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| | ==Leben== | | ==Leben== |
| − | Sein Vater, Rudolph Joseph von Colloredo, war Vizekanzler unter [[Maria Theresia]]. Über das Studium von {{PAGENAME}} war bis Anfang des 21. Jahrhunderts nicht viel bekannt. Die Kunsthistorikerin [[Roswitha Juffinger]] fand zusammen mit [[Christoph Brandhuber]] bis 2011 heraus, dass Colloredo Jus studierte - bisher hatte man angenommen, dass er nur Theologie studiert hatte. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Auditor bei der "Sacra Rota", dem weltlichen Gericht des Vatikan. Nach dem Theologiestudium am Collegium Germanicum in Rom verlieh am [[19. Dezember]] [[1761]] Königin Maria Theresia von Österreich dem jungen Colloredo das [[Bistum Gurk]]. Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] weihte ihn dann am [[14. April]] [[1762]] in Salzburg zum Bischof von Gurk. Am [[14. März]] [[1772]] wurde er nach 49 Abstimmungen zum Fürsterzbischof von [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gewählt. Am [[29. April]] zog Colloredo feierlich von [[Schloss Freisaal]] in die Stadt ein, und Papst Clemens XIV. bestätigt am [[22. Juni]] seine Wahl. | + | Sein Vater, Rudolph Joseph von Colloredo, war Vizekanzler unter [[Maria Theresia]]. Über das Studium von {{PAGENAME}} war bis Anfang des [[21. Jahrhundert]]s nicht viel bekannt. Die Kunsthistorikerin [[Roswitha Juffinger]] fand zusammen mit [[Christoph Brandhuber]] bis 2011 heraus, dass Colloredo Jus studierte - bisher hatte man angenommen, dass er nur Theologie studiert hatte. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Auditor bei der "''Sacra Rota''", dem weltlichen Gericht des Vatikan. Nach dem Theologiestudium am ''Collegium Germanicum'' in Rom verlieh am [[19. Dezember]] [[1761]] Königin Maria Theresia von Österreich dem jungen Colloredo das [[Bistum Gurk]]. Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] weihte ihn dann am [[14. April]] [[1762]] in Salzburg zum Bischof von Gurk. Am [[14. März]] [[1772]] wurde er nach 49 Abstimmungen zum Fürsterzbischof von [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gewählt. Am [[29. April]] zog Colloredo feierlich von [[Schloss Freisaal]] in die Stadt ein, und Papst Clemens XIV. bestätigt am [[22. Juni]] seine Wahl. |
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| | Colloredo war der erste moderne Herrscher im Geiste der Aufklärung. Wie der Salzburger Historiker Mag. Dr. [[Oskar Dohle]] in seinen jüngsten Forschungen anlässlich einer Doppelausstellung [[Kirchenfürst und Landesherr]] im Jahr 2012 formulierte, sei Colloredo ein Repräsentant einer ''Epochenwende'' gewesen. Einerseits vertrat er eine durch die Gegenreformation gestärkte katholische Kirche, andererseits blickte er mit seinen weltlichen Reformen weit in das [[19. Jahrhundert]] hinein. Colloredo habe viele Neuerungen angestoßen, wie etwa in der Bildung, der Vermessung des Landes und der Flussregulierung. | | Colloredo war der erste moderne Herrscher im Geiste der Aufklärung. Wie der Salzburger Historiker Mag. Dr. [[Oskar Dohle]] in seinen jüngsten Forschungen anlässlich einer Doppelausstellung [[Kirchenfürst und Landesherr]] im Jahr 2012 formulierte, sei Colloredo ein Repräsentant einer ''Epochenwende'' gewesen. Einerseits vertrat er eine durch die Gegenreformation gestärkte katholische Kirche, andererseits blickte er mit seinen weltlichen Reformen weit in das [[19. Jahrhundert]] hinein. Colloredo habe viele Neuerungen angestoßen, wie etwa in der Bildung, der Vermessung des Landes und der Flussregulierung. |
