Änderungen

K
Zeile 107: Zeile 107:  
==== Brief vom 20. Juli 1876 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Brief vom 20. Juli 1876 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
Fanni Spängler [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]: 20. Juli [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief:<br />
 
Fanni Spängler [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]: 20. Juli [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief:<br />
''Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/ [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute [Aktien] liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann? – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck. [auf dem Kopf:] Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße.''
+
''Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/'' [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] ''Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute'' [Aktien] ''liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann?''
 +
 
 +
'' – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck.'' [auf dem Kopf:] ''Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße.''
 
<hr>
 
<hr>