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| | == Verzweigung der Hagenauer in drei Stämme == | | == Verzweigung der Hagenauer in drei Stämme == |
| − | Als ältester Sitz der Hagenauer wird der Weiler und Forst Hagenau bei Freising genannt, ein ''"Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen"''. Es ist anzunehmen, dass dieser Edelsitz (Hagenovve, Hof mit Hube) der bayrischen Linie eine mit Steinen, Lehm und Holzbalken errichtete verstärkte Feste mit steinernem Wohnturm war. Die Magyaren hatten während der Ungarneinfällen, wo sie im Jahr 909 als auch im Jahr 954 bis nach Freising und weiter vorgedrungen waren, dieses Gebiet mit allen Dörfern und Gebäuden komplett verwüstet. Das Dorf Schrobenhausen wurde darauf mehr als 100 Jahre in keiner Urkunde mehr genannt. Zwischen [[1006]] und [[1036]] wurde mehrmals ein Guntpolt (von Hagenau?) in den Freisinger Urkunden erwähnt, der möglicher Weise der Ahnherr der Herren von Hagenau sein könnte. Als Stammvater der Hagenauer wird jedoch der 1068 in den Freisinger Urkunden genannte Guntpold von Hagenau gesehen. Seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 führten die Herren von Hagenau einen festen Familiennamen, um ihre Erbansprüche geltend machen zu können. Ihr Name stammte von ihrem Edelsitz und Forst Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern, der nordwestlich von Freising lag. Die Herren von Hagenau waren als Vögte im Auftrag des Bistums Freising und des Hochstiftes Passau mit der Verwaltung neuer Gebiete, deren Rodung, Pflege, sowie deren Christianisierung groß geworden. Von Freising aus siedelte ein Hagenauer 150 km weiter östlich bei Neuburg am Inn (in der Nähe von Passau). Gumpoldus nobilis de Hagenowe (um [[1080]]) besaß dort laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn (damals Österreich, heute Bayern). Im Auftrag des Hochstiftes Passau begab sich sein Bruder, der Edle Hartwicus von Hagenau, 50 km südlich davon nach St. Peter am Hart bei Braunau, wo er um [[1088]] einen Sitz errichtete und die zweite Linie begründete. Die dritte Linie wurde [[1098]] 220 km weiter östlich in Außerkasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb durch seine Ehe mit Helena von Stille und Heft mehrere Lehen. Später erwarben die Hagenauer etliche andere Lehen, von denen einige bei Salzburg lagen. Entlang der Siedlungs-Routen, die hauptsächlich an Flüssen lagen, begegnet uns eine massive Anhäufung von Landschaften, Weilern oder Gütern, die teilweise noch heute Hagenau genannt werden. | + | Als ältester Sitz der Hagenauer wird der Weiler und Forst Hagenau bei Freising genannt, ein ''"Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen"''. Es ist anzunehmen, dass dieser Edelsitz (Hagenovve, Hof mit Hube) der bayrischen Linie eine mit Steinen, Lehm und Holzbalken errichtete verstärkte Feste mit steinernem Wohnturm war. Die [[Ungarn#Magyaren|Magyaren]] hatten während der Ungarneinfällen, wo sie im Jahr 909 als auch im Jahr 954 bis nach Freising und weiter vorgedrungen waren, dieses Gebiet mit allen Dörfern und Gebäuden komplett verwüstet. Das Dorf Schrobenhausen wurde darauf mehr als 100 Jahre in keiner Urkunde mehr genannt. Zwischen [[1006]] und [[1036]] wurde mehrmals ein Guntpolt (von Hagenau?) in den Freisinger Urkunden erwähnt, der möglicher Weise der Ahnherr der Herren von Hagenau sein könnte. Als Stammvater der Hagenauer wird jedoch der 1068 in den Freisinger Urkunden genannte Guntpold von Hagenau gesehen. Seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 führten die Herren von Hagenau einen festen