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[[Datei:800px-Tauerntunnelnordportal.jpg|thumb|Portal des [[Tauerntunnel (Bahn)|Tauerntunnels]] der [[Tauernbahn]] in [[Böckstein]]]]
 
[[Datei:800px-Tauerntunnelnordportal.jpg|thumb|Portal des [[Tauerntunnel (Bahn)|Tauerntunnels]] der [[Tauernbahn]] in [[Böckstein]]]]
 
[[Datei:Badgastein, ca. 1920.jpg|thumb|[[Bad Gastein]] 1920]]
 
[[Datei:Badgastein, ca. 1920.jpg|thumb|[[Bad Gastein]] 1920]]
Über die '''Geschichte des Gasteinertales'''.
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Über die '''Geschichte des Gasteinertales'''. Siehe auch die [[Chronologie des Gasteinertals]].
    
== Anfänge ==
 
== Anfänge ==
 
Den ersten Hinweis, dass sich Menschen im Tal aufhielten, gibt ein Flintbeil aus der Zeit um 3750 vor Christi Geburt, das in [[Bad Gastein]] nächst der [[Fledermaus-Warmwasserquelle]] gefunden wurde. Es ist rund 6 000 Jahre alt und von westeuropäischer Herkunft. Mehrere steinerne Lochäxte, zum Teil aus den hochalpinen Bereichen, sind "nur" 5 000 Jahre alt.
 
Den ersten Hinweis, dass sich Menschen im Tal aufhielten, gibt ein Flintbeil aus der Zeit um 3750 vor Christi Geburt, das in [[Bad Gastein]] nächst der [[Fledermaus-Warmwasserquelle]] gefunden wurde. Es ist rund 6 000 Jahre alt und von westeuropäischer Herkunft. Mehrere steinerne Lochäxte, zum Teil aus den hochalpinen Bereichen, sind "nur" 5 000 Jahre alt.
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Um [[1600 v. Chr.|1600 vor Christi Geburt]], also schon lange vor den [[Römer]]n, fand im [[Nassfeldtal]] ([[Sportgastein]]) eine massive Waldrodung statt; und aus der Zeit um 1100 vor Christi Geburt datiert das Fragment eines [[Kelten|frühkeltischen]] Kammhelms aus dem [[Anlauftal]].  
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Um 1600 vor Christi Geburt, also schon lange vor den [[Römer]]n, fand im [[Nassfeld]] ([[Sportgastein]]) eine massive Waldrodung statt; und aus der Zeit um 1100 vor Christi Geburt datiert das Fragment eines [[Kelten|frühkeltischen]] Kammhelms aus dem [[Anlauftal]].  
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Die Römerzeit ist durch Münzfunde gut bezeugt und natürlich auch durch die Reste der [[Römerstraße|römischen Straßenanlagen]] über den [[Korntauern]] und über den [[Nassfelder Tauern]], Letztere dann weiter zum Bergwerksrevier des [[Bockharttal]]s hinauf.  
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Die Römerzeit ist durch Münzfunde gut bezeugt und natürlich auch durch die Reste der [[Römerstraße (römisches Straßennetz)|römischen Straßenanlagen]] über den [[Korntauern]] und über den [[Nassfelder Tauern]], Letztere dann weiter zum Bergwerksrevier des [[Bockharttal]]s hinauf.  
    
== Das erste Jahrtausend nach Christi Geburt ==
 
== Das erste Jahrtausend nach Christi Geburt ==
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Ab dem [[8. Jahrhundert|8. nachchristlichen Jahrhundert]] wurde das Tal für bäuerliche Zwecke großräumig nutzbar gemacht. Es waren [[Bajuwaren|bajuwarische]] Siedler, die gemeinsam mit [[Karantanien|Karantanen]] aus [[Kärnten]], diese wahrscheinlich unter dem gleichen bayerischen Grundherrn wie sie selbst, das Tal mit Höfen besetzten und die Rodungen ausführten, hauptsächlich an den talnahen Hängen. Daraus entwickelten sich später die sogenannten "Freiberge", auf die noch mancher Flurname hinweist und die ursprünglich im gemeinsamen Besitz der Bauern standen: Weiderecht für alle!  
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Ab dem [[8. Jahrhundert|8. nachchristlichen Jahrhundert]] wurde das Tal für bäuerliche Zwecke großräumig nutzbar gemacht. Es waren [[Bajuwaren|bajuwarische]] Siedler, die gemeinsam mit [[Karantanien|Karantanen]] aus [[Kärnten]], diese wahrscheinlich unter dem gleichen bayerischen Grundherrn wie sie selbst, das Tal mit Höfen besetzten und die Rodungen ausführten, hauptsächlich an den talnahen Hängen. Daraus entwickelten sich später die sogenannten "Freiberge", auf die noch mancher [[Flurname]] hinweist und die ursprünglich im gemeinsamen Besitz der Bauern standen: Weiderecht für alle!  
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Laut alter Sagen gab es auch bereits Kirchen, was nicht bewiesen, aber sehr wahrscheinlich ist. Die frühen Einwohner des Tales, die laut HR Dr. [[Herbert Klein]] "''von Anfang an''" unter bayerischer Oberherrschaft standen, bekannten sich zweifellos zum Christentum. Um [[711]], etwa ein Jahr nach der Ankunft des heiligen [[Rupert von Worms|Rupert]] in [[Iuvavum|Salzburg]], gab es bereits einen urkundlich verbürgten kirchlichen Stützpunkt [[Innergebirg|inner Gebirg]], nämlich die [[Maximilianzelle]] in [[Bischofshofen]]. Also wird auch in Gastein - zumindest eine kleine! - Kirche oder Kapelle vorhanden gewesen sein. - Aufgrund gewisser archäologisch-bodenstruktureller Merkmale ist für diese frühe Zeit, also ab dem 8. Jahrhundert, die Existenz eines großflächigen bayerischen Herzogshofes zwischen der heutigen Kirche und dem Kirchbach sehr wahrscheinlich. Er fungierte als landwirtschaftliches Verwaltungszentrum.
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Laut alter Sagen gab es auch bereits Kirchen, was nicht bewiesen, aber sehr wahrscheinlich ist. Die frühen Einwohner des Tales, die laut HR Dr. [[Herbert Klein]] "''von Anfang an''" unter bayerischer Oberherrschaft standen, bekannten sich zweifellos zum Christentum. Um [[711]], etwa ein Jahr nach der Ankunft des heiligen [[Rupert von Salzburg|Rupert]] in [[Iuvavum|Salzburg]], gab es bereits einen urkundlich verbürgten kirchlichen Stützpunkt "[[Innergebirg|inner Gebirg]]", nämlich die [[Maximilianzelle]] in [[Bischofshofen]]. Also wird auch in Gastein - zumindest eine kleine! - Kirche oder Kapelle vorhanden gewesen sein.
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Die aus Kärnten kommenden und alt-slowenisch sprechenden „karantanischen“ Siedler standen jenen aus dem alten Bayern friedlich gegenüber. Dies beweisen Übersetzungsnamen, zum Beispiel "''Korn-Tauern''" (aus "''koren''", die Wurzel), den man von Gasteiner Seite über den "''Wurz-Berg''"-Steig erreicht. Man vergleiche dazu als Parallele den Kärntner ''Wurzen''-Pass und südlich unterhalb den slowenischen Ort Pod-''Koren''. Slawisch-karantanische Ortsnamen finden sich hauptsächlich in der Südhälfte des Gasteinertales; es sind rund 25 bis 30 an der Zahl, deren slawischer Ursprung manchmal wegen ihrer später völlig eingedeutschten Form nur mehr schwer zu erkennen ist.
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Aufgrund gewisser archäologisch-bodenstruktureller Merkmale ist für diese frühe Zeit, also ab dem 8. Jahrhundert, die Existenz eines großflächigen bayerischen Herzogshofes zwischen der heutigen Kirche und dem Kirchbach sehr wahrscheinlich. Er fungierte als landwirtschaftliches Verwaltungszentrum.
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Die aus Kärnten kommenden und alt-slowenisch sprechenden "karantanischen" Siedler standen jenen aus dem alten Bayern friedlich gegenüber. Dies beweisen Übersetzungsnamen, zum Beispiel "''Korn-Tauern''" (aus "''koren''", die Wurzel), den man von Gasteiner Seite über den "''Wurz-Berg''"-Steig erreicht. Man vergleiche dazu als Parallele den Kärntner "''Wurzen''"-Pass und südlich unterhalb den slowenischen Ort Pod-"''Koren''". Slawisch-karantanische Ortsnamen finden sich hauptsächlich in der Südhälfte des Gasteinertales; es sind rund 25 bis 30 an der Zahl, deren slawischer Ursprung manchmal wegen ihrer später völlig eingedeutschten Form nur mehr schwer zu erkennen ist.
    
