| Zeile 1: |
Zeile 1: |
| − | [[Datei:Obersulzbachkees Bruecke.jpg|thumb|Brücke entlang des Gletscherweges am {{PAGENAME}}]] | + | [[Datei:Obersulzbachkees Großvenediger August 2023.jpg|thumb|Das Obersulzbachkees mit dem [[Großvenediger]] (links) aus 3 960 m Höhe.]] |
| | [[Datei:Sulzbacherkees um 1885.jpg|thumb|Das eigentliche Obersulzbachkees um 1895, Blick von der [[Kürsingerhütte]].]] | | [[Datei:Sulzbacherkees um 1885.jpg|thumb|Das eigentliche Obersulzbachkees um 1895, Blick von der [[Kürsingerhütte]].]] |
| − | [[Datei:Grossvenediger von Norden 1932 01.jpg|thumb| Der [[Großvenediger]] (Bildmitte) von Norden, über dem Großvenediger das Rainerhorn (3 559 [[m ü. A.]] in [[Osttirol]], unter dem Großvenediger das [[Sulzbacherkees]], links darüber das [[Venedigerkees]] und rechts das [[Dorferkees]] in Osttirol. Links, der kleine verschneite Gipfel ist der [[Kleinvenediger]]. Aufnahme August 1932.]] | + | [[Datei:Grossvenediger von Norden 1932 01.jpg|thumb|Der [[Großvenediger]] (Bildmitte, Hintergrund) von Norden, Salzburgs höchster Gipfel, unter dem Großvenediger rechts das [[Sulzbacherkees]], oben und unten das [[Venedigerkees]]. Links, der kleine verschneite Gipfel ist der [[Kleinvenediger]]. Aufnahme August 1932.]] |
| − | [[Datei:Grossvenediger und Gletscher 01.jpg|thumb|Der [[Großvenediger]] (Bildmitte) von Nordwesten, links der [[Kleinvenediger]], die Gletscher von links: [[Venedigerkees]], [[Sulzbacherkees]] und rechts das [[Dorferkees]] in [[Osttirol]]. Aufnahme Oktober 1957.]] | + | [[Datei:Grossvenediger und Gletscher 01.jpg|thumb|Der [[Großvenediger]] (Bildmitte) von Nordwesten, links der [[Kleinvenediger]], die Gletscher von links: [[Venedigerkees]], [[Sulzbacherkees]] und rechts das Dorferkees in [[Osttirol]]. Aufnahme Oktober 1957.]] |
| − | [[Datei:Grossvenediger und Gletscher 02.jpg|thumb|Der [[Großvenediger]] (Bildmitte) von Westen, über den Venedigergrad; rechts das [[Dorferkees]] in [[Osttirol]] und links das [[Sulzbacherkees]] in Salzburg.]] | + | [[Datei:Grossvenediger und Gletscher 02.jpg|thumb|Der [[Großvenediger]] (Bildmitte) von Westen, über den Venedigergrad; rechts das Dorferkees in [[Osttirol]] und links das [[Sulzbacherkees]] in Salzburg.]] |
| − | Das '''Obersulzbachkees''' ist ein [[Kees]] ([[Gletscher]]) im Bereich nördlich des [[Großvenediger]]s im [[Pinzgau]] in der Gemeinde [[Neukirchen am Großvenediger]]. | + | Das '''Obersulzbachkees''' ist ein [[Gletscher im Nationalpark Hohe Tauern]]) im Bereich nördlich des [[Großvenediger]]s im [[Pinzgau]] in der Marktgemeinde [[Neukirchen am Großvenediger]]. |
| | | | |
| | ==Geografie== | | ==Geografie== |
| | Der heute allgemein als Obersulzbachkees bezeichnete Gletscher besteht aus sechs Teilgletschern (von Westen nach Osten):<ref>siehe Quelle ''Venedigerkees Massehaushalt 2012/2013''</ref> | | Der heute allgemein als Obersulzbachkees bezeichnete Gletscher besteht aus sechs Teilgletschern (von Westen nach Osten):<ref>siehe Quelle ''Venedigerkees Massehaushalt 2012/2013''</ref> |
| − | * [[Krimmlertörlkees]] | + | * Krimmlertörlkees |
| | * Obersulzbachkees | | * Obersulzbachkees |
| − | * oberes und unteres [[Bleidächerkees]] | + | * oberes und unteres Bleidächerkees |
| | * [[Sulzbacherkees]] | | * [[Sulzbacherkees]] |
