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| | Der Aufstellungsort der Zwerge auf der [[Wasserbastei]] ist nicht der ursprüngliche und es fehlen einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren die älteste Zwergensammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich. | | Der Aufstellungsort der Zwerge auf der [[Wasserbastei]] ist nicht der ursprüngliche und es fehlen einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren die älteste Zwergensammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich. |
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| − | == Geschichte des Zwergelgartens== | + | == Die Zwergenkarikaturen Callots und die Zwerge am Salzburger Hof == |
| − | Der ursprüngliche [[Historischer Zwergelgarten|historische Zwergelgarten]] befand sich südlich der Wasserbastei im in einem Teil jener Gartenanlage, die [[Johann Ernst Graf Thun]] unter Leitung von [[Fischer von Erlach]] ausgestalten ließ. Die ersten Zwerge entstanden vermutlich um [[1691]]/[[1692]]. Der Garten wurde um [[1695]] weitgehend fertig. Seine [[barock]]e Formgebung wurde gegen Ende des [[18. Jahrhundert]]s zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie [[Frankreich]]s mitbestimmte Barockstil damals als veraltet galt und er so einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute aber ebenfalls nicht mehr besteht. Die Zwerge des Gartens wurden [[1811]] entfernt.
| + | Mythen von Zwergen reichen tief in die Vorgeschichte. Schon im Altertum umgaben sich zur Unterhaltung Herrscher gerne mit kleinwüchsigen oder missgebildeten Menschen. Sie wurden in der [[Renaissance]] wieder häufig an Fürstenhöfen angestellt. Besonders geschätzt war etwa der Hofzwerg Kaiser Karls IV, Jakob Ries. In Salzburg war während der Regentschaften von [[Johann Ernst Graf von Thun]], [[Franz Anton Fürst Harrach]], [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] und [[Jakob Ernst Graf Liechtenstein|Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn]] der Hofzwerg Josef Friedrich von Meichelböck (1687–1746) angesehen und beliebt. |
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| − | Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergelgarten mitbestimmt. Ursprünglich standen im historischen Zwergelgarten 28 Skulpturen aus [[Untersberger Marmor]] (Untersberger Forelle). Jeder von ihnen wiegt etwa 300 bis 400 Kilogramm<ref name="SN">Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/mirabellgarten-zwergerl-waren-in-hallein-auf-reha-25379473 www.sn.at], Restaurierung 2018, abgefragt am 14. März 2018</ref> Die Zwerge wurden vermutlich unter einem Künstlerkollektiv unter Leitung von [[Ottavio Mosto]] und [[Michael Bernhard Mandl]] geschaffen, in dem auch [[Sebastian Stumpfegger]] und [[Hans Schwäbl]] mitgearbeitet hatten. Verwachsene und kleinwüchsige Menschen wurden in der Barockzeit an vielen europäischen Fürstenhöfen angestellt; sie wurden ob ihrer Treue und Loyalität hoch geschätzt.
