Friedensreich Hundertwasser: Unterschied zwischen den Versionen

Salzburg-Bezug: Österreich-Brunnen Grandhotel Zell/See
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(15 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
'''{{PAGENAME}}''', mit bürgerlichem Namen ''Friedrich Stowasser'' (* [[15. Dezember]] [[1928]] in Wien; † [[19. Februar]] [[2000]] an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth 2), war ein österreichischer Künstler.
[[File:Ernst Fuchs, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser.jpg|thumb|Von links: Ernst Fuchs, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser, 1975 by Gert Chesi.]]
'''Friedensreich Hundertwasser''', mit bürgerlichem Namen ''Friedrich Stowasser'' (* [[15. Dezember]] [[1928]] in [[Wien]]; † [[19. Februar]] [[2000]] an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Queen Elizabeth 2" bei Neuseeland), war ein österreichischer Künstler.


==Salzburg-Bezug==
==Salzburg-Bezug==
[[1988]] quartierte sich der Maler einen Sommer lang im [[Gasthaus Steinlechner|Hotel Steinlechner]] in Salzburg-[[Parsch]] ein und startete von hier aus seine Aktion gegen die "Europäisierung" der österreichischen Nummerntafeln. Damals war die Planung der Umgestaltung von schwarzen auf weiße Nummerntafeln angelaufen. Hundertwasser argumentierte damit, dass die schwarze Farbe die Identität Österreichs war und bleiben muss.  
[[1988]] quartierte sich der Maler einen Sommer lang im [[Gasthaus Steinlechner|Steinlechner]] in Salzburg-[[Parsch]] ein und startete von hier aus seine Aktion gegen die "Europäisierung" der österreichischen Nummerntafeln. Damals war die Planung der Umgestaltung von schwarzen auf weiße Nummerntafeln angelaufen. Hundertwasser argumentierte damit, dass die schwarze Grundfarbe die Identität Österreichs sei und bleiben müsse.  


Für das [[Rupertinum]] schuf er in den Jahren 1980 bis 1987 den ''Zungenbart'' (Keramikflächen) der Außenfenster. [[2003]] wird der ''Österreich-Brunnen'' in der Gartenanlage des [[Grandhotel Zell am See]] errichtet.  
Für das [[Rupertinum (Gebäude)|Rupertinum]] in der [[Altstadt]] von Salzburg schuf er in den Jahren [[1982]] bis [[1987]] den "Zungenbart" (Keramikflächen) der Außenfenster.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=diriIgK89BDF%2FZZ%2BBSLm8tfd7wDGTbeAyOT0i7ZIibQgUfcuoPMxZ5qhvMsj4F1jqoO3WRdkuBIexNJbgnf86q0AZpMlyvboTgX8ykWh3UQ1jgFiWAscAPvNm%2FbBmrkl&id1=19811124_09&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide9 www.sn.at], Archiv der "[[Salzburger Nachrichten]]", Ausgabe vom 24. November 1981, Seite 9</ref> Der Vorschlag war vom Salzburger Architekten [[Gerhard Garstenauer]] gekommen. Im Vorfeld kam es zu Diskussionen. Mitglieder der [[Altstadtkommission|Salzburger Altstadtkommission]] äußerten sich skeptisch und ließen ein maßstabsgetreues Modell an der Hauswand des Rupertinums anbringen.