig kriege, um sie rechtzeitig aufzugeben, werde ich sehen. Ich will vor Allem deine Fragen gewissenhaft beantworten. Großmutter'' [Fanny Kobler, Anm.] ''hat, wie jedesmal, unser Zimmer für uns eingerichtet. Dein Bett steht schon für dich bereit. Ich liege in dem Bette am Fenster, am Fußende meines Lagers steht Franzi’s Bettstelle. Dann steht ein Kasten, wo früher die Großmutter ihre Bücher hatte, darin ist meine Wäsche, dann steht der kleine steinerne Waschtisch; an der Wand links vor der Thüre steht Alles wie gewöhnlich. Daß du in meinem Zimmer schlafen wirst, ist selbstverständlich, vorausgese[t]zt natürlich, daß Herr Doctor nichts dagegen einzuwenden haben. –'' [unterstrichen:] ''Weder XXitorisch noch formell! / Betti schläft mit Großmutter in dem dunklen Zimmer, erstere wird bis Anfang August bleiben. Ich muß je[t]zt durchse[t]zen, daß Großmutter Jemand zu ihrer eigenen Bedienung nimmt, denn allein kann sie nicht bleiben wenn Betti<ref>Babette (Betti) Katzinger (* 1825; † 10. August 1881 in Grein an der Donau), verheiratet mit Leopold Katzinger in Schärding und Grein, eine Cousine der Fanny Kobler</ref> fortgeht, und ich kann ihr unmöglich die nötige Hilfe leisten, sonst müßte ich das Kind vernachläßigen. Die Schuhe taugen der Kleinen sehr gut, sie hat auch große Freude daran und steht schon mit ganz geringer Hilfe. Der Vater ist sehr zufrieden mit dem Füßchen.<ref>Der Vater: [[Richard Franz Schlegel]], Arzt; Franzi bekam in Wien Schuhe zur Korrektur der Fußstellung angepasst.</ref> Mit dem Impfen ist es nichts, der Vater hat heuer gar nicht geimpft. Er hat sich von Wien Impfstoff bringen laßen, von dem er etwa 12 Kinder einimpfte und bei keinem der Kinder ist ein Pustel gekommen. //'' | |||
''Du kannst puncto Impfen dann selbst mit dem Vater reden. Heute hat mich der Vater wieder / gefragt, ob du etwas in seiner Erbangelegenheit gethan hast? Ich bitte dich inständig, sich die Sache zu Ende zu führen, bis du kommst, wenn es nur irgend möglich ist, der Vater ist schon so ungeduldig. Seine Verwandten haben schon wieder geschrieben, was es denn mit dem Gelde ist. Ich bitte dich um Antwort auf diese Fragen!<ref>Es ist die "Erbangelegenheit" nach der Mutter von [[Richard Franz Schlegel]], Theresia Schlegel (* 1783 in Böhmisch Leipa; † am 23. September 1875 in der Stadt Salzburg), geborene Heigel, welche der Sohn nach 1872 aus Leitmeritz in Böhmen nach Salzburg holte; vgl. Briefe vom 11. Oktober 1877 und vom ca. 22. Juli 1878. Sie scheint aber mittellos gestorben zu sein; vgl. Brief vom 23. September 1875. Die Erbangelegenheit zieht sich lange hin, vgl. Brief vom 13. Jänner 1881.</ref> In Franzis Kasse sollen sich fl. 1 / 90 k.'' [Gulden, Kreuzer; Anm.] ''befinden, es ist schon möglich daß ich eine kleine Anleihe bei unserer Tochter gemacht habe, doch entsinne ich mich in diesem Augenblicke nicht. Anna, die ich grüße, wird sicherlich im Laufe der kommenden Woche waschen, da sie ja ihre eigene Wäsche auch wird rein mitnehmen wollen, vergangene Woche hat das Waschen auch gar nicht getroffen. Ich habe mit Frau Skiva vereinbart, daß sie in der kommenden Woche keine Wäsche holt, sondern / erst Montag den 29. Juli, und daß sie am Donnerstag den 1. August dann die Wäsche bringt, damit du deine Wäsche beisammen hast. Anna weiß schon was ich immer waschen laße. Am 1. August nimmt Frau Skiva alles an Wäsche mit, was noch gebraucht wurde, und das bleibt dann bei ihr liegen, bis wir kommen. Anna soll sie nur erinnern, daß die Wäsche sicher am 1. August Nachmittag abgeliefert wird. Was ist es mit dem Einfüttern deines Gilets? Wenn du die weißen Gilets schmutzig hast, so sollen sie am 29 mit zu Frau Skiva kommen.'' | |||
''Und nun du lieber, solider'' [unterstrichen:] ''Haushaltungssorgen-überbürdeter Mann Lebe wo[h]l, Alle grüßen dich, Franzi küßt dein Bild, ebenso Mam[m]a. Jeder Schritt, ist’s Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehn. – Keine Ferne darf uns kränken, denn uns häl[l]t ein treu Gedanken.'' [beiliegendes Blatt:] ''Da Franzi noch immer schläft muß ich noch einen kleinen Annex machen und dir erzählen,'' [klein, eingekreist:] ''sie ist schon wach. daß sie es versteht, sich sehr beliebt zu machen dadurch, daß sie immer so freundlich ist und zu allen Leuten geht. Gestern war ich in einem Bad, da blieb sie ganz schön indessen bei deiner Mutter, welche so gütig war, mich zu begleiten. // Heute machen wir in Begleitung meiner Mutter unsere Aufwartung bei Hofrath Wagner im [[Fünfhaus]], da muß ich mein Mädi wieder schön anziehen. // Wann soll ich dir denn den Koffer schicken. // Otto’s Kinder sind in den 2 Jahren, wo ich sie nicht gesehen habe, so groß geworden, daß ich weder Paula noch Emilie erkannt habe. / So und nun wirklich adieu, du Lieber, Guter, was wirst du morgen machen. Ich sende diesen Brief in die Wohnung, da du ja ohnehin bald nach Hause kommen wirst. // Komme nur recht bald, es freut sich schon sehr auf dich deine dich herzlich liebende // Gattin Fanni sammt ihrem, nein unserem Mädi Franzi.'' [abgesetzt, neben einem Kreis:] ''da ist ein Bußerl'' | |||
<hr> | |||
==== Brief ohne Datum, erschlossen ca. 22. Juli 1878, von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> | |||
''Liebste Fanny // Für Deinen Brief meinen herzlichsten Dank; er freute mich um so mehr als er sehr ausführlich u. länger, als der le[t]zte war. // Für deine Mittheilung danke ich Dir bestens; ich sehe daraus dß es Dir u. Franzi Gottlob gut geht. // Nun zur Beantwortung Deiner Fragen. Den Koffer bitte ich gelegentlich schon in der nächsten Woche mir zu senden; erkundige Dich selbst od[er] durch Otto, welche Sendungsart billiger ist, durch Post od[er] Bahn-Eilgut; mir wäre ersteres bequemer, da das Abholen bei der Post viel einfacher ist als das bei der Bahn. // Den Schlüßel kannst Du, wenn der Koffer leer ist, in Papier eingesiegelt anhängen, od[er] in einer folgenden Postsendung schi[c]ken. / Gestern ließ ich den 1. Coupons pro August wechseln, um die Wäsche zahlen zu können, welche bei 3 fl'' [Gulden, Anm.] ''ausmachte. Die Wäsche haben wir in den Kasten eingeräumt, u. ich hoffe so, dß du nicht zur Klage über Unordnung Anlaß hast. // Bezüglich der Wäsche werde ich mich nach Deinem Briefe richten, nur die 2 weißen Gilets gebe ich schon Ende in dieser Woche zum Waschen der Frau Minna. //'' | |||
''Einen neuen schwarzen Ro[c]k habe ich mir bestellt, u da ich selben noch vor meiner Abreise zahlen möchte, so werde ich wo[h]l Geld benöthigen. // Was Deine Frage wegen der Verlassenschafts Angelegenheit betrifft, so sage dem Vater, dß er ja nicht glauben solle, ich hätte noch nichts darin gethan, od[er] es fehle mir an gutem Willen, wie oft bin ich schon / Nachm in die Kanzlei mit der Absicht gegangen, an der Sache zu arbeiten u. fast ebenso oft kamen mir wieder amtliche Arbeiten dazwischen. // Uebrigens habe ich die Sache bereits so weit gefördert, dß ich bevor ich von hier weggehe, alles was hier einzuleiten ist, gemacht habe, u. dß ich das, was beim Gerichte in Leitmeri[t]z zu thun ist, hier noch vorbereite u hinschi[c]ke u dann von Salzburg aus, wo ich mehr Zeit haben werde, es beenden kann, so daß [!] ich bei meiner Rü[c]kkunft dann sofort die erforderlichen Schritte zur Derikuli[e]rung [?] und Behebung der Obligationen machen kann. Diese le[t]zteren Schritte noch vor meinem Weggehen zu machen, ist mir freilich [?] nicht mehr möglich. Um einen Beweis meines guten Willens in dieser Sache zu geben, führe ich an, dß ich seit Sonntag den ganzen Nachmittag tro[t]z schönen Wetters zu Hause gesessen bin, u an der fraglichen Sache gearbeitet habe. Jetzt [!]<ref>Hier und an vielen anderen Stellen markiere ich, [[Otto Holzapfel]], mit einem Ausrufezeichen das tatsächliche Schriftbild, so auch einige Zeilen davor das "daß". Zumeist kürzt Franz ja mit "dß" und lässt in der Regel wie das Dehnungs-h und das c im ck auch das t vor dem z weg. Dass er hier "jetzt" schreibt, vermute ich ist einer langsamen Änderung der Rechtschreibung geschuldet, die übrigens von Fanni bereits deutlicher übernommen wurde.</ref> ist es 6 Uhr, u ich beeile / mich noch diesen Brief zu beenden, ich hoffe auch, den Vater hiemit einiger Massen zufrieden zu stellen. //'' | |||
