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| − | Franz Wallack, der von einer Familie aus dem deutschen Sachsen abstammte, wuchs in Wien auf. Er absolvierte die Realschule in Wien (IV. Waltergasse 7, wo vor ihm 1895 auch [[Viktor Kaplan]] maturierte) und rückte [[1906]] als "Einjährig- Freiwilliger" zur k.u.k. Festungsartillerie in Wien ein. Maturanten konnten die damals zweijährige Militärdienstpflicht als so genannte "Einjährig -Freiwillige" in nur einem Jahr erfüllen. [[1912]] schloss er sein Studium ab. Absolventen der k.k. Technischen Hochschulen erhielten damals noch keinen Titel (erst ab 1917 gab es den "Ing", der Dipl.Ing. wurde erst in den [[1930er]]-Jahren eingeführt) und konnte ab August [[1913]] als Aushilfsingenieur beim Kärntner Landesbauamt anfangen, wo er zur Gailflussregierung in Hermagor eingeteilt wurde. | + | Franz Wallack, der von einer Familie aus dem deutschen Sachsen abstammte, wuchs in Wien auf. Er absolvierte die Realschule in Wien (IV. Waltergasse 7, wo vor ihm 1895 auch [[Viktor Kaplan]] maturierte) und rückte [[1906]] als "Einjährig- Freiwilliger" zur k.u.k. Festungsartillerie in Wien ein. Maturanten konnten die damals zweijährige Militärdienstpflicht als sogenannte "Einjährig-Freiwillige" in nur einem Jahr erfüllen. [[1912]] schloss er sein Studium ab. Absolventen der k.k. Technischen Hochschulen erhielten damals noch keinen Titel (erst ab 1917 gab es den "Ing.", der Dipl.-Ing. wurde erst in den [[1930er]]-Jahren eingeführt) und konnte ab August [[1913]] als Aushilfsingenieur beim Kärntner Landesbauamt anfangen, wo er zur Gailflussregierung in Hermagor eingeteilt wurde. |
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| − | Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war er zuerst er bei einer 24-Zentimeter-Mörser-Batterie in Serbien eingesetzt, erlebte alle zwölf Isonzo-Schlachten im [[Küstenland]] (heute östliches [[Friaul]], [[Italien]]) und war zu Kriegsende als Oberleutnant bei Trient ([[Trentino]]) für die "Auto- und Flugabwehr" zuständig. | + | Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war er zuerst er bei einer 24-Zentimeter-Mörser-Batterie in [[Serbien]] eingesetzt, erlebte alle zwölf Isonzo-Schlachten im [[Küstenland]] (heute östliches [[Friaul]], [[Italien]]) und war zu Kriegsende als Oberleutnant bei Trient ([[Trentino]]) für die "Auto- und Flugabwehr" zuständig. |
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| − | Zurück nach Kriegsende meldete er sich freiwillig zum Kärntner Abwehrkampf, in dem er eine Gebirgsbatterie gegen jugoslawische Einheiten befehligte. Schließlich trat er dann aber wieder im Kärntner Landesbauamt seinen Dienst an. Kleinere Kraftwerksbauten, Flussregulierungen, Seilbahnprojekte und Straßenbauten zählten zu seinem Aufgabengebiet. [[1924]] erhielt er die Berechtigung eines ''behördlich autorisierten Zivilingenieurs für das Bauwesen und eines Zivilgeometers''. | + | Zurück nach Kriegsende meldete er sich freiwillig zum Kärntner Abwehrkampf, in dem er eine Gebirgsbatterie gegen [[Jugoslawien|jugoslawische]] Einheiten befehligte. Schließlich trat er dann aber wieder im Kärntner Landesbauamt seinen Dienst an. Kleinere Kraftwerksbauten, Flussregulierungen, Seilbahnprojekte und Straßenbauten zählten zu seinem Aufgabengebiet. [[1924]] erhielt er die Berechtigung eines ''behördlich autorisierten Zivilingenieurs für das Bauwesen und eines Zivilgeometers''. |
