Stadtviertel Gstätten: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Textersetzung - „Franz-Josefs-Kai“ durch „Franz-Josef-Kai“)
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
K (Textersetzung - „Salzburger Altstadt“ durch „Salzburger Altstadt“)
 
(12 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
'''Gstätten''' war im [[17. Jahrhundert|17.]] und [[18. Jahrhundert]] eine Bezeichnung für einen Teil ([[Salzburger Stadtviertel (historisch)|Stadtviertel]]) der [[Salzburg]]er [[Altstadt]].
+
Das '''Stadtviertel Gstätten''' war im frühen [[17. Jahrhundert]] eine Bezeichnung für ein eigenes [[Salzburger Stadtviertel (historisch)|Stadtviertel]] der [[Salzburger Altstadt]] vor der [[mittelalter]]lichen [[Stadtmauern der Stadt Salzburg|Stadtmauer]] und dem [[Gstättentor]]. In der Regel gehörte diese Gstätten aber - zumindest seit der Lodronschen Stadtbefestigung - mit zum großen Getreidegassenviertel. 
  
 
== Beschreibung ==
 
== Beschreibung ==
Zeile 5: Zeile 5:
  
 
== Name ==
 
== Name ==
Es ist sprachlich richtig, den Begriff ''Stadtviertel Gstätten'' (seit 1608) zu verwenden. Der Name ''Gstättenviertel'' ist dagegen in der historischen Literatur weitgehend unüblich und unbekannt. Niemand würde in Salzburg z. B. vom [[Mülln]]viertel bzw. vom [[Nonntal]]viertel sprechen. Gebräuchlicher war der Name "''In der Gstätten''".  
+
Es ist sprachlich richtig, den Begriff ''Stadtviertel Gstätten'' ([[1608]]) zu verwenden. Der Name ''Gstättenviertel'' ist dagegen in der historischen Literatur weitgehend unüblich und unbekannt. Niemand würde in Salzburg z. B. vom [[Mülln]]''viertel'' oder vom [[Nonntal]]''viertel'' sprechen. Gebräuchlicher war wegen der geringen Größe auch der Name "''In der Gstätten''".  
  
Die [[Gstätten]] war bis zur Einbeziehung in die [[Paris Graf Lodron|Lodronsche]] [[Stadtmauern der Stadt Salzburg|Stadtmauer]] eine typischer Vorort. Er gehörte aber, ähnlich wie Mülln, stets zum Weichbild der Stadt. Es galt damit hier das strengere [[Salzburger Stadtrecht|Stadtrecht]] und galt somit in der frühen [[Neuzeit]] bereits als eigenes Viertel. Noch [[1523]] bildeten die [[Getreidegasse|Tragasse]] mit der Gstätten und mit Mülln zusammen ein Viertel.
+
Die [[Gstätten]] war bis zur Einbeziehung in die [[Paris Graf Lodron|Lodronsche]] [[Stadtmauern der Stadt Salzburg|Stadtmauer]] eine typische, wenn auch sehr kleine Vorstadt. Er gehörte aber, ähnlich wie Mülln, stets zum Weichbild der Stadt. Es galt damit hier das strengere [[Salzburger Stadtrecht|Stadtrecht]] und galt somit in der frühen [[Neuzeit]] teilweise als eigenes Viertel. Die Aufteilung der Stadt in verschiedene Vierteln blieb aber wandelbar. So wurden gemäß einer Publikation von [[1523]] die [[Getreidegasse|Tragasse]] mit der Gstätten und mit Mülln zusammen als ein Viertel zusammengefasst.
 
 
== Das Stadtviertel ==
 
Seit [[1608]], (also noch vor der[[Befestigung der Stadt Salzburg#Die dritte Stadtbefestigung (1620 bis 1648)|Lodronschen Stadtbefestigung]]) umfasste, wie [[Franz Valentin Zillner]] (Band 1 S. 174/175) in seiner "''Geschichte der Stadt Salzburg''" schreibt, die Steuerbeschreibung der Stadt bereits zwölf Viertel:
 
* der [[Alter Markt|Markt]] mit 51 Häusern
 
* der [[Kaiviertel|Kai]] mit 110 Häusern
 
* die Tragasse ([[Getreidegasse]]) mit 74 Häusern,
 
* das [[Stadtbrücke|Pruggent]] ([[Altstadt]] am [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechten Salzachufer]]) mit 118 Häusern
 
* der [[Mönchsberg]] mit 17 Häusern
 
* das [[Nonntal|Nunnthall]] mit 65 Häusern
 
* die Gstetten mit 34 Häusern
 
* [[Mülln]] mit 53 Häusern
 
* der [[Innerer Stein|Inneren Stain]] mit 37 Häusern
 
* den [[Äußerer Stein|Äußer Stain]] mit 59 Häusern
 
* vorm [[Linzertor|Lyntzer Thor]] (d. h. [[Schallmoos]]) mit 21 Häusern
 
* vorm [[Bergstraße|Perckstraß]]- und [[Lederertor|Ledererthor]] (d. h. [[Froschheim]]) mit 26 Häusern
 
