Alte fürsterzbischöfliche Hofapotheke: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Alte Hofapotheke DSC 0130.JPG|thumb|Alte Hofapotheke am Alten Markt]] | [[Datei:Alte Hofapotheke DSC 0130.JPG|thumb|Alte Hofapotheke am Alten Markt]] | ||
{{googlemapsort|Alter_Markt_6+5020+Salzburg}} | {{googlemapsort|Alter_Markt_6+5020+Salzburg}} | ||
[[ | [[Bild:Hofapotheke.jpg|thumb|Die alte f.e. Hofapotheke]] | ||
[[ | [[Datei:Altstadt Salzburg denkmalgeschützte Häuser Alter Markt 4 bis 7.jpg|thumb|Das zweite Gebäude von rechts beherbergt die alte fürsterzbischöfliche Hofapotheke.]] | ||
Die '''Alte fürsterzbischöfliche Hofapotheke''' am [[Alten Markt]] Nr. 6 ist die älteste bestehende [[Apotheken in der Stadt Salzburg|Apotheke]] in der [[Stadt Salzburg]]. | |||
== Allgemeines == | == Allgemeines == | ||
Heute selten anzutreffen und deshalb sehr sehenswert | Heute selten anzutreffen und deshalb sehr sehenswert ist das heute noch authentische Erscheinungsbild einer Apotheke des [[18. Jahrhundert|18.]] und [[19. Jahrhundert]]s, obwohl die Apotheke natürlich den Anforderungen von heute entspricht. Sanitätsrechtlich interessant ist, dass die alte f.e. Hofapotheke eine der wenigen "Realapotheken" iSd § 1 Apothekengesetzes ist. Das heißt, sie bestand als Einrichtung der Gesundheitsversorgung schon, bevor die österreichischen Gesetze (1770 Generalsanitätsnormativum; 1907 Apothekengesetz) den Betrieb von Apotheken an besondere Anforderungen und Bedingungen, insbesondere unter den Vorbehalt einer staatlichen Konzession stellten. Die Apotheke samt das Gebäude zählen zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekte in der Stadt Salzburg]]. | ||
==Geschichte== | == Geschichte == | ||
Mindestens drei Standorte sind für diese Apotheke bekannt. Ende des [[16. Jahrhundert]]s noch in der [[Getreidegasse]] Nr. 9 - heute besser bekannt als [[Mozarts Geburtshaus]] - beheimatet, stieg ihr Besitzer [[Chunrad Fröschlmoser]] [[1588]] zum Hoflieferanten auf und durfte dadurch fortan den Titel "Hofapotheke" im Namen verwenden. | Mindestens drei verschiedene Standorte sind für diese Apotheke bekannt. Ende des [[16. Jahrhundert]]s noch in der [[Getreidegasse]] Nr. 9 - heute besser bekannt als [[Mozarts Geburtshaus]] - beheimatet, stieg ihr Besitzer [[Chunrad Fröschlmoser]] [[1588]] zum Hoflieferanten auf und durfte dadurch fortan den Titel "Hofapotheke" im Namen verwenden. | ||
[[1591]] erwarb [[Heinrich Merody]] die Apotheke und verlegte sie in | [[1591]] erwarb [[Heinrich Merody]] die Apotheke und verlegte sie in in das [[Bürgerhaus Alter Markt 6|am Markt]] gegenüber der [[Alte Residenz|Residenz]]. Nur vier Jahre später zog sich Merody wegen seines hohen Alters aus dem Geschäft zurück und verkaufte die Apotheke an [[Onophrius Mony]]. Mony war ein enger Freund von [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]], dem er auch nach dessen Gefangensetzung auf [[Festung Hohensalzburg]] treu blieb. Seine öffentliche Kritik an Fürsterzbischof [[Markus Sittikus]] brachte dann Mony einen zeitweiligen Gefängnisaufenthalt ein, aber die Hofapotheke blieb ihm. | ||