| | * [[Venedigerkees]] | | * [[Venedigerkees]] |
| | | | |
| − | Die Keese befinden sich am Süd- und Südwestende des [[Obersulzbachtal]]es am [[Alpenhauptkamm]] der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] an der Grenze zu [[Osttirol]]. | + | Die Keese befinden sich am Süd- und Südwestende des [[Obersulzbachtal]]es am [[Alpenhauptkamm]] der [[Hohen Tauern]] an der Grenze zu [[Osttirol]]. |
| | | | |
| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| − | Das Gebiet dieser Keese ist durch die Erstbesteigung des Großvenedigers [[1841]] bekannt geworden, vor allem auch deswegen, weil [[Ignaz Kürsinger|Ignaz von Kürsinger]] dem damals vorhandenen wilden Eisbruch den Namen [[Türkische Zeltstadt|Türkischen Zeltstadt]] – die Eistürme sahen aus wie „die Zelte der Muslims“ - gegeben hatte. Westlich an die Obersulzbachkeese schließt das [[Krimmler Kees]] an. | + | Das Gebiet dieser Keese ist durch die Erstbesteigung des Großvenedigers [[1841]] bekannt geworden, vor allem auch deswegen, weil [[Ignaz Kürsinger|Ignaz von Kürsinger]] dem damals vorhandenen wilden Eisbruch den Namen [[Türkische Zeltstadt|Türkischen Zeltstadt]] – die Eistürme sahen aus wie "die Zelte der Muslims" - gegeben hatte. Westlich an die Obersulzbachkeese schließt das [[Krimmler Kees]] an. |
| | | | |
| | Die Obersulzbachkeese gehören zu den am Stärksten zerfallenden und zurück schmelzenden Gletschern. Von 1850 bis zur Gegenwart ist die Gletscherzunge um 3,2 Kilometer kürzer geworden, die Türkische Zeltstadt ist völlig verschwunden. Aus einem einstmals geschlossenen Talgletscher mit einer Zunge sind sechs Teilgletscher geworden. | | Die Obersulzbachkeese gehören zu den am Stärksten zerfallenden und zurück schmelzenden Gletschern. Von 1850 bis zur Gegenwart ist die Gletscherzunge um 3,2 Kilometer kürzer geworden, die Türkische Zeltstadt ist völlig verschwunden. Aus einem einstmals geschlossenen Talgletscher mit einer Zunge sind sechs Teilgletscher geworden. |
| Zeile 30: |
Zeile 30: |
| | Zur Zeit der größten Wasserführung fließen pro Sekunde 15 Kubikmeter talwärts. Dabei handelt es sich fast nur Schmelzwasser ohne Niederschlagswasser. In den letzten 15 Jahren gab es im Juli nur zweimal so hohe Abflussmengen. Somit kommen solche Wasserführungen nur selten vor. | | Zur Zeit der größten Wasserführung fließen pro Sekunde 15 Kubikmeter talwärts. Dabei handelt es sich fast nur Schmelzwasser ohne Niederschlagswasser. In den letzten 15 Jahren gab es im Juli nur zweimal so hohe Abflussmengen. Somit kommen solche Wasserführungen nur selten vor. |
| | | | |
| − | Aus glaziologischem Interesse, um den besonders starken Rückgang und Zerfall der Obersulzbachkeese zu erfassen, wurden im Jahr 2003, 2006 und 2008 Laserscanvermessungen (EGEO) gemacht. Der [[Gletscherschwund]] bzw. das Abschmelzen ist bisher zumeist nur von der klimatologischen Seite betrachtet worden, nun kommt die Komponente des Eiszerfalls aufgrund topographischer und subglazialer (Tunnel- und Höhlenbildung) Prozesse dazu, die den Zerfall beschleunigen. Zu den reinen Messungen der Abschmelzung muss nun auch diese Komponente erfasst werden. Mit dem Laserscan ist die Gesamtsumme der Veränderungen erfasst. | + | Aus glaziologischem Interesse, um den besonders starken Rückgang und Zerfall der Obersulzbachkeese zu