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| | Nach den schwierigen Nachkriegsjahren, durch die Einbrüche für das Kunstinteresse, denen bittere Not, Elend und Arbeitslosigkeit vorausgingen, hielt sich der Maler mit Entwürfen für Künstlerpostkarten, Exlibris, Radierungen, und später Tusch-Zeichnungen der "Salzburger Mappen" über Wasser. Eine gute Einnahmequelle für Reisenbichler waren die Entwürfe für das [[Notgeld]] – Die Marktgemeinde [[St. Wolfgang]] leistete sich diesen Künstler der "Neukunstgruppe" und des "[[Wassermann]]" für die Raritäten der Österreichischen Währungsgeschichte um [[1920]], die kurz nach der Auflage ein begehrtes Sammelobjekt waren: 10, 20, 50 Heller, Vorder- und Rückseite nach Original-Radierungen des Malers Karl Reisenbichler, aus dem [[Anton Faistauer|Faistauerkreis]], hergestellt im [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Druckhaus Kiesel Salzburg]] am [[15. August]] [[1920]]. Weder vor noch nach der Notgeldperiode hat es bildlich so schöne Geldscheine gegeben wie gerade zu dieser Zeit. Durch seine Geburt am [[Attersee]] fühlte sich Karl Reisenbichler dem [[Salzkammergut]] in einer besonderen Weise verbunden. Seine Heimatkunst, Darstellungen der bäuerlichen Bevölkerung, Landschaftsmalerei, der Tracht und volkskundlichen Themen blieb er durch kräftige Farbgebung ein Leben lang treu. | | Nach den schwierigen Nachkriegsjahren, durch die Einbrüche für das Kunstinteresse, denen bittere Not, Elend und Arbeitslosigkeit vorausgingen, hielt sich der Maler mit Entwürfen für Künstlerpostkarten, Exlibris, Radierungen, und später Tusch-Zeichnungen der "Salzburger Mappen" über Wasser. Eine gute Einnahmequelle für Reisenbichler waren die Entwürfe für das [[Notgeld]] – Die Marktgemeinde [[St. Wolfgang]] leistete sich diesen Künstler der "Neukunstgruppe" und des "[[Wassermann]]" für die Raritäten der Österreichischen Währungsgeschichte um [[1920]], die kurz nach der Auflage ein begehrtes Sammelobjekt waren: 10, 20, 50 Heller, Vorder- und Rückseite nach Original-Radierungen des Malers Karl Reisenbichler, aus dem [[Anton Faistauer|Faistauerkreis]], hergestellt im [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Druckhaus Kiesel Salzburg]] am [[15. August]] [[1920]]. Weder vor noch nach der Notgeldperiode hat es bildlich so schöne Geldscheine gegeben wie gerade zu dieser Zeit. Durch seine Geburt am [[Attersee]] fühlte sich Karl Reisenbichler dem [[Salzkammergut]] in einer besonderen Weise verbunden. Seine Heimatkunst, Darstellungen der bäuerlichen Bevölkerung, Landschaftsmalerei, der Tracht und volkskundlichen Themen blieb er durch kräftige Farbgebung ein Leben lang treu. |
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| − | =====Sgraffito-Technik − Neue Sachlichkeit=====
| + | ===Sgraffito-Technik − Neue Sachlichkeit=== |
| | Ab [[1927]] wendet sich der Akademische Maler Karl Reisenbichler der Sgraffito-Technik, der "Neuen Sachlichkeit", vor allem der haltbaren Mehrfarbentechnik und der Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Neosgraffito für Ornamentik und Architektur-Design am Bau zu. Der Maler wagte den Schritt zur plastischen Wirkung durch die Mehrfarbigkeit und der Beständigkeit der Außenmalereien. Durch Übereinanderlegen von mehreren feuchten Farbputzschichten erzielte er große Unterschiede zur herkömmlichen Bearbeitungsweise. Durch Kratzen und Bürsten, durch teilweises Stehenlassen der höheren Farbschicht kam die Bildgestaltung freskoartiger Technik nahe. | | Ab [[1927]] wendet sich der Akademische Maler Karl Reisenbichler der Sgraffito-Technik, der "Neuen Sachlichkeit", vor allem der haltbaren Mehrfarbentechnik und der Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Neosgraffito für Ornamentik und Architektur-Design am Bau zu. Der Maler wagte den Schritt zur plastischen Wirkung durch die Mehrfarbigkeit und der Beständigkeit der Außenmalereien. Durch Übereinanderlegen von mehreren feuchten Farbputzschichten erzielte er große Unterschiede zur herkömmlichen Bearbeitungsweise. Durch Kratzen und Bürsten, durch teilweises Stehenlassen der höheren Farbschicht kam die Bildgestaltung freskoartiger Technik nahe. |