== Die Geschichte ab dem 1. Jahrtausend ==
 
== Die Geschichte ab dem 1. Jahrtausend ==
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:''Hauptartikel [[1000 Jahre Gastein]]
 
Dann kam das berühmte Jahr [[1020]], für das durch Univ.-Prof. Dr. [[Heinz Dopsch]] ganz eindeutig die Existenz einer eigenständigen Pfarre in Gastein nachgewiesen wurde. Obwohl "''Gastein''" als Gewässername schon früher vorkommt, beispielsweise um [[963]] und, ohne konkrete wissenschaftliche Fundierung, auch für das Jahr [[890]] genannt wird, so ist doch 1020 jene hochwichtige Jahreszahl, die pfarrliches und somit parallel einhergehendes ausgedehntes wirtschaftliches Leben für das Gasteinertal mit uneingeschränkter Deutlichkeit bezeugt. "1020–2020" – da wird um 2020 für das gesamte Gasteinertal eine große Tausendjahrfeier fällig.
 
Dann kam das berühmte Jahr [[1020]], für das durch Univ.-Prof. Dr. [[Heinz Dopsch]] ganz eindeutig die Existenz einer eigenständigen Pfarre in Gastein nachgewiesen wurde. Obwohl "''Gastein''" als Gewässername schon früher vorkommt, beispielsweise um [[963]] und, ohne konkrete wissenschaftliche Fundierung, auch für das Jahr [[890]] genannt wird, so ist doch 1020 jene hochwichtige Jahreszahl, die pfarrliches und somit parallel einhergehendes ausgedehntes wirtschaftliches Leben für das Gasteinertal mit uneingeschränkter Deutlichkeit bezeugt. "1020–2020" – da wird um 2020 für das gesamte Gasteinertal eine große Tausendjahrfeier fällig.
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Wahrscheinlich ebenso wie in den vorangegangenen Jahrhunderten, so gehörte in den folgenden Jahrhunderten das Tal zum allergrößten Teil den [[Bayernherzöge in Salzburg|Herzögen von Bayern]]. Im Herzogsurbar von [[1224]] sind beispielsweise genannt: Laderding, Haitzing, Hof ([[Bad Hofgastein]]), Planitzen, Gadaunern, Ardacker, Lafen, [[Kötschachtal (Bad Gastein)|Kötschach]] und "Puchelen" (Reitlgründe, [[Bad Gastein]], mit südlich davon liegendem Hinterland: „Hinterbaden“, Böckstein). Dieser riesengroße bayerische Besitz störte die [[Salzburger Erzbischöfe]] bei ihren Bemühungen, [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] zu einem echten und eigenständigen "Land" zu machen.  
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Wahrscheinlich ebenso wie in den vorangegangenen Jahrhunderten, so gehörte in den folgenden Jahrhunderten das Tal zum allergrößten Teil den [[Bayernherzöge in Salzburg|Herzögen von Bayern]]. Im Herzogsurbar von [[1224]] sind beispielsweise genannt: Laderding, Haitzing, Hof ([[Bad Hofgastein]]), Planitzen, Gadaunern, Ardacker, Lafen, [[Kötschachtal (Bad Gastein)|Kötschach]] und "Puchelen" (Reitlgründe, [[Bad Gastein]], mit südlich davon liegendem Hinterland: "Hinterbaden", Böckstein). Dieser riesengroße bayerische Besitz störte die [[Salzburger Erzbischöfe]] bei ihren Bemühungen, [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] zu einem echten und eigenständigen "Land" zu machen.  
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Als die Bayernherzöge Otto III. und Stephan I. in Geldnot gerieten, bot sich aus ihrer Sicht ein Verkauf Gasteins an – und der Salzburger Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]] griff zu: Ab dem Jahr [[1297]] gehörte die nun so benannte "''Provinzia Gastuna''" zu Salzburg und die erzbischöflichen Landesherren durften sich über eine endlich durchgehend geschlossene, über die wasserscheidenden Kämme und Grate der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] verlaufende Südgrenze ihres "Landes" freuen. Das stolze Wort „unser Land“ kommt dann erstmals in der [[Gasteiner Bergordnung]] von [[1342]] in schriftlicher Form vor.
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Als die Bayernherzöge Otto III. und Stephan I. in Geldnot gerieten, bot sich aus ihrer Sicht ein Verkauf Gasteins an – und der Salzburger Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]] griff zu: Ab dem Jahr [[1297]] gehörte die nun so benannte "''Provinzia Gastuna''" zu Salzburg und die erzbischöflichen Landesherren durften sich über eine endlich durchgehend geschlossene, über die wasserscheidenden Kämme und Grate der [[Hohen Tauern]] verlaufende Südgrenze ihres "Landes" freuen. Das stolze Wort "unser Land" kommt dann erstmals in der [[Gasteiner Bergordnung]] von [[1342]] in schriftlicher Form vor.
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Im Jahr [[1272]] gab es einen Besitzstreit um die [[Burg Klammstein]] zwischen den [[Herren von Goldegg]] und denen von [[Herren von Walchen|Walchen]]. Die Burg und deren rundum liegenden Wälder und landwirtschaftlichen Ertragsflächen hatten zuvor der Grafenfamilie der Sieghardinger-Peilsteiner gehört. Von dem noch heute erhaltenen Wehrturm der Burg Klammstein aus wachte, vermutlich mit militärischer Aufgabenstellung, ein "''Sagittarius''" (Bogenschütze), zum Beispiel einer, dessen Name als „Konrad“ überliefert ist. Ab 1272 setzten sich in dem oben erwähnten Streit die Herren von Goldegg durch, die zwar nie den Status von Grafen erreichten, die aber dessen ungeachtet fortan über das ganze Tal ''de facto'' die Grafschaftsrechte ausübten - eine Tatsache, in der wohl einiges Konfliktpotenzial verborgen lag, denn die eigentlichen Besitzer des bei Weitem größten Talbereiches mit seinen wirtschaftlichen Hauptorten waren nach wie vor und bis [[1297]] die Bayernherzöge.  
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Im Jahr [[1272]] gab es einen Besitzstreit um die [[Burg Klammstein]] zwischen den [[Herren von Goldegg]] und denen von [[Herren von Walchen|Walchen]]. Die Burg und deren rundum liegenden Wälder und landwirtschaftlichen Ertragsflächen hatten zuvor der Grafenfamilie der Sieghardinger-Peilsteiner gehört. Von dem noch heute erhaltenen Wehrturm der Burg Klammstein aus wachte, vermutlich mit militärischer Aufgabenstellung, ein "''Sagittarius''" (Bogenschütze), zum Beispiel einer, dessen Name als "Konrad" überliefert ist. Ab 1272 setzten sich in dem oben erwähnten Streit die Herren von Goldegg durch, die zwar nie den Status von Grafen erreichten, die aber dessen ungeachtet fortan über das ganze Tal ''de facto'' die Grafschaftsrechte ausübten - eine Tatsache, in der wohl einiges Konfliktpotenzial verborgen lag, denn die eigentlichen Besitzer des bei Weitem größten Talbereiches mit seinen wirtschaftlichen Hauptorten waren nach wie vor und bis [[1297]] die Bayernherzöge. Am [[10. März]] 1297 kam es zum [[Erwerb des Gasteinertales|Verkauf des Gasteinertals]] an das [[Erzbistum Salzburg]].
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== Die Thermalquellen ==
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== Entwicklung zum Wildbad ==
 
Die [[Thermalquellen]] dürften seit ältester, vielleicht sogar schon in frühgeschichtlicher Zeit zumindest gelegentlich genutzt worden sein. Um [[1180]] lebte im Tal ein ''Luitoldus de Gastein'', dessen Wappen nach früher Überlieferung einen Wasserkrug zeigt. Dies ist nicht überprüfbar: Die Urkunde gilt heute als verschollen.  
 