 
 
==Die Viertel und Bezirke des frühen 19. Jahrhunderts==
 
Im frühen [[19. Jahrhundert]] war die innere Stadt dann in acht Viertel bzw. Bezirke eingeteilt; die Vorstädte bildeten weitere acht Viertel (Bezirke):
 
* 1. Bezirk: Marktviertel (67 Häuser)
 
* 2. Bezirk: Kaiviertel- Wasserseite (70 Häuser)
 
* 3. Bezirk: Kaiviertel Bergseite samt Nonnberg und [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|St. Peter]] (80 Häuser)
 
* 4. Bezirk: Tragassenviertel, Bergseite halbe Tragasse samt halber Kirchgasse ([[Sigmund-Haffner-Gasse]]) und samt dem ''Inneren Mönchsberg'' (48 bis 50 Häuser)
 
* 5. Bezirk: Tragassenviertel, Wasserseite, d. h. Gstätten, [[Gries]] und halbe Tragasse (76 bis 96 Häuser)
 
* 6. Bezirk: ''Innere [[Steingasse]]'' samt [[Linzer Gasse]] bis zum alten [[Inneres Ostertor|Inneren Ostertor]] und samt dem [[Imberg]] (70 bis 72 Häuser)
 
* 7. Bezirk: Berggasse und Teile der äußeren Linzer Gasse (70 Häuser)
 
* 8. Bezirk: Teile der Linzer Gasse, [[Lederergasse]] und Umgebung bis zum Lodronbogen (''Perckstraßtor'') (69 bis 72 Häuser)
 
* 9. Bezirk: ''Äußerer Mönchsberg'' mit 34 Häusern
 
* 10. Bezirk: Vorstadt Mülln mit 60 Häusern
 
* 11. Bezirk: [[Riedenburg]] mit 60 Häusern
 
* 12. Bezirk: [[Lehen (Stadt Salzburg)|Lehen]] mit 40 Häusern
 
* 13. Bezirk: Vorstadt Nonntal mit 105 Häusern
 
* 14. Bezirk: Die Vorstadt Äußerer Stein mit 49 Häusern
 
* 15. Bezirk: [[Schallmoos]] etwa bis zum später erbauten [[Salzburg Hauptbahnhof|Bahnhof]] mit 106 Häusern
 
* 16. Bezirk: [[Froschheim]] mit 85 Häusern
 
 
 
== Die Gstätten als Viertel in seiner mutmaßlichen Ausdehnung==
 
Zur [[Salzach]] war das Viertel durch die [[Befestigung der Stadt Salzburg|Stadtbefestigung]] gesichert: von der [[Staatsbrücke]] her beginnend mit der [[Alte Thürnitz|Alte Thürnitz]] und der [[Ursulinenmauer]] mit [[Sternschanze]] ([[1641]] bis [[1860]]).
 
 
 
An Gebäuden und Einrichtungen befanden sich (von der heutigen Staatsbrücke her kommend):
 
* Im Bereich des heutigen [[AVA-Hof]]s:
 
** das Haus der [[Hohe Salzburger Landschaft]] ([[1635]]) und [[Griesgasse]]nseitig das [[Städtisches Salzamt|Salzamt]],bis hier ([[1872]]) die [[Bürgerschule Salzburg|Bürgerschule]] erbaut wurde, dann Realschule bzw. [[Bundesrealgymnasium Salzburg|Realgymnasium]]
 
** davor befand sich die [[Städtische Fleischbank]],
 
** in Richtung Anton-Neumayer-Platz schlossen sich die [[Pfennigstube]] ([[1713]]), später das [[Münzwardeinamt]] ([[1800]]) und schließlich das k.k. [[Münzeinlösamt]] ([[1816]]) an;
 
* Am heutigen [[Franz-Josef-Kai]] entlang befanden sich
 
** ein weitere Haus der [[Hohe Salzburger Landschaft|Landstände]],
 
** der [[Städtischer Stadl]] ([[1739]]) sowie die Freischlachtbank ([[1815]]), Teil der [[Städtische Fleischbank|Städtischen Fleischbank]],
 
** der [[Städtischer Salz- und Getreidekasten|Städtische Salz- und Getreidekasten]] ([[1623]]), bis [[1834]] das [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]] darin untergebracht wurde.
 