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| | Als das Projekt ''Großglockner Hochalpenstraße'' [[1924]] in die Tat umgesetzt werden sollte - es war ja schon bei der [[Amtshandlung in Mittersill]] [[1922]] beschlossen worden - wurde man auf Ing. Wallack aufmerksam. Und so wurde er am [[25. Juni]] 1924 in [[Zell am See]] vor der ersten Trassenbegehung dem [[Großglockner Hochalpenstraßen AG|Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße]] als leitender Techniker vorgestellt. Nach der abendlichen Sitzung des Ausschusses am [[28. Juni]] wurde er mit dem Projekt offiziell betraut und erhielt das geforderte Honorar zugesprochen: etwa sechs Monatsgehälter eines Hofrates, aber immer noch die Hälfte dessen, womit der Ausschuss gerechnet hatte! | | Als das Projekt ''Großglockner Hochalpenstraße'' [[1924]] in die Tat umgesetzt werden sollte - es war ja schon bei der [[Amtshandlung in Mittersill]] [[1922]] beschlossen worden - wurde man auf Ing. Wallack aufmerksam. Und so wurde er am [[25. Juni]] 1924 in [[Zell am See]] vor der ersten Trassenbegehung dem [[Großglockner Hochalpenstraßen AG|Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße]] als leitender Techniker vorgestellt. Nach der abendlichen Sitzung des Ausschusses am [[28. Juni]] wurde er mit dem Projekt offiziell betraut und erhielt das geforderte Honorar zugesprochen: etwa sechs Monatsgehälter eines Hofrates, aber immer noch die Hälfte dessen, womit der Ausschuss gerechnet hatte! |
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| − | Wallack übersiedelte nach [[Bruck an der Glocknerstraße]]. Im Sommer [[1925]] unternahm Wallack auf eigene Kosten eine Reise, allerdings mit finanzieller Unterstützung der Länder [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Salzburg]] und [[Kärnten]], über alle wichtigen Passstraßen Europas. In fünf Wochen besuchte er 43 Passstraßen und untersuchte deren Straßenbeläge, Lawinenverbauungen und anderes, um Informationen für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße zu sammeln.
| + | Im Sommer [[1925]] unternahm Wallack auf eigene Kosten eine Reise über alle wichtigen Passstraßen Europas, allerdings mit finanzieller Unterstützung der Länder [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Salzburg]] und [[Kärnten]]. In fünf Wochen besuchte er 43 Passstraßen und untersuchte deren Straßenbeläge, [[Lawine]]<u></u>nverbauungen und anderes, um Informationen für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße zu sammeln. |
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| − | Es folgten dann noch fünf Jahre der Planung, vor allem der Finanzierung und schließlich innerhalb von fünf Jahren - 26 Monate Bauzeit - echte Arbeit an der Straße. In einem eigenen Artikel wird der [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]] behandelt, den Wallack mit dem Salzburger [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] jahrelang führen musste. | + | Es folgten dann noch fünf Jahre der Planung, vor allem der Finanzierung und schließlich innerhalb von fünf Jahren - in 26 Monate Bauzeit - echte Arbeit an der Straße. In einem eigenen Artikel wird der [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]] behandelt, den Wallack mit dem Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]] jahrelang führen musste. |
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| | Wallacks technische Leistung, diese erste moderne Gebirgsstraße zu bauen, zählt längst zu den bedeutendsten historischen Ereignissen des [[20. Jahrhundert]]s. Am [[3. August]] [[1935]] erfolgte nach nur fünfjähriger Bauzeit (in den Sommermonaten) die Eröffnung dieser Nord-Süd-Verbindung über die [[Zentralalpen]]. | | Wallacks technische Leistung, diese erste moderne Gebirgsstraße zu bauen, zählt längst zu den bedeutendsten historischen Ereignissen des [[20. Jahrhundert]]s. Am [[3. August]] [[1935]] erfolgte nach nur fünfjähriger Bauzeit (in den Sommermonaten) die Eröffnung dieser Nord-Süd-Verbindung über die [[Zentralalpen]]. |
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| − | Von 1939 bis 1945 war er Leiter einer Schneeforschungsstelle und Mitglied des [[Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen]] Kraftfahrerkorps (NSKK). Seine beiden Aufnahmeanträge in die NSDAP 1940 und 1941 wurden abgelehnt. 1945 erfolgte eine staatspolitische Registrierung als Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation, die erst 1947 wieder gelöscht wurde.