Nach einer wechselvollen Geschichte wurde die Apotheke um [[1875]] von [[Wenzel | Nach einer wechselvollen Geschichte wurde die Apotheke um [[1875]] von Dr. [[Wenzel Sedlitzky]] erworben. [[1903]] verlegte Dr. Sedlitzky die Apotheke an ihren gegenwärtigen Standort in das Nachbarhaus, heute Alter Markt 6. Dieses Gebäude hatte seine klassizistische Fassade im [[19. Jahrhundert]] nach Zeichnungen von [[Johann Georg Laschensky]] im sogenannten Wiener Plattenstil erhalten. | ||
[[1923]] erwarb die Familie der heutigen Eigentümer einen Anteil an der Hofapotheke. Mag. pharm. Leo Biskup gab seinen Besitz in Gödig ([[Mähren]]) auf und zog nach Salzburg. [[1936]] erwarb er die restlichen Anteile und wurde Alleinbesitzer. Sein Sohn Lorenz Biskup übernahm [[1951]] die Apotheke und seit 1981 führt Leo Biskups Enkelin, Mag.<sup>a</sup><ref>{{magistra}}</ref> pharm. Marina Gaertner die Alte fürsterzbischöfliche Hofapotheke. Ihre Töchter Mag.<sup>a</sup> pharm. Barbara Madner und Mag.<sup>a</sup> pharm. Franziska Kühberger-Gaertner sind nun die neunte Generationen. | |||
===Liste der Hofapotheker=== | ==== Alchemistische Zeichen ==== | ||
[[Kulturklauberin]] [[Daniele Pabinger]] geht in ihrem Beitrag in den [[Salzburger Nachrichten]] vom 15. November 2019 alchemistischen Zeichen in der Apotheke nach. Auf dem Nischenbogen sieht man das alte [[Wappen des Fürsterzbistums Salzburg|Wappen]] des [[Fürsterzbistum Salzburg|Fürsterzbistums Salzburg]] mit dem aufrechten, schwarzen Löwen und dem silbernen Balken im Rot. Daneben sind allerlei Geheimzeichen zu sehen, allesamt alchemistische Symbole, die über Jahrhunderte verwendet wurden, vielen dürften sie heute nicht mehr geläufig sein. Die vier Dreiecke stellen die Gesamtheit der vier Elemente dar - Wasser, Luft, Feuer und Erde. Den Planetenzeichen sind Metalle zugeordnet: Der Halbmond steht für Silber, das Sonnenzeichen für Gold, das Venuszeichen für Kupfer. Sie sind in einem Bildfeld zusammengefasst, im nächsten folgt das Merkurzeichen (Quecksilber), danach Mars (Eisen), Jupiter (Zinn) und Saturn (Blei). Ergänzt werden sie mit den Zeichen für Schwefel und Phosphor. Im untersten Feld des Nischenbogens sind die Symbole des alten Apothekergewichts Pfund, Unze, Drachme und Skrupel sichtbar. | |||
=== Liste der Hofapotheker === | |||
Als Hofapotheker, bzw. Besitzer der Hofapotheke, in Salzburg werden angegeben<ref>Quellen der Liste der Hofapotheker bzw. Besitzer der Hofapotheke: | Als Hofapotheker, bzw. Besitzer der Hofapotheke, in Salzburg werden angegeben<ref>Quellen der Liste der Hofapotheker bzw. Besitzer der Hofapotheke: | ||
* Für | * Für 1588–1591 und 1875: [http://www.salzburg-altstadt.at/media/pdf/pdf978.pdf Salzburger Altstadtbote Jg. 1 (2007/08) Nr. 1 S. 4;] | ||
* Für | * Für 1591–1645 und ab 1903: [http://www.hofapotheke.at/geschichte.htm Webauftritt der Alten f. e. Hofapotheke > ''Geschichte'';] | ||