Die [[Thermalquellen]] dürften seit ältester, vielleicht sogar schon in frühgeschichtlicher Zeit zumindest gelegentlich genutzt worden sein. Um [[1180]] lebte im Tal ein ''Luitoldus de Gastein'', dessen Wappen nach früher Überlieferung einen Wasserkrug zeigt. Dies ist nicht überprüfbar: Die Urkunde gilt heute als verschollen.  
    
In ältester Zeit gab es wohl kaum eine reguläre "Badeanstalt" im heutigen Sinne, sondern das Baden spielte sich in einfachen hölzernen Zubern und Bottichen ab, und man benötigte eine Kanne, um mit ihr die aus [[Holz]] gefertigten Badebehälter mit [[Thermalwasser]] zu füllen. Somit lässt die Kanne (oder der Krug) im Wappen nur eine wirklich plausible Deutung zu, nämlich die als bewusster Hinweis auf irgendeine Form der Verabreichung von Bädern, mit denen der Träger eines solchen Wappens in Zusammenhang stand. Übrigens: ''Diepold von Gastein'', möglicherweise ein Nachkomme des oben erwähnten ''Luitoldus de Gastein'', war ein bedeutender Landadliger mit Grundbesitz rund um Bad Gastein. Auch er führte einen Krug in seinem Wappen, und zwar um [[1327]].  
 
In ältester Zeit gab es wohl kaum eine reguläre "Badeanstalt" im heutigen Sinne, sondern das Baden spielte sich in einfachen hölzernen Zubern und Bottichen ab, und man benötigte eine Kanne, um mit ihr die aus [[Holz]] gefertigten Badebehälter mit [[Thermalwasser]] zu füllen. Somit lässt die Kanne (oder der Krug) im Wappen nur eine wirklich plausible Deutung zu, nämlich die als bewusster Hinweis auf irgendeine Form der Verabreichung von Bädern, mit denen der Träger eines solchen Wappens in Zusammenhang stand. Übrigens: ''Diepold von Gastein'', möglicherweise ein Nachkomme des oben erwähnten ''Luitoldus de Gastein'', war ein bedeutender Landadliger mit Grundbesitz rund um Bad Gastein. Auch er führte einen Krug in seinem Wappen, und zwar um [[1327]].  
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Als sich um [[1350]] ein "''Fritzel in Baden''" in eine Leibsteuerliste eintragen lassen musste, war allein schon mit seinem Namen ("''in Baden''") der erste direkte Beweis für das Vorhandensein eines regulären Badebetriebs gegeben. Die Kunde, dass das warme Wasser heilkräftig sei, verbreitete sich rasch, und das [[Bad Gastein]] startete seine Karriere als ''Wildbad'', nämlich als eine frühe Form dessen, was man (viel) später einen [[Kurort]]nannte. Schon fünfzehn Jahre nachdem der Ortsname ''in Baden''" genannt erscheint, melden die Chroniken die ersten wirklich hochrangigen Gastein-Besucher: Einerseits war es Herzog [[Stephan II. von Bayern]] samt großem Gefolge - und andererseits [[Meinhard VII. von Görz|Meinhard VII.]], der mächtige Graf von Görz, ebenfalls mit großem Gefolge. Die Bayern und Görzer trafen sich am [[30. Mai]] [[1365]] in Hofgastein um einen gewissermaßen internationalen Heiratsvertrag zu schließen. In diesem ersten [[Gasteiner Vertrag]]" versprachen sich Katharina von Görz und Johann II. von Bayern die Ehe, mit weitgehenden staatspolitischen Folgen.  
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Als sich um [[1350]] ein "''Fritzel in Baden''" in eine Leibsteuerliste eintragen lassen musste, war allein schon mit seinem Namen ("''in Baden''") der erste direkte Beweis für das Vorhandensein eines regulären Badebetriebs gegeben. Die Kunde, dass das warme Wasser heilkräftig sei, verbreitete sich rasch, und das [[Bad Gastein]] startete seine Karriere als "''Wildbad''", nämlich als eine frühe Form dessen, was man (viel) später einen "[[Kurort]]" nannte. Schon fünfzehn Jahre nachdem der Ortsname "''in Baden''" genannt erscheint, melden die Chroniken die ersten wirklich hochrangigen Gastein-Besucher: Einerseits war es Herzog [[Stephan II. von Bayern]] samt großem Gefolge - und andererseits [[Meinhard VII. von Görz|Meinhard VII.]], der mächtige Graf von Görz, ebenfalls mit großem Gefolge. Die Bayern und Görzer trafen sich am [[30. Mai]] [[1365]] in Hofgastein um einen gewissermaßen internationalen Heiratsvertrag zu schließen. In diesem ersten "[[Gasteiner Vertrag]]" versprachen sich Katharina von Görz und Johann II. von Bayern die Ehe, mit weitgehenden staatspolitischen Folgen.  
    
== Hohe und höchste Herrschaften als Gäste im Gasteinertal ==
 
== Hohe und höchste Herrschaften als Gäste im Gasteinertal ==
 
Der Anfang war gemacht! In den folgenden Jahrhunderten durften die Gasteiner immer wieder hohe und höchste Herrschaften als Gäste begrüßen, etwa Herzogin [[Anna von Braunschweig]] ([[1422]]), Herzog Friedrich von Tirol (später Kaiser [[Friedrich III.]]) um [[1436]], Herzog [[Sigmund von Österreich]] ([[1451]]), Herzog [[Ludwig IX. von Bayern-Landshut]] ([[1461]]), Herzog [[Sigismund von Bayern]] ([[1466]]), Herzog [[Philipp von Bayern]] ([[1535]]), den Wittelsbacher [[Ottheinrich]], Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst von der Pfalz ([[1537]], [[1538]], [[1540]]), Herzog [[Ludwig X. von Bayern]] ([[1539]]), Herzog [[Albrecht V. von Bayern]] und Erzherzog [[Karl II. von Innerösterreich]] (beide [[1570]]) sowie Erzherzogin [[Anna von Österreich]] ([[1571]]).  
 
Der Anfang war gemacht! In den folgenden Jahrhunderten durften die Gasteiner immer wieder hohe und höchste Herrschaften als Gäste begrüßen, etwa Herzogin [[Anna von Braunschweig]] ([[1422]]), Herzog Friedrich von Tirol (später Kaiser [[Friedrich III.]]) um [[1436]], Herzog [[Sigmund von Österreich]] ([[1451]]), Herzog [[Ludwig IX. von Bayern-Landshut]] ([[1461]]), Herzog [[Sigismund von Bayern]] ([[1466]]), Herzog [[Philipp von Bayern]] ([[1535]]), den Wittelsbacher [[Ottheinrich]], Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst von der Pfalz ([[1537]], [[1538]], [[1540]]), Herzog [[Ludwig X. von Bayern]] ([[1539]]), Herzog [[Albrecht V. von Bayern]] und Erzherzog [[Karl II. von Innerösterreich]] (beide [[1570]]) sowie Erzherzogin [[Anna von Österreich]] ([[1571]]).  
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Im Jahr [[1591]] besuchte mit größtmöglich zur Schau gestelltem Pomp der Salzburger Landesherr [[Wolf Dietrich von Raitenau]] "''die Gastein''". Er nannte sich als Erster nicht nur "''Erzbischof''", sondern in selbstbewusster Einschätzung seiner Bedeutung "''Fürst''-Erzbischof.  
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Im Jahr [[1591]] besuchte mit größtmöglich zur Schau gestelltem Pomp der Salzburger Landesherr [[Wolf Dietrich von Raitenau]] "''die Gastein''". Er nannte sich als Erster nicht nur "''Erzbischof''", sondern in selbstbewusster Einschätzung seiner Bedeutung "''Fürst''"-Erzbischof.  
    
In den folgenden Jahrhunderten waren es viele weitere Prominente, die hier die Badekur absolvierten. Dabei erwies sich die Zahl von Besuchern aus Bayern regelmäßig als wesentlich höher denn jene von Besuchern aus [[Habsburgermonarchie|Österreich]]. Natürlich statteten auch die späteren Salzburger Fürsterzbischöfe, bis herauf zu [[Hieronymus Graf Colloredo]] als dem Letzten in der Reihe geistlicher Landesherren, dem Gasteiner Bad ihre Besuche ab.
 