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| | Wallack war aber nicht nur ein hervorragender Straßenbauer, sondern er liebte auch die Natur. Er trassierte die Straße so, dass sie sich harmonisch in die Landschaft schmiegt und der Natur möglichst keine Gewalt antut. | | Wallack war aber nicht nur ein hervorragender Straßenbauer, sondern er liebte auch die Natur. Er trassierte die Straße so, dass sie sich harmonisch in die Landschaft schmiegt und der Natur möglichst keine Gewalt antut. |
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| | [[1938]]/[[1939]] war er mit der Planung einer [[Straße über das Steinerne Meer]] beschäftigt, die jedoch nie realisiert wurde. | | [[1938]]/[[1939]] war er mit der Planung einer [[Straße über das Steinerne Meer]] beschäftigt, die jedoch nie realisiert wurde. |
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| | + | Von 1939 bis 1945 war er Leiter einer Schneeforschungsstelle und Mitglied des [[Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen]] Kraftfahrerkorps (NSKK). Seine beiden Aufnahmeanträge in die NSDAP 1940 und 1941 wurden abgelehnt. 1945 erfolgte eine staatspolitische Registrierung als Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation, die erst 1947 wieder gelöscht wurde. |
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| | [[1952]] konstruierte er die [[Wallack-Rotations-Schneefräse]] für die [[Schneeräumung Großglockner Hochalpenstraße|Schneeräumung]] der Großglockner Hochalpenstraße, die erstmals [[1953]] zum Einsatz kam. | | [[1952]] konstruierte er die [[Wallack-Rotations-Schneefräse]] für die [[Schneeräumung Großglockner Hochalpenstraße|Schneeräumung]] der Großglockner Hochalpenstraße, die erstmals [[1953]] zum Einsatz kam. |
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| − | Am [[1. Dezember 1962]] konnte er die von ihm geplante heutige [[Gerlos Alpenstraße]] eröffnen. | + | Am [[1. Dezember 1962]] konnte er die von ihm geplante heutige Gerlos Alpenstraße eröffnen. |
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| | Hofrat Wallack erlag im 80. Lebensjahr am 31. Oktober 1966 im [[Krankenhaus St. Johann im Pongau]] einem schweren Leiden.<ref name="Austro Motor">* ''Austro Motor'', internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgabe 11/1966, aus dem [[Motorrad-, Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer]]</ref> und wurde am [[7. November]] 1966 in einem Ehrengrab der [[Stadtgemeinde Salzburg]] am [[Kommunalfriedhof]] begraben. | | Hofrat Wallack erlag im 80. Lebensjahr am 31. Oktober 1966 im [[Krankenhaus St. Johann im Pongau]] einem schweren Leiden.<ref name="Austro Motor">* ''Austro Motor'', internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgabe 11/1966, aus dem [[Motorrad-, Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer]]</ref> und wurde am [[7. November]] 1966 in einem Ehrengrab der [[Stadtgemeinde Salzburg]] am [[Kommunalfriedhof]] begraben. |