Familiennamen, um ihre Erbansprüche geltend machen zu können. Ihr Name stammte von ihrem Edelsitz und Forst Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern, der nordwestlich von Freising lag. Die Herren von Hagenau waren als Vögte im Auftrag des Bistums Freising und des Hochstiftes Passau mit der Verwaltung neuer Gebiete, deren Rodung, Pflege, sowie deren Christianisierung groß geworden. Von Freising aus siedelte ein Hagenauer 150 km weiter östlich bei Neuburg am Inn (in der Nähe von Passau). Gumpoldus nobilis de Hagenowe (um [[1080]]) besaß dort laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn (damals Österreich, heute Bayern). Im Auftrag des Hochstiftes Passau begab sich sein Bruder, der Edle Hartwicus von Hagenau, 50 km südlich davon nach St. Peter am Hart bei Braunau, wo er um [[1088]] einen Sitz errichtete und die zweite Linie begründete. Die dritte Linie wurde [[1098]] 220 km weiter östlich in Außerkasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb durch seine Ehe mit Helena von Stille und Heft mehrere Lehen. Später erwarben die Hagenauer etliche andere Lehen, von denen einige bei Salzburg lagen. Entlang der Siedlungs-Routen, die hauptsächlich an Flüssen lagen, begegnet uns eine massive Anhäufung von Landschaften, Weilern oder Gütern, die teilweise noch heute Hagenau genannt werden. |
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| | ''"Neben den im [[11. Jahrhundert]] großen, durch Amt, Besitz oder Rodungstätigkeit bedeutenden Adelsfamilien gab es zahlreiche kleinere Geschlechter, Edelfreie, Nebenlinien der großen Häuser oder auch Burgherren, die sich in die Vasallität oder gar [[Ministerialen|Ministerialität]] des Königs, des Herzogs oder eines mächtigen Grafen begaben. ... Nach ihren Lehensbindungen an größere Dynasten läßt sich eine den Andechsern zugeordnete Gruppe von Edelfreien feststellen, ... eine den Ortenburgern zugehörige Gruppe mit den edelfreien Herrschaften Baumgarten, Haidburg, Rotenberg, Griesbach, Warth-Reisbach, Raiding und Rottau, wobei jedoch die Mehrzahl dieser Herren zugleich eng mit dem Hochstift Passau verbunden war. ... Ebenso hatten die (Edelfreien) von Hagenau Passauer Hochstiftsgut."'' (Handbuch der Bayrischen Geschichte) | | ''"Neben den im [[11. Jahrhundert]] großen, durch Amt, Besitz oder Rodungstätigkeit bedeutenden Adelsfamilien gab es zahlreiche kleinere Geschlechter, Edelfreie, Nebenlinien der großen Häuser oder auch Burgherren, die sich in die Vasallität oder gar [[Ministerialen|Ministerialität]] des Königs, des Herzogs oder eines mächtigen Grafen begaben. ... Nach ihren Lehensbindungen an größere Dynasten läßt sich eine den Andechsern zugeordnete Gruppe von Edelfreien feststellen, ... eine den Ortenburgern zugehörige Gruppe mit den edelfreien Herrschaften Baumgarten, Haidburg, Rotenberg, Griesbach, Warth-Reisbach, Raiding und Rottau, wobei jedoch die Mehrzahl dieser Herren zugleich eng mit dem Hochstift Passau verbunden war. ... Ebenso hatten die (Edelfreien) von Hagenau Passauer Hochstiftsgut."'' (Handbuch der Bayrischen Geschichte) |
