Salzbergwerk Dürrnberg: Unterschied zwischen den Versionen

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{{Dieser Artikel|behandelt die Geschichte des '''Salzbergwerks am Dürrnberg'''. Ein Artikel über das Schaubergwerk findet sich unter [[Salzwelten Salzburg]].}}
Das '''Salzbergwerk Dürrnberg''' am [[Dürrnberg (Hallein)|Dürrnberg]] im [[Hallein]]er Stadtteil [[Bad Dürrnberg]] war eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Heute wird es nur mehr als Schaubergwerk geführt.
 
==Geschichte==
===Vor Christi Geburt===
Die geologischen Voraussetzungen, nahe der Erdoberfläche befindliche Salzlager, führten zu Salzquellen, die schon 2 500 bis 2 000 v. Chr. von Jägern und Sammlern genutzt wurden. Etwa 600 v. Chr. wurde dann mit dem Untertagbau auf dem  Dürrnberg von den [[Kelten]] begonnen. Der dadurch erworbene Reichtum kann heute noch anschaulich im nahe des Bergwerks befindlichen [[Keltendorf Salina]] bestaunt werden. Um Christi Geburt, als das Land ins [[Römer|römische Reich]] als [[Provincia Noricum]] eingegliedert wurde, wurde erstmals der [[Salzbergbau|Salzabbau]] eingestellt. Man vermutet, dass die Meersalzgewinnung der Römer günstiger und ergiebiger war als der beschwerliche Untertagabbau.
 
Im [[Georgenberg-Stollen]] fand ein Forschungsteam des Deutsche Bergbau-Museums Bochum unter der Leitung des Montanarchäologen Thomas Stöllner Ende August [[2023]] einen 2200 Jahre alten Kinderschuh. Mit dem nun gefundenen Kinderschuh, aber auch frühere Funden, kann man Kinderarbeit im [[Dürrnberg (Hallein)|Dürrnberg]] nachweisen und das im großen Stil, sagt Forschungsleiter Thomas Stöllner. Denn sechs der bisher elf gefundenen Schuhen im Dürrnberg waren Kinderschuhe.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/chronik/2200-jahre-alter-lederschuh-zeugt-von-kinderarbeit-im-halleiner-stollen-144749335 www.sn.at] 4. September 2023: "2200 Jahre alter Lederschuh zeugt von Kinderarbeit im Halleiner Stollen"</ref>
 
===Zur Zeit der Fürsterzbischöfe===
Wieder interessant schien der Abbau erst um [[1198]] unter Erzbischof [[Adalbert III. von Böhmen]], der dem Abt von [[Erzabtei St. Peter|St. Peter]], [[Wichpoto]], die Salzlager am Dürrnberg bereits um [[1185]] abgekauft hatte. Denn im Jahr 1198 wurde erstmals eine Salzpfanne in "muelpach"<ref>''Mühlbach'' war der Name des Marktes, bevor [[Hallein]] um [[1230]] seinen Namen erhielt und zur Stadt erhoben wurde</ref>, einem Ort im Bereich der aufgegebenen keltischen Talsiedlung urkundlich erwähnt. Diese Bezeichnung wird im Laufe des [[13. Jahrhundert]]s durch die Namen ''Salina'' und schließlich ''Hallein'' (= kleines Hall) abgelöst.
 
Ende des [[12. Jahrhundert]]s wurde in [[Gamp]] (heute Hallein), das ''Campus'' einer [[Römer|römerzeitlichen]] Straßenstation, die ersten Salzpfannen in Betrieb genommen. Eine Soleleitung über den ''Riesenweg'' im [[Raingraben]] brachte das flüssige Salz zu Tal.
 
Die [[Saline Hallein]] wurde zur führenden Saline im [[13. Jahrhundert]] im süddeutschen Raum. Im [[Mittelalter]] bildeten die Bergwerke am Dürrnberg und zeitweise auch die von [[Salzbergwerk Berchtesgaden|Berchtesgaden]] eine der wichtigsten Einnahmequellen der Salzburger Erzbischöfe.
 
