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, 11:56, 2. Jan. 2018
Mit '''Seeton''' bezeichnet man eine geologische Schicht, die aus verfestigtem Tonmineralen besteht, aber dennoch weich und unbeständig ist.
== Salzburger Seeton ==
Das [[Salzburger Becken]] wurde in der letzten [[Eiszeit]] vom [[Salzachgletscher]] geformt. Nach dem Abschmelzen des Gletschers vor etwa 10 000 Jahren bildete sich im Salzburger Becken ein See. Darin kam es zu feinkörnigen Ablagerungen, die man heute „Salzburger Seeton“ nennt. Diese Schicht kann bis zu 30, 40 oder mehr Metern an Stärke erreichen. Dieser Salzburger Seeton ist oft von Schottern der [[Salzach]] und [[Saalach]] oder von [[Moor]]en (z. B. in den [[Salzburger Stadtteile]]n [[Leopoldskroner Moos]], [[Schallmoos]] und [[Langwied]]) überlagert. Das bringt dann bei Bauten oft große Probleme mit sich. So beispielsweise beim Bau des [[Kongresshaus Salzburg|Kongresshauses]] oder der [[Parkgarage Salzburger Hauptbahnhof|Bahnhofsgarage]].
Im [[Urmattsee]] haben Geologen die ihm zugehörige frühere Uferlinie durch eine Humusschicht im blaugrauen Seeton nachweisen können.
== Stand 2018 ==
Aber nicht nur das Bauen, auch das Erhalten von Gebäuden hat auf so einem Untergrund seine Tücken. Vor allem im linken Teil der Salzburger [[Altstadt]]. Das harte Felsgestein des [[Mönchsberg]]es reicht unter den Gassen, Häusern und Plätzen bis fast zum Salzachufer. Dann beginnt der weiche Seeton, überdeckt von einer fünf bis acht Meter dicken Kiesschicht. Um ein bis zwei Millimeter pro Jahr sinkt der Seetonteil ab. Über die Jahre gesehen macht das viel aus. Seit mehr als 50 Jahren werden die Veränderungen vom Landesvermessungsamt überwacht. "''Am stärksten macht sich die Lage an der Abbruchkante beim [[Haus der Natur]] bemerkbar. Hier wird immer wieder mit Baumaßnahmen sichergestellt, dass das Museumsgebäude im ehemaligen [[Ursulinenkloster]] nicht auseinanderbricht''", sagt Landesgeologe [[Rainer Braunstingl]]. Die zum Komplex gehörende Ursulinenkirche (heute [[Markuskirche]]) musste [[1973]] wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt und aufwändig gesichert werden.
Entweder wegen Unterspülungen durch die Salzach oder möglicherweise wegen des [[Erdbeben]]s im [[Erdbeben Friaul 1976 Auswirkungen auf Salzburg|Mai 1976 in Friaul]] verstärkten sich die Senkungen für kurze Zeit. Inzwischen sinkt die Seetonseite wieder gering und gleichmäßig. "''Mit Gebäudeankern und Messpunkten können wir sehr genau verfolgen, wie sich die Gebäudeteile bewegen. Im Moment sind keine Baumaßnahmen nötig''", sagt Braunstingl.
=== Salzach ist um vier Meter eingetieft ===
Der weiche Seeton-Untergrund wird auch bei der sich stetig eingrabenden Salzach sichtbar. In den vergangenen 150 Jahren hat sich das Flussbett der Salzach um bis zu vier Meter im Stadtgebiet eingetieft. Am dramatischsten war es beim Jahrhundert-[[Hochwasser]] 1959. Beim Messpunkt an der [[Staatsbrücke]] wurden zweieinhalb Meter Höhenunterschied gemessen, der Fluss sackte richtiggehend ab. Beim gleichen Hochwasser wurde ein Pfeiler der [[Autobahnbrücke Salzburg Nord|Westautobahn-Brücke]] unterspült, das Tragwerk ist am [[18. August]] [[1959]] eingebrochen.
=== Ehemaliges Mauthäuschen steht jetzt schief ===
Unübersehbares Opfer der geologischen Kante ist das frühere [[Mauthäusl Mozartsteg|Mauthäuschen]] beim [[Mozartsteg]]. Für den [[1903]] errichteten Salzachübergang wurde in den ersten beiden Jahrzehnten Maut eingehoben, heute werden Kaffee und ''Muffins'' aus dem schiefen Gebäude gereicht, dessen südliches Fundament an der Bodenbefestigung der 1903 gebauten Brücke "hängt". Das nördliche ist im Laufe der vergangenen 110 Jahre abgesunken, wie man an der Schiefstellung erkennen kann. Unter der Salzach ist der Seeton mindestens 70 Meter dick. 1984 wurde bei einer Bohrung im Bereich der heutigen [[Kultur- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät an der Universität Salzburg|Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg]] am [[Rudolfskai]] bis 71 Meter Tiefe kein Fels erreicht.
Die Langzeitsetzungen können von der Stadtverwaltung an zahlreichen Vermessungspunkten im Stadtgebiet heute noch nachgewiesen werden. Nur die Punkte im Felsen der Stadtberge bleiben fix auf ihrem Posten.
== Ereignisse ==
* [[2007]]: Beim Bau der [[Neue Mitte Lehen|Neuen Mitte Lehen]] verursachte der Salzburger Seeton Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Um Standsicherheit der Gebäude zu gewährleisten, mussten rund 1 115 Schottersäulen sechs Meter tief in den Boden eingebracht werden.
* Am [[30. November]] [[2011]] wurde im Seeton des alten Flussbetts der Salzach auf der Kraftwerksbaustelle [[Stützkraftwerk Sohlstufe Lehen]] eine 250-kg-[[Blindgänger]]<nowiki>bombe</nowiki> entdeckt
== Quellen ==
* [http://www.bvfs.at/htm/pub/download/12_2010.pdf www.bvfs.at], Allgemeines
* [[Salzburger Nachrichten]], [https://www.sn.at/salzburg/chronik/weicher-seeton-die-stadt-salzburg-sinkt-jahr-fuer-jahr-ab-22453843 online], 2. Jänner 2018
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Geografie]]
[[Kategorie:Geologie]]