| − | ''Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.[Schlegel] – 23. 7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber. – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v. Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v. Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr.Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X [auf dem Kopf:] Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi. [quer:] Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir.'' | + | ''Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.'' [Schlegel] ''– 23. 7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber.'' |
| | + | '' – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v. Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v. Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr. Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X'' [auf dem Kopf:] ''Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi.'' [quer:] ''Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir.'' |