Kriegsgefangenenlager Grödig: Unterschied zwischen den Versionen
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=== Lagerkommando === | === Lagerkommando === | ||
Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a.D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a.D. Kasimir Kamieniecki<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Dr. Anton Zemanek.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180524&query=%22Zemanek%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 24. Mai 1918, Seite 4</ref> | Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a. D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a. D. Kasimir Kamieniecki<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Dr. Anton Zemanek.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180524&query=%22Zemanek%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 24. Mai 1918, Seite 4</ref> | ||
=== Organisation und Leben im Lager === | === Organisation und Leben im Lager === | ||
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Das Frühstück bestand aus zirka ¾ Liter Kaffee (eine Menageschale voll), mittags erhielten sie wieder eine Menageschale voll Gulasch mit Kartoffeln, Fisch mit Kraut, Polenta mit Sauce, Reis mit Feigen u. dgl., gegen Abend eine große Portion Krautsuppe, Kartoffel oder Einbrennsuppe oder ähnliches. | Das Frühstück bestand aus zirka ¾ Liter Kaffee (eine Menageschale voll), mittags erhielten sie wieder eine Menageschale voll Gulasch mit Kartoffeln, Fisch mit Kraut, Polenta mit Sauce, Reis mit Feigen u. dgl., gegen Abend eine große Portion Krautsuppe, Kartoffel oder Einbrennsuppe oder ähnliches. | ||
Das Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, dass alle Leute eine Beschäftigung oblag. Jede Gruppe hatte ihre eigene Flickschusterei und Flickschneiderei, wo alle diesbezüglichen Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssten. Die Errichtung und Ausbesserung der Wege (die Straßen und Wege im Lager hatten eine Länge von 18 Kilometern), der Bau weiterer Baracken und Kommunikationen, die Gartenarbeiten, die umfangreichen Erdaushebungen für Zwecke der Kanalisation, die Reinigung der Senkgruben usw. ergaben die verschiedenen Möglichkeiten und Arten der Beschäftigung. Für das ganze Lager waren außerdem eine große Schneiderei, Schusterei, Schlosserei, eine Spengler-, Schmiede- und Tischlerwerkstätte, eine eigene Glaserei, eine Abteilung für gärtnerische Arbeiten u.a.m. eingerichtet worden. | Das Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, dass alle Leute eine Beschäftigung oblag. Jede Gruppe hatte ihre eigene Flickschusterei und Flickschneiderei, wo alle diesbezüglichen Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssten. Die Errichtung und Ausbesserung der Wege (die Straßen und Wege im Lager hatten eine Länge von 18 Kilometern), der Bau weiterer Baracken und Kommunikationen, die Gartenarbeiten, die umfangreichen Erdaushebungen für Zwecke der Kanalisation, die Reinigung der Senkgruben usw. ergaben die verschiedenen Möglichkeiten und Arten der Beschäftigung. Für das ganze Lager waren außerdem eine große Schneiderei, Schusterei, Schlosserei, eine Spengler-, Schmiede- und Tischlerwerkstätte, eine eigene Glaserei, eine Abteilung für gärtnerische Arbeiten u. a.m. eingerichtet worden. | ||
<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref> | <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref> | ||
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=== Anthropologische Studien === | === Anthropologische Studien === | ||
Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom [[10. Juli]] bis [[16. Oktober]] 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: 53 Großrussen, elf Ukrainer (Kleinrussen), acht Weißrussen, ein [[Litauen|Litauer]], acht Letten, | Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom [[10. Juli]] bis [[16. Oktober]] 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: 53 Großrussen, elf Ukrainer (Kleinrussen), acht Weißrussen, ein [[Litauen|Litauer]], acht Letten, fünf [[Estland|Esten]], ein Syrjäne, ein Permiak, drei Wotjaken, ein Tscheremisse, ein Mokscha-Mordwine, ein Erdscha-Mordwine, drei Kasantataren, vier Baschkiren, vier Mischeren, zwei Tipteren, ein Krimtatare, acht Armenier, zwölf Moldauer, vier Bulgaren, ein Gagause, zwei Amauten, ein Grieche, sieben Juden und zwei Zigeuner. | ||
Von diesen 145 Mann wurden 130 fotografische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch elf stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füßen wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref> | Von diesen 145 Mann wurden 130 fotografische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch elf stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füßen wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref> | ||
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"''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der [[Gendarmerie]] in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref> | "''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der [[Gendarmerie]] in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref> | ||
Am [[20. April]] 1916 | Am [[20. April]] 1916 wurden vier Russen nach viertägiger Flucht in [[St. Gilgen]] aufgegriffen, nach dem sie dort zwei Säcke Weizenmehl und Kochgeschirr entwendet hatten.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160421&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 21. April 1916, Seite 4</ref> | ||
Auf der Flucht verunglückt waren zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Aigen (Gemeinde)|Aigen]]-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo | Auf der Flucht verunglückt waren zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Aigen (Gemeinde)|Aigen]]-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo sie aufgegriffen wurden.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19160805&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 5. August 1916, Seite 7</ref> | ||
Im März 1917 entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref> | Im März 1917 entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref> | ||
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[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
[[Kategorie:Flachgau]] | [[Kategorie:Flachgau]] | ||
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