===Wer sottete Salz===
Die Verteilung der Halleiner Pfannen sah Ende des [[13. Jahrhundert]]s wie folgt aus: Das Erzstift sott auf den Pfannen ''Werch'', ''Zistel'', ''Haus'', ''Tiling'', ''Wieting'' und einem Viertel ''Niederhofs''; die [[Erzabtei St. Peter]] auf der Pfanne ''Tacking'', das [[Domkapitel]] und das Kloster Salmansweiler auf der Pfanne ''Oberhof'', die Klöster [[Benediktinenstift Nonnberg|Nonnberg]] und [[Raitenhaslach]] auf der Pfanne ''Niederhof'' und die [[Herren von Goldegg]] auf der Pfanne ''Altgoldegg''.
 
===Wie wurde Sole erzeugt===
Hatte man zu vorchristlicher Zeit das Gestein in Brocken aus dem Berg geholt, brachte das so genannte Laugverfahren, das nun angewandt wurde, deutliche Erleichterung und höhere Ausbeute. Dabei wurden zunächst kleine Hohlräume im Berg geschaffen, die man mit Wasser voll laufen ließ. Nach etwa drei Wochen der Auslaugung des Gesteins wurde die Sole mit bestenfalls 26 Prozent Salzgehalt abgepumpt bzw. abgelassen und in Salzpfannen verdampft. Zurück blieb Grobsalz.
 
So wurden in Hallein 1542 rund 22&nbsp;000 Tonnen Salz produziert (im Vergleich: [[Bad Reichenhall|Reichenhall]]: 12&nbsp;000 Tonnen, Hallstatt: 11&nbsp;000 Tonnen, Aussee 10&nbsp;000 Tonnen und [[Marktschellenberg|Schellenberg]]: 5&nbsp;000 Tonnen). Vor dem [[Salzkrieg 1611]] steigerte Fürsterzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] die Produktion auf 36&nbsp;000 Tonnen<ref>dieser Produktionswert wurde erst wieder in den [[1960er]] Jahren erreicht!</ref>. Nach der Auseinandersetzung sank aber die jährliche Produktion auf einen Durchschnittswert von 22&nbsp;000 Tonnen.
 
===Die Stollen===
: ''Hauptartikel [[Salzbergwerksstollen im Dürrnberg]]
[[1315]] begann man den sanft geneigten ''[[Hoswasch-Stollen|Hoswasch]]''- (auch ''Raitenhaslach'' genannten) Stollen anzufahren, [[1320]] den ''[[Linderberg-Stollen]]'' und den ''[[Goldeggerberg-Stollen]]''; später folgten noch der ''[[Melltheuer Tagschurf]]'' und andere Stollen wie der ''[[Jakobberg-Stollen|Johann-Jakobberg-Stollen]]''.
 
===Männer im Salz===
[[Franz Dückher]], der Salzburger Chronist, berichtet in seiner [[Saltzburgische Chronica]] von zwei Männern im Salz. [[1573]] wurde der der erste [[Männer im Salz|Mann im Salz]] gefunden, eine Leiche eines in keltischen Zeit verunglückten und in Salz konservierten Bergmannes. Aber der Salzburger Historiker [[Herbert Klein]] korrigierte dann das Funddatum auf das Jahr [[1577]]<ref>Quelle [[Gertraud Steiner]] ''Salz als Attraktion - Der Dürrnberg und seine Geschichte'', 1998, [[Otto Müller Verlag]], ISBN 3-7013-0969-8</ref>. Dückher berichtet noch von einem zweiten Fund [[1616]] in der Regierungszeit von Erzbischof [[Paris Graf Lodron]].
 
===Reichtum und Kriege===
: ''siehe auch [[Salzkrieg]]
Die [[Salzburger Erzbischöfe]], die mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem [[Salzhandel]] auf der [[Salzach]] erwirtschafteten, waren natürlich an einer Monopolstellung interessant. Im Osten, im [[Salzkammergut]], besaßen die Habsburger die Salzminen, im [[Berchtesgadener Land]] hatten die bayerischen Könige Einfluss. Durch geschickte Preispolitik gelang es so den Erzbischöfen im [[16. Jahrhundert]] eine Vormachtstellung im gesamten [[Ostalpen]]<nowiki>raum</nowiki> zu bekommen. Vor allem Reichenhall litt unter dieser Wirtschaftspolitik. Es kam auch zu [[Salzkrieg]]en, deren prominentestes Opfer Fürsterzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] wurde. Nachdem die Habsburger ihre Salzminen besser vermarkteten und über Linz Zugang zu Böhmen bekam, ging Salzburg der wichtige Absatzmarkt Böhmen (der über Salzach, Inn und [[Passau]] versorgt wurde) verloren.
 