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| − | Für seinen großen Auftrag zur "Außenbemalung des [[Textilhaus Thalhammer|Kaufhauses Thalhammer]] am [[Rathausplatz (Stadt Salzburg)|Rathausplatz]]" und um die "Gestaltung des monumentalen Bildschmuckes der Außenarchitektur einzuleiten", zog sich der Künstler für einige Wochen in den [[Lungau]] zurück, um Skizzen einzelner handwerklicher Arbeiten (Bewegung des Menschen, aber auch der Pflanzen und Tierwelt, Schafschur, Web-, Walkszenen, Färberei, Frächterei) für das ca 100 m² große Kunstwerk vorzubereiten. Im August [[1927]] erregten die Arbeiten aufgrund der zu befürchtenden Verkehrsstörungen in der "räumlichen Enge der [[Altstadt]]" großes Aufsehen. "Das Für und Wider erreichte derartige Anteilnahme, daß selbst die Polizei daran teilnahm."
| + | ==== Sgraffito von Karl Reisenbichler am Textilhaus Thalhammer ==== |
| − | | + | ;'' Hauptartikel [[Sgraffito von Karl Reisenbichler]]'' |
| − | In elf Sgraffito-Darstellungen wird die Tucherzeugung von der Schafschur bis zur fertigen Kleiderverarbeitung zum Ausdruck gebracht. Ein Spruchband mit Texten des Künstlers verbindet die einzelnen Schmuckbilder des Frieses am [[Rathausplatz (Stadt Salzburg)]].
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| − | # "Die Wolle die man hier gewinnt und an dem Rad zu Garne spinnt die wird allhier zu Tuch gemacht.
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| − | # und ferner nach der Walch gebracht, es folgt Farb und Scher hierauf
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| − | # Womit es fertig zum Verkauf, der Frächter führt es über Land
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| − | # Der Kaufherr prüft mit kund’ger Hand
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| − | # Zur Auswahl liegt das Tuch bereit
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| − | # Und jeder wählet hier sein Kleid"
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| − | signiert am unteren Rand der vorletzten Bildszene Karl Reisenbichler 1927
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| − | Gerade die genaue Detailfreudigkeit des Künstlers in den einzelnen Szenerien beeindruckt bis heute. Die in Neo-Sgraffito-Technik eingekratzte Erbauungsgeschichte des Thalhammer-Hauses beginnt in der [[Sigmund-Haffner-Gasse]] 2 ''DIES HAUS URSPRÜNGLICH LANDSCHADENHAUS // SPÄTER K&K POLIZEIDIREKTION WAR IM BESITZ : um 1421 BERNHARD HOHENFELDER;'' und endet [[1896]] mit [[Maria Wegscheider]] (geb. [[Rudolf Biebl|Biebl]]), die in diesem Bürgerhaus ein Verkaufsgewölbe für Textilien errichtete. In diesem Hause lebte und starb auch der große Barockkomponist [[Heinrich Ignaz Franz Biber]] (1644 - 1704) von [[1690]] bis zu seinem Tode um [[1704]] mit seiner kinderreichen Familie (11 Kinder).
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| − | Am [[20. September]] [[1927]], wird dem Akademischen Maler Karl Reisenbichler "Lob, Dank und Anerkennung für die Erstellung der Fresken am Hause des Herrn [[Franz Thalhammer]]" durch den Geschäftsführer, Schriftleiter des [[Salzburger Stadtverein]]es, Herrn [[Sepp Zulehner]], ausgesprochen.
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| | =====Kaffeehaus Lohr===== | | =====Kaffeehaus Lohr===== |