| + | Weitum bekannt und berühmt wurden in der Folge die Karikaturen von Jacques Callot, dem Hofmaler von Cosimo II am Hofe in Florenz. Callot sah am Hof 1612 bis 1621 mehrfach Aufführungen der Zwergenkomödianten-Truppe. Der Künstler zeigt Musikanten, Bettler und Trinker mit Buckel oder dickem Bauch. Auch Figuren des Stegreiftheaters ''Commedia dell´arte'' werden aufgegriffen. Der Schöpfer der „''varie figure gobbi''“ wie er seine 24 Zwergengestalten nannte, wurde angeregt durch zahllose Feste, bei denen Turniere und Schauspiele von Kleinwüchsigen dargeboten wurden. Die Karikaturen Callots waren europaweit ein unglaublicher Erfolg. Fischer von Erlach war Schüler von Gian Gian Lorenzo Bernini, der sich auch als Karikaturist einen Namen macht. Von namhaften Architekten wird er auch als Mitbegründer der Karikatur genannt. 1690–1692 wurden nach Vorlagen Fischer vn Erlachs die Zwerge im Zwergelgaten sehr wahrscheinlich von Bernhard Michael Mandl, Bartholomäus van Opstal, Andreas Götzinger und Ottavio Mosto zusammen mit anderen Künstlern ausgeführt, zu denen auch Sebastian Stumpfegger und Hans Schwäbl gehörten. |
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| − | In der Zeit der Aufklärung gerieten die Figuren missgestalteter Menschen im Mirabellgarten immer mehr in Verruf. Dem aufgeklärten bayrischen Kronprinz [[Ludwig I. von Bayern]] missfielen während der kurzen [[Herzogtum Salzburg#1810 bis 1816 (Zugehörigkeit zu Bayern)|bayrischen Regentschaft]] über den gesamten Raum des Erzbistum Salzburg dem Zeitgeist entsprechend die hier aufgestellten Zwerge. 27 Figuren wurden im Jahr 1811 größtenteils um den sehr geringen Betrag von nur zwei [[Gulden]] je Stück versteigert, Über den 28. Zwerg ist nichts bekannt. Den Großteil der Zwerge ersteigerte damals der Gärtner [[Josef Rosenegger]] für den bekannten Park um den [[Bürglstein]], von wo sie (auch unter dem Namen "Mirabellmännchen") zum Teil rasch weiterverkauft wurden. Zwölf Zwerge befanden sich 1897 im Garten der [[Baron-Schwarz-Villa]] des Baron [[Karl Freiherr von Schwarz]] in [[Schallmoos]]. So waren die Salzburger Zwerge bald in alle Winde verstreut.
| + | ==Die Zwergengärten in Europa== |
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| | + | Ausgehend vom Salzburger Mirabellgarten wurden bald in zahllosen Schloss- und Stiftsgärten derartige groteske Zwerge aufgestellt. Zuerst hat wohl Fischer von Erlach 1709 ein Zwergenanlage in Weidling bei Wien gestaltet und 1711 eine Zwergenbalustrade beim Schloss Weikersdorf in Franken. Auch das Schloss Pfannberg bei Frohnleiten in der Steiermark erhielt damals vermutlich seinen (heute verschollenen) Zwergengarten. Es folgten die Zwerge vor der Rennbahn des Schlosses Bad Kuskus in [[Böhmen]] und 1715 die Lambacher Gartenzwerge sowie jene von Schloss Dornau bei Pettau in der damaligen Südsteiermark. Weitere Zwergengärten wurden nicht nur in Salzburg, [[Österreich]], [[Bayern]] und Böhmen errichtet, sondern auch in Rumänien, Polen, in nördlichen Teilen Deutschlands und nicht zuletzt zahlreiche Gärten auch in Norditalien rings um den Großraum von [[Venedig]], Padua und Florenz. |
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| | + | ==Die weitere Entwicklung der Gartenzwerge== |
| | + | In der weiteren Entwicklung der „Callot-Figuren“ wurden Verwachsungen der Zwerge immer weniger. 1720 begann eine Porzellanmanufaktur in Meißen, 1744 in Wien und bald auch in England einfache Zwergenfiguren herzustellen. Um 1800 entstanden auch erste Gartenzwerge mit aufrechten Zipfelmützen. (Aber schon der Zwerg mit den Kastagnetten in Salzburg besitzt eine hängende Zipfelmütze.) Nachdem sich das Bürgertum zunehmend der Zwerge annahm, verloren sie in der Aristokratie immer weiter an Bedeutung. Um 1900 entstanden erste oft sehr kitschige Großserien aus Ton später aus Plastik: die heutigen Gartenzwerge. |
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| − | Die Zwerge waren für fast hundert Jahre in Vergessenheit geraten. Am [[20. Oktober]] [[1919]] fasste der [[Salzburger Gemeinderat]] den Beschluss, den einzigartigen Garten am ursprünglichen Standort originalgetreu wieder zu errichten. Zuvor hatte sich der [[Salzburger Verschönerungsverein]], der heutige [[Salzburger Stadtverein]], unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück [[Salzburger Kulturgeschichte]] wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]] die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach weiteren Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im oberösterreichischen Hausruck und im [[Pongau]]. Heute findet man 17<ref>Quelle "Neu auf'gstellt, guat aus'gstellt", eine Broschüre des [[Informationszentrum des Magistrats Salzburg|Informationszentrums]], herausgegeben anlässlich der Neuaufstellung Mai 2018</ref> der ursprünglich 28 Zwerge wieder auf der Wasserbastei. | + | ==Der Zwergelgarten Fischer von Erlachs== |