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=R5I2uIgtOLF1LXtrZzqHssEgzcrgYzsGibfLQ1GfuIPEbcDH5%2FeNTtCj9Qe9rJyRqxjhdLWxVM66%2Bca91atitM5vzUWtyzGI2zivsv5EeUBL8v80TlJFnyraJnRtxmTN&id1=19811215_05&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide5 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 15. Dezember 1981, Seite 5</ref> Auf einer Pressekonferenz am [[5. Februar]] [[1982]] stellten der Leiter der Graphischen Sammlungen Rupertinum, [[Otto Breicha]], und der Architekt des Hauses, Gerhard Garstenauer, in der [[Galerie Welz]] erstmals die Entwürfe für Fassadengestaltung, wie sie Hundertwasser ersonnen hatte, vor. Diese Entwürfe waren dann einige Wochen lang in den Auslagen der Galerie zu sehen. In Medien war schon die Rede von einem "Hundertwasser-Disneyland". Bei der Pressekonferenz wies Breicha darauf hin, dass Hundertwasser bisher unentgeltlich gearbeitet und sogar auf das vereinbarte "symbolische Honorar" von 10.000 [[Schilling]] verzichtet hatte. [[Ernst Ziegeleder]], der Präsident des [[Salzburger Stadtverein]]s, berief sich als einer der Gegner des Projekts vor allem auf das [[Altstadterhaltungsgesetz]]. Er wandte sich gegen die "Entfremdung" dieses Gebäudes im Ensemble der Altstadt. Die ganze "Kalamität" sei nur durch die missglückte Färbelung entstanden. Ziegeleder musste aber auch zugeben, dass bei der Anbringung von Hundertwassers "Bärten" die Fassade durchaus erhalten bleibt. Dennoch müsse man auch "Beispielsfolgen" im Blick haben.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=zlF%2Fjk21HVaPp5Q80QFVOcwHIoe3HB9UThUJIeXapbZdS8oSI4zCF02akaqU1CzABkrDAJ3eAwq1SUICObTc09zOR8mviSp0bMVu8najFiXkRD3PlkE0xtmGKrvWBb6q&id1=19820206_05&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#sn-archiv-5 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 6. Februar 1982, Seite 5</ref>


Mit [[30. April]] 1982 legte dann Hundertwasser seine endgültigen Entwürfe für die "Zungenbärte" vor.<ref name="SN04Mai1984">[https://www.sn.at/archivsn?img=IZjK2sF5pWFJHiZFnC4huK3X9quRyaZ2GtocIlOvEozN3EXsk8aZfl66FsigF5ZWgYeT7R7Ft4Vbg35fijnuK6sKRSEeyFshoZM1UkdKXR4iANbqzaI3nGZqXpxRGCQB&id1=19840504_07&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide7 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 4. Mai 1984, Seite 7</ref>
Am [[5. Juli]] 1982 war [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer senior]] zu einem Gespräch mit Hundertwasser in Wien. In diesem Gespräch hatte Hundertwasser vorgeschlagen, zunächst die Hofseite des Rupertinums probeweise nach seinen detailliert ausgearbeiteten Plänen zu gestalten. Sollte es dann gewichtige Gründe für die Ablehnung geben, könnten die Spiegelfliesen ohne Schaden für das Gebäude wieder abgenommen werden. Als Probezeitraum nannte Hundertwasser fünf Jahre. Landeshauptmann Haslauer wollte dann im Herbst zu einem Gespräch zwischen Hundertwasser und dem Kunsthistoriker Prof. [[Hans Sedlmayr]], der zu den prononcierten Gegnern der Lösung für das Rupertinum gehört, einladen. Haslauer stellte Hundertwasser einen allfälligen Trost in Aussicht: Der Künstler könnte eventuell an der Gestaltung des Neubaus für die [[Naturwissenschaftliche Fakultät]] der [[Universität Salzburg]] mitwirken, die zu jener Zeit in [[Freisaal]] errichtet wurde.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=0CQ1PMWt%2F5ECnrmuAkbUl6FxG4boDOnpoJqJ65EkIePwFEvlUcSSxiRf5HpjrF5l6MOt98ZR%2F9J6tkfi1CNU1BR%2BSgBja6Gl663Rsecsk3NH%2BAtolYOMIis8lsHSjEuw&id1=19820709_09&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#sn-archiv-9 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 9. Juli 1982, Seite 9</ref>