''Im übrigen kann ich Dir nicht viel berichten, da sich Gottlob nichts besonderes ereignet. // Gestern war ich bei Leithe; der alten Frau geht es etwas besser. Sie u. die ganze Familie empfehlen sich Dir u. der Mutter // Dieser Tage begegnete ich Oberst Szivo, welcher mir sagte, dß Otilie [?] u die Kinder glü[c]klich in Vahren'' [Vahrn, Anm.] ''bei Brixen angekommen sind, dß er'' [es, Anm.] ''der Frau v Fenzl gute gehe, dem Arthur aber weniger. // An Alle meine herzlichsten Grüße, der Großmutter entrichte auch meine Bitte um gütige Gewährung ihrer Gastfreundschaft für mich. // Die Franzi u Dich herzlichst grüßend u. im Geiste küßend verbleibe ich // Dein treuer Franz'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 23. und 24. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler. ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg, 23. Juli 1878. // Mein lieber Mann! // Unser Weibi<ref>die älteste Tochter Franziska Spängler (* 18. Juni 1877)</ref>, dem es sehr gut geht, hat sich je[t]zt angewöhnt, um 17 Uhr Mitt[a]g einzuschlafen, somit habe ich um diese Zeit einige Ruhe, die ich meist dazu benütze, an dich zu schreiben. Vorerst muß ich dir danken für die Karte und dir erzählen, daß ich mich alle Tage noch mehr freue dich wieder zu sehen. Franzi kennt deine Fotografie im Medaillon und auch bei deiner Mutter und küßt und herzt dein liebes Bild. Deine Mutter ist sehr lieb gegen uns, sie hat die Kleine recht gern, was mich um so mehr freut, als du ja weißt, was ich immer fürchtete. 24/7 Gestern kam ich wirklich nicht mehr zum Schreiben; es kam Tante Alois<ref>die Frau von [[Aloys Spängler]]</ref>, welche bisher die einzige ist, die gegen das Tragen meiner Kleinen etwas einzuwenden hat.<ref>Wegen einer Fuß-Fehlstellung, die erfolgreich behandelt wurde, konnte Franziska zuerst schlecht selbst laufen. Vgl. Briefe seit dem 1. März 1877, Brief vom 29. Juli 1877 mit Anmerkung, vom 20. Juli 1878 mit Anmerkung und öfter.</ref> / Gestern war Otto so freundlich, die Aufgabe des Koffers zu besorgen. Der Koffer kommt als Eilgut gegen Nachna[h]me in deine Hände<ref>Der Koffer wird leer geschickt; Franz braucht ihn zu seiner Reise nach Salzburg. Vgl. die Briefe vom 17., ca. 22. und 27. Juli 1878.</ref>, bitte, sage der Anna, daß sie ihn übernimmt und gleich die Rechnung bezahlt. Schreib mir doch, wenn und wie viel Geld ich dir durch Otto schicken soll.'' | |||
''Und nun kommt eine Bitte. Du sollst uns nämlich einige Kleinigkeiten besorgen und ich zweifle nicht an deiner Güte, daß du es thun wirst. Du kannst auch Anna schicken, wenn es dir nicht ausgeht mit der Zeit. Erstens wäre für Großmutter zu kaufen eine Schachtel mit Nachtlichtern<ref>vgl. die Briefe vom 38. und 30. Juli 1878</ref> und zwar in der Porzellanhandlung von Poy in der Naglergaße, eine solche Schachtel kostet 20 – 30 Kr[euzer], darum könntest du jedenfalls Anna schicken sie weiß ja, welche Nachtlichtchen ich habe. / Ich habe meine le[t]zten hieher mitgenommen und Großmutter hat sie leider verlegt. Dann wäre für die Betti mitzubringen schottische Nähwolle N. 30 u N. 40 je ein Strähn zu 20 bis 30 Kr. und zwar vom'' [unterstrichen:] ''Bienenkorb, wo du ja ohnehin täglich 4 mal vorüber gehst. Und nun kommt die le[t]zte Bitte. Du weißt ja das Nadelgeschäft im Palais Sina am Hohen Markt. Von dort möchte ich für Betti Nähnadeln besorgen'' [am Rand eine kleine grüne Klebemarke einer Firma] ''und zwar solche mit'' [unterstrichen:] ''langem Öhr von welchen ein Päckchen mit 25 Stück 10 Kr. kostet und zwar die Nummern von 4 bis einschl[ießlich] 11 je ein Päckchen von der kürzeren Sorte. Ich füge die Etikette als Muster bei.'' | |||
''Sei nicht böse lieber Franzl, daß ich dich mit diesen Dingen plage, aber ich möchte der Betti gerne die Gefälligkeit thun, sie thut mir ja auch was sie mir an den Augen ansieht. / Vorgestern war ich in der Schwimmschule<ref>[[Freibad Leopoldskron]]</ref> das Schwimmen hat mir sehr gut getan. Leider kostet es 30 Kr, das finde ich sehr theuer. Nun, hin und wieder werde ich es mir spendiren. Franzi hat sich sehr gut in der Schwimmschule unterhalten. Morgen sind Franzi u. ich bei deiner guten Mutter zu Mittag geladen. Für die heutige Karte meinen Dank, strenge dich nur nicht zu sehr an. Übermorgen ist Anna’s'' ["Geburt" durchgestrichen] ''Namenstag, sage ihr, ich laße sie grüßen, und ihr gratuliren, ein Namenstaggeschenk werde ich ihr von hier bringen. Nun kommt schon immer näher der Tag, an dem du kommen wirst, wie freue ich mich auf dich! Mutter u. Alle grüßen dich, dich küßt mit der Bitte um baldige Nachrichten deine treue Alte.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 27. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br /> | |||
''Salzburg 27 Juli 1878 // Mein lieber Franzl! // Dein lieber Brief machte mir große Freude, ich küße dich dafür herzlichst. // Zur angene[h]men Neuigkeit theile ich dir mit, daß ich heute bei unserm Mädi den ersten Stockzahn entdeckt habe. Daß bald wieder ein Zahn kommen wird, habe ich wo[h]l gedacht, da die Kleine etwas bläßer aussah, und Nachts öfters im Schlafe aufschrie, wie sie es immer thut, wenn ein Zahn im Durchbrechen war. Übrigens befindet und unterhält sie sich hier ganz ausgezeichnet. Ich thue mein Bestes, daß ich das Verziehen vermeide, und hoffe auch, daß es mir gelingen wird, unser Kind so einfach zu erhalten, wie bisher. Ich bin schon so neugierig, ob du unser Mäde besser entwickelt findest, wenn du kommst. // Je näher der Tag deines Kommens rückt, besto mehr freue ich mich auf ein frohes Wiedersehen. // Ich denke die kleine Maus wird dir auch wieder gut gefallen. // Solltest du zufällig Dr: Lorinser noch einmal sehen, so sage ihm, daß der Vater bisher noch nicht das Gewünschte hat erhalten können. //'' | |||
''Hat Herr Hammer noch nicht die Rechnung geschickt? Sei doch so gut, und sage der Anna, sie soll das Kindertischchen dem Tischler bringen, daß es ordentlich zusammen gerichtet wird, bis wir kommen, denn die Kleine wird ganz gut darin si[t]zen können. Das Tischchen soll neu gestrichen werden so gelb, wie die Möbel in Anna’s Kabinet. // Daß deine Wirtschaft so sehr glatt abläuft, hat mich schon auf den Gedanken gebracht, ob du nicht am Ende förmlich den Wunsch hast, daß deine / nichtsnu[t]zige Gattin, recht der'' [das, Anm.] ''fünfte Rad am Wagen, dir für alle Zeit die Schlüßel der Haushaltung übertrage[n] möge? Die Nadeln etc: bitte ich nur mitzubringen. Mit meinem alten Stock hat es weiter gar keine Bewandtniß, als daß ich ihn hier nicht brauche, und deßhalb mit guter Gelegenheit XXickte. Wenn du Platz hast in deinem Koffer, so nimm doch ein, allenfalls auch zwei große Pakete Karlsbader Oblaten mit, ich glaube, daß Großmutter und Mutter sie recht gerne eßen würden. Gestern Nachmittag war deine Mutter ich u. das Kind bei Tante Alois<ref>Maria Theresia, die Frau von [[Aloys Spängler]]</ref> zum Kafe geladen. Die Kleine war recht brav. Großmutter hat ihr einen ziemlich großen Gummiball gekauft, mit welchem sie sich sehr unterhält. Gestern und heute haben wir echten Salzburger Regen, da strenge ich mich ganz gewiß nicht an, mit dem Kinde. / Sei nicht böse, daß ich schon schließe, doch ich habe eine Jacke für Großmutter heute fertig zu machen. Darum lebe wo[h]l, auf baldiges Wiedersehen hofft deine alte Fanni. Alles läßt dich grüßen und auch ich grüße Alle bestens.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief ohne Datum, erschlossen ca. 27. Juli 1878, von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> | |||
''Meine liebe Fanny! // In Beantwortung Deines lieben Briefes bestätige ich Dir zunächst das richtige Einlangen des Koffers, für den ich zugleich an Fracht u. Zustellungsgebü[h]r 1 fl'' [Gulden, Anm.] ''zahlen mußte, dann des heute eingelangten Schlüßels. In dem Koffer ist auch Dein alter graugrüner Ro[c]k enthalten; was soll’s mit diesem, dß du hieher schi[c]ktest. Die Einkäufe werde ich schon besorgen jedoch selbstverständlich die Sachen erst selbst mitbringen; od[er] soll ich sie gleich kaufen u. schi[c]ken? // Am Mittwoch war ich bei Director Lorinser, der sich Dir bestens empfehlen läßt; er äußerte sich über das Füßchen der Franzi recht zufrieden gestellt auch rühmte den großen Fleiß, den du auf die Sache verwendet hast. An Verhaltensmaßregeln hat er mir nichts aufgetragen, als daß du Nachts immer auch die Bandage anlegen sollst. / Er selbst wird Anfang September, vielleicht auch Ende August nach Salzburg kommen. Dr Lorinser läßt den Vater bestens grüßen, u. ihn erinnern wegen des vor einigen Wochen gestellten Ersuchens wegen des Schlußes der Arbeit des Prof. Walz<ref>Vgl. [[Michael Walz]], [[Die Grabdenkmäler von St. Peter und Stift Nonnberg zu Salzburg]], 1867 bis 1875. Offenbar geht es um den III. Teil, der nicht mehr im Druck erschienen ist.</ref> über die Salzburgischen Grabdenkmale in den Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Ich war am selben Nachmittag auch bei Sattler, welche sich Dir empfehlen laßen, u. bald auf der durchreise nach Gießen zur Hochzeit Huberts durch Salzburg kommen werden. Die Hochzeit finden am 12. August statt. //'' | |||
''Ich war je[t]zt ein Paar Abende nicht zu Hause; am Sonntag war ich, da Anna gebeten hatte, länger ausbleiben zu dürfen, Abends beim Rindhof [?], am Montag bei Angermayer, welche mir schon Vorwürfe gemacht hatten, dß ich nie zu ihnen komme. Am Dienstag waren Angermayer / Franz Julius u ich mit Ludwig Spängler zusammen beim Voglfang (Westbahngarten) u gestern war ich bei Fanny Spängler, wo wir Whist spielten. // Jetzt [!] werde ich wieder solid sein u zu Hause bleiben. // Anna hat Dienstags gewaschen u gestern gebügelt, u. hat auch heute noch einiges gebügelt; im Ganzen wi[c]kelt sich die Wirtschaftsführung sehr glatt ab, u. ich hoffe durch diese Sorge keine grauen Haare zu bekommen. // Ich freue mich herzlich zu hören, dß es Dir und der Kleinen gut geht, u. freue mich insbesond[ere], wenn die Kleine allen gut gefällt, u. die Kleine alle gerne haben. Uebrigens bitte ich Dich achtzugeben, dß sie nicht verzogen u. verwöhnt wird. Gehe nur fleißig schwimmen; es ist Dir gewiß sehr gesund, u. die Kleine hat sicher auch ihren Spaß dabei; strenge Dich aber mit dem Tragen desselben nicht zu sehr an, / u. laße doch gewiß, wenn Rosa od Mina mit Dir gehen, auch diese abwechslungsweise das Kind tragen. Der Besuch des Mönchberges wäre schon recht aber es dürfte Dir doch zu anstrengend sein, das Kind hinaufzutragen. Schone Dich doch gewiß in dieser Hinsicht, sonst siehst Du am Ende minder gut aus, bis ich hinaufkomme, u. damit wäre ich nicht zufrieden. //'' | |||