| | + | Die ersten Zwerge entstanden vermutlich um [[1691]]/[[1692]]. Der Garten wurde um [[1695]] weitgehend fertig. |
| | + | Der erste Beleg für den Bestand eines Zwergengartens in Salzburg liegt erst in den Jahren nach 1710 vor. Aus dieser Zeit gibt es aber keinerlei Hinweise auf eine Gartenneugestaltung. Zahlreiche Indizien lassen eine Entstehung im Rahmen des Gesamtkonzeptes Fischer von Erlachs schon kurz nach 1690 überaus schlüssig erscheinen: |
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| − | Zwei Zwerge befinden sich in der Stadt Salzburg an der [[Reichenhaller Straße]] und der [[Sinnhubstraße]] in Privatbesitz. Vier weitere Zwerge waren bis vor wenigen Jahren im Eigentum eines bayrischen Gartenbesitzers in [[Traunstein]]. Fünf Zwerge sind verschollen, bzw. unbekannten Aufenthaltes.
| + | * Die 28 marmornen Götter- und Heldenfiguren (ohne den später entfernten acht kleinen Tritonen) im Mirabellgarten stehen 28 Zwerge im Zwergelgarten gegenüber. |
| | + | * Die Zwerge bilden das Gegenstück zur antiken Götterwelt des Mirabellgartens und auch zum Riesen Anthäus, den Herkules bezwingt. |
| | + | * Die Theaterzwerge konnten das Spiel der Komödianten des direkt südlich anschließenden Heckentheaters weiterführen. |
| | + | * Die Marmorvase des Aprilzwerges ist in einfacher Form aus der Formenfülle der Vasen Fischer von Erlachs entnommen. |
| | + | * Im heiteren Garten des (Fürst)-Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden. |
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| − | === Die Restaurierung 2017/2018 === | + | Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergelgarten mit seinen 28 Skulpturen aus [[Untersberger Marmor]] (Untersberger Forelle) mitbestimmt. Jeder von ihnen wiegt etwa 300 bis 400 Kilogramm<ref name="SN">Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/mirabellgarten-zwergerl-waren-in-hallein-auf-reha-25379473 www.sn.at], Restaurierung 2018, abgefragt am 14. März 2018</ref> Die Zwerge wurden vermutlich unter einem Künstlerkollektiv unter Leitung von [[Ottavio Mosto]] und [[Michael Bernhard Mandl]] geschaffen, in dem auch [[Sebastian Stumpfegger]] und [[Hans Schwäbl]] mitgearbeitet hatten. Verwachsene und kleinwüchsige Menschen wurden in der Barockzeit an vielen europäischen Fürstenhöfen angestellt; sie wurden ob ihrer Treue und Loyalität hoch geschätzt. |
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| − | Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator [[Erich Reichl]] und seinem Team einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in [[Hallein]]-[[Gamp]] der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Kleine Fehlstellen wurden ergänzt. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf."<ref name="SN"></ref> Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss und besteht aus Kunststein. Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten. Erich Reichl: "Das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund, man darf den Zwerge ihr Alter schon ansehen". Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt.
| + | Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten gemäß dem Volksglauben symbolisch alles Böse fernhalten. |
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| − | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] lange an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge als sichtbaren Kreis, d.h. aus einer mittleren kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]] ([[ÖVP]]).<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref>
| + | Als ''Pigatlgarten'', so der ursprüngliche Name des Zwergelgartens, wird seit der Barockzeit der Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet, auch wenn die Salzburger Zwerge derzeit auf dieser Bastion aufgestellt sind. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen Springbrunnen, umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren. |
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| − | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet, die fachliche Erläuterung der einzelnen Zwerge erfolgte durch Dr. [[Reinhard Medicus]].<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwergeausstellung kaum zu erkennen, die Gestaltung der Wasserbastei als Schotterfläche mit einer einfachen mittigen Rasenfläche ist nur bedingt als "Garten" ansprechbar. Auch hier bleibt mittelfristig ein Handlungsbedarf bestehen.
