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[[Datei:Zwergelgarten Mirabellgarten 02.jpg|thumb|Zwergelgarten, Neugestaltung 2017/2018]]
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[[File:Zwergelgarten im Mirabellgarten.jpg|thumb|Zeichnung der Originalanlage: rechts der [[Historischer Zwergelgarten|historische Zwergelgarten]], in dem die Zwerge ursprünglich standen; links oben ist der [[Kleiner Bastionsgarten|kleine Bastionsgarten]], in dem sie derzeit aufgestellt sind; Der historische Zwergelgarten war nur über eine Treppe von der Wasserbastei-Brücke oder vom Salzachtreppelweg aus erreichbar; ganz links verläuft die heutige [[Schwarzstraße]]]][[Datei:Zwergelgarten Mirabellgarten 02.jpg|thumb|Zwergelgarten, Neugestaltung 2017/2018]]
 
{{Googlemapsort|5020+Salzburg+Zwergelgarten}}
 
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[[File:Zwergelgarten im Mirabellgarten.jpg|thumb|Zeichnung der Originalanlage: rechts der [[Historischer Zwergelgarten|historische Zwergelgarten]], in dem die Zwerge ursprünglich standen; links oben ist der [[Kleiner Bastionsgarten|kleine Bastionsgarten]], in dem sie derzeit aufgestellt sind; Der historische Zwergelgarten war nur über eine Treppe von der Wasserbastei-Brücke oder vom Salzachtreppelweg aus erreichbar; ganz links verläuft die heutige [[Schwarzstraße]]]]
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[[Datei:Zwerg mit dem Spaten und Beule am Kopf 2018 Zwergelgarten.jpg|thumb|Zwerg mit dem Spaten (Detail)]]
 
[[Datei:Zwerg mit dem Spaten und Beule am Kopf 2018 Zwergelgarten.jpg|thumb|Zwerg mit dem Spaten (Detail)]]
 
[[Datei:Zwerg die Pallonespieler 2018 Zwergelgarten.jpg |thumb|Die Pallonespieler]]
 
[[Datei:Zwerg die Pallonespieler 2018 Zwergelgarten.jpg |thumb|Die Pallonespieler]]
Der '''Zwergelgarten''', ursprünglicher Name "''Pigatlgarten''", ist ein Teil des [[Mirabellgarten]]s in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] von [[Salzburg]].  
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Der '''Zwergelgarten''', ursprünglicher Name "''Pigatlgarten''", ist ein wesentlicher Teil des nach 1690 von [[Fischer von Erlach]] gestalteten barocken [[Mirabellgarten]]s in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] von [[Salzburg]]. Er ist der älteste Zwergengarten Europas.
    
== Einleitung ==
 
== Einleitung ==
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==Die Zwergengärten in Europa==
 
==Die Zwergengärten in Europa==
   
Ausgehend vom Salzburger Mirabellgarten wurden bald in zahllosen Schloss- und Stiftsgärten derartige groteske Zwerge aufgestellt. Zuerst hat wohl Fischer von Erlach 1709 ein Zwergenanlage in Weidling bei Wien gestaltet und 1711 eine Zwergenbalustrade beim Schloss Weikersdorf in Franken. Auch das Schloss Pfannberg bei Frohnleiten in der Steiermark erhielt damals vermutlich seinen (heute verschollenen) Zwergengarten. Es folgten die Zwerge vor der Rennbahn des Schlosses Bad Kuskus in [[Böhmen]] und 1715 die Lambacher Gartenzwerge sowie jene von Schloss Dornau bei [[Pettau]] in der damaligen Südsteiermark. Weitere Zwergengärten wurden nicht nur in Salzburg, [[Österreich]], [[Bayern]] und Böhmen errichtet, sondern auch in [[Rumänien]], [[Polen]], in nördlichen Teilen [[Deutschland]]s und nicht zuletzt zahlreiche Gärten auch in Norditalien rings um den Großraum von [[Venedig]], Padua und Florenz.   
 
Ausgehend vom Salzburger Mirabellgarten wurden bald in zahllosen Schloss- und Stiftsgärten derartige groteske Zwerge aufgestellt. Zuerst hat wohl Fischer von Erlach 1709 ein Zwergenanlage in Weidling bei Wien gestaltet und 1711 eine Zwergenbalustrade beim Schloss Weikersdorf in Franken. Auch das Schloss Pfannberg bei Frohnleiten in der Steiermark erhielt damals vermutlich seinen (heute verschollenen) Zwergengarten. Es folgten die Zwerge vor der Rennbahn des Schlosses Bad Kuskus in [[Böhmen]] und 1715 die Lambacher Gartenzwerge sowie jene von Schloss Dornau bei [[Pettau]] in der damaligen Südsteiermark. Weitere Zwergengärten wurden nicht nur in Salzburg, [[Österreich]], [[Bayern]] und Böhmen errichtet, sondern auch in [[Rumänien]], [[Polen]], in nördlichen Teilen [[Deutschland]]s und nicht zuletzt zahlreiche Gärten auch in Norditalien rings um den Großraum von [[Venedig]], Padua und Florenz.   
 
