Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
Textersetzung - „z.B.“ durch „z. B.“
Zeile 4: Zeile 4:  
Bis zur Grundentlastung (auch ''Grundablöse'' genannt), der wichtigsten und bleibenden Errungenschaft des Revolutionsjahres [[1848]], gab es in Salzburg, wie auch in Österreich (Cisleithanien), keine freien Bauern und auch keine politischen Gemeinden. Mit wenigen Ausnahmen von so genannten freieigenen Gütern waren die Güter auf dem Land im Eigentum verschiedener Grundherrschaften. Diese vergaben sie an untertänige Bauern zur Leihe. Von da her kommt die Bezeichnung "Bauernlehen" für einen Bauernhof.
 
Bis zur Grundentlastung (auch ''Grundablöse'' genannt), der wichtigsten und bleibenden Errungenschaft des Revolutionsjahres [[1848]], gab es in Salzburg, wie auch in Österreich (Cisleithanien), keine freien Bauern und auch keine politischen Gemeinden. Mit wenigen Ausnahmen von so genannten freieigenen Gütern waren die Güter auf dem Land im Eigentum verschiedener Grundherrschaften. Diese vergaben sie an untertänige Bauern zur Leihe. Von da her kommt die Bezeichnung "Bauernlehen" für einen Bauernhof.
   −
Die im Eigentum der geistlichen und weltlichen Grundherren befindlichen Güter wurden seit dem Mittelalter auf Grundlage der Stift- und Urbarrechte durch  [[Urbaramt|Urbarämter]] verwaltet, die auch das Niedergericht ausübten und für jene Fälle zuständig waren, die keine todeswürdigen Verbrechen betrafen. Auf dem Stifttaiding (siehe [[Taiding]]) unter dem Vorsitz des Grundherrn oder seines Bevollmächtigten (Urbarprobst oder Urbaramtmann) wurde über alle Fragen der Grundherrschaft entschieden, z.B. Instandhaltung der geliehenen Güter, rechtzeitige Leistung der Abgaben u.a.  
+
Die im Eigentum der geistlichen und weltlichen Grundherren befindlichen Güter wurden seit dem Mittelalter auf Grundlage der Stift- und Urbarrechte durch  [[Urbaramt|Urbarämter]] verwaltet, die auch das Niedergericht ausübten und für jene Fälle zuständig waren, die keine todeswürdigen Verbrechen betrafen. Auf dem Stifttaiding (siehe [[Taiding]]) unter dem Vorsitz des Grundherrn oder seines Bevollmächtigten (Urbarprobst oder Urbaramtmann) wurde über alle Fragen der Grundherrschaft entschieden, z. B. Instandhaltung der geliehenen Güter, rechtzeitige Leistung der Abgaben u.a.  
    
Parallel dazu gab es die Landrechte oder Ehaft-Taidinge, das in den Hochgerichtssprengeln des Erzstiftes, den [[Pfleggericht]]en und [[Landgericht]]en geltende Recht. Als Taidinge wurden nicht nur Rechtsgrundlagen, sondern auch die Gerichtsversammlungen bezeichnet. In die Kompetenzen dieser Pfleg- bzw. Landgerichte fielen alle todeswürdigen Verbrechen, sowie auch das Strafrecht im weiteren Sinn, was zu oftmaligen Differenzen mit den Urbaramtleuten der Grundherrschaften führte.  
 
Parallel dazu gab es die Landrechte oder Ehaft-Taidinge, das in den Hochgerichtssprengeln des Erzstiftes, den [[Pfleggericht]]en und [[Landgericht]]en geltende Recht. Als Taidinge wurden nicht nur Rechtsgrundlagen, sondern auch die Gerichtsversammlungen bezeichnet. In die Kompetenzen dieser Pfleg- bzw. Landgerichte fielen alle todeswürdigen Verbrechen, sowie auch das Strafrecht im weiteren Sinn, was zu oftmaligen Differenzen mit den Urbaramtleuten der Grundherrschaften führte.  
 
   
 