| + | == Die einzelnen Zwerge in ihrer Bedeutung== |
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| − | === Künftige Gestaltung ===
| + | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum]] dargestellt. Nun traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des Mirabellgartens zu Gärten umzugestalten. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des [[Kapuzinerberg]]es aufgelassen. |
| − | Nach wie vor bleibt es daher ein wichtiges Ziel, den originalen Zwergelgarten wieder am originalen Standort zu errichten und den ältesten Zwergengarten Europas als unersetzlichen Teil des von Fischer von Erlach geschaffenen Gesamtkunstwerkes Mirabellgarten in würdiger Form und möglichst originalgetreu wieder zu beleben. Dabei ist auch die Tieferlegung des Gartenteiles um gut einen Meter anzudenken.
| + | Das Pallole Spiel, bei dem nicht mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel ins feindliche Feld geschlagen wurde, war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt. |
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| − | Nachdem die Wiedererlangung der sechs außerhalb des Zwergelgartens aufgestellten Zwerge sich in den vergangenen 30 Jahren zum Großteil als äußerst schwierig erwiesen hat, ist die rasche Aufstellung dieser Zwerge als Abguss sinnvoll. Die Sockel für die Skulpturen sollten entsprechend der originalen Aufstellung wieder über einen Meter hoch sein. Eine kurze Erklärung der Skulpturen (deutsch und englisch) auf kleinen Tafeln bietet sich am jeweiligen Standort an.
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| − | == Die Zwerge und die Bedeutung derselben==
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| | * Die "'''Sonderzwerge'''": | | * Die "'''Sonderzwerge'''": |
| | ** Der Türkenzwerg mit dem Turban. | | ** Der Türkenzwerg mit dem Turban. |
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| | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten. | | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten. |
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| − | * '''Die zwölf Monatszwerge''': | + | * '''Die zwölf Monatszwerge''', als Metapher der Vergänglichkeit: |
| | ** Der Zwerg mit dem Huhn (Jänner). <br> Das Huhn steht für die regsame Hausarbeit am Anfang des neuen Jahres. | | ** Der Zwerg mit dem Huhn (Jänner). <br> Das Huhn steht für die regsame Hausarbeit am Anfang des neuen Jahres. |
| | ** Der Zwerg '''fehlt''' (Februar). <br> Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder befindet sich in Traunstein und stellt eine Fastnachtstänzerin dar. | | ** Der Zwerg '''fehlt''' (Februar). <br> Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder befindet sich in Traunstein und stellt eine Fastnachtstänzerin dar. |
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| | ** Der Zwerg mit der Rettichtasche (Mai). <br> Im Mai wurde als erste Fruchte des Gartens vielfach der weiße Bierrettich geerntet. | | ** Der Zwerg mit der Rettichtasche (Mai). <br> Im Mai wurde als erste Fruchte des Gartens vielfach der weiße Bierrettich geerntet. |
| | ** Der Zwerg mit dem Grabscheit (Juni), auch als träumender Gärtner bekannt. <br> Er ruht sich, gestützt auf seine Gartenhaue, von der Arbeit aus. | | ** Der Zwerg mit dem Grabscheit (Juni), auch als träumender Gärtner bekannt. <br> Er ruht sich, gestützt auf seine Gartenhaue, von der Arbeit aus. |
| − | ** Der Zwerg mit der Sense (Juli). <br> Er symbolisiert durch die (fehlende) Sense und dem Wetzstein, den Juli, in dem in früherer Zeit der erste Schnitt der Wiesen erfolgte. Der Juli trug früher auch den Namen "Heumond". | + | ** Der Zwerg mit der Sense (Juli). <br> Er symbolisiert durch die (fehlende) Sense und dem Wetzstein, den Juli, in dem in früherer Zeit der erste Schnitt der Wiesen erfolgte. Der Juli trug früher auch den Namen "Heumond". Dieser Zwerg ist in besonderer Weise Symbol der Vergänglichkeit |