Diese wirtschaftlichen Einbußen führten zu einer weiteren Verarmung der ohnehin nicht reichen [[Bergknappen]]. Vorläufiger Höhepunkt des Niedergangs des Dürrnberger Salzbergwerks waren die [[Protestantenvertreibung|Protestantenausweisungen]] in den Jahren [[1731]]/[[1732|32]], bei denen auch 780 Dürrnberger [[Bergknappen]] mit ihren Familien das Land verließen.
 
===Besucher im Dürrnberg===
Im [[18. Jahrhundert]] setzte langsam auch die Nachfrage nach Besuchen im Berg ein. Dies war jedoch damals nur mit einem Erlaubnisschein, ausgestellt vom [[Pfleger]], möglich. Schließlich war der Berg und Salz so etwas wie die ''Schatzkammer der Erzbischöfe''.
 
Die Besucher musste auf dem steilen Knappenweg den Dürrnberg erklimmen. Dieser war an morastigen Stellen mit Hohlbohlen ausgelegt. Die Gäste wurden auf Schlitten bergwärts gezogen und talwärts fuhren sie darauf.
 
[[Karl Graf von Zinzendorf]] besuchte am [[2. April]] [[1764]] das Bergwerk. Angereist war er von Salzburg am [[Fürstenweg]] in Begleitung einer illustren Gesellschaft: Graf [[Auersperg]], Fürst [[Lobkowitz]], Graf [[Thun]] und andere des Salzburger Adels begleiteten ihn. [[Belsazar Hacquet]], früher Alpinist aus der Bretagne, Frankreich ("Erstbesteiger" der [[Pasterze]]) war [[1784]] im Salzburger Land und stattete dem Bergwerk ebenfalls einen Besuch ab. Der Geograf [[Christoph Meiners]] schrieb in einem Reisebuch [[1791]] über das Salzbergwerk. Auch [[Franz Josef Graf von Sternberg]] veröffentlichte [[1793]] ''kritische Beobachtungen zum Gruben-Tourismus auf dem Dürrnberg''. Weitere Persönlichkeiten, die das Bergwerk besuchten: [[Johann Georg Keyßler]] ([[1792]]), [[Joseph August Schultes]] (''Reise durch Salzburg und Berchtesgaden, II. Band'', Wien, [[1804]]), [[Franz Sartori]] ([[1811]]), [[Ludwig Hermann Friedländer]] ([[1815]]), [[August Graf von Platen]] (um 1800).
 
[[Domherr]] [[Friedrich Graf Spaur]] brachte [[1798]] ein ''Dürrnberger Besucherbuch'' heraus. [[Franz Michael Vierthaler]], Landschaftsmaler Franz Rechberger aus Berlin (1799), Daniel Busch und Carl Conjota (1799, beide aus München), sowie [[Lorenz Hübner]] finden sich als Besucher des Bergwerks im Besucherbuch.
 
Als Pionierin in Sachen ''Reisebeschreibungen'' besuchte [[Elisa von der Recke]] anlässlich einer Italien-Reise [[1804]] Salzburg und Hallein samt Bergwerk. Sie wohnte in Salzburg im [[Hotel zum Goldnen Schiff]]. [[Helmina von Chezy]] schrieb ''in Hallein ist gut rasten''.
 
Der Salzburger Naturforscher [[Carl Ehrenbert Freiherr von Moll]] war als leitender Direktor im Bergwerk tätig.
 
=== Das 19. Jahrhundert ===
Nach dem Anschluss [[1816]] an die k. k. Monarchie Österreich mussten sich das Dürrnberger Bergwerk und die Saline Hallein in das bestehende österreichische Salinenwesen ein- und unterordnen und verloren gänzlich an Bedeutung.
 