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| | Zeitzeugen wie Kurt Schwaiger, der als 22-Jähriger zur GROHAG kam und bis zum Tod von Franz Wallack eng mit ihm zusammenarbeitete, beschrieb ihn anlässlich seines 50. Todestages 2016 "''Der Hofrat Wallack war sehr militärisch, barsch, energisch, tatkräftig, bestimmend und hart mit seinen Mitarbeitern, aber auch hart zu sich selbst. Dabei war er aber auch ein gläubiger und humorvoller Mensch''".<ref name="GP">Zitat Quelle [[Großglockner Panorama]], Ausgabe 2/2016</ref>. | | Zeitzeugen wie Kurt Schwaiger, der als 22-Jähriger zur GROHAG kam und bis zum Tod von Franz Wallack eng mit ihm zusammenarbeitete, beschrieb ihn anlässlich seines 50. Todestages 2016 "''Der Hofrat Wallack war sehr militärisch, barsch, energisch, tatkräftig, bestimmend und hart mit seinen Mitarbeitern, aber auch hart zu sich selbst. Dabei war er aber auch ein gläubiger und humorvoller Mensch''".<ref name="GP">Zitat Quelle [[Großglockner Panorama]], Ausgabe 2/2016</ref>. |
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| − | Man erzählte sich, dass es sich Hofrat Wallack zur Gewohnheit machte, seine Rückkehr vom Glockner nach Bruck an der Großglocknerstraße vom Mautner in [[Ferleiten]] ankündigen zu lassen. In Bruck, wohin er nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] übersiedelte, lebte er mit seiner Frau Josefine, der Schwiegermutter und einer Nichte. Mit diesem Telefonanruf wusste die Familie, was zu tun ist: Die Fahne wurde gehisst, das Einfahrtstor geöffnet und sie nahmen vor dem Haus Aufstellung. Durch dieses Spalier seiner Familienmitglieder kehrte Wallack vom Arbeitstag nach Hause. | + | Man erzählte sich, dass es sich Hofrat Wallack zur Gewohnheit machte, seine Rückkehr von Glocknerstraße nach [[Bruck an der Großglocknerstraße]] vom Mautner in [[Ferleiten]] ankündigen zu lassen. In Bruck, wohin er nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] übersiedelt war, lebte er mit seiner Frau Josefine, der Schwiegermutter und einer Nichte. Mit diesem Telefonanruf wusste die Familie, was zu tun ist: Die Fahne wurde gehisst, das Einfahrtstor geöffnet und sie nahmen vor dem Haus Aufstellung. Durch dieses Spalier seiner Familienmitglieder kehrte Wallack vom Arbeitstag nach Hause. |
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| | Sein Auto war ein BMW Sportcabrio 327/28. Ein weiteres "Markenzeichen" des Ingenieurs war seine ''Glocknerkleidung'': ein heller, leicht gemusterter Anzug mit Kniehose und orangefarbener Strickkrawatte. Halbschuhe, Pullmannmütze und Trenchcoat trug er bei Betriebsabenden ebenso wie bei den alljährlichen Schneeräumungen der Großglockner Hochalpenstraße. Als passionierter Schlittschuhläufer ließ er sogar mehrmals auf der [[Fuscher Lacke]] und in [[Heiligenblut]] einen Eislaufplatz errichten und lehrte einheimischen Kindern das Eislaufen. | | Sein Auto war ein BMW Sportcabrio 327/28. Ein weiteres "Markenzeichen" des Ingenieurs war seine ''Glocknerkleidung'': ein heller, leicht gemusterter Anzug mit Kniehose und orangefarbener Strickkrawatte. Halbschuhe, Pullmannmütze und Trenchcoat trug er bei Betriebsabenden ebenso wie bei den alljährlichen Schneeräumungen der Großglockner Hochalpenstraße. Als passionierter Schlittschuhläufer ließ er sogar mehrmals auf der [[Fuscher Lacke]] und in [[Heiligenblut]] einen Eislaufplatz errichten und lehrte einheimischen Kindern das Eislaufen. |