| | ** Die Zwergin mit dem Zwiebelbund (August).<br> Die freundlich blickende Zwergin bietet Wasser aus einer Kanne und zusätzlich als Gesundheitssymbol und Heilpflanze einen Bund mit Zwiebeln. | | ** Die Zwergin mit dem Zwiebelbund (August).<br> Die freundlich blickende Zwergin bietet Wasser aus einer Kanne und zusätzlich als Gesundheitssymbol und Heilpflanze einen Bund mit Zwiebeln. |
| | ** Die Zwergin mit der Obstschürze steht für den September, in dem auch die Obsternte beginnt. | | ** Die Zwergin mit der Obstschürze steht für den September, in dem auch die Obsternte beginnt. |
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| | ** (fehlend) | | ** (fehlend) |
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| − | === An anderen Orten aufgestellte Zwerge des Zwergelgartens ===
| + | *'''An anderen Orten aufgestellte Zwerge des Zwergelgartens''' |
| − | * Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-[[Riedenburg]], [[Reichenhaller Straße]]) | + | ** Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-[[Riedenburg]], [[Reichenhaller Straße]]) |
| − | * Der Zwerg mit Schlapphut (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße) | + | ** Der Zwerg mit Schlapphut (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße) |
| − | * Der Zwerg mit der Feldflasche ([[Traunstein]], Crailsheimerstraße) | + | ** Der Zwerg mit der Feldflasche ([[Traunstein]], Crailsheimerstraße) |
| − | * Der Zwerg mit der Gans (Traunstein, Crailsheimerstraße) | + | ** Der Zwerg mit der Gans (Traunstein, Crailsheimerstraße) |
| − | * Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder (Traunstein, Crailsheimerstraße) | + | ** Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder (Traunstein, Crailsheimerstraße) |
| − | * Der Zwerg mit der Löffelkappe (Traunstein, Crailsheimerstraße) | + | ** Der Zwerg mit der Löffelkappe (Traunstein, Crailsheimerstraße) |
| | + | Fünf weitere Zwerge sind verschollen, bzw. unbekannten Aufenthaltes. |
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| − | == Geschichtliche Notizen zu Zwergen und dem Salzburger Zwergelgarten == | + | ==Die Auflassung des Zwergelgartens 1811== |
| − | Mythen von Zwergen reichen tief in die Vorgeschichte. Schon im Altertum umgaben sich zur Unterhaltung Herrscher gerne mit kleinwüchsigen oder missgebildeten Menschen. Sie wurden in der [[Renaissance]] wieder häufig an Fürstenhöfen angestellt. Besonders geschätzt war etwa der Hofzwerg Kaiser Karls IV, Jakob Ries. In Salzburg war während der Regentschaften von [[Johann Ernst Graf von Thun]], [[Franz Anton Fürst Harrach]], [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] und [[Jakob Ernst Graf Liechtenstein|Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn]] der Hofzwerg Josef Friedrich von Meichelböck (1687–1746) angesehen und beliebt.
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| − | Weitum bekannt und berühmt wurden in der Folge die Karikaturen von Jacques Callot, dem Hofmaler von Cosimo II am Hofe in Florenz. Callot sah am Hof 1612 bis 1621 mehrfach Aufführungen der Zwergenkomödianten-Truppe. Der Künstler zeigt Musikanten, Bettler und Trinker mit Buckel oder dickem Bauch. Auch Figuren des Stegreiftheaters ''Commedia dell´arte'' werden aufgegriffen. Der Schöpfer der „''varie figure gobbi''“ wie er seine 24 Zwergengestalten nannte, wurde angeregt durch zahllose Feste, bei denen Turniere und Schauspiele von Kleinwüchsigen dargeboten wurden. Die Karikaturen Callots waren europaweit ein unglaublicher Erfolg.