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| | Am [[24. April]] [[1109]] übergaben die Edlefreien Reginbert (auch Reimprecht) von Hagenau und sein Schwager Udalschalk von Stille dem Hochstift Passau ein kleines Chorherrenstift, das sie in Seitenstetten gegründet hatten. Dieser als Mitstifter von Seitenstetten bekannte Reginbert I. von Hagenau aus der niederösterreichischen Linie, hatte fünf Kinder. Den Ältesten Sohn Hartwig von Hagenau aus erster Ehe (Besitzer des oberösterreichischen Gutes Hagenau bei Braunau). Seine Adoptivtochter Richarda von Hagenau, die seine Frau Helena (Stille und Heft) aus ihrer ersten Ehe in die Ehe gebracht hatte, und die in die Familienstiftung Seitenstetten als Nonne eintreten sollte. Schließlich seinen zweiten Sohn Reginbert II. (auch Reinbert) von Hagenau (Bischof von Passau), sowie den dritten Sohn Werinhart von Hagenau (Vogt von Mondsee), der drei Kinder hatte. Schließlich das fünfte Kind, Ulrich von Hagenau, der anscheinend bereits früh verstarb. Reinberts (auch Reginbert I.) Sohn Reginbert II. wurde um [[1130]] Propst des Stiftes St. Pölten und im Jahr [[1139]] von Papst Innozenz II. zum Priester sowie zum Bischof von Passau geweiht. Dieses Bischofsamt hatte zuvor der Stiefbruder seiner Mutter Helena Stille und Heft zwischen 1092 und 1121 inne, der als Passauer Bischof Ulrich I. bzw. als Ulrich von Passau in den Urkunden genannt wurde. [[1146]] ernannte Reginbert II. von Hagenau seinen ältesten Bruder Hartwig zum Vogt des Spitals in Vöcklabruck. Er überzeugte seinen kinderlosen Bruder Hartwig ein Testament zu Gunsten des Passauer Erzbistums zu machen, bevor sich beide Brüder als getreue Gefolgsmänner der Staufer mit König Konrad III. auf den Zweiten Kreuzzug ([[1147]] - [[1149]]) begaben. In diesem Kreuzzug verloren beide ihr Leben; Reginbert wurde am 10. November [[1148]] ''"mit vielen tausend anderen Kreuzfahrern von den Türken in Kappadocien eingeschlossen und getötet"'', Hartwig starb am 23. November [[1149]] auf der Rückreise. Hierauf entbrannte ein Streit um das Erbe Hartwigs von Hagenau zwischen der Witwe Hartwigs (Hildegard von Moosbach), dem Erzbistum Passau und dem noch lebenden Bruder Hartwigs, Werinhart von Hagenau, der ebenfalls Ansprüche am Lehen angemeldet hatte. Eine Entscheidung diesbezüglich fällte Herzog Heinrich auf einem Gerichtstag, in der das Lehen Hagenau bei Braunau dem Erzbistum Passau zugesprochen wurde. Die Witwe Hartwigs, Hildegard von Hagenau (de Hagenowe), übergab [[1150]] das Lehen dem nunmehrigen Bischof von Passau Konrad I. und ging in ein Kloster. Werinhart (Werinhard I.) von Hagenau und dessen Söhne Dietrich und Wernhard II. wurden vorerst entschädigt, der vierte Sohn Ulrich von Hagenau war anscheinend bereits verstorben. Aber bereits [[1152]] oder [[1153]] vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld). | | Am [[24. April]] [[1109]] übergaben die Edlefreien Reginbert (auch Reimprecht) von Hagenau und sein Schwager Udalschalk von Stille dem Hochstift Passau ein kleines Chorherrenstift, das sie in Seitenstetten gegründet hatten. Dieser als Mitstifter von Seitenstetten bekannte Reginbert I. von Hagenau aus der niederösterreichischen Linie, hatte fünf Kinder. Den Ältesten Sohn Hartwig von Hagenau aus erster Ehe (Besitzer des oberösterreichischen Gutes Hagenau bei Braunau). Seine Adoptivtochter Richarda von Hagenau, die seine Frau Helena (Stille und Heft) aus ihrer ersten Ehe in die Ehe gebracht hatte, und die in die Familienstiftung Seitenstetten als Nonne eintreten sollte. Schließlich seinen zweiten Sohn Reginbert II. (auch Reinbert) von Hagenau (Bischof von Passau), sowie den dritten Sohn Werinhart von Hagenau (Vogt von Mondsee), der drei Kinder hatte. Schließlich das fünfte Kind, Ulrich von Hagenau, der anscheinend bereits früh verstarb. Reinberts (auch Reginbert I.) Sohn Reginbert II. wurde um [[1130]] Propst des Stiftes St. Pölten und im Jahr [[1139]] von Papst Innozenz II. zum Priester sowie zum Bischof von Passau geweiht. Dieses Bischofsamt hatte zuvor der Stiefbruder seiner Mutter Helena Stille und Heft zwischen 