In den folgenden Jahrhunderten waren es viele weitere Prominente, die hier die Badekur absolvierten. Dabei erwies sich die Zahl von Besuchern aus Bayern regelmäßig als wesentlich höher denn jene von Besuchern aus [[Habsburgermonarchie|Österreich]]. Natürlich statteten auch die späteren Salzburger Fürsterzbischöfe, bis herauf zu [[Hieronymus Graf Colloredo]] als dem Letzten in der Reihe geistlicher Landesherren, dem Gasteiner Bad ihre Besuche ab.
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Die erste Blüte des Bergbaues dauerte nicht sehr lange, denn schon ab dem Jahr [[1400]] machte sich im deutschen Wirtschaftswesen und besonders im gesamtdeutschen Bergbau eine Depressionsphase bemerkbar. Erst in der zweiten Hälfte des [[15. Jahrhundert]]s ging es wieder aufwärts. Es gab Erfindungen und wesentliche technische Verbesserungen, echte ''Inventionen'' und darauffolgende allgemein angewandte Innovationen.  
 
Die erste Blüte des Bergbaues dauerte nicht sehr lange, denn schon ab dem Jahr [[1400]] machte sich im deutschen Wirtschaftswesen und besonders im gesamtdeutschen Bergbau eine Depressionsphase bemerkbar. Erst in der zweiten Hälfte des [[15. Jahrhundert]]s ging es wieder aufwärts. Es gab Erfindungen und wesentliche technische Verbesserungen, echte ''Inventionen'' und darauffolgende allgemein angewandte Innovationen.  
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Auswärtiges Kapital floss nach Gastein, allen voran jenes des reichen Augsburger Handelshauses der [[Fugger]], die das hier gewonnene Gold und Silber nach [[Venedig]] verbrachten, in den berühmten "''Fondaco Dei Tedeschi''", also in das riesengroße und prächtig ausgestattete ''Haus der deutschen Kaufleute''in Venedig.
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Auswärtiges Kapital floss nach Gastein, allen voran jenes des reichen Augsburger Handelshauses der [[Fugger]], die das hier gewonnene Gold und Silber nach [[Venedig]] verbrachten, in den berühmten "''Fondaco Dei Tedeschi''", also in das riesengroße und prächtig ausgestattete "''Haus der deutschen Kaufleute''" in Venedig.
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In den Jahren [[1525]] und [[1526]] tobte der [[Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege|Bauernkrieg]], quasi als später Epilog zu den weitaus größeren Bauernaufständen in Süddeutschland. Den Anfang nahm die Gasteiner Rebellion mit einer Verschwörung der Bergwerksunternehmer bei der ''Grube Silberpfennig'' auf der Erzwies im hintersten [[Angertal]]. Die [[Gewerke]]n drohten den zu Beginn eher zum Frieden tendierenden Bauern des Tales mit Zwangsmaßnahmen gegen ''Leib und Leben''(Folter und Tod), falls sie sich weiterhin weigern sollten, beim Aufstand mitzumachen. Nach etwa eineinhalb Monaten wendete sich das Blatt: die Gewerken zogen sich zurück und die zu Radikalität und Gewalttaten neigenden [[Pinzga]]uer Bauern fanden nun auch im Gasteinertal viele bäuerliche Mitstreiter gegen Kardinal [[Matthäus Lang]], den Salzburger Landesherrn.
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In den Jahren [[1525]] und [[1526]] tobte der [[Salzburger Bauernaufstände|Bauernkrieg]], quasi als später Epilog zu den weitaus größeren Bauernaufständen in Süddeutschland. Den Anfang nahm die Gasteiner Rebellion mit einer Verschwörung der Bergwerksunternehmer bei der ''Grube Silberpfennig'' auf der Erzwies im hintersten [[Angertal]]. Die [[Gewerke]]n drohten den zu Beginn eher zum Frieden tendierenden Bauern des Tales mit Zwangsmaßnahmen gegen "''Leib und Leben''" (Folter und Tod), falls sie sich weiterhin weigern sollten, beim Aufstand mitzumachen. Nach etwa eineinhalb Monaten wendete sich das Blatt: die Gewerken zogen sich zurück und die zu Radikalität und Gewalttaten neigenden [[Pinzgau]]er Bauern fanden nun auch im Gasteinertal viele bäuerliche Mitstreiter gegen Kardinal [[Matthäus Lang]], den Salzburger Landesherrn.
    
== Das Gasteinertal steht an der Spitze aller Edelmetallbergwerke im deutschen Sprachraum ==
 
== Das Gasteinertal steht an der Spitze aller Edelmetallbergwerke im deutschen Sprachraum ==
Ab etwa [[1520]] kamen einheimische Gewerken zu Bedeutung, die sich von ursprünglich halbbäuerlichen Existenzen zu immens reichen und überregional angesehenen Unternehmern hocharbeiteten. Die Gewerkenfamilien der [[Weitmoser]], [[Zott]] und [[Strasser]] erlebten dann den absoluten Höhepunkt der Produktion von Gold und Silber. Im Jahr [[1557]] waren das 830 kg Gold und 2.723 kg Silber, das allermeiste davon vom [[Radhausberg]] oberhalb [[Böckstein]]s. Allein im Jahr [[1560]] wurde aus dem heimischen Gold in der [[Salzburger Münze|Salzburger Münzstätte]] die riesige Summe von 170.992 Gold-Dukaten ausgeprägt. Auf der Basis von Bergarbeiterlöhnen - einst und jetzt - umgerechnet, entspricht das etwa einem heutigen Wert von ungefähr 130 bis 170 Millionen Euro, rein theoretisch-rechnerisch wären es 148,2 Millionen. Rechnet man den Wert des Goldes und den Wert des Silbers in einen übergreifenden Gulden-Gesamtbetrag zusammen, so stand Gastein um die Mitte des [[16. Jahrhundert]]s an der Spitze aller Edelmetallbergwerke im deutschen Sprachraum, noch vor den sächsischen Bergwerken, auch vor [[Schwaz]] in [[Tirol]] und anderen. [[Christoff Weitmoser|Christoff Weitmoser I.]] war der bei Weitem größte Goldgewerke im Alten Reich.  
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Ab etwa [[1520]] kamen einheimische Gewerken zu Bedeutung, die sich von ursprünglich halbbäuerlichen Existenzen zu immens reichen und überregional angesehenen Unternehmern hocharbeiteten. Die Gewerkenfamilien der [[Weitmoser]], [[Zott]] und [[Strasser]] erlebten dann den absoluten Höhepunkt der Produktion von Gold und Silber. Im Jahr [[1557]] waren das 830 kg Gold und 2.723 kg Silber, das allermeiste davon vom [[Radhausberg]] oberhalb [[Böckstein]]s. Allein im Jahr [[1560]] wurde aus dem heimischen Gold in der [[Salzburger Münze|Salzburger Münzstätte]] die riesige Summe von 170.992 Gold-Dukaten ausgeprägt. Auf der Basis von Bergarbeiterlöhnen - einst und jetzt - umgerechnet, entspricht das etwa einem heutigen Wert von ungefähr 130 bis 170 Millionen Euro, rein theoretisch-rechnerisch wären es 148,2 Millionen. Rechnet man den Wert des Goldes und den Wert des Silbers in einen übergreifenden Gulden-Gesamtbetrag zusammen, so stand Gastein um die Mitte des [[16. Jahrhundert]]s an der Spitze aller Edelmetallbergwerke im deutschen Sprachraum, noch vor den sächsischen Bergwerken, auch vor [[Schwaz]] in [[Tirol]] und anderen. [[Christoff Weitmoser|Christoff Weitmoser I.]] war der bei Weitem größte Goldgewerke im Alten [[Reich]].  
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Bad Hofgastein, der zentrale Hauptort des Tales, erlebte gute Zeiten, doch wurde er damals nie „Goldenes Stadtl“ genannt. Das ist eine Erfindung neuzeitlicher Reiseschriftsteller, natürlich in Anlehnung an das alte Prag, das lange diesen umgangssprachlichen Beinamen führte.
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Bad Hofgastein, der zentrale Hauptort des Tales, erlebte gute Zeiten, doch wurde er damals nie "Goldenes Stadtl" genannt. Das ist eine Erfindung neuzeitlicher Reiseschriftsteller, natürlich in Anlehnung an das alte Prag, das lange diesen umgangssprachlichen Beinamen führte.
    