        
 
        
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In der weiteren Entwicklung der „Callot-Figuren“ wurden Verwachsungen der Zwerge immer weniger. 1720 begann eine Porzellanmanufaktur in Meißen, 1744 in Wien und bald auch in England einfache Zwergenfiguren herzustellen. Um 1800 entstanden auch erste Gartenzwerge mit aufrechten Zipfelmützen. Aber schon der Zwerg mit den Kastagnetten in Salzburg besitzt eine hängende Zipfelmütze. Nachdem sich das Bürgertum zunehmend der Zwerge annahm, verloren sie in der Aristokratie immer weiter an Bedeutung. Um 1900 entstanden erste oft sehr kitschige Großserien aus Ton später aus Plastik: die heutigen Gartenzwerge.
 
In der weiteren Entwicklung der „Callot-Figuren“ wurden Verwachsungen der Zwerge immer weniger. 1720 begann eine Porzellanmanufaktur in Meißen, 1744 in Wien und bald auch in England einfache Zwergenfiguren herzustellen. Um 1800 entstanden auch erste Gartenzwerge mit aufrechten Zipfelmützen. Aber schon der Zwerg mit den Kastagnetten in Salzburg besitzt eine hängende Zipfelmütze. Nachdem sich das Bürgertum zunehmend der Zwerge annahm, verloren sie in der Aristokratie immer weiter an Bedeutung. Um 1900 entstanden erste oft sehr kitschige Großserien aus Ton später aus Plastik: die heutigen Gartenzwerge.
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==Der Zwergelgarten Fischer von Erlachs als Teil des Mirabellgaten-Gesamtkunstwerkes Fischer von Erlachs==   
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==Der Zwergelgarten als wesentlicher Teil des Mirabellgaten-Gesamtkunstwerkes Fischer von Erlachs==   
 
Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich vom Zwergelgarten mit seinen 28 Skulpturen aus [[Untersberger Marmor]] (Untersberger Forelle) mitbestimmt. [[Fischer von Erlach]] war Schüler von Gian Lorenzo Bernini, der sich auch als Karikaturist einen Namen machte. Von namhaften Architekten wird er auch als Mitbegründer der Karikatur genannt. 1690– 1692 wurden nach Vorlagen Fischer von Erlachs die Zwerge im Zwergelgaten sehr wahrscheinlich von [[Bernhard Michael Mandl]], [[Bartholomäus van Opstal]], [[Andreas Götzinger]] und [[Ottavio Mosto]] zusammen mit anderen Künstlern ausgeführt, zu denen auch [[Sebastian Stumpfegger]] und [[Hans Schwäbl]] gehörten. Der Garten wurde ebenso wie der übrige Teil des Mirabellgartens um [[1695]] weitgehend fertig.  
 
Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich vom Zwergelgarten mit seinen 28 Skulpturen aus [[Untersberger Marmor]] (Untersberger Forelle) mitbestimmt. [[Fischer von Erlach]] war Schüler von Gian Lorenzo Bernini, der sich auch als Karikaturist einen Namen machte. Von namhaften Architekten wird er auch als Mitbegründer der Karikatur genannt. 1690– 1692 wurden nach Vorlagen Fischer von Erlachs die Zwerge im Zwergelgaten sehr wahrscheinlich von [[Bernhard Michael Mandl]], [[Bartholomäus van Opstal]], [[Andreas Götzinger]] und [[Ottavio Mosto]] zusammen mit anderen Künstlern ausgeführt, zu denen auch [[Sebastian Stumpfegger]] und [[Hans Schwäbl]] gehörten. Der Garten wurde ebenso wie der übrige Teil des Mirabellgartens um [[1695]] weitgehend fertig.  
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* Im heiteren Garten des (Fürst)-Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden.  
 
* Im heiteren Garten des (Fürst)-Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden.  
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Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten gemäß dem Volksglauben symbolisch alles Böse fernhalten.
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Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten symbolisch alles Böse fernhalten.
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Als ''Pigatlgarten'' (so oder ursprüngliche Name des Gartenteiles), später als Pagodendarten und dann als Zwergelgarten wird seit der Barockzeit der Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen Springbrunnen. Umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren.
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Als ''Pigatlgarten'' (so oder ursprüngliche Name des Gartenteiles), später als Pagodendarten und dann als Zwergelgarten wird seit der Barockzeit der historische Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen ornamental gestalteten Springbrunnen. Umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren.
    
== Die einzelnen Zwerge in ihrer Bedeutung==
 
== Die einzelnen Zwerge in ihrer Bedeutung==
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** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten.  
 
** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten.  
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Das Pallone-Spiel, bei dem nicht mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel ins feindliche Feld geschlagen wurde, war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt.  
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Das Pallone-Spiel war ein Mannschaftsspiel mit meist je drei Spielern je Mannschaft, bei dem nicht mit der Hand oder mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel ins gegnerische Feld geschlagen wurde. Es war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt.  
    
* '''Die zwölf Monatszwerge''', als Metapher der Vergänglichkeit:
 
* '''Die zwölf Monatszwerge''', als Metapher der Vergänglichkeit:
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