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| + | [[Datei:GewerbegebieteBruckZellSee.JPG|thumb|Die Gewerbegebiete Bruck an der Großglocknerstraße (im Bildhintergrund) und Zell am See, Schüttdorf (im Bildvordergrund) als Sinnbild für ausufernden Bodenverbrauch]] |
| | Unter '''Bodenverbrauch''' – auch als Flächenverbrauch bezeichnet - versteht man den Verlust an Bodenflächen durch Bebauung und Versiegelung, der mit einem dauerhaften Funktionsverlust biologisch produktiver Flächen einhergeht. Bundesweit werden derzeit täglich rund 24 Hektar Grün- und Ackerland irreversibel beansprucht. | | Unter '''Bodenverbrauch''' – auch als Flächenverbrauch bezeichnet - versteht man den Verlust an Bodenflächen durch Bebauung und Versiegelung, der mit einem dauerhaften Funktionsverlust biologisch produktiver Flächen einhergeht. Bundesweit werden derzeit täglich rund 24 Hektar Grün- und Ackerland irreversibel beansprucht. |
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| | Googelt man das Stichwort Bodenverbrauch so scheinen auf den ersten Blick nur rund 1 800 Ergebnisse auf. Sieht man die ersten Eintragsseiten durch, so fällt auf, dass sich die Einträge mehrheitlich auf Verhältnisse, bzw. Studien in [[Deutschland]] oder der Schweiz beziehen. Die Suche nach einschlägigen österreichischen Unterlagen zeigt, dass hierzulande das Thema Bodenschutz vorrangig ist. Dieser ist als Teilbereich des Umweltschutzes bundesweit gesetzlich geregelt (BGBl. Nr. 491/1984). | | Googelt man das Stichwort Bodenverbrauch so scheinen auf den ersten Blick nur rund 1 800 Ergebnisse auf. Sieht man die ersten Eintragsseiten durch, so fällt auf, dass sich die Einträge mehrheitlich auf Verhältnisse, bzw. Studien in [[Deutschland]] oder der Schweiz beziehen. Die Suche nach einschlägigen österreichischen Unterlagen zeigt, dass hierzulande das Thema Bodenschutz vorrangig ist. Dieser ist als Teilbereich des Umweltschutzes bundesweit gesetzlich geregelt (BGBl. Nr. 491/1984). |
| | Der Boden ist in Österreich verfassungsrechtlich gesehen ein Umwelt(Schutz)gut. Kompetenzrechtlich fällt der Bodenschutz – ausgenommen die Waldböden – in die Zuständigkeit der Länder. Das Salzburger Bodenschutzgesetz stammt aus dem Jahr [[2001]] und erstreckt sich nicht nur auf landwirtschaftlich genutzte, sondern weitgehend auf alle Böden. Es beinhaltet Ziele wie die Erhaltung der Bodenfunktionen, die Vermeidung von Bodenerosion und Bodenverdichtung, die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung und schlussendlich die Umsetzung von Maßnahmen zur Bodenverbesserung und Bodensanierung. | | Der Boden ist in Österreich verfassungsrechtlich gesehen ein Umwelt(Schutz)gut. Kompetenzrechtlich fällt der Bodenschutz – ausgenommen die Waldböden – in die Zuständigkeit der Länder. Das Salzburger Bodenschutzgesetz stammt aus dem Jahr [[2001]] und erstreckt sich nicht nur auf landwirtschaftlich genutzte, sondern weitgehend auf alle Böden. Es beinhaltet Ziele wie die Erhaltung der Bodenfunktionen, die Vermeidung von Bodenerosion und Bodenverdichtung, die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung und schlussendlich die Umsetzung von Maßnahmen zur Bodenverbesserung und Bodensanierung. |