== Der Niedergang beginnt ==
 
== Der Niedergang beginnt ==
 
Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts kam es zu einem dramatischen Niedergang der Edelmetallproduktion, bis diese um [[1615]] ihren tiefsten Punkt erreichte. Alle erschlossenen Erzlager hatten nach rund 150 Jahre dauernder Ausbeutung einfach ihr Ende erreicht. Die technischen Schwierigkeiten nahmen beim Bau der Stollen und Schächte in die Tiefe zu, und die Erze wurden nach unten, also in die "Teufe", mengenmäßig immer weniger und wertmäßig immer schlechter. Die Gewerken betrieben Raubbau und vernachlässigten völlig die Erschließung neuer Erzkörper – und das berühmte "Gegentrumm" der Radhausberger Gänge ist bis heute nicht gefunden. Die irrige (!) Meinung, dass beim Niedergang der Edelmetallproduktion die [[Gletscher]], die [[Protestantenvertreibung|Protestantenverfolgung]] und die aus Amerika importierten Edelmetall Gold und Silber eine Rolle gespielt hätten, setzt sich wie eine Erbkrankheit bis heute fort. Es klingt halt alles allzu schön logisch, doch es ist ein typischer Fall von Schein-Logik. Faktum ist: Alle drei der immer wieder ins Treffen geführten "Gründe" sind nicht stichhaltig!  
 
Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts kam es zu einem dramatischen Niedergang der Edelmetallproduktion, bis diese um [[1615]] ihren tiefsten Punkt erreichte. Alle erschlossenen Erzlager hatten nach rund 150 Jahre dauernder Ausbeutung einfach ihr Ende erreicht. Die technischen Schwierigkeiten nahmen beim Bau der Stollen und Schächte in die Tiefe zu, und die Erze wurden nach unten, also in die "Teufe", mengenmäßig immer weniger und wertmäßig immer schlechter. Die Gewerken betrieben Raubbau und vernachlässigten völlig die Erschließung neuer Erzkörper – und das berühmte "Gegentrumm" der Radhausberger Gänge ist bis heute nicht gefunden. Die irrige (!) Meinung, dass beim Niedergang der Edelmetallproduktion die [[Gletscher]], die [[Protestantenvertreibung|Protestantenverfolgung]] und die aus Amerika importierten Edelmetall Gold und Silber eine Rolle gespielt hätten, setzt sich wie eine Erbkrankheit bis heute fort. Es klingt halt alles allzu schön logisch, doch es ist ein typischer Fall von Schein-Logik. Faktum ist: Alle drei der immer wieder ins Treffen geführten "Gründe" sind nicht stichhaltig!  
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Nachdem alle zuvor tätigen privaten Gewerken ihr Engagement aufgegeben hatten, übernahm um [[1616]] die Salzburger Landesherrschaft den Gasteiner Edelmetallbergbau. Die Stollen an sich wurden dabei mit dem Wert null veranschlagt, doch für die Gebäude und sonstigen Realitäten erhielten die früheren Besitzer zusammen den nicht gerade kleinen Betrag von 33.573 [[Gulden]]. Von den durchaus klugen [[Hofrat|Räten]] in der [[Salzburger Landstände|Salzburger Regierung]] glaubte von allem Anfang an keiner, dass mit dem neuen Besitztum ein nennenswerter wirtschaftlicher Erfolg zu erzielen wäre. Trotzdem entschloss man sich zum Ankauf und zum Weiterbetrieb des Bergbaues. Dieses Vorgehen hatte dominierend den Grund, "''einer armen Bevölkerung ihr Stückl Brot''" zu sichern.  
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Nachdem alle zuvor tätigen privaten Gewerken ihr Engagement aufgegeben hatten, übernahm um [[1616]] die Salzburger Landesherrschaft den Gasteiner Edelmetallbergbau. Die Stollen an sich wurden dabei mit dem Wert null veranschlagt, doch für die Gebäude und sonstigen Realitäten erhielten die früheren Besitzer zusammen den nicht gerade kleinen Betrag von 33.573 [[Gulden]]. Von den durchaus klugen [[Hofrat|Räten]] in der [[Hohe Salzburger Landschaft|Salzburger Regierung]] glaubte von allem Anfang an keiner, dass mit dem neuen Besitztum ein nennenswerter wirtschaftlicher Erfolg zu erzielen wäre. Trotzdem entschloss man sich zum Ankauf und zum Weiterbetrieb des Bergbaues. Dieses Vorgehen hatte dominierend den Grund, "''einer armen Bevölkerung ihr Stückl Brot''" zu sichern.  
    
== Emigration der meisten evangelischen Gasteiner ==
 
== Emigration der meisten evangelischen Gasteiner ==
 
Produktive Arbeitslosenfürsorge für die folgenden drei Jahrhunderte? Im Wesentlichen tatsächlich so, doch nicht nur: Mit der Gründung der Montansiedlung im heutigen [[Altböckstein]] im Jahr [[1741]] begann, begünstigt durch technische Innovationen, ein gewisser Wiederaufschwung, der in der zweiten Hälfte des [[18. Jahrhundert]]s unter Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] relativ gute Ergebnisse zeitigte, relativ (!) gute, denn man brachte es kaum auf ein Zehntel dessen, was Mitte des 16. Jahrhunderts an Edelmetall gewonnen wurde.
 
Produktive Arbeitslosenfürsorge für die folgenden drei Jahrhunderte? Im Wesentlichen tatsächlich so, doch nicht nur: Mit der Gründung der Montansiedlung im heutigen [[Altböckstein]] im Jahr [[1741]] begann, begünstigt durch technische Innovationen, ein gewisser Wiederaufschwung, der in der zweiten Hälfte des [[18. Jahrhundert]]s unter Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] relativ gute Ergebnisse zeitigte, relativ (!) gute, denn man brachte es kaum auf ein Zehntel dessen, was Mitte des 16. Jahrhunderts an Edelmetall gewonnen wurde.
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''Cuius regio, eius religio''- 'wessen die Regierung, dessen das Recht zur Festlegung der Religion seiner Untertanen' - dieser zusammenfassende Ausspruch über den „Augsburger Religionsfrieden“ von 1555 bekam im [[Erzstift Salzburg|Fürsterzbistum Salzburg]] um [[1732]] - und besonders im Folgejahr [[1733]]! - eine neue, für viele eine gnadenlos existenzgefährdende Aktualität, denn in dieses Jahr fiel die erzwungene [[Protestantenvertreibung|Emigration]] der meisten evangelischen Gasteiner. Sie zogen zu einem großen Teil nach [[Ostpreußen]], wo sie die Möglichkeit zu einem wirtschaftlichen Neubeginn im Zeichen ihres uneingeschränkten evangelischen Glaubens geboten erhielten und auch nützten. In einer Zeit, als der noch stagnierende Bergbau Leute entließ und keinem neuen Bewerber eine Arbeit bieten konnte, und die Bauerngüter durch ständige „Verstuckungs“-Teilungen immer kleiner geworden waren, sahen viele nachgeborene Bauernsöhne für sich keine Zukunft im Tal. Sie bekannten sich deshalb gegenüber der Religionskommission freiwillig als Evangelische (''Fragt nicht lang, schreibt mich evangelisch, ich geh!'') und traten zusammen mit den tief Gläubigen die Reise nach [[Preußen]] an. Damals ging im Tal die ironisch gebrauchte Phrase vom ''Gasteiner Glauben''um, mit der Männer und Frauen punziert wurden, die sich von religiösen Grundsätzen nicht allzu sehr beeinflussen lassen wollten und in deren Köpfen oft wirtschaftliche Überlegungen weit vor dem altererbten Glauben rangierten. Manche derer, die Gastein verließen, kehrten später zurück, konvertierten offensichtlich ohne religiöse Bedenken zum Katholizismus und erhielten in der Folge wieder die „Landeshuld“.
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== "''Cuius regio, eius religio''" ==
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- 'wessen die Regierung, dessen das Recht zur Festlegung der Religion seiner Untertanen' - dieser zusammenfassende Ausspruch über den "Augsburger Religionsfrieden" von 1555 bekam im [[Erzstift Salzburg|Fürsterzbistum Salzburg]] um [[1732]] - und besonders im Folgejahr [[1733]]! - eine neue, für viele eine gnadenlos existenzgefährdende Aktualität, denn in dieses Jahr fiel die erzwungene [[Protestantenvertreibung|Emigration]] der meisten evangelischen Gasteiner. Sie zogen zu einem großen Teil nach [[Ostpreußen]], wo sie die Möglichkeit zu einem wirtschaftlichen Neubeginn im Zeichen ihres uneingeschränkten evangelischen Glaubens geboten erhielten und auch nützten. In einer Zeit, als der noch stagnierende Bergbau Leute entließ und keinem neuen Bewerber eine Arbeit bieten konnte, und die Bauerngüter durch ständige "Verstuckungs"-Teilungen immer kleiner geworden waren, sahen viele nachgeborene Bauernsöhne für sich keine Zukunft im Tal. Sie bekannten sich deshalb gegenüber der Religionskommission freiwillig als Evangelische ("''Fragt nicht lang, schreibt mich evangelisch, ich geh!''") und traten zusammen mit den tief Gläubigen die Reise nach [[Preußen]] an. Damals ging im Tal die ironisch gebrauchte Phrase vom "''Gasteiner Glauben''" um, mit der Männer und Frauen punziert wurden, die sich von religiösen Grundsätzen nicht allzu sehr beeinflussen lassen wollten und in deren Köpfen oft wirtschaftliche Überlegungen weit vor dem altererbten Glauben rangierten. Manche derer, die Gastein verließen, kehrten später zurück, konvertierten offensichtlich ohne religiöse Bedenken zum Katholizismus und erhielten in der Folge wieder die "Landeshuld".
    