| + | Die [[barock]]e Formgebung des Zwwergengartens wurde schon gegen Ende des [[18. Jahrhundert]]s zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie [[Frankreich]]s mitbestimmte Barockstil damals als veraltet galt und er so einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute aber ebenfalls nicht mehr besteht. |
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| − | Als ''Pigatlgarten'', so der ursprüngliche Name des Zwergelgartens, wird seit der Barockzeit der Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet, auch wenn die Salzburger Zwerge derzeit auf dieser Bastion aufgestellt sind. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen Springbrunnen, umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren.
| + | In der Zeit der Aufklärung gerieten die Figuren missgestalteter Menschen im Mirabellgarten immer mehr in Verruf. Dem aufgeklärten bayrischen Kronprinz [[Ludwig I. von Bayern]] missfielen während der kurzen [[Herzogtum Salzburg#1810 bis 1816 (Zugehörigkeit zu Bayern)|bayrischen Regentschaft]] über den gesamten Raum des Erzbistum Salzburg dem Zeitgeist entsprechend die hier aufgestellten Zwerge. 27 Figuren wurden im Jahr 1811 größtenteils um den sehr geringen Betrag von nur zwei [[Gulden]] je Stück versteigert, Über den 28. Zwerg ist nichts bekannt. Den Großteil der Zwerge ersteigerte damals der Gärtner [[Josef Rosenegger]] für den bekannten Park um den [[Bürglstein]], von wo sie (auch unter dem Namen "Mirabellmännchen") zum Teil rasch weiterverkauft wurden. Zwölf Zwerge befanden sich 1897 im Garten der [[Baron-Schwarz-Villa]] des Baron [[Karl Freiherr von Schwarz]] in [[Schallmoos]]. So waren die Salzburger Zwerge bald in alle Winde verstreut. |
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| − | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum]] dargestellt. Nun traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des Mirabellgartens zu Gärten umzugestalten. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des [[Kapuzinerberg]]es aufgelassen. | + | Die Zwerge waren für fast hundert Jahre in Vergessenheit geraten. Am [[20. Oktober]] [[1919]] fasste der [[Salzburger Gemeinderat]] den Beschluss, den einzigartigen Garten am ursprünglichen Standort originalgetreu wieder zu errichten. Zuvor hatte sich der [[Salzburger Verschönerungsverein]], der heutige [[Salzburger Stadtverein]], unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück [[Salzburger Kulturgeschichte]] wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]] die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach weiteren Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im oberösterreichischen Hausruck und im [[Pongau]]. Heute findet man 17<ref>Quelle "Neu auf'gstellt, guat aus'gstellt", eine Broschüre des [[Informationszentrum des Magistrats Salzburg|Informationszentrums]], herausgegeben anlässlich der Neuaufstellung Mai 2018</ref> der ursprünglich 28 Zwerge wieder auf der Wasserbastei. |
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| − | Der erste Beleg für den Bestand eines Zwergengartens in Salzburg liegt erst in den Jahren nach 1710 vor. Aus dieser Zeit gibt es aber keinerlei Hinweise auf eine Gartenneugestaltung. Zahlreiche Indizien lassen eine Entstehung im Rahmen des Gesamtkonzeptes Fischer von Erlachs schon kurz nach 1690 überaus schlüssig erscheinen:
| + | == Die Restaurierung 2017/2018 == |
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| − | * Die 28 marmornen Götter- und Heldenfiguren (ohne den später entfernten acht kleinen Tritonen) im Mirabellgarten stehen 28 Zwerge im Zwergelgarten gegenüber.
| + | Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge - nach frühreren Restaurierungen - vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator [[Erich Reichl]] und seinem Team erneut einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in [[Hallein]]-[[Gamp]] der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Kleine Fehlstellen wurden ergänzt. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf."<ref name="SN"></ref> Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss und besteht aus Kunststein. Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten. Erich Reichl: "Das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund, man darf den Zwerge ihr Alter schon ansehen". Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt. |
| − | * Die Zwerge bilden das Gegenstück zur antiken Götterwelt des Mirabellgartens und auch zum Riesen Anthäus, den Herkules bezwingt.