''Ich freue mich auch schon sehr darauf, Dich wieder umarmen zu können, u. bei Dir zu sein; morgen od[er] längstens übermorgen über 8 Tage sind wir ja hoffentlich wieder beisammen. // Wegen des Geldbedarfes werde ich dir im nächsten Briefe schreiben. // Nun schließe ich aber, indem ich Dich noch bitte alle bestens zu grüßen. Meine Mutter soll nicht böse sein, wenn ich nicht eigens ihr schreibe, sie hört ja ohnehin von Dir, was ich mache. Bezüglich meiner Mutter freut es mich doppelt dß ich Recht hatte, als ich Deiner Befürchtung widersprach. Manchesmal hat ja doch der Mann auch recht, wenn auch die Frau es nicht glauben will. Dich u Franzi herzlich grüßend u küßend Dein // treuer Franz'' [quer dazu am Rand:] ''Anna läßt Dir die Hand küßen, ich habe ihr schon entrichtet, was Du wegen ihres Namenstages zu schreiben hast.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief ohne Datum, erschlossen 28. Juli 1878 früh, von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br /> | |||
''Meine liebe Fanny! // Meinen herzlichen Dank für deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt; mit Freude entna[h]m ich daraus, daß [!] Ihr Euch wo[h]lbefindet, u. dß auch der 1. Sto[c]zahn ohne Müe[h]ungen des Wo[h]lbefinden[s] der Kleinen glü[c]klich durchkam. // Ich habe gestern die Nadeln gekauft, die Wolle werde ich dieser Tage kaufen; nur hinsichtlich der Nachtlichter bitte ich um Angabe, welche von den verschiedenen Größen od[er] Qualitäten, die sie etwa haben, ich ne[h]men soll, und ob ich ein porzellanenes Schwimmerl auch kaufen soll.<ref>"beim nachtlicht ein einsatz (von kork oder papier), der das licht hält und auf dem öl schwimmt" (Grimm, ''Deutsches Wörterbuch'' digital; woerterbuchnetz.de, Bd. 14/15, 1898, Sp. 2643, ''Schwimmer'')</ref> Was die Carlsbader Oblaten betrifft, so kann ich nichts versprechen, bevor ich einpa[c]ke; ist es mir möglich, so werde ich welche mitbringen. // Was die Geldfrage betrifft, so muß ich dich ersuchen mir am liebsten den ganzen Betrag der August’coupons'' [Zinsen von Aktien, Anm.] ''welche Otto in Händen hat (33 fl 60 Xr)'' [Gulden, Kreuzer; Anm.] ''od. mit Rü[c]ksicht auf den Cassarest / den Otto hat rund'' [unterstrichen:] ''35 fl'' [Gulden, Anm.] ''zu senden um für alle Eventualitäten gesichert zu sein. Sage dem Otto, dß ich das Monathgeld der Mutter pro August schon dieser selbst geben werde.'' | |||
''Hammer hat bisher eine Rechnung nicht geschi[c]kt, u. ich werde ihn je[t]zt auch nicht mehr dazu aufsuchen, sondern laße dieß bis zu unserer Rü[c]kkunft Wir geht es Dir selbst mit dem Gelde? // Gestern Abends war Zillner Eduard bei mir; ich hatte, da ich wegen unserer Salzburger Studenten hier einiges mit ihm zu besprechen hatte, Morgens im Spitale aufgesucht, u. habe ihn zum Behufe bequemerer Rü[c]ksprache für Abends zu mir eingeladen. Eduard sprach mir seine Bewunderung aus, wie würdevoll ich die Hausfrau erse[t]zte, u. alles XXlich ordnete. // Habe übrigens keine Sorge [?], dß ich Dir das Szepter des Hausregimentes abne[h]men werde; Du sollst es, wie / bisher behalten u. es wird mir sehr angene[h]m sein, wenn ich es nicht mehr zu führen brauche. // Dieser Tage suchte ich das "Tagebuch" von Camilla Mertens, ohne es finden zu können. Hast Du es mitgenommen? oder wenn nicht, wo hast Du es hier aufgehoben? // | |||
''Hat Dich Kalhofer noch nicht besucht?; er schrieb mir in der vorle[t]zten Woche u. erwähnte dabei, dß er Dich besuchen werde. Ich muß übrigens nochmals auf eine Haushaltsfrage zurü[c]kkommen; am Donnerstag (1 August) soll ich also der Frau Skiwa noch Wäsche mitgeben, soll ich ihr'' [unterstrichen:] ''alle schmu[t]zige Wäsche mitgeben, auch solche Stü[c]ke die sonst zu Hause gewaschen werden, od[er] soll ich vielleicht meine Krägen, Manschetten, Sa[c]ktücher mitbringen, damit sie in Salzburg gewaschen werden? u. wie steht es mit der Bettwäsche? mir scheint es nicht nothwendig, sie schon waschen zu lassen. // Die Schlüßel der Kästen, dann je einen Wohnungsschlüßel werde ich also der Maria u Gabriele geben, da eine / von diesen während des ganzen August hier bleibt; je einen Wohnungsschlüßel werde ich mitne[h]men, damit wir doch in die Wohnung hineinkönnen, wenn wir am Morgen früher als Anna ankommen sollten. Oder soll ich der Anna auftragen, dß sie am Abende'' [unterstrichen:] ''vor unserer Ankunft zurü[c]kommen soll? Ich glaube, es ist früh genug, wenn sie auch erst am selben Morgen ankommt.'' | |||
''Ich glaube nun über alles mich bei der hohen Gebieterin unterthänigst angefragt u um hohe Weisung gebeten zu haben u bitte nun noch, Hochdieselbe wolle gnädigst diese meine ergebensten Anfragen beantworten. // Ich bitte Dich schließlich, alle die sich meiner erinnern bestens zu grüßen, u. verbleibe mit herzlichen Gruß u Kuß an Dich u Franzi, in der Hoffnung baldigen frohen Wiedersehens Dein // treuer Mann // Franz.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief ohne Datum, erschlossen 28. Juli 1878 abends, von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]]. Ein Blatt; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unleserlich; sehr flüchtige Schrift:<br /> | |||
''Meine liebe Fanny! // Ich war heute so pressi[e]rt, insbesondere durch Gänge, die ich in der Angelegenheit der bewußten Verlassenschaften<ref>vgl. Briefe vom 20. Juli 1878 und ca. 22. Juli 1878</ref> zu machen hatte, dß ich erst je[t]zt um 6 Uhr Abends dazukomme, dir zu schreiben. Ich muß mich daher sehr kurz fassen, um den Brief weiter zu bringen. Was zunächst die Uebergabe des Kindertischchens an den Tischler betrifft, so bin ich nicht recht damit einverstanden, dasselbe je[t]zt zu Tischler zu geben. Es läge beinahe 4 Wochen herum, u würde höchstens vielleicht die neue La[c]ki[e]rung wieder beschädigt werden, ich meine daher, wir sollen lieber es erst nach unserer Rü[c]kkunft zum Tischler geben, da der Bedarf desselben auch dann noch kein so dringender sein wird Anna hat gebeten, dß sie das De[c]kbrett des Tafelbettes zum Tisch[l]er geben dürfe, damit es ausgebessert u. neu angestrichen werde; bist du damit einverstanden? // Ich bitte dich mir über diese 2 Punkte noch umgehend zu schreiben / Ferner was soll ich mit den 3 XXde[c]ken auf den Betten machen, sollen Sie aufgebreitet liegenbleiben, od[er] mit einem Leintuch od[er] dergl. zugede[c]kt od[er] zusammengelegt u. in den Betten od[er] in einem Kasten aufgehoben werden? Auch hierüber bitte ich noch um Antwort. // Hiemit glaube ich um alles nachgefragt zu haben, was ich zu fragen hat[te]. // Nun lebe wohl, au[f] baldiges frohes Wiedersehen freut sich von ganzem Herzen // Dein // Dich treuliebender // Franz'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 30. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br /> | |||
''Salzburg 30 Juli 1878 // Mein lieber Franzl! // Ich danke dir vor Allem für den gestern erhaltenen Brief und für die Karte von heute, und gehe dann an die Beantwortung deiner Fragen u. zwar in derselben Reihenfolge wie du sie stellst. I. Ich glaube nicht, daß du bei Poy eine andere Gattung Nachtlichtchen finden wirst als wie in den kleinen rosenrothen Wachslichtchen, welche ich hatte. Ein Schwimmerl mußt du jedenfalls mitkaufen, da in jeder Schachtel eines miteingepackt ist. Wegen des Geldes werde ich heute noch Otto zu sprechen suchen'' [senkrecht am Rand mit Markierung:] ''// Otto u Luise reisen nämlich heut wahrscheinlich ab. //, sonst schickt dir schon die Großmutter 30 - 40 fl.'' [Gulden, Anm.] ''Meine Kasse steht auf etwas über 2 fl, hinreichend genug bis du kommst, da ich mich einer ganz XXchrenden Sparsamkeit befleiße; vielleicht kann ich hier besser sparen, und brauche dann / wenn das Regi[e]ren [?] wieder in meiner Hand ist, nur einen Bruchtheil meines Wirtschaftsgeldes. Das wäre schon gut. Wo das bewußte Tagebuch ist, weiß ich selbst nicht; jedenfalls ist es aufgehoben. Sieh‘ doch in der Lade des sog[XX] Kindertisches nach, ich meine ich habe es da hinein gelegt. Oder habe ich es in den Bücherkasten gelegt – hier habe ich es nicht. Daß Herr Kalhofer mich Anfangs voriger Woche besucht hat, habe ich ganz vergeßen, dir zu schreiben, es hat mich recht gefreut. //'' | |||