| − | Die Rechtsnorm hinsichtlich Schadstoffeinträge ist im Salzburger landwirtschaftlichen Pflanzenschutzgesetz, LGBl. Nr. 79/1991, hinsichtlich Bodenverbrauch im Salzburger [[Raumordnung]]sgesetz aus dem Jahr 1998, LGBl. Nr. 44/1998, zu finden. | + | Die Rechtsnorm hinsichtlich Schadstoffeinträge ist im Salzburger landwirtschaftlichen Pflanzenschutzgesetz, [[LGBl]]. Nr. 79/1991, hinsichtlich Bodenverbrauch im Salzburger [[Raumordnung]]sgesetz aus dem Jahr 1998, [[LGBl]]. Nr. 44/1998, zu finden. |
| | =====Boden-Nutzungszwecke===== | | =====Boden-Nutzungszwecke===== |
| | + | [[Datei:Bodenverbrauch durch den Verkehr.jpg|thumb|Bodenverbrauch durch den Verkehr]] |
| | In entwickelten Ländern wie Österreich und damit auch im [[Bundesland Salzburg]] gilt es die Flächenansprüche für folgende Nutzungszwecke abzudecken: | | In entwickelten Ländern wie Österreich und damit auch im [[Bundesland Salzburg]] gilt es die Flächenansprüche für folgende Nutzungszwecke abzudecken: |
| | * Wohnen: Wohnbebauung | | * Wohnen: Wohnbebauung |
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| | Eine Mäßigung der Bodenverbrauchs-Ansprüche auf freiwilliger Basis erscheint wenig wahrscheinlich. Es sind daher Bund, Länder und Gemeinden gefordert, neben der Einhaltung bereits bestehender Gesetze mögliche Strategien zur Eindämmung des Bodenverbrauches zu entwickeln und umzusetzen. | | Eine Mäßigung der Bodenverbrauchs-Ansprüche auf freiwilliger Basis erscheint wenig wahrscheinlich. Es sind daher Bund, Länder und Gemeinden gefordert, neben der Einhaltung bereits bestehender Gesetze mögliche Strategien zur Eindämmung des Bodenverbrauches zu entwickeln und umzusetzen. |
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| − | Bestehende gesetzliche Maßnahmen sind im [[Bundesland Salzburg]] das Salzburger Raumordnungsgesetz und in zweiter Linie auch das Salzburger Bodenschutzgesetz, dessen Zielsetzungen die Erhaltung und der Schutz von Böden und der Bodenfunktionen, die Verbesserung und Wiederherstellung der Bodenfunktionen und die Verhinderung von Bodenerosion und Bodenverdichtung ist. Im Salzburger Raumordnungsgesetz werden unter den Zielen und den Grundsätzen u.a. explizit >die Sicherung des Bodens< und >die haushälterische Nutzung von Grund und Boden< fest gehalten. Es wird u.a. auch eine aktive Bodenpolitik der Gemeinden gefordert und die Vermeidung von Zersiedelung angestrebt. Alle in diesem Gesetz aufgezählten planerischen Maßnahmen und Entwicklungskonzepte haben sich den im Gesetz genannten Zielen und Grundsätzen unterzuordnen. | + | Bestehende gesetzliche Maßnahmen sind im [[Bundesland Salzburg]] das Salzburger Raumordnungsgesetz und in zweiter Linie auch das Salzburger Bodenschutzgesetz, dessen Zielsetzungen die Erhaltung und der Schutz von Böden und der Bodenfunktionen, die Verbesserung und Wiederherstellung der Bodenfunktionen und die Verhinderung von Bodenerosion und Bodenverdichtung ist. Im Salzburger Raumordnungsgesetz werden unter den Zielen und den Grundsätzen u. a. explizit >die Sicherung des Bodens< und >die haushälterische Nutzung von Grund und Boden< fest gehalten. Es wird u. a. auch eine aktive Bodenpolitik der Gemeinden gefordert und die Vermeidung von Zersiedelung angestrebt. Alle in diesem Gesetz aufgezählten planerischen Maßnahmen und Entwicklungskonzepte haben sich den im Gesetz genannten Zielen und Grundsätzen unterzuordnen. |