   
Diese Zweigleisigkeit des Gerichtswesens - grundherrschaftliche Niedergerichtsbarkeit und landesfürstliche Hochgerichtsbarkeit, also das Nebeneinander von Urbarämtern und Pfleg- bzw. Landgerichten wurde erst gegen Ende des [[16. Jahrhundert]]s mit der Zusammenlegung der erzbischöflichen Urbarämter mit den Pfleg- und Landgerichten größtenteils beendet. „Fremdherrliche“  Urbarämter (z.B. [[Erzabtei St. Peter|St. Peter]] oder Herrschaft [[Paris Graf Lodron|Lodron]]) beschränkten sich in Hinkunft bis zur Grundentlastung [[1848]] nur noch auf die Ertragshoheit. Eine Ausnahme bildeten die zwölf [[Hofmark]]en (geschlossene Niedergerichtsbezirke) [[Törring]], [[Tengling]], [[Wolkersdorf]], [[Lampoding]], [[Triebenbach]] (diese fünf fielen [[1816]] endgültig an Bayern), [[Sighartstein]], [[Ursprung]], [[Koppl]], [[Leopoldskroner Moos]], [[St. Jakob am Thurn]], [[Bischofshofen]] und [[Schloss Fischhorn|Fischhorn]], die mit niederen Gerichtsrechten ausgestattet blieben, welche allerdings nur rund zwei Prozent der Salzburger Bevölkerung betrafen.  
+
Diese Zweigleisigkeit des Gerichtswesens - grundherrschaftliche Niedergerichtsbarkeit und landesfürstliche Hochgerichtsbarkeit, also das Nebeneinander von Urbarämtern und Pfleg- bzw. Landgerichten wurde erst gegen Ende des [[16. Jahrhundert]]s mit der Zusammenlegung der erzbischöflichen Urbarämter mit den Pfleg- und Landgerichten größtenteils beendet. „Fremdherrliche“  Urbarämter (z. B. [[Erzabtei St. Peter|St. Peter]] oder Herrschaft [[Paris Graf Lodron|Lodron]]) beschränkten sich in Hinkunft bis zur Grundentlastung [[1848]] nur noch auf die Ertragshoheit. Eine Ausnahme bildeten die zwölf [[Hofmark]]en (geschlossene Niedergerichtsbezirke) [[Törring]], [[Tengling]], [[Wolkersdorf]], [[Lampoding]], [[Triebenbach]] (diese fünf fielen [[1816]] endgültig an Bayern), [[Sighartstein]], [[Ursprung]], [[Koppl]], [[Leopoldskroner Moos]], [[St. Jakob am Thurn]], [[Bischofshofen]] und [[Schloss Fischhorn|Fischhorn]], die mit niederen Gerichtsrechten ausgestattet blieben, welche allerdings nur rund zwei Prozent der Salzburger Bevölkerung betrafen.  
   −
Wenn der Sitz des landesfürstlichen Gerichtes auf einer Burg war, sprach man von einem Pflegegericht (z.B.: [[Burg Wartenfels|Wartenfels]] oder [[Mittersill]]), sonst von einem Landgericht (z. B. [[Rauris]]). Mit [[Erzstift Salzburg]] ist der weltliche Hoheitsbereich des Salzburger Erzbischofs als deutscher Reichsfürst bezeichnet, mit [[Erzdiözese Salzburg|Erzdiösese]] das wesentlich größere Gebiet des kirchlichen Hoheitsbereiches.  
+
Wenn der Sitz des landesfürstlichen Gerichtes auf einer Burg war, sprach man von einem Pflegegericht (z. B.: [[Burg Wartenfels|Wartenfels]] oder [[Mittersill]]), sonst von einem Landgericht (z. B. [[Rauris]]). Mit [[Erzstift Salzburg]] ist der weltliche Hoheitsbereich des Salzburger Erzbischofs als deutscher Reichsfürst bezeichnet, mit [[Erzdiözese Salzburg|Erzdiösese]] das wesentlich größere Gebiet des kirchlichen Hoheitsbereiches.  
    
Für ihre obrigkeitlichen Dienste in Verbindung mit der  Verleihe ihrer Güter erhielten die Grundherren Robotleistungen und Zins (Naturalien und Geld). Mit der Grundentlastung wurde die Untertänigkeit aufgehoben, sowie die obrigkeitlichen Rechte und die Gerichtsrechte der Grundherren eliminiert. Verwaltung und Gerichtsbarkeit lagen nun erstmals ungeteilt in der Hand des Staates, dem Kaisertum Österreich. Salzburg, das [[1816]] nach mehreren Herrschaftswechseln und Verlust eines Drittels seines Gebietes ([[Mühldorf am Inn]], [[Windisch-Matrei]], [[Brixental]], [[Zillertal]], [[Rupertiwinkel]]) endgültig an Österreich angeschlossen worden war, blieb bis [[1849]] als fünfter Kreis der „Provinz Österreich ob der Enns und Salzburg“ der Landesregierung in Linz unterstellt.
 
Für ihre obrigkeitlichen Dienste in Verbindung mit der  Verleihe ihrer Güter erhielten die Grundherren Robotleistungen und Zins (Naturalien und Geld). Mit der Grundentlastung wurde die Untertänigkeit aufgehoben, sowie die obrigkeitlichen Rechte und die Gerichtsrechte der Grundherren eliminiert. Verwaltung und Gerichtsbarkeit lagen nun erstmals ungeteilt in der Hand des Staates, dem Kaisertum Österreich. Salzburg, das [[1816]] nach mehreren Herrschaftswechseln und Verlust eines Drittels seines Gebietes ([[Mühldorf am Inn]], [[Windisch-Matrei]], [[Brixental]], [[Zillertal]], [[Rupertiwinkel]]) endgültig an Österreich angeschlossen worden war, blieb bis [[1849]] als fünfter Kreis der „Provinz Österreich ob der Enns und Salzburg“ der Landesregierung in Linz unterstellt.

Navigationsmenü