== Erste alpine Seilbahn in den Ostalpen ==
 
== Erste alpine Seilbahn in den Ostalpen ==
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Das 19. Jahrhundert begann gleich in seinen ersten Jahren mit dramatischen politischen Veränderungen: Ende des Fürsterzbistums, die Herrschaft der [[Habsburger]], eine [[Salzburg unter Napoleon|französische Besetzung]], dann die Eingliederung in das [[Kurfürstentum Bayern]], und schließlich, [[1816]], die endgültige Aufnahme in den [[Habsburgermonarchie|österreichischen Habsburgerstaat]]. Im Bergbau konnten die Erträge an Edelmetall längst nicht mehr den Aufwand decken, und die Jahresbilanzen zeigten an ihrem Ende als globale Gesamtsummen immer rote Zahlen. Daran änderte sich auch nichts, als Oberkunstmeister [[Joseph Gainschnigg]] eine "[[Standseilbahn Radhausberg|Aufzugsmaschine]]" auf den [[Radhausberg]] baute, diese fertiggestellt im Herbst [[1803]].  
 
Das 19. Jahrhundert begann gleich in seinen ersten Jahren mit dramatischen politischen Veränderungen: Ende des Fürsterzbistums, die Herrschaft der [[Habsburger]], eine [[Salzburg unter Napoleon|französische Besetzung]], dann die Eingliederung in das [[Kurfürstentum Bayern]], und schließlich, [[1816]], die endgültige Aufnahme in den [[Habsburgermonarchie|österreichischen Habsburgerstaat]]. Im Bergbau konnten die Erträge an Edelmetall längst nicht mehr den Aufwand decken, und die Jahresbilanzen zeigten an ihrem Ende als globale Gesamtsummen immer rote Zahlen. Daran änderte sich auch nichts, als Oberkunstmeister [[Joseph Gainschnigg]] eine "[[Standseilbahn Radhausberg|Aufzugsmaschine]]" auf den [[Radhausberg]] baute, diese fertiggestellt im Herbst [[1803]].  
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Es war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen! Reste der ehemaligen Talstation sind noch heute am alten Wanderweg ins Nassfeldtal (Sportgastein), im Bereich oberhalb der zwei Asten-Almen, zu sehen.  
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Es war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen! Reste der ehemaligen Talstation sind noch heute am alten Wanderweg ins Nassfeld (Sportgastein), im Bereich oberhalb der zwei Asten-Almen, zu sehen.  
    
== Aufschwung des Kurwesens ==
 
== Aufschwung des Kurwesens ==
 
[[File:Bundesarchiv Bild 102-10371, Bad Gastein, Kuraufenthalt des Kronprinz Wilhelm.jpg|thumb|Bundesarchiv Bild 102-10371, Bad Gastein, Kuraufenthalt des Kronprinzen Wilhelm]]
 
[[File:Bundesarchiv Bild 102-10371, Bad Gastein, Kuraufenthalt des Kronprinz Wilhelm.jpg|thumb|Bundesarchiv Bild 102-10371, Bad Gastein, Kuraufenthalt des Kronprinzen Wilhelm]]
Das [[Kur]]wesen schaffte im 19. Jahrhundert eine wesentliche Entwicklung. Aus der alten Straubinger Wirtstaverne entstand in mehreren Bauschritten das heutige [[Grandhotel Straubinger]]. Gegenüber hatte der Landesherr den straubingerischen Schweinestall beseitigt und an dessen Stelle sein fürsterzbischöfliches [[Badeschloss]]gebaut, fertiggestellt [[1794]]. Die alt-halbbäuerliche Zeit (Stall) musste der neu-modernen Zeit (Schloss!) weichen! Im Jahr [[1825]] plante Oberkunstmeister Joseph Gainschnigg im Auftrag des ungarischen Erzbischofs [[Ladislaus Pyrker]] und später mit Unterstützung durch Erzherzog [[Johann von Österreich|Johann]] eine leistungsfähige, für Thermalwasser geeignete Röhrenleitung nach Bad Hofgastein, die ab [[1828]] fertiggestellt wurde und den Hofgasteinern den Betrieb einer eigenen "''Filial-Badeanstalt''" ermöglichte. Diese entwickelte sich gewissermaßen zu einem Kristallisationspunkt all dessen, was heutigentags, gemeinsam mit Bad Gastein, als "''moderner Kurort''" firmiert.
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Das [[Kur]]wesen schaffte im 19. Jahrhundert eine wesentliche Entwicklung. Aus der alten Straubinger Wirtstaverne entstand in mehreren Bauschritten das heutige [[Grandhotel Straubinger]]. Gegenüber hatte der Landesherr den straubingerischen Schweinestall beseitigt und an dessen Stelle sein fürsterzbischöfliches "[[Badeschloss]]" gebaut, fertiggestellt [[1794]]. Die alt-halbbäuerliche Zeit (Stall) musste der neu-modernen Zeit (Schloss!) weichen! Im Jahr [[1825]] plante Oberkunstmeister Joseph Gainschnigg im Auftrag des ungarischen Erzbischofs [[Ladislaus Pyrker]] und später mit Unterstützung durch Erzherzog [[Johann von Österreich|Johann]] eine leistungsfähige, für Thermalwasser geeignete Röhrenleitung nach Bad Hofgastein, die ab [[1828]] fertiggestellt wurde und den Hofgasteinern den Betrieb einer eigenen "''Filial-Badeanstalt''" ermöglichte. Diese entwickelte sich gewissermaßen zu einem Kristallisationspunkt all dessen, was heutigentags, gemeinsam mit Bad Gastein, als "''moderner Kurort''" firmiert.
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Nachdem Gastein um 1816 österreichisch geworden war, trafen hier prominente Österreicher ein, quasi um sich die "Neuerwerbung" zu besehen beziehungsweise um die Kur auszuprobieren. Zu nennen sind [[Franz Schubert]], [[Franz Grillparzer]], aber auch einer der ganz Großen kam: Erzherzog Johann von Österreich, der Bruder des Kaisers, dessen "[[Meranhaus]]" im Zentrum Bad Gasteins noch heute an seine Familie erinnert. Besonders hervorzuheben ist der ungarische Erzbischof Ladislaus Pyrker, der in Bad Hofgastein ein stattliches Haus aus dem 16. Jahrhundert kaufte, noch mit Erkertürmchen im typischen Tiroler Landadel-Stil, und dieses 1832 in selbstloser Weise zu einem Militärspital umwidmete. Es musste sich in jüngerer Zeit eine alles zertrümmernde Demolierung gefallen lassen, und heute steht an dessen Stelle das supermoderne "[[Kurhaus Ferdinand Hanusch]]". Der in [[Tschechien]] geborene [[Ferdinand Hanusch]] (* 1866; † 1923), nach dem auch ein Wiener Krankenhaus (zuvor Erzherzog-Rainer-Spital) benannt ist, war ein großer sozialdemokratischer Parteivordenker, Freimaurer, Sozialminister, Gewerkschafter und Begründer der österreichischen Arbeiterkammer.  
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Nachdem Gastein um 1816 österreichisch geworden war, trafen hier prominente Österreicher ein, quasi um sich die "Neuerwerbung" zu besehen beziehungsweise um die Kur auszuprobieren. Zu nennen sind [[Franz Schubert]], [[Franz Grillparzer (Schriftsteller)|Franz Grillparzer]], aber auch einer der ganz Großen kam: Erzherzog Johann von Österreich, der Bruder des Kaisers, dessen "[[Meranhaus]]" im Zentrum Bad Gasteins noch heute an seine Familie erinnert. Besonders hervorzuheben ist der ungarische Erzbischof Ladislaus Pyrker, der in Bad Hofgastein ein stattliches Haus aus dem 16. Jahrhundert kaufte, noch mit Erkertürmchen im typischen Tiroler Landadel-Stil, und dieses 1832 in selbstloser Weise zu einem Militärspital umwidmete. Es musste sich in jüngerer Zeit eine alles zertrümmernde Demolierung gefallen lassen, und heute steht an dessen Stelle das supermoderne "[[Kurhaus Ferdinand Hanusch]]". Der in [[Tschechien]] geborene [[Ferdinand Hanusch]] (* 1866; † 1923), nach dem auch ein Wiener Krankenhaus (zuvor Erzherzog-Rainer-Spital) benannt ist, war ein großer sozialdemokratischer Parteivordenker, Freimaurer, Sozialminister, Gewerkschafter und Begründer der österreichischen Arbeiterkammer.  
    