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| | Der sparsame, fast geizige Landesfürst war zwar bei seinen Untertanen nicht sehr beliebt, jedoch erlebte Salzburg unter seiner Regentschaft nochmals eine wirtschaftliche Blütezeit. Als er das Fürsterzbistum 1772 übernommen hatte, war dieses durch seine Vorgänger fast bankrott. Colloredo fand einen verlotterten Staat vor und investierte sein privates Vermögen, um diesen wieder wirtschaftlich zu sanieren. Diesem Unterfangen kam auch sein familiäres Netzwerk zugute. Die Familie war in Florenz, Wien und Böhmen etabliert. | | Der sparsame, fast geizige Landesfürst war zwar bei seinen Untertanen nicht sehr beliebt, jedoch erlebte Salzburg unter seiner Regentschaft nochmals eine wirtschaftliche Blütezeit. Als er das Fürsterzbistum 1772 übernommen hatte, war dieses durch seine Vorgänger fast bankrott. Colloredo fand einen verlotterten Staat vor und investierte sein privates Vermögen, um diesen wieder wirtschaftlich zu sanieren. Diesem Unterfangen kam auch sein familiäres Netzwerk zugute. Die Familie war in Florenz, Wien und Böhmen etabliert. |
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| − | Während seiner rund drei Jahrzehnte dauernden Regentschaft förderte er Wissenschaften und Publizistik und er setzte sich für ein modernes Steuerwesen ein. Zwischen [[1776]] und [[1779]] ließ er den [[Hieronymus-Kataster]] anlegen, in dem alle Steuerpflichten erfasst wurden. Dieser ist heute eine wichtige Quelle der Wirtschafts- und Besitzgeschichte - etwa wenn es um das Erstellenvon [[Erbhof]]<nowiki>gutachten</nowiki> geht. Als Fürsterzbischof bemühte er sich um die "Entbarockisierung" der Religionsausübung, reduzierte die Zahl der Feiertage und am [[22. November]] [[1784]] erließ er das Verbot der öffentlichen Aufstellung von [[Weihnachtskrippen]], also auch in Kirchen. | + | Während seiner rund drei Jahrzehnte dauernden Regentschaft förderte er Wissenschaften und Publizistik und er setzte sich für ein modernes Steuerwesen ein. Zwischen [[1776]] und [[1779]] ließ er den [[Hieronymus-Kataster]] anlegen, in dem alle Steuerpflichten erfasst wurden. Dieser ist heute eine wichtige Quelle der Wirtschafts- und Besitzgeschichte - etwa wenn es um das Erstellen von [[Erbhof]]<nowiki>gutachten</nowiki> geht. Als Fürsterzbischof bemühte er sich um die "Entbarockisierung" der Religionsausübung, reduzierte die Zahl der Feiertage und am [[22. November]] [[1784]] erließ er das Verbot der öffentlichen Aufstellung von [[Weihnachtskrippen]], also auch in Kirchen. |
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| − | Am [[16. November]] [[1775]] wurde von ihm auf dem damals noch [[Hannibalplatz]] genannten Makartplatz das [[Landestheater|Fürsterzbischöfliche Hoftheater]] eröffnet. Colloredo setzte sich für Verbesserungen im Schulwesen ein. Er berief [[Franz Michael Vierthaler]] 1790 zum Direktor des [[Salzburger Lehrerbildungsanstalt|Schullehrerseminars]], das am [[9. November]] [[1790]] im [[Ritzerbogen]]haus, [[Sigmund-Haffner-Gasse]], eröffnet worden war.[[1798]] ließ er in [[Hallein]] das [[Colloredo-Sudhaus]] erbauen, das aber technisch eine Fehlkonstruktion war und bald wieder geschlossen wurde.. | + | Am [[16. November]] [[1775]] wurde von ihm auf dem damals noch [[Hannibalplatz]] genannten Makartplatz das [[Salzburger Landestheater|Fürsterzbischöfliche Hoftheater]] eröffnet. Colloredo setzte sich für Verbesserungen im Schulwesen ein. Er berief [[Franz Michael Vierthaler]] [[1790]] zum Direktor des [[Salzburger Lehrerbildungsanstalt|Schullehrerseminars]], das am [[9. November]] [[1790]] im [[Ritzerbogen]]haus, [[Sigmund-Haffner-Gasse]], eröffnet worden war.[[1798]] ließ er in [[Hallein]] das [[Colloredo-Sudhaus]] erbauen, das aber technisch eine Fehlkonstruktion war und bald wieder geschlossen wurde.. |
