Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Herrenchiemsee Augustiner-Chorherrenstift.jpg|thumb|Augustiner-Chorherrenstift, Herrenchiemsee]]
[[Datei:Herrenchiemsee Augustiner-Chorherrenstift.jpg|thumb|Augustiner-Chorherrenstift, Herrenchiemsee]]
Das '''Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee''' war ein nicht mehr bestehendes Kloster der [[Salzburger Kirchenprovinz]] in [[Bayern]] im [[Chiemsee]] auf der [[Herreninsel]]. Es war zunächst ein [[Benediktiner]]<nowiki>kloster</nowiki>, das bald in ein Augustiner-Chorherrstift umgewandelt wurde.
Das '''Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee''' war ein Kloster der [[Salzburger Kirchenprovinz]] auf der [[Herreninsel]] im [[Chiemsee]] in [[Bayern]]. Es war zunächst ein [[Benediktiner]]<nowiki>kloster</nowiki>, das bald in ein [[Augustiner-Chorherren|Augustiner-Chorherr]]stift umgewandelt wurde.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
=== Das älteste Kloster Bayerns ===
=== Das älteste Kloster Bayerns ===
Das Kloster wurde der Tradition nach durch [[Baiernherzöge in Salzburg|Herzog]] [[Tassilo III.]] von Bayern gegründet. Der tatsächliche Gründer war Eustasius, der Abt des Klosters Luxeuil (Burgund). Die Gründung erfolgte (nach neuesten, auch archäologischen Erkenntnissen) zwischen 620 und 629. Herrenwörth war damit das älteste bairische Kloster. Es entstand etwa siebzig Jahre vor der Gründung von St. Peter in Salzburg, welches lange als ältestes Kloster gegolten hatte. Archäologische Grabungen im [[21. Jahrhundert]] im Innenhof des ehemaligen Augustiner-Chorherrstifts auf der Insel haben Beweise erbracht, dass auf der Insel bereits schon im frühen [[7. Jahrhundert]] ein Kloster bestanden hat. Somit ist dieses Kloster früher gegründet worden, als das [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benedikiner-Erzstift St. Peter]], von dem man bisher annahm, es sei das älteste Kloster im Süddeutschen Raum ([[696]] gegründet). Der Salzburger Historiker Dr. [[Heinz Dopsch]] stellte einen bemerkenswerten Fund fest: unter dem Kloster auf Herrenchiemsee fand man eine Schreibgriffel, die aus Irland stammt. Daraus schließt Dopsch, dass irische Mönche hier gelebt haben müssen<ref>Heinz Dopsch, Walter Brugger, Joachim Wild ''Herrenchiemsee: Kloster - Chorherrenstift - Königsschloss'', Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, Bayern, 2011,ISBN 978-3-7917-2332-7</ref>.
Das Kloster wurde der Tradition nach durch [[Baiernherzöge in Salzburg|Herzog]] [[Tassilo III.]] von Bayern gegründet. Der tatsächliche Gründer war Eustasius, der Abt des Klosters Luxeuil ([[Frankreich#Georgrafie|Burgund]]). Die Gründung erfolgte (nach neuesten, auch archäologischen Erkenntnissen) zwischen 620 und 629. Herrenwörth war damit das älteste bairische Kloster. Es entstand etwa siebzig Jahre vor der Gründung von [[Benediktinererzabtei St. Peter|St. Peter]] in Salzburg, welches lange als ältestes Kloster gegolten hatte. Archäologische Grabungen im [[21. Jahrhundert]] im Innenhof des ehemaligen Augustiner-Chorherrstifts auf der Insel haben Beweise erbracht, dass auf der Insel bereits schon im frühen [[7. Jahrhundert]] ein Kloster bestand. Somit wurde dieses Kloster früher gegründet als das Benediktinerstift St. Peter, von dem man bisher annahm, es sei das älteste Kloster im süddeutschen Raum ([[696]] gegründet). Der Salzburger Historiker Dr. [[Heinz Dopsch]] stellte einen bemerkenswerten Fund fest: unter dem Kloster auf Herrenchiemsee fand man eine Schreibgriffel, die aus Irland stammt. Daraus schließt Dopsch, dass irische Mönche hier gelebt haben müssen<ref>Heinz Dopsch, Walter Brugger, Joachim Wild: ''Herrenchiemsee: Kloster Chorherrenstift Königsschloss'', Verlag Friedrich Pustet, [[Regensburg]], Bayern, 2011,ISBN 978-3-7917-2332-7</ref>.