erfassen, wurden im Jahr 2003, 2006 und 2008 Laserscanvermessungen (EGEO) gemacht. Der Gletscherschwund bzw. das Abschmelzen ist bisher zumeist nur von der klimatologischen Seite betrachtet worden, nun kommt die Komponente des Eiszerfalls aufgrund topographischer und subglazialer (Tunnel- und Höhlenbildung) Prozesse dazu, die den Zerfall beschleunigen. Zu den reinen Messungen der Abschmelzung muss nun auch diese Komponente erfasst werden. Mit dem Laserscan ist die Gesamtsumme der Veränderungen erfasst. |
| | | | |
| | === Problematik === | | === Problematik === |
| | Der Anstieg der Permafrostgrenze, der starke Rückgang des Gletschers und die damit zusammenhängende Freigabe von lockeren Moränenablagerungen sowie die Brüchigkeit des Gletschers selbst haben zur Sperrung von alten Wanderwegen zur [[Kürsingerhütte|Kürsinger]]- und [[Warnsdorfer Hütte]] geführt. Dies wurde nach einem schweren Unglück am [[3. August]] [[2001]] notwendig. Dabei kamen in einer Gruppe deutscher Bergsteiger drei Personen durch herab stürzende Felsbrocken ums Leben. | | Der Anstieg der Permafrostgrenze, der starke Rückgang des Gletschers und die damit zusammenhängende Freigabe von lockeren Moränenablagerungen sowie die Brüchigkeit des Gletschers selbst haben zur Sperrung von alten Wanderwegen zur [[Kürsingerhütte|Kürsinger]]- und [[Warnsdorfer Hütte]] geführt. Dies wurde nach einem schweren Unglück am [[3. August]] [[2001]] notwendig. Dabei kamen in einer Gruppe deutscher Bergsteiger drei Personen durch herab stürzende Felsbrocken ums Leben. |
| | | | |
| − | Der Leiter des Hydrografischen Dienstes des [[Land Salzburg|Landes Salzburg]], [[Hans Wiesenegger]], erklärte im Sommer 2009 dazu, dass die Wanderkarten der Alpen umgeschrieben werden müssen. Denn die Klimaveränderungen im Salzburger Hochgebirge haben zur Sperrung und Verlegung vieler Wanderwege geführt. | + | Der Leiter des [[Hydrografischer Dienst Salzburg|Hydrografischen Dienstes]] des [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Landes Salzburg]], Johann Wiesenegger, erklärte im Sommer 2009 dazu, dass die Wanderkarten der Alpen umgeschrieben werden müssen. Denn die Klimaveränderungen im Salzburger Hochgebirge haben zur Sperrung und Verlegung vieler Wanderwege geführt. |
| | | | |
| | ==Gletscherlehrweg== | | ==Gletscherlehrweg== |
| − | : ''Hauptartikel: [[Gletscherlehrweg Obersulzbachtal]]''
| + | Bei 20 Stationen entlang des Gletscherlehrwegs Obersulzbachtal erfährt mal viel über die Rückzugstationen des Gletschers sowie über gletscherkundliche Erscheinungen. |
| − | Bei 20 Stationen erfährt mal viel über die Rückzugstationen des Gletschers sowie über gletscherkundliche Erscheinungen. | |
| | | | |
| | == Funde == | | == Funde == |
| | [[Datei:Flugzeug-Abwurftank Obersulzbachkees.jpg|thumb|2019: Flugzeug-Abwurftank]] | | [[Datei:Flugzeug-Abwurftank Obersulzbachkees.jpg|thumb|2019: Flugzeug-Abwurftank]] |