''Der Frau Skiwa gieb nur alle schmutzige Wäsche mit auch deine Bettwäsche mit Ausnahme der Tuchentzieche, ich mag nicht, daß gebrauchte Wäsche 4 Wochen lang herumliegt. Anna soll dir am 1./8. das Bett frisch beziehen ich habe ihr schon die Wäsche gezeigt. // Krägen und Manschetten könnest du allenfalls mitnehmen, falls dir die noch vorräthigen zu wenig sind. / S'' [eineinhalb Zeilen zum Teil verwischt und unleserlich:] habe ich dir … Dutzende in die … ''gelegt, da kannst du die andern alle zu Hause lassen Gieb nur Alles der Frau Skiwa, bei unserer Ankunft bringen wir ohnehin gebrauchte Wäsche genug mit. // Wegen Annas Heimkommen nimm mit ihr selbst Rücksprache, mir gegenüber hat sie sich einmal geäußert, daß sie lieber vor uns ankommen möchte, damit sie Zeit hat, ihre Sachen auszupacken und zu ordnen. Von mir aus kann sie auch erst ein paar Stunden nach uns kommen. // Neulich begegnete ich den Herrn Finanzrath Lhiari [?] mit Vetter Leopold Spängler un[d] Herrn Baron Weiß senior. Heute wird Hugo Schumacher begraben; es ist ein Glück für Emma<ref>Emma Schumacher, geborene Zeller, verheiratet mit [[Albert Schumacher]]</ref>, daß er so bald abgerufen wurde, die Arme war bei ihrem Weinbründl. Das Ansehen seines Leiden[s] hat Emma recht angegriffen. /'' | |||
''Heut wohnte ich der Schlußfeier in der Bürgerschule bei, welche recht hübsch war. Franzi war indeß bei meinen Eltern angestellt [?]. Als ich sie zu holen kam, quabelte sie laut vor Freude. Doch bleibt sie recht gut, wenn ich nicht da bin. Gestern waren Großmutter, deine Mutter und wir im Ludwigsbad im Moos. Seit le[t]ztem Freitag will das Wetter wieder gar nicht schön werden, gestern war es ziemlich gut. // Mir ist sehr leid, daß du nicht am 1. Abends fortkannst, ich zähle nun schon wirklich die Stunden bis ich dich wieder habe, mein Lieber. Wenn Franzi aufwacht, ist ihr erstes Wort Papa, Mama. Die Kleine ist wo[h]l auch lieb, doch etwas blaß vom Zahnen. Ich glaube, es wrd auch der 2. Stockzahn bald kommen. // Nun lebe wo[h]l, es küßt dich innig // deine treue Alte. // Von Allen und an Alle herzliche Grüße.'' | |||
<hr> | <hr> | ||
==== Brief vom 2. September 1878 von Fanni und Franz Spängler an Fanny Kobler ==== | ==== Brief vom 2. September 1878 von Fanni und Franz Spängler an Fanny Kobler ==== | ||
Brief von [[Franziska Spängler]] und [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | Brief von [[Franziska Spängler]] und [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | ||
''Wien 2. September!'' [ohne Jahr] <ref>Da nur von einem Kind die Rede ist, datiere ich [ | ''Wien 2. September!'' [ohne Jahr] <ref>Da nur von einem Kind die Rede ist, datiere ich, [[Otto Holzapfel]], den Brief auf 1878.</ref> ''Meine liebe, gute Großmutter! // Daß wir wolbehalten hier angekommen sind, hat dir wol schon Rosa mitgetheilt; nun aber laß dir noch einmal danken für Alles, was wir wieder in deinem gastlichen Hause genoßen haben, und vergieb, wenn wir manchmal gar zuviel Unruhe verursachten. // Erhole dich nun jezt von der Mühe, welche wir dir verursacht haben; ich denke die Ruhe wir dir jezt ordentlich wolthun, wenn dir auch unsere kleiner Unruhegeist manchmal abgeht. Unserm Weiberl gefällt es wieder recht gut in Wien, und auch uns behagt es wieder recht. Nach so viel Nichtsthun hat die / regelmäßige Beschäftigung neuen Reiz. Bis zur übernächsten Woche hoffe ich auch alle Putzerei hübsch vollbracht zu haben, und dann wird es ganz schön bei uns sein. | ||
''Samstag haben wir das Kinderbett bestellt, die Bettstelle wird 22 fl'' [Gulden] ''kosten. Ich freue mich schon, bis Franzi ihr neues Bettchen haben wird. Vor der Hand schläft sie wieder im Korbe, welcher aber am Boden steht. Die Kleine kann sich schon nicht mehr darin ausstrecken. Franzi spaziert fleißig herum, jezt geht sie schon längst de[m] Sofa oder einer Bank hin und her. Ich bin neugierig, wann ihr der erste Schritt allein gelingen wird Anna die dir die Hände küßt, und Rosa bestens grüßt, findet die Kleine sehr gewachsen. / Die Kleine hat Anna sofort wieder erkannt, und ist sehr freundlich mit ihr. Anna hat sich in R[i]edenburg um Rosi erkundigt, und erfahren, daß diese verheirathet ist an einen Schneider in Eßterhá[z]y, und daß es ihr gut gehen soll. | ''Samstag haben wir das Kinderbett bestellt, die Bettstelle wird 22 fl'' [Gulden] ''kosten. Ich freue mich schon, bis Franzi ihr neues Bettchen haben wird. Vor der Hand schläft sie wieder im Korbe, welcher aber am Boden steht. Die Kleine kann sich schon nicht mehr darin ausstrecken. Franzi spaziert fleißig herum, jezt geht sie schon längst de[m] Sofa oder einer Bank hin und her. Ich bin neugierig, wann ihr der erste Schritt allein gelingen wird Anna die dir die Hände küßt, und Rosa bestens grüßt, findet die Kleine sehr gewachsen. / Die Kleine hat Anna sofort wieder erkannt, und ist sehr freundlich mit ihr. Anna hat sich in R[i]edenburg um Rosi erkundigt, und erfahren, daß diese verheirathet ist an einen Schneider in Eßterhá[z]y, und daß es ihr gut gehen soll. | ||
| Zeile 155: | Zeile 277: | ||
''Die Kinder gehen alle 3 Größren in die Schule, in der Zeit ist zu Hauße zimmlich Ruhe. Wegen der Bestelten Teller wird die Louise selbst gedannckt haben, sie war sehr zufrieden. Ich bin für die kleine froh das sie nun ein ordentliches Bett hat wo sie sich rühren kann wird ihr gewiß recht taugen, und du darfst di[ch] nicht fürchten wegen den Heraußfallen. Wie ich hörte sollen eine menge veränderungen vorgekommen sein, im punitischen [polit-?], Beamten Kreise – da hoffe ich wird es wohl dich auch vieleicht bald treffen vorwerts zu kommen. Es würde mich sehr freuen. Lebt alle recht wohl, Gottes'' [unterstrichen:] ''Segen über'' [unterstrichen und Unterstrich:] ''Euch meine lieben Eure Euch Mit Tausend küßen treu liebende Mutter Spángler'' [daneben:] ''Otto und Louise küßen Euch herzlich.'' | ''Die Kinder gehen alle 3 Größren in die Schule, in der Zeit ist zu Hauße zimmlich Ruhe. Wegen der Bestelten Teller wird die Louise selbst gedannckt haben, sie war sehr zufrieden. Ich bin für die kleine froh das sie nun ein ordentliches Bett hat wo sie sich rühren kann wird ihr gewiß recht taugen, und du darfst di[ch] nicht fürchten wegen den Heraußfallen. Wie ich hörte sollen eine menge veränderungen vorgekommen sein, im punitischen [polit-?], Beamten Kreise – da hoffe ich wird es wohl dich auch vieleicht bald treffen vorwerts zu kommen. Es würde mich sehr freuen. Lebt alle recht wohl, Gottes'' [unterstrichen:] ''Segen über'' [unterstrichen und Unterstrich:] ''Euch meine lieben Eure Euch Mit Tausend küßen treu liebende Mutter Spángler'' [daneben:] ''Otto und Louise küßen Euch herzlich.'' | ||
<hr> | |||
==== Brief vom 19. November 1879 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg den 19/11 1879 // Meine inigstgeliebten Theuren! // Eure lieben Briefe freuten mich sehr und ich dancke Euch inig dafür, freut es mich doch gar so sehr wen ich etwas von Euch höre. Wie froh bin ich, das die Kinder so gut gedeuen, das Ihr doch in dieser Beziehung keine Sorge habet. Die Franzerl muß schon lieb sein weil sie so plaudert, in diesen Alter steht es ihnen gar so gut. Nun weil die Toni schon so viel auf den Boden sietzt wird es Euch doch auch mit der Arbeit leichter gehen, und außgehen kann man ja auch jetzt nicht mehr so viel, weil es gleich so kalt ist. Das Kri[e]chen ist für die Kinder sehr gesund. / Die Toni kamm mir vom [vor] ist überhaupt viel zarter gebaut als die Franzerl, wird daher nie so starck werden wie dieselbe, aber die Tonni'' [Toni] ''scheint ein recht gutes Kind zu sein. Wie leid thut es mir, daß du noch nicht deinen Wunsch erreicht hast, eine Bezirksrichters Stelle zu erhalten, aber ich denncke halt wider, wer weiß für was es gut ist, vieleicht hat dir der liebe Gott etwas beßres bestimmt. – Geduld bringt Segen. – Mein Bruder Leopold war voriges Monnath am 19 te[n] sehr krank an Astmma er hatte einen Stückanfall welcher über 2 Stunden dauerte, der Docktor war über 2 Stund in der Nacht bey ihm die Lina in gar kein Bett, den sie mußte die ganze Nacht ihm Tücher wärmen und Medezin eingeben am andern Tag war es gottlob beßer, / aber der Docktor kamm doch 3 mal um zu sehen wie es geht, weil die Schwäche so groß war, und einige Tage kamm er noch 2 mal, bis auf die Schwäche und geschwollenen Füße geht es ihm gottlob beßer. nur muß er sich von starcken Luft heftiger Bewegung hie[ü]ten.'' | |||
''Ich lasse der Franzel sehr dancken für das Bußerl es hat mich sehr gefreut Beyliegend sende ich dir 10 fl'' [Gulden] ''eigentlich zum Christgeschenck, weil ihr aber dermalen wenig Geld habt, so sende ich es jetzt, vieleicht thut ihr Euch dan etwas leichter, auch sage ich dir ich verzichte gerne für dermalen bis Ihr in eine beßere Lage kömmt auf 5 fl Monatlich und bin mit 10 fl sehr zufrieden, seit Ihr einmal in einer beßren Lage, dann nehme ich es wider mit Danck an.<ref>Die beiden Brüder Franz und [[Otto Spängler]] unterstützen die Mutter mit einer monatlichen Zuwendung.</ref> Beyliegend sende ich auch ein paar Würste zum kosten. Und der Franzerl den Blauen Schlips für das Pußel welches sie mir schükte. / Die Fany soll mir schreiben ob sie vieleicht wider ein gestrücktes Leibchen brauchen kann, braucht sie eines so werde ich eines strücken. Ich bin Gottlob gesund und gehe recht fleißig spatzieren. Die Großmutter läßt Euch alle herzlich grüßen, die Therese hat einen wehen Fuß, die Großmutter fürchtet er bricht auf. Grüßt mir die Rosa recht herzlich mit aller Liebe Eure treue Euch // herzlichliebende Mutter // Spángler // Bey Schlegel lassen sie Euch alle herzlich grüßen.'' | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 167: | Zeile 296: | ||