[[1860]] sind mehr als 200 Bergarbeiter im Salzbergbau tätig, die im Dürrnberg 27 Salzerzeugungswerke betreiben. Erzeugt wurden 40&nbsp;000 Zentner offenes Salz, 186&nbsp;000 Fässersalz, zusammen im Wert von 1.260&nbsp;000 [[Gulden]]. Zudem wurden noch einige tausend Zentner an Vieh-, Dung-, Fabrik- und Steinsalz abgegeben. <ref>[https://books.google.at/books?id=ZfeRjw9JR1gC&pg=PA27&dq=hofgarten+salzburg&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiHquHsho_dAhXMjqQKHR85A2IQ6AEIMzAC#v=onepage&q=salzberg&f=false Auskunfts-Buch über alles Sehens- und Wissenswürdige in und um Salzburg von 1860, Seite 35]</ref>
 
===Das 20. Jahrhundert===
==== Das Ende der Salzgewinnung====
Am [[27. Juli]] [[1989]] wird die Soleleitung unter Tag im [[Ruperti-Stollen]] abgedreht, am [[31. Juli]] 1989 die Salzkompressoren in der Saline auf der [[Pernerinsel]]. Die 160 Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Stilllegung noch bei den Salinenbetrieben angestellt waren, trugen an diesem Tag alle schwarze Krawatten oder Armschleifen. Zuletzt wurden im Salzbergbau etwa 270&nbsp;000 m³ Sole gewonnen und daraus in der Saline 71&nbsp;000 Tonnen Industriesalz erzeugt. Der Standort war für die Österreichische Salinen AG nicht mehr rentabel, die Technik veraltet, das Salzmonopol vor dem Fall. 
Die rund 200 Grundbesitzer über den Gruben auf österreichischer und bayerischer Seite haben heute noch ein Recht auf Arbeit im Berg. Das erstritten sie sich nach der Privatisierung der Salinen AG [[1997]]. Verbrieft sind diese "Schichtrechte" in der [[Salinenkonvention]] aus [[1829]], dem ältesten Staatsvertrag zwischen Österreich und [[Bayern]]. [[2002]] stellte der Oberste Gerichtshof den aufrechten Bestand dieser Rechte fest. Im Alltag lassen sie sich freilich nicht ummünzen. Auch [[Salzdeputat]]e, 56 Kilo pro Jahr, stehen den Schichtberechtigten zu. Die Salinen Austria liefern das Salz aus Ebensee. Zusätzlich gibt es noch das "Kopfsalz" – 6,5 Kilo pro Kopf – für die Familien aller ehemaligen Salinenbediensteten.<ref> [[Salzburger Nachrichten]], 24. Juli 2009</ref>
 
==== Neue Salz-Manufaktur "Schausaline" am Dürrnberg ====
Die lange Bergbau- und Salinentradition am Dürrnberg in Hallein lebt wieder auf! In der 2019 errichteten Schaumanufaktur kann die Salzproduktion in den [[Salzwelten Salzburg|Salzwelten Salzburg]] hautnah miterlebt werden. Der Pfannmeister lässt sich gerne bei seiner Arbeit über die Schulter schauen, erklärt den Prozess des Salzsiedens und beantwortet Fragen. Dieses Angebot ergänzt den Ausflug in die Salzwelten Salzburg perfekt. Von der Gewinnung des Salzes bis zum fertigen Produkt kann der gesamte ober- und untertägige Prozess abenteuerlich erlebt werden.
 
==Technische Daten==
Vom 64,72 Kilometer langen Stollensystem im Dürrnberg sind 11,88 Kilometer begehbar. Diese verteilen sich über 21 ''Horizonte'' (unterirdische Stockwerke des Salzbergwerkes), davon sind neun begehbar und heute wird auf keinem Horizont mehr Sole erzeugt. Der Salzgehalt beträgt durchschnittlich zwischen 30 bis 35 Prozent.
 
==Siehe auch==
* [[Salzbergwerksstollen im Dürrnberg]]
* [[Salzbergbau]]
 
== Quellen ==
* [http://www.hallein.gv.at/de_hallein-geschichte.html Die Geschichte von Hallein]
* [[Gertraud Steiner]]: "Salz als Attraktion - Der Dürrnberg in seiner Geschichte", 1998, [[Otto Müller Verlag]], ISBN 3-7013-0969-8
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
 
[[Kategorie:Wissenschaft]]
[[Kategorie:Geografie]]
[[Kategorie:Tennengau]]
[[Kategorie:Hallein]]
[[Kategorie:Bad Dürrnberg]]
[[Kategorie:Salz]]
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[[Kategorie:Wirtschaft]]
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[[Kategorie:Bergbau]]
[[Kategorie:Bergbau (Geschichte)‎]]
[[Kategorie:Salzbergwerk]]