* Für | * Für 1647–1874: [[Franz Martin]]: ''Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte'': ''64. Mayr (Hofapotheker)'', in: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] 79 (1939) S. 73 f mit Corrigendum 84/85 (1944/45) S. 69] = [[Franz Martin]]: ''[[Hundert Salzburger Familien]]'' (Verlag der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg [[1946]]) S. 221 f.</ref>: | ||
* Chunrad [[Fröschlmoser]], Hofapotheker | |||
* Heinrich Merode, Hofapotheker | * Chunrad [[Fröschlmoser]], Hofapotheker 1588–1591; | ||
* Heinrich Merode, Hofapotheker 1591–1595; | |||
* Onophrius Mony, Hofapotheker ab 1595; | * Onophrius Mony, Hofapotheker ab 1595; | ||
* [… Mony] | * [… Mony] | ||
* Christof Mony († 4. Oktober 1645), dessen Witwe Katharina | * Christof Mony († 4. Oktober 1645), dessen Witwe Katharina geborene [[Gutrater]] († 3. Jänner 1695) den Christof (I.) Mayr heiratete; | ||
* Christof (I.) [[Mayr (Hofapotheker)|Mayr]] (* um 1614/ | * Christof (I.) [[Mayr (Hofapotheker)|Mayr]] (* um 1614/1615; † 4. November 1672) Hofapotheker ab 1647; | ||
* Christof (II.) Mayr (* 8. Juni 1648 | * Christof (II.) Mayr (* 8. Juni 1648; † 10. November 1709), Sohn des Vorigen; 1672 Hofapotheker und hochfürstlicher [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammerdiener]] ; | ||
* Josef Christof Mayr (* 9. April 1681 | * Josef Christof Mayr (* 9. April 1681; † 17. November 1747), Sohn des Vorigen; 1709 Hofapotheker (und 1704 hochfürstlicher Kammerdiener); | ||
* Johann Kilian Ruprecht († 29. Mai 1754 mit 46 Jahren), Schwiegersohn des Vorigen; Hofapotheker und hochfürstlicher Kammerdiener; | * Johann Kilian Ruprecht († 29. Mai 1754 mit 46 Jahren), Schwiegersohn des Vorigen; Hofapotheker und hochfürstlicher Kammerdiener; | ||
* Anton Ruprecht Mayr († 25. Mai 1806 mit 58 Jahren), Sohn des Vorigen; in erster Ehe verheiratet mit Maria Antonia | * Anton Ruprecht Mayr († 25. Mai 1806 mit 58 Jahren), Sohn des Vorigen; in erster Ehe verheiratet mit Maria Antonia geborene [[Gschwendtner]] (* 1748; † 1785), Tochter des Eisenhändlers Johann Markus Gschwendtner und der Anna Katharina Rauchenbichler, in zweiter Ehe (1782 oder 1786) mit Maria Katharina geborene [[Schöpfer von Klarenbrunn]] aus Lana ([[Südtirol]]);<ref> Eine Nichte der Anna Katharina Gschwendtner geborene Rauchenbichler war Katharina Eva Rauchenbichler (* 1733; † 1777), welche (siehe den Artikel "[[Rauchenbichler]]") den aus Lana (Südtirol) gebürtigen Handelsmann Johann Baptist Schöpfer von Klarenbrunn heiratete.</ref> | ||
* | * | ||
* Karl Hilz (* 4. August 1800 Bludenz, Vorarlberg | * [[Karl Hilz]] (* 4. August 1800 Bludenz, Vorarlberg; † 1. April 1872), Hofapotheker 1827, verheiratet mit Franziska geborene Schöpfer von Klarenbrunn (* 28. Mai 1804; † 3. Jänner 1869), einer Nichte der vorgenannten Hofapothekersgattin Maria Katharina Ruprecht geborene Schöpfer von Klarenbrunn; | ||
* Dr. chem. [[Alexander Petter]] (* 1832 | * Dr. chem. [[Alexander Petter]] (* 1832; † 1905), 1869 bis 1874 Hofapotheker; Sohn des Militärjuristen Alois Petter und der Anna geborene Schöpfer von Klarenbrunn, einer weiteren Nichte der Hofapothekersgattin Maria Katharina Ruprecht, geborene Schöpfer von Klarenbrunn; | ||