==== Brief vom 25. Dezember 1878 von Fanni und Franz Spängler an Fanny Kobler ==== | ==== Brief vom 25. Dezember 1878 von Fanni und Franz Spängler an Fanny Kobler ==== | ||
[[Datei:Brief vom 25. Dezember 1878, Seite 1.JPG|thumb|Brief vom 25. Dezember 1878, Seite 1.]] | |||
[[Datei:Brief vom 25. Dezember 1878, Seite 4.JPG|thumb|Brief vom 25. Dezember 1878, Seite 4.]] | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] und [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzung]; // = Absätze:<br /> | Brief von [[Franziska Spängler]] und [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzung]; // = Absätze:<br /> | ||
''Wien 25. Dezember 1878. Liebe Großmutter! // Ich hatte mir fest vorgenommen, dir noch vor dem hl: Abend zu schreiben, doch hatte ich noch Allerlei zu thun und dann wollte ich dir schon gleich beschreiben, was Franzi<ref>* 18. Juni 1877</ref> zum Christbaum sagte. Gegen 6 Uhr wurde der Christbaum angezündet; Franzi war schon ganz ungeduldig, bis das Christkindl kam, und als die Thür aufging eilte sie mit dem Rufe Mimi, Mimi auf eine Puppe los, welche sie vor einiger Zeit von Fr. v Steiner bekommen hatte, welche aber bald mit dem Christkindl fortgeflogen war, um erst gestern wieder zu erscheinen. Mimi saß in einem'' [gestrichen: Leiterwagen] ''von zwei Schimmeln gezogenen Leiterwagen, und der Jubel des Kindes war wirklich herzig. Mit der Mimi im Arm betrachtete sie ihre andern Sachen unter den frohen Rufe'' [schwach unterstrichen:] ''Aber!, aber! aber. / Sie wußte offenbar nicht, was sie zuers sollte anschauen. Auch der Baum gefiel ihr sehr gut, doch war ihre Uberraschung zu groß um Alles würdigen zu können. Heute jubelt sie erst über den Baum wenn sie ins Speisezimmer kommt. Während die Lichter noch brannten am Baum langte auch das Salzburger Christkindl an. | ''Wien 25. Dezember 1878. Liebe Großmutter! // Ich hatte mir fest vorgenommen, dir noch vor dem hl: Abend zu schreiben, doch hatte ich noch Allerlei zu thun und dann wollte ich dir schon gleich beschreiben, was Franzi<ref>* 18. Juni 1877</ref> zum Christbaum sagte. Gegen 6 Uhr wurde der Christbaum angezündet; Franzi war schon ganz ungeduldig, bis das Christkindl kam, und als die Thür aufging eilte sie mit dem Rufe Mimi, Mimi auf eine Puppe los, welche sie vor einiger Zeit von Fr. v Steiner bekommen hatte, welche aber bald mit dem Christkindl fortgeflogen war, um erst gestern wieder zu erscheinen. Mimi saß in einem'' [gestrichen: Leiterwagen] ''von zwei Schimmeln gezogenen Leiterwagen, und der Jubel des Kindes war wirklich herzig. Mit der Mimi im Arm betrachtete sie ihre andern Sachen unter den frohen Rufe'' [schwach unterstrichen:] ''Aber!, aber! aber. / Sie wußte offenbar nicht, was sie zuers sollte anschauen. Auch der Baum gefiel ihr sehr gut, doch war ihre Uberraschung zu groß um Alles würdigen zu können. Heute jubelt sie erst über den Baum wenn sie ins Speisezimmer kommt. Während die Lichter noch brannten am Baum langte auch das Salzburger Christkindl an. | ||
| Zeile 174: | Zeile 305: | ||
''Liebe Großmutter! // Empfange auch von mir die herzlichsten Glückwünsche für das demnächst beginnende neue Jahr, und den besten Dank für alle uns in dem abgelaufenen Jahre erwiesene Liebe und Güte; insbesondere danke ich auch für das der kleinen gütigst geschikte Christgeschenk. // Bleibe im neuen Jahre gesund und zufrieden auch bewahre uns deine Liebe auch fernerhin. // Mit herzlichem Gruße verbleibe ich meine Wünsche wiederholend dein dankbarer Enkel Franz'' | ''Liebe Großmutter! // Empfange auch von mir die herzlichsten Glückwünsche für das demnächst beginnende neue Jahr, und den besten Dank für alle uns in dem abgelaufenen Jahre erwiesene Liebe und Güte; insbesondere danke ich auch für das der kleinen gütigst geschikte Christgeschenk. // Bleibe im neuen Jahre gesund und zufrieden auch bewahre uns deine Liebe auch fernerhin. // Mit herzlichem Gruße verbleibe ich meine Wünsche wiederholend dein dankbarer Enkel Franz'' | ||
<hr> | <hr> | ||
==== Brief vom 26. Dezember 1878 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ==== Brief vom 26. Dezember 1878 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] Stelle:<br /> | Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] Stelle:<br /> | ||
''Salzburg den 26/12 1878. Meine inigst geliebten Theuren! Wie sehr erfreute mich Euer Christgeschenck. Ich habe selbes schon 4 mal getragen, hat allgemeinen Beyfall und taugt mir vor allen, sehr gut auf den Kopf, ich kann sie auch auch [!] sehr gut brauchen weil ich die ich doch imer Hauben trage schon ein ganzes Jahr keine mehr bekommen habe auch der Schlips<ref>Diese Bedeutung von "Schlips" kann ich [ | ''Salzburg den 26/12 1878. Meine inigst geliebten Theuren! Wie sehr erfreute mich Euer Christgeschenck. Ich habe selbes schon 4 mal getragen, hat allgemeinen Beyfall und taugt mir vor allen, sehr gut auf den Kopf, ich kann sie auch auch [!] sehr gut brauchen weil ich die ich doch imer Hauben trage schon ein ganzes Jahr keine mehr bekommen habe auch der Schlips<ref>Diese Bedeutung von "Schlips" kann ich, [[Otto Holzapfel]], nicht identifizieren.</ref> ist sehr hübsch, ich trage selben immer zur Haube. Nehmt meinen Herzlichen dannck dafür. Ich dachte am Heil Abend wohl auch an Euch meine Lieben. Wie werden die Augelein der Kleinen Fany geglänzt haben, und wie / wird sie gehüpft sein vor Freude ich hätte sie recht gerne sehen mögen, und Papa, und Mama, werden sich an der Kleinen ihrer Freude geweidet haben. Bey Otto war auch ein schöner Christbaum, die Kinder wurden reichlich beschenkt. Als jedes ein Buch je nach dem Alter beschaffen dan die größren Schlittschuhe, die 3 Kleinen Pupen dan Geldtaschen. Dan Zeug zu warmen Regenmäntele dan Schlips die größren Etwie mit Briefpapier und Quwert. Stiefl und noch eine menge Kleinigkeiten. Ich wurde auch noch überrascht, mit einen sehr hübschen Sammthut, von Frau von Duregger, und Emile zusammen, der mich auch sehr freut, nun bin ich ganz schön zusammen gerichtet, für den Winter.'' / | ||
''Bey uns ist es recht sehr kalt. Alles Lauft Schlittschuh, es ist eine neue Bahn errichtet worden nicht weit von den FarbenHäußern<ref>Diesen Hinweis kann ich [ | ''Bey uns ist es recht sehr kalt. Alles Lauft Schlittschuh, es ist eine neue Bahn errichtet worden nicht weit von den FarbenHäußern<ref>Diesen Hinweis kann ich, [[Otto Holzapfel]], nicht identifizieren. Der [[Leopoldskroner Weiher]] kann nicht gemeint sein; die Hinweise für die Stadt Salzburg bei [[Eislaufen]] sind alle viel jünger.</ref>, wo alles Wimmelt von Leuten jungen Leuten, das herrichten de[r]ßelben kostete mehrere Tausend gulden, das angenehmste dabey ist das alles nicht so weit zu gehen hat, und kein einbrechen des Eises zu fürchten ist, weil es keine Tiefe hat. Ubrigens ist es sehr schön hergerichtet, es sind mehrere Zelte auch ein große[s] Für Mußick, da haben die Großherzoglichen Herschaften auch ein eigenes Zelt. Dan eine Resta[u]ration, dan große Kandelaber zur Beleichtung für den Abend, dan ist auch eine Tannen Verzihrung. Kurz es ist recht hübsch zu sehen ich war gestern mit der Emile / Duregger draußen zu schauen.'' | ||
''Nun meine lieben wünsche ich Euch zum Schluß ein recht glückliches neues Jahr in all und jeder Beziehung, wen der liebe Gott ein Haserl [?] schückt, so möge er auch, ein Graßel schücken<ref>Das klingt nach einem Sprichwort. Ich [ | ''Nun meine lieben wünsche ich Euch zum Schluß ein recht glückliches neues Jahr in all und jeder Beziehung, wen der liebe Gott ein Haserl [?] schückt, so möge er auch, ein Graßel schücken<ref>Das klingt nach einem Sprichwort. Ich, [[Otto Holzapfel]], konnte bisher unter den über 300 Redensarten mit "Hase" bei Wander (1870) zwei Hinweise finden: [Nr.] 39. "Der schuf den Hasen, der schuf auch den Rasen." [ohne Quellenangabe] und [Nr.] 142. "Wer da schuf den Hasen, der schuf auch den Rasen. – Gaal, [Nr.] 859." Vgl. Georg von Gaal, ''Sprichwörterbuch in sechs Sprachen'' […], Wien 1830. Nachweis: ''Deutsches Sprichwörter-Lexicon'' von Karl Friedrich Wilhelm Wander [Band 2, 1870, S. 368 ff.], digitalisierte Fassung […]: woerterbuchnetz.de</ref>, dies wünsche ich für Franz ganz besonders – – dir liebe Fany eine recht glückliche Entbindung, und ein früsches Kindlein. Und der kleinen Franzl das sie recht bald ohne alle Maschin recht herum springen kann, bey der Nacht wird sie die Maschin gewiß nicht mehr tragen dürfen. Der liebe Gott möge Euch alle recht gesund erhalten und viele Freuden schencken, mir bewahret Eure Liebe. Die Großmutter und Therese wünschen allen alles Gute zum Neujahr nebst herzlichen Grüßen an alle. Ich bitte auch von mir an die Bekanten viele glückwünsche und grüße. Es segnet Euch 1000 mahl Eure treue Mutter Spángler.'' | ||
[Seite 1 unten, auf dem Kopf:] ''Von allen Bekanten viele Glückwünsche und grüße.'' | [Seite 1 unten, auf dem Kopf:] ''Von allen Bekanten viele Glückwünsche und grüße.'' | ||
| Zeile 196: | Zeile 319: | ||
== 1879 == | == 1879 == | ||