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| − | [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozart]] wurde am [[21. August]] [[1772]] von Colloredo offiziell zum besoldeten [[Hofkonzertmeister]] ernannt, überwarf sich in Folge mehrmals mit dem Fürsterzbischof und verließ dann Salzburg endgültig. Der Fußtritt in Wien des erzbischöflichen Angestellten [[Karl Joseph Felix Graf von Arco]] am [[10. Mai]] [[1781]] beendete das Arbeitsverhältnis Mozarts mit dem Fürsterzbischof und am [[8. Juni]] kam es zum endgültigen Bruch mit dem Erzbischof. | + | [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozart]] wurde am [[21. August]] [[1772]] von Colloredo offiziell zum besoldeten [[Hofkonzertmeister]] ernannt, überwarf sich in Folge mehrmals mit dem Fürsterzbischof und verließ dann Salzburg endgültig. Der Fußtritt in Wien des erzbischöflichen Angestellten [[Karl Joseph Felix Graf von Arco]] am [[10. Mai]] [[1781]] beendete das Arbeitsverhältnis Mozarts mit dem Fürsterzbischof und am [[8. Juni]] kam es zum endgültigen Bruch mit dem Erzbischof. |
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| | Am [[10. Dezember]] [[1800]] floh Colloredo vor den anrückenden Franzosen nach Wien, von wo aus er das Erzbistum leitete. [[1803]] musste er als Landesfürst zugunsten des neuen Kurfürsten [[Ferdinand III. von Toskana]] abdanken, blieb aber bis zu seinem Tod das geistliche Oberhaupt der Erzdiözese. Am [[18. März]] [[1809]] übergab Colloredo die Erzdiözese dem [[Bischöfe von Chiemsee|Bischof von Chiemsee]], [[Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg]]. | | Am [[10. Dezember]] [[1800]] floh Colloredo vor den anrückenden Franzosen nach Wien, von wo aus er das Erzbistum leitete. [[1803]] musste er als Landesfürst zugunsten des neuen Kurfürsten [[Ferdinand III. von Toskana]] abdanken, blieb aber bis zu seinem Tod das geistliche Oberhaupt der Erzdiözese. Am [[18. März]] [[1809]] übergab Colloredo die Erzdiözese dem [[Bischöfe von Chiemsee|Bischof von Chiemsee]], [[Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg]]. |
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| | == Bilder == | | == Bilder == |
| | {{Commonscat|Hieronymus von Colloredo}} | | {{Commonscat|Hieronymus von Colloredo}} |
| − | == Quellen und Literatur == | + | == Literatur == |
| − | * Ammerer, Gerhard/Baumgartner, Jutta u.a.:[[Herrschaft in Zeiten des Umbruchs]]. Salzburg 2016. | + | * Ammerer, Gerhard; Baumgartner, Jutta; u.a.: [[Herrschaft in Zeiten des Umbruchs]], Salzburg 2016 |
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| | + | == Quellen == |
| | {{Quelle Kulturlexikon}} | | {{Quelle Kulturlexikon}} |
| − | * Salzburgwiki-Beiträge
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| | * {{Quelle SN|2. Februar 2012 "Mozarts letzter Chef, ein Gespräch mit Roswitha Juffinger}} | | * {{Quelle SN|2. Februar 2012 "Mozarts letzter Chef, ein Gespräch mit Roswitha Juffinger}} |
| | * {{Quelle SN|28. Juni 2012 "Er war der Letzte seiner Art"}} | | * {{Quelle SN|28. Juni 2012 "Er war der Letzte seiner Art"}} |
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| | [[Kategorie:Weltanschauung]] | | [[Kategorie:Weltanschauung]] |
| | [[Kategorie:Religion]] | | [[Kategorie:Religion]] |
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| | [[Kategorie:Person (Katholische Kirche)]] | | [[Kategorie:Person (Katholische Kirche)]] |
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