1092 und 1121 inne, der als Passauer Bischof Ulrich I. bzw. als Ulrich von Passau in den Urkunden genannt wurde. [[1146]] ernannte Reginbert II. von Hagenau seinen ältesten Bruder Hartwig zum Vogt des Spitals in Vöcklabruck. Er überzeugte seinen kinderlosen Bruder Hartwig ein Testament zu Gunsten des Passauer Erzbistums zu machen, bevor sich beide Brüder als getreue Gefolgsmänner der Staufer mit König Konrad III. auf den Zweiten Kreuzzug ([[1147]] - [[1149]]) begaben. In diesem Kreuzzug verloren beide ihr Leben; Reginbert wurde am 10. November [[1148]] ''"mit vielen tausend anderen Kreuzfahrern von den Türken in Kappadocien eingeschlossen und getötet"'', Hartwig starb am 23. November [[1149]] auf der Rückreise. Hierauf entbrannte ein Streit um das Erbe Hartwigs von Hagenau zwischen der Witwe Hartwigs (Hildegard von Moosbach), dem Erzbistum Passau und dem noch lebenden Bruder Hartwigs, Werinhart von Hagenau, der ebenfalls Ansprüche am Lehen angemeldet hatte. Eine Entscheidung diesbezüglich fällte Herzog Heinrich auf einem Gerichtstag, in der das Lehen Hagenau bei Braunau dem Erzbistum Passau zugesprochen wurde. Die Witwe Hartwigs, Hildegard von Hagenau (de Hagenowe), übergab [[1150]] das Lehen dem nunmehrigen Bischof von Passau Konrad I. und ging in ein Kloster. Werinhart (Werinhard I.) von Hagenau und dessen Söhne Dietrich und Wernhard II. wurden vorerst entschädigt, der vierte Sohn Ulrich von Hagenau war anscheinend bereits verstorben. Aber bereits [[1152]] oder [[1153]] vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld). |
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| − | Werinhard I. von Hagenau und Zelking, der sich später nach seinem Sitz nur mehr Zelking nannte, wird von einigen Forschern als Begründer des Geschlechts der Zelkinger gesehen. Die Herren von Zelking zählten zu den Apostelgeschlechtern, jene alten Adelsgeschlechter von Österreich ob und unter der Enns, die zur Zeit der Babenberger (976–1246) schon ansässig waren und der Sage nach die erste Landherrentafel bildeten. Auf der heute nur mehr als Ruine erhaltenen Burg Zelking befanden sich über dem aus Granit errichteten Rundbogen des Eingangstores drei Wappen. Das Wappen der Herren von Hagenau, das der Herren von Zelking und das Wappen der Herren von Schlierbach. Ulrich II. von Zelking erwarb durch Heirat die Herrschaft Schlierbach im Kremstal. 1634 ist allerdings mit Wilhelm von Zelking das Geschlecht derer von Zelking ausgestorben. | + | Werinhard I. von Hagenau und Zelking, der sich später nach seinem durch Heirat in Besitz gekommenen Sitz nur mehr Zelking nannte, wird von einigen Forschern als Begründer des Geschlechts der Zelkinger gesehen. Die Herren von Zelking zählten zu den Apostelgeschlechtern, jene alten Adelsgeschlechter von Österreich ob und unter der Enns, die zur Zeit der Babenberger (976–1246) schon ansässig waren und der Sage nach die erste Landherrentafel bildeten. Auf der heute nur mehr als Ruine erhaltenen Burg Zelking befanden sich über dem aus Granit errichteten Rundbogen des Eingangstores drei Wappen. Das Wappen der Herren von Hagenau, das der Herren von Zelking und das Wappen der Herren von Schlierbach. Ulrich II. von Zelking erwarb durch Heirat die Herrschaft Schlierbach im Kremstal. 1634 ist allerdings mit Wilhelm von Zelking das Geschlecht derer von Zelking ausgestorben. |
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| | Im [[12. Jahrhundert]] hatten die Hagenauer somit gleichzeitig drei Stammsitze inne: | | Im [[12. Jahrhundert]] hatten die Hagenauer somit gleichzeitig drei Stammsitze inne: |