==== Brief vom 24. Januar 1879 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg den 24/1 1879 // Meine inigstgeliebten Theuren! // Es ist nun schon zimmlich lange seit ich von Euch meine lieben einen Brief erhalten habe, – jedoch bin ich nicht ohne Nachricht von Euch zu haben, ich kome fast alle Wochen zu Schlegel<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref>, und das ist wohl immer meine erste Frage, keine Nachricht von Wien? Gottlob das sie alle Befriedigend sind; die Kleine muß schon recht starck sein, das sie so weit gehen kan, wie mir Rosa sagte. Uberhaupt, ist die Fany ein gesundes Kind nicht verzogen, und daher gut zu haben, es ist mir auch dieses ein deutlicher Beweiß, das du dich mit der kleinen leicht thust, weil du die Rosa erst auf anfang März dir bestelt hast. Gottlob liebe Fany das du dich so wohl befindest. Wie ich hoffe wird alles recht gut vorüber gehen, nur liebe Fany – / habe ich immer diese Angst das du dich über deine Kräfte ansträngst. Ich bitte dich recht sehr thue nichts was dir schaden könnte. Die Franzl wird dir gewiß auch schon manches hollen könen, mit der Berta muß man schon oft lachen, ver langen kann sie alles natürlich nun andeuten, auch geht sie selbst, zum Topferl wen sie ein Geschäft hat, und wen die Marie abends die Betten für die Kinder herrichtet, so geht sie ins Kastl und holt die Nachttöpfe und stehlt sie wie sie gehören unter das Bett, und wen sie Musick hört da tanzt und singt sie zugleich. Die Berta hat 16 Zähne, die Olgar'' [Olga] ''5, aber sprechen thut beynahe, die Olgar'' [Olga] ''mehr. Ich freue mich schon recht sehr wen ich die Franzel wider sehe. Die, wird bis dahin, recht groß sein. Ihr Bild sehe ich immer mit freuden an.'' | |||
''Ich bin Gottlob heuer im Winter noch zimmlich zufrieden / Ich lebe so recht gemählich fort, gebe sehr auf meine Gesundheit obacht, lasse mir nichts abgehen, lebe aber sehr mäßig, dies glaube ich, erhält mich gesund. Abends spillen wir oft, die sogenante Backel-Partie, mit Fräulein Rosalie, nach meinen essen gehe ich fast täglich zu Durregger bis ¼ nach 9 Uhr, und dan zu Bett, und schlaffe in der regel gut Gottlob, – kurz, ich bin Gottlob, recht zufrieden. Ich wäre ja undannckbar gegen Gott, und meinen lieben Kindern, welche mir ein sorgen freyes Alter verschaft haben. Der liebe Gott möge es Euch, an Euern lieben Kindern, vergelten, bethen thue ich gewiß immer fleißig für Euch. Ich weiß nicht habe ich es schon geschrieben das die Louise im May, und die Kochin August wider einen Zuwachs bekommen gott gebe nur, das es überal glücklich vorüber geht. Die Ho[c]hzeit von Mina Reinfort ist nun auch glücklich / vorüber gegangen, und sie ist nun in Wien an ihren Bestimmungsort, ihr Bräutigam hat mir recht gut gefallen, er scheint ein ernster stiller Mann zu sein, sie fühlt sich ganz glücklich in seinen Besitz. | |||
''Angermeyer'' [Angermayer] ''sieht ganz gut auß. Der wird nun hier bleiben bis er zur Hochzeit hinunter'' [nach Wien] ''reißt zur Hochzeit. Den Rudolf seine Frau ist nun auch seit 8 Tagen in Wien, er wird dieser Tage kommen, sie abzuhollen. Der Großmutter und Therese geht es zimmlich gut die großmutter sieht gut auß, nur das sie wenig thuen kann, weil sie wenig sieht. Sie läßt Euch herzlich grüßen und freut sich immer wen sie von Euch etwas hört. // Lebt recht wohl und seid 1000 mahl geküßt und gegrüßt von Eurer Euch herzlich liebenden // Mutter Antoine [!] Spángler // Der Franzel recht viele Bußerln. An alle Bekannte viele herzliche Grüße.'' [erste Seite oben, auf dem Kopf:] ''Otto und Louise grüßen Euch herzlich.'' | |||
<hr> | |||
==== Brief vom 25. Februar 1879 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ==== Brief vom 25. Februar 1879 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | ||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stellen:<br /> | Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stellen:<br /> | ||
| Zeile 243: | Zeile 375: | ||
==== Brief vom 24. Juni 1879 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 24. Juni 1879 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ==== | ||
[Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] an [Nr. 19] Fanni Spängler:<br />''Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni | [Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] an [Nr. 19] Fanni Spängler:<br />''Salzburg am 24te Juni 1879.'' [darüber:] ''Ausgehen kann ich noch nicht allein.// Liebe Fanni! // Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den[n] möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida'' [Guttenberg, Anm.] ''und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten'' [am schönsten] ''grüße sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich'' [sein] ''; das ich ihm dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen'' [Mädchen] ''erinert mich sehr an dein[e] Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Rosa.'' | ||
Ein Bogen mit vorgeschriebenen Linien, auf denen mit doch fester Schrift die fast 83jährige Großmutter schreibt. Kein Briefumschlag. | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 255: | Zeile 389: | ||
==== Brief vom 20. Juli 1879 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ==== Brief vom 20. Juli 1879 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ||
Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 20. Juli 1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine "Reiseabentheuer zu berichten", Kinder schlafen (im Zug), "Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel"; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen "in jeder Hinsicht", in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St. Peter bei der hl. Messe, "Franzi war recht brav", Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; "Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger"; "die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder."; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - "Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen"; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; "Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen"; "Es küßt dich 100 mal deine Alte" "Bußl von Franzi" "Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg." | Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 20. Juli 1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine "Reiseabentheuer zu berichten", Kinder schlafen (im Zug), "Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel"; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen "in jeder Hinsicht", in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St. Peter bei der hl. Messe, "Franzi war recht brav", Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; "Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger"; "die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder."; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - "Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen"; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; "Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen"; "Es küßt dich 100 mal deine Alte" "Bußl von Franzi" "Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg." | ||
<hr> | |||
==== Brief vom 22. Juli 1879 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg den 22/7 [18]79. // Mein lieber theurer Franz! // Verzeihe das ich deinen lieben Brief erst heute beantworte, aber es war in Hall nie mehr recht Zeit, am Sammstag den 19 te[n] bin ich Abends hier angekommen, du weist schon, das es wider allerlei braucht, bis man in seine gewöhnliche Ordnung kömmt. Lieber Franz es freut mich recht sehr daß [!] du bey mir wohnest. Die Großmutter sagte mir gestern gleich beim ersten Besuch, das sie mir das gleich sagt, das Franz bey mir Frühstücken Essen und schlaffen müßte das sie Fany nur unter dieser Bedingung genohmen habe. Ich dachte, mir ist es ganz recht, so habe ich dich auch wider einmal bey mir. / Wie sehr freute es mich Fany und die lieben Kinder zu sehen, die Franzel ist noch etwas scheu gegen mich, ist aber sehr lieb, und bey Schlegel<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref> wo sie schon ganz bekannt ist, da spricht sie auch sehr lieb. //'' [unterstrichen:] ''Abends // Soeben komme ich von der Fany wo ich ein paar Stunden war, die kleine Toni finde ich sehr lieb, und ein gar gutes Kind, wen sie nicht hun[g]rig ist, so liegt sie ganz ruhig in ihren Bettchen. Die Fany sieht recht gut auß man sieht es greift sie das Kind stiel[l]en gar nicht an, im gegentheil sie sah in ihren Leben noch nie so gut auß wie jetzt. Mir scheint sie auch recht heiter zu sein.'' | |||
''Mir ging es in Baumkirchen gottlob recht gut, die Schwester war mehr unwohl sie hatte mehr an Diaree zu leiden und dieß machte sie sehr schwach. gegen Ende fühlte sie sich beßer. Sie war ganz glücklich das ich drin[n]en war / allein ging sie nie mehr, auch möchte'' [sie] ''nie allein dort sein Wir waren mit Zimmer und Verpflegung sehr zufrieden. Die Witterung war münder gut, seit wir aber fort sind von Baumkirchen, ist die Witterung viel schlechter geworden. Ich bedaure die Fany sie kann auch nicht so viel gehen als sie will, weil es alle halbe Stund regnet. Dir werden die Kinder sehr abgehen, und ebenso die Fany. Ich dancke für deinen Gruß durch Fany. Das den Reinfort der Schlag getroffen hat wirst du gehort haben, wie ich höre wird er immer schwächer, ich glaube sie haben wenig Hoffnung, auf geneßung. Wie ist es den? hast du eingegeben<ref>Bewerbung um neue Stelle dort</ref> nach Franckenmarck'' [Frankenmarkt] ''? ich bin schon begier[i]g wie es geht. Lebe recht wohl, es küßt dich mit aller Liebe deine // treue Mutter Spángler // Otto und Louise grüßen dich herzlich.'' | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 261: | Zeile 402: | ||