 
 
* im Dreieck zwischen dem Anton-Neumayr-Platz, dem [[Museumsplatz]] und der Gstättengasse befanden sich
 
** das [[Stieglbrauerei zu Salzburg|Stieglbräuhaus]], genannt vor 1523,
 
** eine Mühle ([[1560]] sowie die [[Bruckmühle]] ([[1786]])
 
** das [[Krankenhaus der Barmherzigen Brüder|Spital der Barmherzigen Brüder]] von [[1616]] bis [[1624]],
 
** das [[Priesterseminar Erzdiözese Salzburg|Priesterseminar]], beim [[Bergsturz]] [[1669]] zerstört; hier dann das [[Ursulinenkloster]] [[1695]] bis [[1957]] und dann das [[Haus der Natur]] seit [[1959]],
 
** die [[Ursulinenkirche St. Markus]], erbaut [[1616]], durch den Bergsturz 1669 zerstört, [[1679]] neu erbaut, [[1705]] geweiht,
 
** [[Berglkirche St. Maria am Gestade]], erbaut [[1558]], durch den Bergsturz 1669 zerstört, 1679 neu erbaut, [[1800]] profaniert,
 
** das [[Klausentor]] (soweit das Tor diesem Viertel zuzurechnen sein sollte)
 
  
 
== Quellen ==
 
== Quellen ==
 
* [[Franz Valentin Zillner]]: ''Die Geschichte der Stadt Salzburg'', in: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Salzburg, 1885, Band 1, Kapitel "Stadtviertel, Straßen und Plätze"
 
* [[Franz Valentin Zillner]]: ''Die Geschichte der Stadt Salzburg'', in: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Salzburg, 1885, Band 1, Kapitel "Stadtviertel, Straßen und Plätze"
* [http://mapire.eu/oesterreichischer-staedteatlas/salzburg/view/salzburg_06.ecw/?zoom=5&lat=-2515.32506&lon=2908.48758&layers=B Österreichischer Städteatlas Salzburg] - Hinweis: Dieser Atlas ist auf Grund seiner Fehler zur Dokumentation derzeit noch wenig geeignet.
+
* [https://www.arcanum.hu/hu/online-kiadvanyok/OsterreichischerStadtatlas-osterreichischer-stadteatlas-1/salzburg-3CA2/wachstumsphasenkarte-mit-legende-3D36/ Österreichischer Städteatlas Salzburg, Wachstumsphasenkarte mit Legende]  
: → [[Österreichischer Städteatlas Salzburg]] → diese Quelle erweist sich allerdings vielfach als wenig verlässlich, siehe dazu [[Diskussion:Österreichischer Städteatlas Salzburg|Diskussion:Österreichischer Städteatlas Salzburg - Fehlerhaftigkeit des Österreichischen Städteatlas Salzburg]]
+
: → [[Österreichischer Städteatlas Salzburg]] → bezüglich Aktualität siehe [[Diskussion:Österreichischer Städteatlas Salzburg]]
  
 
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
 
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
 
[[Kategorie:Altstadt]]
 
[[Kategorie:Altstadt]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]

Aktuelle Version vom 7. April 2022, 12:12 Uhr

Das Stadtviertel Gstätten war im frühen 17. Jahrhundert eine Bezeichnung für ein eigenes Stadtviertel der Salzburger Altstadt vor der mittelalterlichen Stadtmauer und dem Gstättentor. In der Regel gehörte diese Gstätten aber - zumindest seit der Lodronschen Stadtbefestigung - mit zum großen Getreidegassenviertel.

Beschreibung

Es handelt sich dabei etwa um den Raum der nördlichen Hälfte der heutigen Griesgasse bis zum Anton-Neumayr-Platz, zur Gstättengasse und zum Klausentor.

Name

Es ist sprachlich richtig, den Begriff Stadtviertel Gstätten (1608) zu verwenden. Der Name Gstättenviertel ist dagegen in der historischen Literatur weitgehend unüblich und unbekannt. Niemand würde in Salzburg z. B. vom Müllnviertel oder vom Nonntalviertel sprechen. Gebräuchlicher war wegen der geringen Größe auch der Name "In der Gstätten".

Die Gstätten war bis zur Einbeziehung in die Lodronsche Stadtmauer eine typische, wenn auch sehr kleine Vorstadt. Er gehörte aber, ähnlich wie Mülln, stets zum Weichbild der Stadt. Es galt damit hier das strengere Stadtrecht und galt somit in der frühen Neuzeit teilweise als eigenes Viertel. Die Aufteilung der Stadt in verschiedene Vierteln blieb aber wandelbar. So wurden gemäß einer Publikation von 1523 die Tragasse mit der Gstätten und mit Mülln zusammen als ein Viertel zusammengefasst.

Quellen

Österreichischer Städteatlas Salzburg → bezüglich Aktualität siehe Diskussion:Österreichischer Städteatlas Salzburg