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→‎Dienststelle Mühlmann In Den Haag: Josef Thorak, Schloss Prielau
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Das Büro in Paris leitete der Halbbruder Josef Mühlmann. Einer der Mitarbeiter in Den Haag war Eduard Plietsch, ein Experte für holländische Meister.
 
Das Büro in Paris leitete der Halbbruder Josef Mühlmann. Einer der Mitarbeiter in Den Haag war Eduard Plietsch, ein Experte für holländische Meister.
Die Listenerstellung über sogenanntes Feindvermögen ging folgendermaßen vonstatten: eine zu diesem Zweck beauftragte Treuhandgesellschaft bestellte jeweils einen Treuhänder für die jüdischen Kunsthändler und Sammler. Diese Treuhänder übermittelten der Dienststelle Mühlmann eine Liste aller Kunstgegenstände samt Angabe des genauen Standortes. Anschließend wurden sämtliche Kunstgegenstände zuerst nach Den Haag transportiert, hier im Zuge von Auktionen versteigert oder direkt an Parteigrößen verkauft. Über 1.100 Gemälde, Teppiche, Statuen und Ähnliches mehr gingen so an NS-Machthaber und an Museen des „Dritten Reichs“. Erst die Landung der Alliierten in der Normandie beendeten das Treiben und Mühlmann konnte sich nach Wien absetzen. Es gelang ihm auch die Flucht aus Wien, bevor die Rote Armee die Stadt erobern konnte und Mühlmann zog sich rechtzeitig nach Seewalchen am Attersee zurück.  
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Die Listenerstellung über sogenanntes Feindvermögen ging folgendermaßen vonstatten: eine zu diesem Zweck beauftragte Treuhandgesellschaft bestellte jeweils einen Treuhänder für die jüdischen Kunsthändler und Sammler. Diese Treuhänder übermittelten der Dienststelle Mühlmann eine Liste aller Kunstgegenstände samt Angabe des genauen Standortes. Anschließend wurden sämtliche Kunstgegenstände zuerst nach Den Haag transportiert, hier im Zuge von Auktionen versteigert oder direkt an Parteigrößen verkauft. Über 1.100 Gemälde, Teppiche, Statuen und Ähnliches mehr gingen so an NS-Machthaber und an Museen des „Dritten Reichs“. Aber auch NS-Künstler wie [[Josef Thorak]] nutzten die Tätigkeit von Mühlmann zur eigenen Bereicherung. So ließ sich Thorak für das [[Schloss Prielau]] geraubte gotische Türen und Skulpturen aus Frankreich kommen.
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Erst die Landung der Alliierten in der Normandie beendeten das Treiben und Mühlmann konnte sich nach Wien absetzen. Es gelang ihm auch die Flucht aus Wien, bevor die Rote Armee die Stadt erobern konnte und Mühlmann zog sich rechtzeitig nach Seewalchen am Attersee zurück.
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==Mühlmann als Zeuge gegen NS-Größen==
 
==Mühlmann als Zeuge gegen NS-Größen==
 
In Seewalchen nahmen ihn im Juni [[1945]] US-amerikanische Militärs fest, brachten ihn in das [[Camp Marcus W. Orr|Lager Glasenbach]], wo er mehrere Wochen festgehalten wurde und anschließend in das Lager Peuerbach in [[Oberösterreich]]. In den dortigen Verhören verniedlichte Mühlmann seine Rolle in Polen und in den Niederlanden und die US-Behörden nutzten Mühlmanns belastende Aussagen gegen Göring, Seyß-Inquart, Kaltenbrunner und andere für die Anklage im Nürnberger Prozess. [[1947]] wurde Mühlmann auch noch als Zeuge im Hochverratsprozess gegen Guido Schmidt herangezogen. Mühlmann gelang es, seinen Kopf zu retten und während eines Spitalaufenthaltes floh er im Februar [[1948]] nach [[Bayern]], wo er in der Nähe des Starnberger Sees erfolgreich untertauchen konnte. Für eine erneute Gefangennahme wurde von den alliierten und österreichischen Behörden wenig unternommen, obwohl bei den österreichischen Behörden ein Verfahren gegen Mühlmann anhängig war. Der Salzburger wurde schließlich in Abwesenheit verurteilt und sein gesamtes bekanntes Vermögen beschlagnahmt.
 
In Seewalchen nahmen ihn im Juni [[1945]] US-amerikanische Militärs fest, brachten ihn in das [[Camp Marcus W. Orr|Lager Glasenbach]], wo er mehrere Wochen festgehalten wurde und anschließend in das Lager Peuerbach in [[Oberösterreich]]. In den dortigen Verhören verniedlichte Mühlmann seine Rolle in Polen und in den Niederlanden und die US-Behörden nutzten Mühlmanns belastende Aussagen gegen Göring, Seyß-Inquart, Kaltenbrunner und andere für die Anklage im Nürnberger Prozess. [[1947]] wurde Mühlmann auch noch als Zeuge im Hochverratsprozess gegen Guido Schmidt herangezogen. Mühlmann gelang es, seinen Kopf zu retten und während eines Spitalaufenthaltes floh er im Februar [[1948]] nach [[Bayern]], wo er in der Nähe des Starnberger Sees erfolgreich untertauchen konnte. Für eine erneute Gefangennahme wurde von den alliierten und österreichischen Behörden wenig unternommen, obwohl bei den österreichischen Behörden ein Verfahren gegen Mühlmann anhängig war. Der Salzburger wurde schließlich in Abwesenheit verurteilt und sein gesamtes bekanntes Vermögen beschlagnahmt.
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