<hr> | <hr> | ||
==== Brief vom 31. Juli 1879 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ==== Brief vom 31. Juli und 1. August 1879 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ||
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler: | Brief von [Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler; ohne Umschlag:<br /> | ||
<br />''Salzburg 31. Juli 1879./ Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. | ''Salzburg 31. Juli 1879. // Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. / Deine Mutter war so gut mich schon für Sonntag den 10/8 mit den Kindern zu Mittag zu laden, so daß wir gleich am 1. Tage zusammen sein können! O, wie ich mich auf dich freue! // Uns geht es immer gut, die Kinder sehen Gottlob gut aus. Ich gehe aber auch an die Luft, so viel ich nur kann. Gestern sprach ich einen Augenblick mit Hr: Kalhofer [?], er ver[r]eist am 11./8. Hiermit sende ich dir das verlangte Sparkassen/buch, und erinnere dich bei dieser Gelegenheit daß du die Bücheln unsrer Kinder hierher mitnemen wolltest. Wie steht es denn mit dem Geld? Ob Großmutter unsere Zulage bekommt, weiß ich noch nicht. Soll ich dir durch Otto Geld schicken? Ich habe jedenfalls genug hier, bis du kommst, auch mal länger. / Sei doch so gut und sage der Anna, sie soll die Bettwäsche, worin Dr: Pohl geschlafen hat, ausschwemmen dann überbügeln und wieder auf das Bett geben. Dann soll Anna dir eine Büchse gebrannten Kafe mitgeben, mein Vorrath erreicht sein Ende, bis du kommst. Übrigens grüße ich Anna sowie alle Bekannten. Das Feuilleton über den Kuß finde ich eigenthümlich, ich habe gleich der Franzi ein wolüberlegtes Bußerl gegeben nur des Studiums wegen. Auch ich freue mich auf einige wolstudirte K.... // Heute gehe ich mit deiner Mutter zur Überfuhr. Es ist jezt sehr heiß hier. // Großmutter die dich grüßt, läßt dich bitten, ihr von Wien um 20 bis 30 f'' [Gulden] ''Weinscharlzuckerl [?] zu bringen, sie behauptet, sie bekomme / hier keine, die einen ordentlichen Geschmack haben. Sei so gut und sieh ob du bei einem Konditor oder in einer Apotheke welche bekommst, die ziemlich säuerlich schmecken. Haben sie solche Sachen nicht auch beim schwarzen Hund? Sei nicht böse wenn ich schließe Toni wird unruhig. // Es küßt dich deine Alte //'' [etwa dunklere Tinte:] ''Lieber Vater // Kom bald zu uns Franzi und Toni freuen sich sehr so sehr auf dich XXX'' [Unterschrift, Anm.] | ||
Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt. | Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt. | ||
| Zeile 269: | Zeile 410: | ||
==== Brief vom 27. August 1879 von Betti Katzinger<ref>Fanny Koblers jüngere Cousine Betti Kobler (* 1825; † 10. August 1881 in Grein), verheiratet mit Leopold Katzinger, schreibt sie als "Großmutter" an. Vgl. Aufstellung des Stammbaums Spängler, Kobler usw. bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org])</ref>, Grein, an Fanny Kobler, * 1796, Salzburg ==== | ==== Brief vom 27. August 1879 von Betti Katzinger<ref>Fanny Koblers jüngere Cousine Betti Kobler (* 1825; † 10. August 1881 in Grein), verheiratet mit Leopold Katzinger, schreibt sie als "Großmutter" an. Vgl. Aufstellung des Stammbaums Spängler, Kobler usw. bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org])</ref>, Grein, an Fanny Kobler, * 1796, Salzburg ==== | ||
Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>wohl Fanny Koblers Schrift</ref> Ein Bogen, blaues Papier mit | Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>wohl Fanny Koblers Schrift</ref> Ein Bogen, blaues Papier mit Prägedruck "Grein an der Donau"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen; XX = unleserlich<br /> | ||
''27. August 1879. Liebe gute Großmutter! Ein Brief von Deiner lieben Hand, welch frohe unsagbare freudige Ueberraschung! Ich wollte kaum meinen Augen trauen, aber mein Herz jubelte auf, meine Augen strömten über vor Freude den ich hielt ja Deinen theueren Brief in Händen! Vor allem dankte ich Gott innigst, daß Er Dir die Kraft zu diesem Entschluß gab, und das die Operation glückte! Ich möchte die geschickten Hände des braven Hr. Doktors Kerschbaumer der Dich operirte küßen und rufe Gottes Segen auf ihm herab! Und nun gute Großmutter nimm meinen und meines Mannes herzlichsten Glückwunsch und sey überzeugt das wir beyde uns aufrichtig mit Dir freuen, daß Gott Dir wenigstens auf einem Auge das Sehen wieder ermöglichte, es ist gewiß ein großes großes Glück!'' ./. [Zeichen zum Seitenwechsel] / ''Was gebe ich darum wenn ich nur auf einem Ohr mein Gehör erlangen könnte – aber für mich gibt es keine Hoffnung, ich muß schon mein Unglück bis zum Ende ertragen. –'' [… Teile übersprungen]<ref>Auch die folgenden Übertragungen dieser Briefe 1880 und 1881 beschränken sich auf Inhalte, die für Salzburg relevant scheinen.</ref> / […] ''Welche Freude wirst du an Deinen beyden lieben Enkelkinderchen haben, heuer kannst Du sie doch sehen, wie liebreitzend wird mein Herzpünkerl die kleine Franzi<ref>Franziska [[Spängler]], * 1877 in Wien</ref>sein, wenn sie mit ihrem noch kleineren Schwesterchen spielt? Fanni<ref>[[Franziska Schlegel]], verheiratet mit [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]</ref> ist wirklich eine glückliche Mutter so gesunde kräftige Kinder Gott erhalte segne und beschütze sie Alle! Das Theres'' [langjährige Hilfe im Haus] ''so herabgekommen mit ihrer Gesundheit bedauere ich sehr, und wünsche das sie von Hofgastein gesünder zurückkehren möchte'' […] / […] ''und sey versichert das ich jederzeit wenn Du es wünschest mit Freuden zu Dir auf Besuch komme, auf ein paar Wochen kann mein Leopold mich schon entbehren, obwohl er immer brummt wenn ich von fortreisen sage, aber zu Dir ließe er mich nach am ehesten, wir waren vor 14 Tagen mitsamen in Steyeregg u. Wels. Nun lebe recht wohl mein Mann läßt Dir die Hand küßen, ich aber küße Dich recht innig im Geiste und am XX'' [winzige Schrift]. ''Deine dankbare Betti'' | ''27. August 1879. Liebe gute Großmutter! Ein Brief von Deiner lieben Hand, welch frohe unsagbare freudige Ueberraschung! Ich wollte kaum meinen Augen trauen, aber mein Herz jubelte auf, meine Augen strömten über vor Freude den ich hielt ja Deinen theueren Brief in Händen! Vor allem dankte ich Gott innigst, daß Er Dir die Kraft zu diesem Entschluß gab, und das die Operation glückte! Ich möchte die geschickten Hände des braven Hr. Doktors Kerschbaumer der Dich operirte küßen und rufe Gottes Segen auf ihm herab! Und nun gute Großmutter nimm meinen und meines Mannes herzlichsten Glückwunsch und sey überzeugt das wir beyde uns aufrichtig mit Dir freuen, daß Gott Dir wenigstens auf einem Auge das Sehen wieder ermöglichte, es ist gewiß ein großes großes Glück!'' ./. [Zeichen zum Seitenwechsel] / ''Was gebe ich darum wenn ich nur auf einem Ohr mein Gehör erlangen könnte – aber für mich gibt es keine Hoffnung, ich muß schon mein Unglück bis zum Ende ertragen. –'' [… Teile übersprungen]<ref>Auch die folgenden Übertragungen dieser Briefe 1880 und 1881 beschränken sich auf Inhalte, die für Salzburg relevant scheinen.</ref> / […] ''Welche Freude wirst du an Deinen beyden lieben Enkelkinderchen haben, heuer kannst Du sie doch sehen, wie liebreitzend wird mein Herzpünkerl die kleine Franzi<ref>Franziska [[Spängler]], * 1877 in Wien</ref>sein, wenn sie mit ihrem noch kleineren Schwesterchen spielt? Fanni<ref>[[Franziska Schlegel]], verheiratet mit [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]</ref> ist wirklich eine glückliche Mutter so gesunde kräftige Kinder Gott erhalte segne und beschütze sie Alle! Das Theres'' [langjährige Hilfe im Haus] ''so herabgekommen mit ihrer Gesundheit bedauere ich sehr, und wünsche das sie von Hofgastein gesünder zurückkehren möchte'' […] / […] ''und sey versichert das ich jederzeit wenn Du es wünschest mit Freuden zu Dir auf Besuch komme, auf ein paar Wochen kann mein Leopold mich schon entbehren, obwohl er immer brummt wenn ich von fortreisen sage, aber zu Dir ließe er mich nach am ehesten, wir waren vor 14 Tagen mitsamen in Steyeregg u. Wels. Nun lebe recht wohl mein Mann läßt Dir die Hand küßen, ich aber küße Dich recht innig im Geiste und am XX'' [winzige Schrift]. ''Deine dankbare Betti'' | ||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 308: | Zeile 449: | ||
==== Brief vom 5. Dezember 1879 von Betti Katzinger an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 5. Dezember 1879 von Betti Katzinger an Fanni Spängler ==== | ||