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| − | Der Zielsetzung des Raumordnungsgesetzes stehen aber in der Praxis andere Realitäten gegenüber. Arch. DI Andreas Volker drückt es als Vertreter der Initiative Pinzgauer Architekten und Ingenieurkonsulenten in einem Leserbrief drastisch aus. Er spricht von einer „flächenfressenden Raumordnungspraxis, welche zu einem großen Teil auf Druck der Wirtschaft passiert.“ | + | Der Zielsetzung des Raumordnungsgesetzes stehen aber in der Praxis andere Realitäten gegenüber. Arch. DI Andreas Volker drückt es als Vertreter der Initiative Pinzgauer Architekten und Ingenieurkonsulenten in einem Leserbrief drastisch aus. Er spricht von einer "flächenfressenden Raumordnungspraxis, welche zu einem großen Teil auf Druck der Wirtschaft passiert." |
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| | Hier sind einige Fehlentwicklungen zu nennen: | | Hier sind einige Fehlentwicklungen zu nennen: |
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| | Die hier explizit erwähnten Projekte der vergangenen Jahrzehnte stehen allerdings beispielhaft für viele andere Bauten in allen Bezirken des Landes, durch deren Errichtung oft hochwertige, landwirtschaftlich nutzbare Böden ohne Bedenken versiegelt wurden. | | Die hier explizit erwähnten Projekte der vergangenen Jahrzehnte stehen allerdings beispielhaft für viele andere Bauten in allen Bezirken des Landes, durch deren Errichtung oft hochwertige, landwirtschaftlich nutzbare Böden ohne Bedenken versiegelt wurden. |
| | =====Notwendige Maßnahmen===== | | =====Notwendige Maßnahmen===== |
| − | ''„Flächenverbrauch stellt eine existenzielle Schädigung der Umwelt dar.“'' So heißt es im sechsten Umweltkontrollbericht auf S. 58. Maßloser Flächen-, bzw. Bodenverbrauch und dessen mittel- und langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Natur des Landes müsste gemäß der Dringlichkeit längst im Bewusstsein der Bevölkerung verankert und medial Thema mit hohem Stellenwert sein. Das ist zur Zeit nur dann der Fall, wenn ein Jahrhunderthochwasser wie im Juni 2013 auftritt und zwei Aspekte des Bodenverbrauches - nämlich die Folgen der zunehmenden Versiegelung und die fehlenden Überflutungsräume - zu Tage treten. Es besteht daher großer Aufholbedarf. | + | ''"Flächenverbrauch stellt eine existenzielle Schädigung der Umwelt dar."'' So heißt es im sechsten Umweltkontrollbericht auf S. 58. Maßloser Flächen-, bzw. Bodenverbrauch und dessen mittel- und langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Natur des Landes müsste gemäß der Dringlichkeit längst im Bewusstsein der Bevölkerung verankert und medial Thema mit hohem Stellenwert sein. Das ist zur Zeit nur dann der Fall, wenn ein Jahrhunderthochwasser wie im Juni 2013 auftritt und zwei Aspekte des Bodenverbrauches - nämlich die Folgen der zunehmenden Versiegelung und die fehlenden Überflutungsräume - zu Tage treten. Es besteht daher großer Aufholbedarf. |
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| | Um mit der begrenzten und lebenswichtigen Ressource Boden in Hinkunft besser Haus zu halten, sind Maßnahmen wie die Bewertung der Bodenfunktionen aller zur Verfügung stehender Flächen und eine darauf basierende wirksame Lenkung der Flächeninanspruchnahme überfällig. | | Um mit der begrenzten und lebenswichtigen Ressource Boden in Hinkunft besser Haus zu halten, sind Maßnahmen wie die Bewertung der Bodenfunktionen aller zur Verfügung stehender Flächen und eine darauf basierende wirksame Lenkung der Flächeninanspruchnahme überfällig. |
| | ==Bodenverbrauch in Österreich im Herbst 2015== | | ==Bodenverbrauch in Österreich im Herbst 2015== |