Von der Gründung bis 1130 war es ein Benediktinerkloster, ab [[1130]] ein Stift der Augustiner-Chorherren. Der Neubau einer dreischiffigen, romanischen Basilika wurde [[1158]] vollendet. [[1215]] errichtete Salzburg das [[Bistum Chiemsee]], der [[Bischof von Chiemsee]] residierte aber im [[Chiemseehof]] in der [[Stadt Salzburg]]. Das Augustinerchorherrenstift bildete das Domkapitel des Bistums Chiemsee. An der Spitze des Kapitels stand ein Dompropst, der seit [[1218]] zugleich Archidiakon des einzigen Archidiakonates der Diözese war. Die Klosterkirche, seit [[1131]] den Heiligen Sixtus und Sebastian geweiht, wurde zur Kathedrale erhoben.
Von der Gründung bis 1130 war es ein Benediktinerkloster, ab [[1130]] ein Stift der Augustiner-Chorherren. Der Neubau einer dreischiffigen, [[Romanik|romanischen]] Basilika wurde [[1158]] vollendet. [[1215]] errichtete der [[Erzbischof von Salzburg]] das [[Bistum Chiemsee]], der [[Bischof von Chiemsee]] residierte aber im [[Chiemseehof]] in der [[Stadt Salzburg]]. Das Augustinerchorherrenstift bildete das Domkapitel des Bistums Chiemsee. An der Spitze des Kapitels stand ein Dompropst, der seit [[1218]] zugleich Archidiakon des einzigen Archidiakonates der Diözese war. Die Klosterkirche, seit [[1131]] den Heiligen Sixtus und Sebastian geweiht, wurde zur Kathedrale erhoben.


[[1513]] wurde die Dom- und Stiftskirche des Klosters Herrenchiemsee von [[Berthold Pürstinger]] geweiht.
[[1513]] wurde die Dom- und Stiftskirche des Klosters Herrenchiemsee von [[Berthold Pürstinger]] geweiht.
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Seine größte Blüte erlebte das Stift im [[15. Jahrhundert]]. [[1446]] erlangte Propst Ulrich Häupl das Recht, die Pontifikalien zu tragen. Nach 1498 erlangte Propst Rupert Puetinger den Titel eines Pfalzgrafen des Lateran, der ihm das lukrative Recht verlieh, Wappenbriefe auszustellen. Misswirtschaft und Verschuldung führten dazu, dass das Stift zwischen 1552 und 1562 weltlicher Verwaltung unterstand. Erst unter Propst Arsenius Ulrich, der 1627 von Heilig Kreuz in Augsburg kam und das Inselstift bis 1653 leitete, erholte sich das Stift.
Seine größte Blüte erlebte das Stift im [[15. Jahrhundert]]. [[1446]] erlangte Propst Ulrich Häupl das Recht, die Pontifikalien zu tragen. Nach 1498 erlangte Propst Rupert Puetinger den Titel eines Pfalzgrafen des Lateran, der ihm das lukrative Recht verlieh, Wappenbriefe auszustellen. Misswirtschaft und Verschuldung führten dazu, dass das Stift zwischen 1552 und 1562 weltlicher Verwaltung unterstand. Erst unter Propst Arsenius Ulrich, der 1627 von Heilig Kreuz in Augsburg kam und das Inselstift bis 1653 leitete, erholte sich das Stift.


Der [[Bischof von Chiemsee]] [[Hieronymus Meitting]] führte mit dem Propst des [[Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee|Augustiner-Chorherrenstifts Herrenchiemsee]], der zugleich [[Archidiakonat|Archidiakon]] von Chiemsee war, während seiner Amtszeit von  [[1536]] bis [[1557]] langwierige Auseinandersetzungen um die Jurisdiktion.  
Der Chiemseeer Bischof [[Hieronymus Meitting]] führte mit dem Propst des Augustiner-Chorherrenstifts Herrenchiemsee, der zugleich [[Archidiakonat|Archidiakon]] von Chiemsee war, während seiner Amtszeit von  [[1536]] bis [[1557]] langwierige Auseinandersetzungen um die Jurisdiktion.  


[[1642]] wurde mit einem Klosterneubau begonnen, der freilich erst [[1731]] vollendet war. [[1676]] bis [[1678]] wurde ein neuer Inseldom durch den Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca im prachtvollen [[Barock]] errichtet. [[1700]] bis [[1704]] wurde nach Plänen Antonio Rivas der Fürstenstock errichtet. [[1727]] bis [[1730]] folgte der Prälaturstock als letzter Bauabschnitt.  
[[1642]] wurde ein Klosterneubau begonnen, der freilich erst [[1731]] vollendet war. [[1676]] bis [[1678]] wurde ein neuer Inseldom durch den [[Schweiz#Graubünden|Graubündn]]er Baumeister Lorenzo Sciasca im prachtvollen [[Barock]] errichtet. [[1700]] bis [[1704]] wurde nach Plänen Antonio Rivas der Fürstenstock errichtet. [[1727]] bis [[1730]] folgte der Prälaturstock als letzter Bauabschnitt.  