Gegen Ende September 1982 sprach sich dann die [[Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung in Salzburg|Sachverständigenkommission für die Salzburger Altstadterhaltung]] nach Besichtigung der angebrachten Muster und aufgrund der eingereichten Plänen gegen die Gestaltung mit "Zungenbärten" aus. Sollte um die Anbringung der Spiegelfliesen in Gold und Silber angesucht werden, sei mit keiner Zustimmung zu rechnen. Die Kommission stützte sich auf § 3 des Altstadterhaltungsgesetzes, nach dem diese Gestaltung eines historischen Baues nicht zulässig ist sagte der Sprecher der Kommission, Architekt Klaus Franzmair.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=3a0nWYp9FuGQufhTXCEL9nzGOtnJFAHjpXcnOHOq0aD8pL2aJIdNf05q%2FL7Gr7oJ8WBNPiyYPXkABTspILdQrTW0EFxt716BQ38%2FHTkGxzTMVk7aSutMKQ2S1GVVYyRs&id1=19820921_05&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#sn-archiv-5 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 21. September 1982, Seite 5</ref>
Anlässlich der Eröffnung des [[Museum Rupertinum]]s am [[5. Februar]] [[1983]] bot Hundertwasser in einem [[Telegramm]] aus Neuseeland neuerlich seine Dienste an. Er versicherte, er sei kein Zerstörer, sondern habe im Sinn, den Ruhm der Stadt zu vermehren.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=hM7TB1MpiQNuFWx9zwYt7z0LtPx3PsUCpRlWl1x9m8WjYas%2FMNr%2BiCbmtdefpyfL7g3lJjhj437%2FsIhR8OhHBsmuWAmfyAHkCYnowncZZ5aufegaICy8yb8VBAy7bI53&id1=19830207_08&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide8 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 7. Februar 1983, Seite 8</ref>
Fast auf den genau zwei Jahre, nachdem Hundertwasser seine endgültigen Entwürfe vorgelegt hatte, suchte das [[Land Salzburg (Verwaltung)|Land Salzburg]] Ende April [[1984]] um die Anbringung der "Zungenbärte" an der Fassade im Innenhof des Rupertinums an. Die "Zungenbärte" die von Peter Maringer aus [[Mattsee (Ort)|Mattsee]] angefertigt worden waren, waren im obersten Geschoss des Gebäudes an Innenwänden zu sehen. Zwar hatte Hundertwasser auf sein Honorar verzichtet, jedoch hatte die Herstellung der Spiegelfliesen 200.000 Schilling gekostet.<ref name="SN04Mai1984" />
Im Frühjahr [[1987]] gab es im Museum Rupertinum eine Ausstellung von Werken von Hundertwasser. Aus diesem Grund wurden die "Zungenbärte vorübergehend" an der Fassade des Innenhof angebracht. Das dauerhaften Anbringen war bisher am Widerstand der Behörden gescheitert.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=3tRzf2SLZnhQnAiV7H5qaiV3if112c9QbXffPGhHFQ9sqHMbwI0RCOz0yN8IPl9KFFZ6M00bVKg3Xr2Ru%2Bk4Qb8IbhnZE7Hk2Xu5sASeO0hQxVot9QNjZKS17y8xdI37&id1=19870326_01&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide1 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten" Ausgabe vom 26. März 1987, Seite 1</ref> Bei der Eröffnung einer Ausstellung des Künstlers Peter Maringer am [[8. April]] 1987 setzte sich [[Landesrat]] [[Arno Gasteiger]] für eine liberale Auslegung oder Änderung des Altstadterhaltungsgesetzes ein, um doch noch die Anbringung der "Zungenbärte" zu ermöglichen.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=PMi1KHDQBcjhOrqC%2Fiu%2BAA7uHRl68eGK%2FLvuq%2BmteNUlTJDu90kzdJOB6MwX12GkkAZkaqxpY55d3Il3YrRQCtCQnRUHx0N%2FsrT86ucl9l9CRIvkHx9CdP7s8CZxmf87&id1=19870410_13&q=%2522Friedensreich%2520Hundertwasser%2522#slide13 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 10. April 1987, Seite 13</ref>