== Die Wurzeln der Hotelfachschule Bad Hofgastein ==
 
== Die Wurzeln der Hotelfachschule Bad Hofgastein ==
Nach diesem kurzen Vorgriff zurück ins 19. Jahrhundert. Für die Entwicklung Bad Gasteins brachte das Jahr [[1839]] einen wichtigen Markstein: Die Eröffnung des Hauses [[Hotel Solitude |Solitude]]zeigte erstmals, was „gehobene Gastronomie“ zu bedeuten hatte. [[Johann Freiherr von Mesnil]], der Besitzer dieses neuen, eleganten Etablissements, tischte die auserlesensten Speisen auf und kredenzte edle Weine, die den alteingesessenen Badewirten nicht einmal dem Namen nach bekannt waren. Sowohl das Kochen als auch das Servieren wurde nur dem speziell in den Großstädten der Welt geschulten Meistern anvertraut. In gewissem Sinne begann damit eine Tradition, die sich noch heute in der weitum bekannten Bad Hofgasteiner [[Hotelfachschule Bad Hofgastein|Hotelfachschule]] widerspiegelt. – Später war die „Solitude“ ein Zentrum des Gesellschaftslebens, besonders im Sommer, als es dort Theateraufführungen gab. Einmal soll sogar der deutsche Kaiser [[Wilhelm I.]] in einer bescheidenen Nebenrolle mitgespielt haben!
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Nach diesem kurzen Vorgriff zurück ins 19. Jahrhundert. Für die Entwicklung Bad Gasteins brachte das Jahr [[1839]] einen wichtigen Markstein: Die Eröffnung des Hauses "[[Hotel Solitude |Solitude]]" zeigte erstmals, was "gehobene Gastronomie" zu bedeuten hatte. [[Johann Freiherr von Mesnil]], der Besitzer dieses neuen, eleganten Etablissements, tischte die auserlesensten Speisen auf und kredenzte edle Weine, die den alteingesessenen Badewirten nicht einmal dem Namen nach bekannt waren. Sowohl das Kochen als auch das Servieren wurde nur dem speziell in den Großstädten der Welt geschulten Meistern anvertraut. In gewissem Sinne begann damit eine Tradition, die sich noch heute in der weitum bekannten Bad Hofgasteiner [[Hotelfachschule Bad Hofgastein|Hotelfachschule]] widerspiegelt. – Später war die "Solitude" ein Zentrum des Gesellschaftslebens, besonders im Sommer, als es dort Theateraufführungen gab. Einmal soll sogar der deutsche Kaiser [[Wilhelm I.]] in einer bescheidenen Nebenrolle mitgespielt haben!
    
Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Jahr [[1865]] hervorzuheben. In diesem Jahr wurde im Grandhotel Straubinger - in dem von der damaligen Presse gerühmten Zimmer Nr. 7 - die "[[Gasteiner Konvention]]" mit Preußen abgeschlossen - das war nun also nach 1365, siehe oben, der zweite große "Gasteiner Vertrag". Um 1865 handelten hier [[Otto von Bismarck]] (für Preußen) und [[Gustav von Blome]] (für Österreich) die Rechte über die im Dänenfeldzug gemeinsam eroberten Gebiete aus: Österreich sollte künftig Holstein verwalten, Preußen übernahm Schleswig. Darüber hinaus gab es noch Nebenvereinbarungen. Das Ergebnis der Gasteiner Verhandlungen vom [[14. August]] 1865 erhielt seine feierliche Unterzeichnung am [[20. August]] in Salzburg durch die Monarchen Österreichs und Preußens.  
 
Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Jahr [[1865]] hervorzuheben. In diesem Jahr wurde im Grandhotel Straubinger - in dem von der damaligen Presse gerühmten Zimmer Nr. 7 - die "[[Gasteiner Konvention]]" mit Preußen abgeschlossen - das war nun also nach 1365, siehe oben, der zweite große "Gasteiner Vertrag". Um 1865 handelten hier [[Otto von Bismarck]] (für Preußen) und [[Gustav von Blome]] (für Österreich) die Rechte über die im Dänenfeldzug gemeinsam eroberten Gebiete aus: Österreich sollte künftig Holstein verwalten, Preußen übernahm Schleswig. Darüber hinaus gab es noch Nebenvereinbarungen. Das Ergebnis der Gasteiner Verhandlungen vom [[14. August]] 1865 erhielt seine feierliche Unterzeichnung am [[20. August]] in Salzburg durch die Monarchen Österreichs und Preußens.  
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== Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg ==
 
== Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg ==
Im Krieg fungierte Bad Gastein als eine Art „Lazarettstadt“ für die Soldaten und nach [[1945]] war Bad Gastein (ebenso wie [[Bad Ischl]]) ein sogenanntes "Lager" für die DPs, also die "[[Displaced Persons]]", bei denen es sich zum allergrößten Teil um vertriebene ("displaced") [[Juden]] aus den europäischen Ostgebieten handelte. Als im September [[1947]] sowohl die amerikanischen Besatzungssoldaten als auch die jüdischen Lagerinsassen abzogen, standen die Hotelbesitzer vor der Aufgabe, ihre zuvor meistens vielfach überbelegten Hotels zu renovieren und auf einen Stand zu bringen, der angetan war, um neue Gäste zu einem Aufenthalt einzuladen. Ihre Bemühungen hatten nach und nach tatsächlich Erfolg. Einen wesentlichen Beitrag leistete in weiterer Folge der Bau moderner öffentlicher Großbäder, "[[Felsentherme Gastein|Felsentherme]]" in Bad Gastein und "[[Alpentherme Bad Hofgastein|Alpentherme]]" in Bad Hofgastein, sowie – ganz wichtig! – der aufkommende [[Wintersport]].  
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Im Krieg fungierte Bad Gastein als eine Art "Lazarettstadt" für die Soldaten und nach [[1945]] war Bad Gastein (ebenso wie [[Bad Ischl]]) ein sogenanntes "Lager" für die DPs, also die "[[Displaced Persons]]", bei denen es sich zum allergrößten Teil um vertriebene ("displaced") [[Juden]] aus den europäischen Ostgebieten handelte. Als im September [[1947]] sowohl die amerikanischen Besatzungssoldaten als auch die jüdischen Lagerinsassen abzogen, standen die Hotelbesitzer vor der Aufgabe, ihre zuvor meistens vielfach überbelegten Hotels zu renovieren und auf einen Stand zu bringen, der angetan war, um neue Gäste zu einem Aufenthalt einzuladen. Ihre Bemühungen hatten nach und nach tatsächlich Erfolg. Einen wesentlichen Beitrag leistete in weiterer Folge der Bau moderner öffentlicher Großbäder, "[[Felsentherme Gastein|Felsentherme]]" in Bad Gastein und "[[Alpentherme Bad Hofgastein|Alpentherme]]" in Bad Hofgastein, sowie – ganz wichtig! – der aufkommende [[Wintersport]].  
    