| | Bereits im Spätsommer 2018 entdeckte die Bergrettung auf einen der Keese einen vorerst nicht identifizierbaren Metallkörper, der ca. drei bis vier Meter tief in einer Gletscherspalte lag. Seitens der Alpinpolizei wurden dem Entminungsdienst des Landesverteidigungsministeriums Lichtbilder übermittelt, wodurch der Metallkörper als nicht gefährlicher Flugzeug-Abwurftank des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] identifiziert werden konnte. Auf Grund des Wintereinbruches konnte die Bergung erst am [[28. August]] [[2019]] von Beamten des Entminungsdienstes durchgeführt werden. Unterstützt wurden sie dabei von einem Hubschrauber des [[Österreichisches Bundesheer|Österreichischen Bundesheeres]], einem Bergführer der Bergrettung und einem Polizeibergführer. | | Bereits im Spätsommer 2018 entdeckte die Bergrettung auf einen der Keese einen vorerst nicht identifizierbaren Metallkörper, der ca. drei bis vier Meter tief in einer Gletscherspalte lag. Seitens der Alpinpolizei wurden dem Entminungsdienst des Landesverteidigungsministeriums Lichtbilder übermittelt, wodurch der Metallkörper als nicht gefährlicher Flugzeug-Abwurftank des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] identifiziert werden konnte. Auf Grund des Wintereinbruches konnte die Bergung erst am [[28. August]] [[2019]] von Beamten des Entminungsdienstes durchgeführt werden. Unterstützt wurden sie dabei von einem Hubschrauber des [[Österreichisches Bundesheer|Österreichischen Bundesheeres]], einem Bergführer der Bergrettung und einem Polizeibergführer. |
| | + | |
| | + | == Bilder == |
| | + | {{Bildkat}} |
| | + | == Weblink == |
| | + | * Lage auf [https://maps.bev.gv.at/#/center/12.2916,47.1068/zoom/14.8 AMap] (korrigierter neuer Link, Datenstand 5. November 2022) |
| | | | |
| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| − | * Heinz Slupetzky | + | * [[Heinz Slupetzky]] |
| | * Mag. B. Seiser, Dr. A. Fischer: ''Venedigerkees Massehaushalt 2012/2013'', Jahresbericht des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 4. Dezember 2013, darin die Bezeichnungen der einzelnen Keese, abgerufen am 15. Dezember 2019 als [https://epic.awi.de/35719/1/MB_Venedigerkees_2012-2013.pdf pdf] | | * Mag. B. Seiser, Dr. A. Fischer: ''Venedigerkees Massehaushalt 2012/2013'', Jahresbericht des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 4. Dezember 2013, darin die Bezeichnungen der einzelnen Keese, abgerufen am 15. Dezember 2019 als [https://epic.awi.de/35719/1/MB_Venedigerkees_2012-2013.pdf pdf] |
| | * [http://science.orf.at/science/slupetzky/83347 sience.orf.at] | | * [http://science.orf.at/science/slupetzky/83347 sience.orf.at] |
| | * [http://www.klausnerhof.at/de/hintertuxer-gletscher/index.asp E-Book rund um das Thema Gletscher] - nützliche Informationen und interessante Fakten | | * [http://www.klausnerhof.at/de/hintertuxer-gletscher/index.asp E-Book rund um das Thema Gletscher] - nützliche Informationen und interessante Fakten |
| | * [https://www.polizei.gv.at/sbg/presse/aussendungen/presse.aspx?prid=4948516A34664A4F4D46493D&pro=0 www.polizei.gv.at] | | * [https://www.polizei.gv.at/sbg/presse/aussendungen/presse.aspx?prid=4948516A34664A4F4D46493D&pro=0 www.polizei.gv.at] |
| − | | + | {{Quelle AMap}} |
| − | ==== Einzelnachweise ====
| + | == Einzelnachweise == |
| | <references/> | | <references/> |
| | | | |
| | + | [[Kategorie:Wissenschaft]] |
| | [[Kategorie:Geografie]] | | [[Kategorie:Geografie]] |
| | [[Kategorie:Gletscher]] | | [[Kategorie:Gletscher]] |
| − | [[Kategorie:Alpen]]
| |
| | [[Kategorie:Ostalpen]] | | [[Kategorie:Ostalpen]] |
| | [[Kategorie:Zentralalpen]] | | [[Kategorie:Zentralalpen]] |