[[2000]] entzweiten die "Zungenbärte" nach wie vor die Geister. [[Alfred Winter]], [[ÖVP]]-[[Salzburger Gemeinderat|Gemeinderat]] und Beauftragter für kulturell Sonderprojekte im Land Salzburg erinnerte an den "innigsten Wunsch von Friedensreich Hundertwasser an die Stadt Salzburg, das Provisorium der Zungenbärte am Rupertinum fix zu montierten." Doch der Kunsthistoriker der [[Erzdiözese Salzburg]], [[Johannes Neuhardt]], sagte "herunter damit! Auf ein [[Renaissance]]haus gehören keine Außendekorationen." Andere wiederum waren Hundertwasser dankbar für die "Zungenbärte" am Rupertinum. Ex-Gemeinderat [[Anton Bucek]] (ÖVP) riet dem damaligen [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Heinz Schaden]] ([[SPÖ]]), den kurz zuvor verstorbenen Künstler posthum zu ehren. Nach Möglichkeit mit einer "[[Hundertwasser-Allee|Friedensreich Hundertwasser Allee]]" zwischen [[Aigner Straße]] und [[Gebäude der Finanzämter in der Stadt Salzburg|Finanzamt]].<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=XI77iprbH7EeX0q8Q3nl0UW0hq8rbiiSaxm4xvAQLfa%2BhJiBLveiC%2BOxedH760AYAk0pprWcaAU4WtiUACCa2bs5ALhawbg0PW3UoRQv4c5WUFQCGPhKqHqWIvkfUWnS&id1=lo20000226_09&q=Zungenbart#sn-archiv-97 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 26. Februar 2000, Lokalteil Seite 12</ref>
Während die Spiegelfliesen offenbar genehmigt worden waren, waren die Zungenbärte 2000 immer noch als "Provisorium" ohne tatsächliche Genehmigung im Jahr 2000 angebracht.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=Sn1qInu5EVAE8f1mVOnNczoHYGZj%2FLFIK6AhLYSPU8oiT%2Fu8o2y0rrUShSZ5nH3LVDs437aSEznE85RlwsZaSkOrnC0K2hGirrHVEasImsln5xccgSEb7CT3xDF0mm49&id1=lo20000224_08&q=Zungenbart#slide36 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 24. Februar 2000, Lokalteil Seite 8</ref> Aus den den einsehbaren Quellen geht nicht klar hervor, ob und wann nun die "Zungenbärte" genehmigt wurden.
[[2003]] wurde der [[Österreich-Brunnen]] in der Gartenanlage des [[Grandhotel Zell am See]] errichtet.
{{mehr}}
{{mehr}}
==Quelle==
* [[SALZBURGWIKI]]-Beitrag [[Gasthaus Steinlechner]]


==Quelle==
== Einzelnachweise ==
* Salzburgwiki Beitrag [[Gasthaus Steinlechner]]
<references/>


[[Kategorie:Person|Hundertwasser, Friedensreich]]
{{SORTIERUNG:Hundertwasser, Friedensreich}}
[[Kategorie:Person (Geschichte)|Hundertwasser, Friedensreich]]
[[Kategorie:Person]]
[[Kategorie:Künstler|Hundertwasser, Friedensreich]]
[[Kategorie:Person (Geschichte)]]
[[Kategorie:Person (Kunst)]]
[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Kultur]]
[[Kategorie:Kunst]]
[[Kategorie:Bildende Kunst]]
[[Kategorie:Maler]]
[[Kategorie:Wien]]
[[Kategorie:Geboren 1928]]
[[Kategorie:Gestorben 2000]]