* Dr. [[Wenzel | * Dr. [[Wenzel Sedlitzky]], 1875 bis 1912?; | ||
* Dr. | * Dr. Neumann, Besitzer im Jahr 1912<!--?-->; | ||
* | * Mag. pharm. [[Franz Willvonseder]] (* 1871; † 1954) 1913 bis 1936; | ||
* Mag. pharm. Leo Biskup | * Mag. pharm. [[Leo Biskup]], 1923 Mit-, 1936 Alleineigentümer; | ||
* Mag. pharm. [[Lorenz Biskup]] († 1977), | * Mag. pharm. [[Lorenz Biskup]] († 1977), 1951 bis 1977; | ||
* Mag. pharm. Marina Gaertner (Enkelin Leo Biskups) | * Mag. pharm. Marina Gaertner (Enkelin Leo Biskups), seit 1981. | ||
==Adresse== | == Adresse == | ||
:''Alter Markt 6'' | :''Alter Markt 6'' | ||
:''5020 Salzburg'' | :''5020 Salzburg'' | ||
:''Telefon: | :''Telefon: (06 62) 84 36 23'' | ||
:''E-Mail: salzburg@hofapotheke.at'' | :''E-Mail: salzburg@hofapotheke.at'' | ||
==Quellen == | == Öffnungszeiten == | ||
*[ | ;Montag bis Freitag von 08:00 bis 18:00 Uhr | ||
* | ;Samstag von 08:00 bis 12:00 Uhr | ||
* ''Kronland Salzburg, historische Fotografien von 1850 bis 1918'', [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Herausgeber), 2000, ISBN 3-901014-68-3 | |||
In der f.e. Apotheke ist das Fotografieren nicht gestattet. | |||
== Weblinks == | |||
{{Homepage|http://www.hofapotheke.at}} | |||
→ {{Kulturklauberin|https://www.sn.at/kolumne/kulturklauberin/alchemistische-zeichen-ziehen-magisch-an-79081885}} | |||
== Quellen == | |||
* [http://www.hofapotheke.at/de/hofapotheke/ www.hofapotheke.at Geschichte] | |||
* [http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2001/20/info/info20_2001hist.html Österreichische Apothekerzeitung] | |||
* ''[[Kronland Salzburg|Kronland Salzburg]], historische Fotografien von 1850 bis 1918'', [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], [[Wolfram Morath]] (Herausgeber), 2000, ISBN 3-901014-68-3 | |||
* § 1 [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010169 Apothekengesetz / Geltende Fassung / Rechtsinformationssystem] | * § 1 [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010169 Apothekengesetz / Geltende Fassung / Rechtsinformationssystem] | ||
== Einzelnachweise == | |||
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<references/> | <references/> | ||
[[Kategorie:Gesundheit | {{SORTIERUNG: Hofapotheke, alte fürsterzbischöfliche}} | ||
[[Kategorie:Apotheke | [[Kategorie:Gesundheit]] | ||
[[Kategorie:Tourismus | [[Kategorie:Apotheke]] | ||
[[Kategorie:Architektur | [[Kategorie:Tourismus]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Kultur und Bildung]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz | [[Kategorie:Architektur]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg) | [[Kategorie:historisches Gebäude]] | ||
[[Kategorie:Stadt Salzburg | [[Kategorie:Denkmalschutz]] | ||
[[Kategorie:Altstadt | [[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]] | ||
[[Kategorie:Stadt Salzburg]] | |||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Altstadt]] | ||
[[Kategorie:Salzburgs Schätze]] | |||