| | In seiner Festrede versteht Philipp Blom die Aussage "''Wir sind alle Kinder der Aufklärung''" zugleich als Mahnung und Appell: Dieses Bekenntnis sei inzwischen zur Phrase verkommen, sagt er. "''Das universelle Denken und die universellen Menschenrechte sind abgelöst worden vom Rückzug auf das Eigene, auf die Nation, die Grenze. Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind offensichtlich nur dann attraktiv oder durchsetzbar, wenn sie von hohen Mauern und Stacheldraht geschützt werden.''" So werde die Aufklärung zur Waffe zum Erhalt des Status quo der Reichen und Mächtigen. Immer mehr Menschen hätten Angst und fürchteten sich davor, Besitz und eine vertraute Welt zu verlieren. Die Zukunft werde als Bedrohung erlebt. | | In seiner Festrede versteht Philipp Blom die Aussage "''Wir sind alle Kinder der Aufklärung''" zugleich als Mahnung und Appell: Dieses Bekenntnis sei inzwischen zur Phrase verkommen, sagt er. "''Das universelle Denken und die universellen Menschenrechte sind abgelöst worden vom Rückzug auf das Eigene, auf die Nation, die Grenze. Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind offensichtlich nur dann attraktiv oder durchsetzbar, wenn sie von hohen Mauern und Stacheldraht geschützt werden.''" So werde die Aufklärung zur Waffe zum Erhalt des Status quo der Reichen und Mächtigen. Immer mehr Menschen hätten Angst und fürchteten sich davor, Besitz und eine vertraute Welt zu verlieren. Die Zukunft werde als Bedrohung erlebt. |
| − | Die Aufklärung sei nötiger denn je, ist Blom überzeugt, "''aber nicht in ihrer aktuellen rationalistischen Verengung oder ökonomischen Parodie''". Der Mensch sei nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein winziger Teil eines komplexen Systems, das auch ohne ihn weiter bestehen werde. Der Homo sapiens könne durch Verständnis, Phantasie und Empathie sein Verhalten ändern. "''Wer bereit ist, selbst zu denken und riskant zu denken, kann Teil einer Zukunft werden, in der es sich zu leben lohnt; nicht als Kind oder als Erbe, sondern als Teil der Natur, als empathischer Primat – und aus Leidenschaft für ein gutes Leben''." | + | Die Aufklärung sei nötiger denn je, ist Blom überzeugt, "''aber nicht in ihrer aktuellen rationalistischen Verengung oder ökonomischen Parodie''". Der Mensch sei nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein winziger Teil eines komplexen Systems, das auch ohne ihn weiter bestehen werde. Der Homo sapiens könne durch Verständnis, Fantasie und Empathie sein Verhalten ändern. "''Wer bereit ist, selbst zu denken und riskant zu denken, kann Teil einer Zukunft werden, in der es sich zu leben lohnt; nicht als Kind oder als Erbe, sondern als Teil der Natur, als empathischer Primat – und aus Leidenschaft für ein gutes Leben''." |