Das Kloster wurde [[1803]] im Zuge der [[Säkularisierung]] aufgelöst. Es kam in staatlichen Besitz und wurde im selben Jahr an den Mannheimer Kaufmann Carl von Lüneschloß verkauft. 1807 wurde der Dom des Bistums Chiemsee profaniert, [[1808]] das Bistum Chiemsee aufgehoben. Zwischen 1818 und 1820 ließ der Münchner Großkaufmann Alois von Fleckinger die Türme und den Chor des Doms abbrechen und richtete im ehemaligen Langhaus eine Brauerei ein. Der Hochaltar kam nach Rimsting, die [[Johann Christoph Egedacher|Johann-Christoph-Egedacher]]-Orgel nach [[Tittmoning]]. Die Klostergebäude wurden in das (Alte) Schloss Herrenchiemsee umgestaltet. 1840 bis 1870 bewohnte Graf Paul Maria Vogt von Hunoltstein die Insel. Er verkaufte sie an eine württembergische Holzverwertungsgesellschaft, die eine komplette Abholzung der Waldbestände plante. König Ludwig II. von Bayern verhinderte dies und kaufte 1873 die ganze Insel für 350.000 [[Gulden]], um ab 1878 hier sein Neues Schloss Herrenchiemsee zu errichten.
Das Kloster wurde [[1803]] im Zuge der [[Säkularisierung]] aufgelöst. Es kam in staatlichen Besitz und wurde im selben Jahr an den [[Mannheim]]er Kaufmann Carl von Lüneschloß verkauft. 1807 wurde der Dom des Bistums Chiemsee profaniert, [[1808]] das Bistum Chiemsee aufgehoben. Zwischen 1818 und 1820 ließ der [[München|Münchn]]er Großkaufmann Alois von Fleckinger die Türme und den Chor des Doms abbrechen und richtete im ehemaligen Langhaus eine Brauerei ein. Der Hochaltar kam nach Rimsting, die [[Johann Christoph Egedacher|Johann-Christoph-Egedacher]]-Orgel nach [[Tittmoning]]. Die Klostergebäude wurden in das (Alte) Schloss Herrenchiemsee umgestaltet. 1840 bis 1870 bewohnte Graf Paul Maria Vogt von Hunoltstein die Insel. Er verkaufte sie an eine [[württemberg]]ische Holzverwertungsgesellschaft, die eine komplette Abholzung der Waldbestände plante. König Ludwig II. von Bayern verhinderte dies und kaufte 1873 die ganze Insel für 350.000 [[Gulden]], um ab 1878 hier sein Neues Schloss Herrenchiemsee zu errichten.


Im Konventstock des Alten Schlosses tagte vom 10. bis 23. August 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. An dieses Ereignis erinnert eine Ausstellung im Alten Schloss. Der ehemalige Dom soll auf Betreiben der Freunde von Herrenchiemsee wiederhergestellt werden.
Im Konventstock des Alten Schlosses tagte vom 10. bis zum 23. August 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes für die [[Bundesrepublik Deutschland]]. An dieses Ereignis erinnert eine Ausstellung im Alten Schloss. Der ehemalige Dom soll auf Betreiben der Freunde von Herrenchiemsee wiederhergestellt werden.


==Bildergalerie==
== Bildergalerie==
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Datei:Chorherrenstift Herrenwöth um 1770.jpg|Das Augustiner Chorherrenstift Herrenwörth von Osten mit den beiden Kirchenpatronen Sixtus und Sebastian. Fresko im Stift um 1770.
Datei:Chorherrenstift Herrenwöth um 1770.jpg|Das Augustiner Chorherrenstift Herrenwörth von Osten mit den beiden Kirchenpatronen Sixtus und Sebastian. Fresko im Stift um 1770.
Datei:Herrenchiemsee C.jpg|Ehemalige Pfarrkirche St. Maria neben der Dom- und Stiftskirche Herrenchiemsee
Datei:Herrenchiemsee C.jpg|Ehemalige Pfarrkirche St. Maria neben der Dom- und Stiftskirche Herrenchiemsee
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