Kunstrat der Salzburger Festspiele: Unterschied zwischen den Versionen
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== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Einen Kunstrat gab es zwischen 1918 und 1938 und zwischen 1951 und 1956? (dieses Datum bedarf noch der Recherche). | |||
Nach dem Ausschluss von [[Gottfried von Einem]] aus dem [[Direktorium der Salzburger Festspiele|Direktorium]] der Salzburger Festspiele [[ | Am [[15. August]] [[1918]] wurde bei der Generalversammlung der [[Salzburger Festspielhaus-Gemeinde]] im [[Marmorsaal Schloss Mirabell|Marmorsaal]] im [[Schloss Mirabell]] ein Kunstrat berufen. Diesem gehörten [[Max Reinhardt]], [[Franz Schalk]] und [[Richard Strauss]] an. Sie sollten die kommenden Festspiele gestalten. Einige Monate später wurde der Kunstrat durch [[Hugo von Hofmannsthal]] und [[Alfred Roller]] erweitert. | ||
[[1929]] wurden nach einer Statutenänderung anstelle von Reinhardt, Strauss, Schalk und einem Vertreter der Bundestheaterverwaltung neue Mitglieder in den Kunstrat berufen. Es waren dies [[Clemens Freiherr zu Franckenstein]] (Generalintendant der Bayerischen Staatstheater), [[Friedrich Gehmacher (Hofrat)|Friedrich Gehmacher]], [[Franz Karl Ginzkey]], [[Clemens Krauss]], [[Max Mell]], [[Joseph Messner]], [[Bernhard Paumgartner]] und [[Bruno Walter]]. | |||
Die Mitglieder des Kunstrates wurden in Folge über Vorschlag des bestehenden Kunstrates von dessen Generalversammlung gewählt. Der aus maximal 15 Personen bestehende übernahm die künstlerische Leitung der Festspiele. Der Direktor entwarf im Einvernehmen mit dem Kunstrat das Programm der Festspiele. | |||
Nach dem [[Anschluss]] 1938 kam es neuerlich zu Satzungsänderungen. Ob es dann während der Zeit des [[Nationalsozialismus]] noch einen Kunstrat gab, ist noch zu klären. Fest steht lediglich, dass ab 1942 die organisatorische Struktur der Festspiele, wie sie die Gründerväter erdacht hatte, außer Kraft gesetzt wurde. Mit [[1. April]] [[1942]] erfolgte die Liquidierung der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde. | |||
[[1954]] aktivierte man den im [[Salzburger Festspielfonds|Festspielfondsgesetz]] als ''kann-Bestimmung'' vorgesehenen Kunstrat. Der Kunstrat sollte organisatorisch und planerisch auf die Festspiele einwirken, die Spielpläne gestalten, neue Spielstätten erschließen und eine Reform in Schauspiel und Konzert einleiten. Der Grund für diese Aktivierung lag im Ausschluss von [[Gottfried von Einem]] im Herbst [[1951]] aus dem [[Direktorium der Salzburger Festspiele|Direktorium]] der Salzburger Festspiele. Einem wehrte sich dagegen und fand von maßgeblichen Personen (u. a. von [[Wilhelm Furtwängler]]) unterstützt. Einem wollte unbedingt wieder ins Direktorium aufgenommen werden. Landeshauptmann Dr. [[Josef Klaus (Politiker)|Josef Klaus]], der aufgrund des Festspielfondgesetzes Mitglied des [[Kuratorium der Salzburger Festspiele|Kuratoriums]] der Festspiele war, wollte ihn aber dezidiert dort nicht haben. Also fand man eine typisch österreichische Kompromisslösung und aktivierte man den im Festspielfondsgesetz vorgesehenen Kunstrat, um für Gottfried von Einem eine Position bei den Festspielen zu finden, ohne ihn in ihr Entscheidungsgremium zurückzuholen. | |||
Die vom [[Kuratorium der Salzburger Festspiele|Kuratorium]] berufenen Mitglieder des Kunstrats 1951 waren Dr. [[Herbert Graf]], [[Prof]]. [[Clemens Holzmeister]], Dr. [[Ernst Lothar]], [[Caspar Neher]], Prof. Dr. [[Friedrich Schreyvogl]], Prof. [[Oscar Fritz Schuh]] und ein Vertreter des Vorstands der [[Wiener Philharmoniker]]. [[1954]] kam [[Gottfried von Einem]] dazu, der bei dessen erster Sitzung im [[August]] [[1955]] zu dessen Vorsitzenden gewählt wurde.<ref>Quelle Kaut, Seite 352</ref> | |||
Der Kunst hätte nun organisatorisch und planerisch auf die Festspiele einwirken, die Spielpläne gestalten, neue Spielstätten erschließen und eine Reform im Schauspiel und Konzert einleiten. Doch es kam anders. [[1956]] wurde [[Herbert von Karajan]] zum künstlerischen Leiter der Festspiele berufen. Die ablehnende Haltung Karajans gegenüber dem Kunstrat und seinem Vorsitzenden von Einem führten zu unüberbrückbaren Spannungen. Nach heftigen Kämpfen trat Gottfried von Einem [[1964]] als Mitglied des Kunstrates zurück. Dies war auch das Ende des Kunstrates der Salzburger Festspiele. | |||
Bei der [[Intendant der Salzburger Festspiele|Intendant]]ensuche zu Beginn der [[2000er]]-Jahre (Intendant wurde dann [[2004]] [[Jürgen Flimm]]) stand erneut die Frage im Raum, ob man nicht wieder einen Kunstrat einberufen sollte. Aber diese Überlegungen zerschlugen sich. In Diskussionen wurde die Meinung gebildet, dass ein Kunstrat nicht in die derzeitige Struktur passen würde. Denn die künstlerische Ausrichtung und Planung der Festspiele obliegt dem [[Intendanten der Salzburger Festspiele|Intendanten]] als Mitglied des Direktoriums. | |||
== Quellen == | == Quellen == | ||
{{Quelle Festspiele in Salzburg}} | {{Quelle Festspiele in Salzburg}} | ||
* [[Archiv der Salzburger Festspiele]] | |||
== Einzelnachweis == | |||
<references/> | |||
[[Kategorie:Stadt Salzburg]] | [[Kategorie:Stadt Salzburg]] | ||
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[[Kategorie:Salzburger Festspiele]] | [[Kategorie:Salzburger Festspiele]] | ||
[[Kategorie:Salzburger Festspiele (Geschichte)]] | |||
[[Kategorie:Organisation der Salzburger Festspiele]] | [[Kategorie:Organisation der Salzburger Festspiele]] | ||