Betti Katzinger an Fanni Spängler:<br />''Grein am 5. Dezb. [18]79.'' [Monogramm: B K] ''Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. | Betti Katzinger an Fanni Spängler, [[Franziska Spängler]]; ein Bogen, ohne Umschlag:<br />''Grein am 5. Dezb. [18]79.'' [Monogramm: B K] ''Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. // Heute erhielt ich von der guten Großmutter einige recht herzliche Zeilen, welche mich sehr erfreuten; ich bewundere daß sie so hübsch schreiben kann, so ganz ihre festen Schriftzüge wie sonst, dieß ist gewiß ein rechtes Glück was ich ihr so recht vom Herzen gönne, auch sonst ist sie außer dem fatalen Herzklopfen Gott sei dank gesund, der Theres geht es auch beßer schrieb sie mir, nur jetzt seit es so kalt ist, hat sie wieder öfters Schmerzen; der Winter hat halt so manches Unangenehme in seinem Gefolge. Uns geht es bis jetzt doch noch ziemlich gut, nur ich habe ein krankes Auge, doch wird es zum Glück schon etwas beßer. / '' | ||
'' | ''Ich weis nicht ob Du Dich noch erinnern kannst liebe Fanni, an eine Verwandte von uns die Gerhardinger Fanni von Ried welche lange Zeit in Salzburg beym Bruder Paul war als er auch das Kaffeehaus hatte, sie war eine hübsche Brünette hat vor 5 Jahren einen Buchbinder Namens Beib [?] in Ried geheirathet war recht glücklich hatte ein Mädchen und 1 Knaben, und vor 8 Wochen ist sie wieder mit einem Mädchen entbunden ging alles gut vorüber sie hat sich aber dan zu wenig geschont und verkühlt und ist am 9.te Novb. gestorben. Die Kobler Paulin ist auch in Folge des Wochenbettes am 13.te Novb. gestorben so auch das Kind ein Bub, ihr Mann der Wechselwächter'' [Bahnwärter, Anm.] ''in St. Johann in Tyrol ist hat mir geschrieben er bittet wir sollten uns seines 6 Jahre alten Mädchens Luise annehmen, weis sich mit dem Kind allein nicht zu helfen. So sehr mir das arme Kind erbarmt, so getraue ich mich doch meinen Mann nicht zu bitten und ihm diese Last aufzubürden, den[n] wir haben ja selbst nichts Uebriges, und er müßte sich doch manche Entbehrung auferlegen, wenn er auch noch für ein Kind sorgen müßte, dan sind wir auch beyde schon so alt, aber der Haupthemmschuh ist das Geld. / Mir thut das Herz weh wenn ich an das arme mutterlose Wesen in dem Wächterhäuschen denke, und bete täglich Gott möge sich derselben erbarmen; wenn es nur die Griesbergerischen<ref>Vgl. (?) [[Josef Griesberger]] (* 1839; † 1914); die Verwandtschaft kann ich, [[Otto Holzapfel]], nicht nachweisen.</ref> in Salzburg die ebenso nahe verwandt sind zur Paulin wie ich, und auch keine Kinder haben, sich des kleinen Mädchens annehmen möchten, die könnten es leichter thun wie wir, da sie sehr wohlhabend sind! Die arme Paulin hat sehr viel Elend und Noth ausgestanden, und für ihren Leichtsin gewiß genug gebüßt, sie verlohr nichts am Leben, den sie hätte kaum noch ein beßeres Loos zu hoffen gehabt - aber das schuldlose Kind ist sehr zu bedauern. Du glaubst nicht liebe Fanni wie sehr mir das traurige Geschick Pauls und seines Kindes schon das Leben verkümmerte - was ich thun kann um ihm hie und da eine kleine Unterstützung zukommen zu laßen thue ich wohl, aber es hilft halt nicht viel, im Herbst war er einige Wochen in Steyeregg bey Wilhelm, da konnte er sich wieder ein wenig erholen und doch täglich satt essen - Wilhelm thut recht viel für ihn, aber ganz erhalten kann er ihn auch nicht den er hat ja selbst 3 Kinder. Wilhelm hat seinen größeren Buben Hans der 12 Jahre alt ist, im Herbst nach Linz / gegeben wo er die Bürgerschule besucht, der Bub macht ihm viel Freude weil er so brav lernt. Gott gebe daß er so fortfährt in seinem Fleiß und auch sonst brav wird, Hans war und ist immer mein Liebling von meines Bruders Kindern! Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß in Wien so viele Kinder an den Masern erkrankt sind, im vorigen Jahr herschte in Grein diese zwar nicht gefährliche aber immerhin unangenehme Krankheit Gott gebe das Deine 2 Lieben herzigen Mädi welche ich vielmahls küße, davon verschont bleiben. Bin recht begirig wenn Du mir einmahl schreibst ob Du schon ein Hemd gemacht, und ob es zur vollen Zufriedenheit Deines gestrengen Herrn Gemahls ausgefallen ist? Das Du ein so gute Nähmaschin bekommen ist ein Glück das ich Dir sehr gönne, mich hat meine Maschin die ersten Jahre sehr oft segiert'' [sekiert, geärgert, Anm.] ''und viele Thränen gekostet, jetzt bin ich zufrieden damit, wir haben uns nun schon zusammen gewöhnt. - Von meinem Leopold soll ich Dir viele Empfehlungen schreiben, Deine gute Schwester Rosa grüße vielmahls von mir, ich hoffe und wünsche das es Euch Allen recht wohl ergeht, denke sehr sehr oft an Alle besonders an die mir so sehr liebe Franzi! Lebe wohl gute theure Fanni, es küßt Dich innig Deine aufrichtige Betti.'' | ||
Die Briefschreiberin ist Betti Katzinger, in einem Brief 1871 ist "Betti" genannt, ebenfalls 1880 und 1881. - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft | Die Briefschreiberin ist Betti Katzinger, in einem Brief 1871 ist "Betti" genannt, ebenfalls 1880 und 1881. Die Datierung ist unsicher, es könnte auch der 1. Dezember sein [Strich mit einem winzigen Bogen oben]. - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft lag an dieser Stelle bei der Korrespondenz: Dr. Franz Spängler, ca. 1880, als Kopf des österr. Doppeladlers, mit dem "Corpus Juris" als Schild, umrahmt von vielen kleinen Kindern; in den Klauen das k. k. Bezirksgericht in Ottakring (Wien) und das k. k. Bezirksgericht in Pottenstein. Franz Spängler wurde 1880 Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting (Nieder-Österreich). - Auf einer herausgeschnittenen Buchseite (bei den Briefen der Fanny Kobler) schrieb Fanny Kobler: "Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben." Betti ist die Tochter von Fannys Cousine. - Wilhelm Kobler in Linz ist Bettis Bruder, Fannys Neffe. | ||
<hr> | <hr> | ||
==== Brief vom 20. Dezember 1879 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ==== | ==== Brief vom 20. Dezember 1879 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ==== | ||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | ||
''Wien 20 Dezember 1879 Liebe Großmutter! // Mit ganz besonderer Freude empfing ich deinen lieben Brief, denn die bewundernswert festen und klaren Schriftzüge beweisen mir, daß erstens dein Befinden ein gutes ist, und daß zweitens deine Sehkraft sich stets beßert. // Ich hatte dir noch vor Weihnachten antworten wollen, doch blieb es leider beim Vorsatze. // So wünsche ich dir denn in meines Mannes Namen und in meinem eigenen recht frohe, vergnügte Weihnachten und bitte dich zugleich, den beiligenden Schuhe freundlich entgegen / zu nehmen als Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit. // Gerne hätte ich dir eine größere Arbeit gemacht, doch wußte ich nicht, was du allenfalls brauchen könntest. | ''Wien 20 Dezember 1879 Liebe Großmutter! // Mit ganz besonderer Freude empfing ich deinen lieben Brief, denn die bewundernswert festen und klaren Schriftzüge beweisen mir, daß erstens dein Befinden ein gutes ist, und daß zweitens deine Sehkraft sich stets beßert. // Ich hatte dir noch vor [[Weihnachten]] antworten wollen, doch blieb es leider beim Vorsatze. // So wünsche ich dir denn in meines Mannes Namen und in meinem eigenen recht frohe, vergnügte [[Weihnachten]] und bitte dich zugleich, den beiligenden Schuhe freundlich entgegen / zu nehmen als Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit. // Gerne hätte ich dir eine größere Arbeit gemacht, doch wußte ich nicht, was du allenfalls brauchen könntest. | ||
''Ich freue mich sehr auf den Christbaum, denn ich hoffe, die Kinder werden sehr glücklich sein beim Weihnachtsbaum. Toni bekommt eine Gummipuppe und Franzi eine Schachtel mit Küchengeschirr und eine kleine Zimmereinrichtung, dazu eine große und kleine Puppe, die ich selbst gekleidet habe und zwar mit Kleidern aus Häckelarbeit, so wie ich sie einst für mich selbst gemacht habe. Ein kleines Bett ist auch dabei und auf besondern Wunsch meiner Tochter auch eine / kleine Schaufel und Besen, damit sie aufkehren kann. Die ganze Zimmereinrichtung, doch ohne Bettstelle, kostet 40 Kreuzer, man weiß wirklich nicht, wie die Leute so etwas liefern können. // Eine größere Puppe bekommt Franzi auch, denn ihre Mimi die schon mit in Salzburg war, ist nicht mehr schön. | ''Ich freue mich sehr auf den Christbaum, denn ich hoffe, die Kinder werden sehr glücklich sein beim Weihnachtsbaum. Toni bekommt eine Gummipuppe und Franzi eine Schachtel mit Küchengeschirr und eine kleine Zimmereinrichtung, dazu eine große und kleine Puppe, die ich selbst gekleidet habe und zwar mit Kleidern aus Häckelarbeit, so wie ich sie einst für mich selbst gemacht habe. Ein kleines Bett ist auch dabei und auf besondern Wunsch meiner Tochter auch eine / kleine Schaufel und Besen, damit sie aufkehren kann. Die ganze Zimmereinrichtung, doch ohne Bettstelle, kostet 40 Kreuzer, man weiß wirklich nicht, wie die Leute so etwas liefern können. // Eine größere Puppe bekommt Franzi auch, denn ihre Mimi die schon mit in Salzburg war, ist nicht mehr schön. | ||
| Zeile 353: | Zeile 494: | ||
[[Kategorie:Spängler]] | [[Kategorie:Spängler]] | ||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
[[Kategorie:historisches Dokument]] | |||