== Das Zeitalter des Wintersports beginnt ==
 
== Das Zeitalter des Wintersports beginnt ==
 
Die ersten Skier kamen durch den Rauriser Bergbauunternehmer [[Ignaz Rojacher]] [[1886]] aus Schweden in die Gasteiner Gegend und [[1945]] (Hüttenkogel) sowie [[1946]] (Kitzstein/Aeroplan) gab es die ersten Skilifte. In der späteren Entwicklung kam es zum großartigen Ausbau der Wintersportanlagen durch die [[Gasteiner Bergbahnen AG|"Gasteiner Bergbahnen"-Gesellschaft]], von Sportgastein bis zum Bad Hofgasteiner [[Schlossalm]]gebiet. In den letzten Jahrzehnten unternahm auch Dorfgastein in dieser Hinsicht enorme Anstrengungen und erreichte mit der Erschließung des [[Fulseck]]-Gebietes ein besonders hoch zu wertendes wirtschaftliches Synergiepotenzial beim Zusammenschluss mit den [[Großarler Bergbahnen]]. Höhepunkte der wintersportlichen Veranstaltungen war die [[Alpine Ski Weltmeisterschaft Badgastein 1958|Alpine Ski Weltmeisterschaft Badgastein]] am [[Graukogel]] im Jahr [[1958]] und, in den darauffolgenden Jahrzehnten, die FIS-Rennen, die unter dem Namen "[[Silberkrugrennen]]" besser bekannt sind.
 
Die ersten Skier kamen durch den Rauriser Bergbauunternehmer [[Ignaz Rojacher]] [[1886]] aus Schweden in die Gasteiner Gegend und [[1945]] (Hüttenkogel) sowie [[1946]] (Kitzstein/Aeroplan) gab es die ersten Skilifte. In der späteren Entwicklung kam es zum großartigen Ausbau der Wintersportanlagen durch die [[Gasteiner Bergbahnen AG|"Gasteiner Bergbahnen"-Gesellschaft]], von Sportgastein bis zum Bad Hofgasteiner [[Schlossalm]]gebiet. In den letzten Jahrzehnten unternahm auch Dorfgastein in dieser Hinsicht enorme Anstrengungen und erreichte mit der Erschließung des [[Fulseck]]-Gebietes ein besonders hoch zu wertendes wirtschaftliches Synergiepotenzial beim Zusammenschluss mit den [[Großarler Bergbahnen]]. Höhepunkte der wintersportlichen Veranstaltungen war die [[Alpine Ski Weltmeisterschaft Badgastein 1958|Alpine Ski Weltmeisterschaft Badgastein]] am [[Graukogel]] im Jahr [[1958]] und, in den darauffolgenden Jahrzehnten, die FIS-Rennen, die unter dem Namen "[[Silberkrugrennen]]" besser bekannt sind.
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Ein wesentlicher Markstein in der jüngsten Geschichte ist die Errichtung des international anerkannten [[Nationalpark Hohe Tauern|"Nationalparks Hohe Tauern]]", dem die Berge im Süden des Gasteinertales angehören. Der Grundsatzbeschluss wurde bereits [[1971]] gefasst, doch kam es zur effektiven Verwirklichung erst in zwei späteren Etappen: [[1983]] fand die [[Goldberggruppe]] (Nassfeldalm-Süd oberhalb der Höhenkote von 2 000 m ü. A.) und [[1991]] die [[Ankogelgruppe]] ([[Anlauftal]]-Süd mit [[Radeck (Berg)|Radeck ]] sowie [[Kötschachtal]]-Süd mit [[Prossau]]) Aufnahme in den Nationalpark.  
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Ein wesentlicher Markstein in der jüngsten Geschichte ist die Errichtung des international anerkannten [[Nationalpark Hohe Tauern|"Nationalparks Hohe Tauern]]", dem die Berge im Süden des Gasteinertales angehören. Der Grundsatzbeschluss wurde bereits [[1971]] gefasst, doch kam es zur effektiven Verwirklichung erst in zwei späteren Etappen: [[1983]] fand die [[Goldberggruppe]] (Nassfeldalm-Süd oberhalb der Höhenkote von 2 000 m ü. A.) und [[1991]] die [[Ankogelgruppe]] ([[Anlauftal]]-Süd mit [[Radeck (Berg)|Radeck]] sowie [[Kötschachtal]]-Süd mit [[Prossau]]) Aufnahme in den Nationalpark.  
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Das Gasteinertal ist heutigentags ein Tal des Wintersports und gleicherweise ein Tal der Kuren sowie des Naturgenusses, und dies besonders beim Bergwandern, kurzum: Gastein bietet alles, was einen Aufenthalt angenehm machen kann. Es ist, wie schon die Kurärzte des 19. Jahrhunderts sagten, ein ''locus amoenus'', ein geradezu im medizinischen Sinne „wonnig-schönes“ und somit gesundheitsförderndes Tal, mit einer reichen und sehr vielfältigen Geschichte, wie sie kein anderes Tauerntal zu bieten vermag.
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Das Gasteinertal ist heutigentags ein Tal des Wintersports und gleicherweise ein Tal der Kuren sowie des Naturgenusses, und dies besonders beim Bergwandern, kurzum: Gastein bietet alles, was einen Aufenthalt angenehm machen kann. Es ist, wie schon die Kurärzte des 19. Jahrhunderts sagten, ein "''locus amoenus''", ein geradezu im medizinischen Sinne "wonnig-schönes" und somit gesundheitsförderndes Tal, mit einer reichen und sehr vielfältigen Geschichte, wie sie kein anderes Tauerntal zu bieten vermag.
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== Literatur ==
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* [[Fritz Gruber|Gruber, Fritz]]: [[Die Weitmoser und ihr Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern]], [[Montanverein Via Aurea|Montanverein "Via Aurea"]], Eigenverlag 2018
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* Gruber, Fritz: [[Über 1000 Jahre Gastein - Gasteiner Mosaiksteine 2]]
    
== Quelle ==
 
== Quelle ==
* [[Fritz Gruber]], Montanhistoriker und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Bergbau, via E-Mail an [[Benutzer:Peter Krackowizer]] am 24. Oktober 2018
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* Fritz Gruber, Montanhistoriker und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Bergbau, via E-Mail an [[Benutzer:Peter Krackowizer]] am 24. Oktober 2018
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** [[Fritz Gruber]]: [[Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung. Bergbau - Badewesen - Bauwerke - Ortsnamen - Biografien - Chronologie|Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins]], Bad Gastein 2012;
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** Fritz Gruber, [[Vom Gold zum Radon-Heilstollen: Niedergang und Neuanfang des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert]], in: Der Anschnitt. Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau 1-2/2016, S. 14-34.
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** Fritz Gruber: ''200 Jahre Gastein bei Österreich - ein Überblick'', acht Seiten,  in: [[Gasteiner Rundschau]] 206 f., III. et VII. 2016.
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** Fritz Gruber: ''Das Jahr 1816 in Gastein''. Einstündiger Powerpoint-Vortrag im großen [[Kursaal Bad Hofgastein|Kursaal]] von [[Bad Hofgastein]], 9. Juli 2016m Powerpoint-Folien per E-Mail bei fritz.gruber@sbg.at  erhältlich
    
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Bergbau]]
 
[[Kategorie:Bergbau]]
 
[[Kategorie:Bergbau (Geschichte)]]
 
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[[Kategorie:Wissenschaft]]
 
[[Kategorie:Geografie]]
 
[[Kategorie:Geografie]]
 
[[Kategorie:Pongau]]
 
[[Kategorie:Pongau]]
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[[Kategorie:Gasteinertal]]
 
[[Kategorie:Bad Gastein]]
 
[[Kategorie:Bad Gastein]]
 
[[Kategorie:Bad Hofgastein]]
 
[[Kategorie:Bad Hofgastein]]

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