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| − | * Die Theaterzwerge konnten das Spiel der Komödianten des direkt südlich anschließenden Heckentheaters weiterführen.
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| − | * Die Marmorvase des Aprilzwerges ist in einfacher Form aus der Formenfülle der Vasen Fischer von Erlachs entnommen.
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| − | * Im heiteren Garten des (Fürst)-Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden.
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| − | Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten gemäß dem Volksglauben symbolisch alles Böse fernhalten. | + | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] lange an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge als sichtbaren Kreis, d.h. aus einer mittleren kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]] ([[ÖVP]]).<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref> |
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| − | == Die Zwergengärten in Europa== | + | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet, die fachliche Erläuterung der einzelnen Zwerge erfolgte durch Dr. [[Reinhard Medicus]].<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwergeausstellung kaum zu erkennen, die Gestaltung der Wasserbastei als Schotterfläche mit einer einfachen mittigen Rasenfläche ist nur bedingt als "Garten" ansprechbar. Auch hier bleibt mittelfristig ein Handlungsbedarf bestehen. |
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| − | Ausgehend vom Salzburger Mirabellgarten wurden bald in zahllosen Schloss- und Stiftsgärten derartige groteske Zwerge aufgestellt. Zuerst hat wohl Fischer von Erlach 1709 ein Zwergenanlage in Weidling bei Wien gestaltet und 1711 eine Zwergenbalustrade beim Schloss Weikersdorf in Franken. Auch das Schloss Pfannberg bei Frohnleiten in der Steiermark erhielt damals vermutlich seinen (heute verschollenen) Zwergengarten. Es folgten die Zwerge vor der Rennbahn des Schlosses Bad Kuskus in [[Böhmen]] und 1715 die Lambacher Gartenzwerge sowie jene von Schloss Dornau bei Pettau in der damaligen Südsteiermark. Weitere Zwergengärten wurden nicht nur in Salzburg, [[Österreich]], [[Bayern]] und Böhmen errichtet, sondern auch in Rumänien, Polen, in nördlichen Teilen Deutschlands und nicht zuletzt zahlreiche Gärten auch in Norditalien rings um den Großraum von [[Venedig]], Padua und Florenz.
| + | == Künftige Gestaltung == |
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| + | Nach wie vor bleibt es daher ein wichtiges Ziel, den originalen Zwergelgarten wieder am originalen Standort zu errichten und den ältesten Zwergengarten Europas als unersetzlichen Teil des von Fischer von Erlach geschaffenen Gesamtkunstwerkes Mirabellgarten in würdiger Form und möglichst originalgetreu wieder zu beleben. Dabei ist auch die Tieferlegung des Gartenteiles um gut einen Meter anzudenken. |
| − | In der weiteren Entwicklung der „Callot-Figuren“ wurden Verwachsungen der Zwerge immer weniger. 1720 begann eine Porzellanmanufaktur in Meißen, 1744 in Wien und bald auch in England einfache Zwergenfiguren herzustellen. Um 1800 entstanden auch erste Gartenzwerge mit aufrechten Zipfelmützen. (Aber schon der Zwerg mit den Kastagnetten in Salzburg besitzt eine hängende Zipfelmütze.) Nachdem sich das Bürgertum zunehmend der Zwerge annahm, verloren sie in der Aristokratie immer weiter an Bedeutung. Um 1900 entstanden erste oft sehr kitschige Großserien aus Ton später aus Plastik: die heutigen Gartenzwerge.
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| | + | Nachdem die Wiedererlangung der sechs außerhalb des Zwergelgartens aufgestellten Zwerge sich in den vergangenen 30 Jahren zum Großteil als äußerst schwierig erwiesen hat, ist die rasche Aufstellung dieser Zwerge als Abguss sinnvoll. Die Sockel für die Skulpturen sollten entsprechend der originalen Aufstellung wieder über einen Meter hoch sein. Eine kurze Erklärung der Skulpturen (deutsch und englisch) auf kleinen Tafeln bietet sich am jeweiligen Standort an. |
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| | == Duplikate, Nachahmungen und Verfilmung== | | == Duplikate, Nachahmungen und Verfilmung== |