| − | Der Vorstandsvorsitzende der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, bezeichnet Österreich als „Europameister“ bei der Zerstörung fruchtbarer Böden. Täglich werde eine Fläche in der Größe von 30 Fußballfeldern verbaut, was einem Bodenverbrauch von 20 Hektar entspricht. Warum diese negative Entwicklung dem Hagelversicherungs-Verantwortlichen Sorgen macht ist evident: die Kosten für Naturkatastrophen, die damit im ursächlichen Zusammenhang stehen, sind stetig steigend. | + | Der Vorstandsvorsitzende der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, bezeichnet Österreich als "Europameister" bei der Zerstörung fruchtbarer Böden. Täglich werde eine Fläche in der Größe von 30 Fußballfeldern verbaut, was einem Bodenverbrauch von 20 Hektar entspricht. Warum diese negative Entwicklung dem Hagelversicherungs-Verantwortlichen Sorgen macht ist evident: die Kosten für Naturkatastrophen, die damit im ursächlichen Zusammenhang stehen, sind stetig steigend. |
| | + | ==Verlust von Agrarflächen in Österreich - Stand Sommer 2018== |
| | + | ''Österreich verliert jährlich 0,5 % seiner Agrarflächen. Bei Fortschreiten dieser Entwicklung gibt es hierzulande bereits in 200 Jahren so gut wie keine Agrarflächen mehr. Zum Vergleich: Deutschland und die Schweiz verbauen jährlich nur je 0,25%, Tschechien nur 0,17% seiner Fläche.'' (Zitat SN v. 3. August 2018) |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
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| | *http://www.educ.eth.ch | | *http://www.educ.eth.ch |
| | *Leserbrief v. Arch. Dipl.-Ing. Andreas Volker f. d. Initiative der Pinzgauer Architekten und Ingenieurkonsulenten in den SN v. 10. April 2012 | | *Leserbrief v. Arch. Dipl.-Ing. Andreas Volker f. d. Initiative der Pinzgauer Architekten und Ingenieurkonsulenten in den SN v. 10. April 2012 |
| − | *„Fleischlastige Ernährung frisst immer mehr Ackerland“, Salzburger Nachrichten, 17. April 2012, S. 27 | + | *"Fleischlastige Ernährung frisst immer mehr Ackerland", Salzburger Nachrichten, 17. April 2012, S. 27 |
| − | *Corinne Stauffinger, Karl Martin Tanner, „Wie die Gemeinden ihren Bodenverbrauch nachhaltig verbessern können – ein Handbuch“, http.//www.vlp-aspan-ch/de | + | *Corinne Stauffinger, Karl Martin Tanner, "Wie die Gemeinden ihren Bodenverbrauch nachhaltig verbessern können – ein Handbuch", http.//www.vlp-aspan-ch/de |
| | *Dr. Erich Dallhammer, Hoher Bodenverbrauch – reine Geldverschwendung, http://www.tirol.gv.at/raumordnung | | *Dr. Erich Dallhammer, Hoher Bodenverbrauch – reine Geldverschwendung, http://www.tirol.gv.at/raumordnung |
| | *DI Georg Juritsch / DI Elisabeth Neudorfer, Bodenschutz und Bodenbewusstsein, http://www.salzburg.gv.at | | *DI Georg Juritsch / DI Elisabeth Neudorfer, Bodenschutz und Bodenbewusstsein, http://www.salzburg.gv.at |
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| | *ORF II, Im Zentrum, 2. Juni 2013, Helmut Habersack: Zur Zeit werden 8 ha Boden pro Tag versiegelt | | *ORF II, Im Zentrum, 2. Juni 2013, Helmut Habersack: Zur Zeit werden 8 ha Boden pro Tag versiegelt |
| | *''In Österreich wird viel Boden zugepflastert'', SN, Seite 13, 13. Oktober 2015 | | *''In Österreich wird viel Boden zugepflastert'', SN, Seite 13, 13. Oktober 2015 |
| − | [[Kategorie:Geografie]] | + | *Herwig Steinkellner, ''Bodenversiegelung stört den Wasserkreislauf'', SN S. 21, 3. August 2018 |
| − | [[Kategorie:Raumordnung]] | + | [[Kategorie:Wissenschaft]] |
| | + | [[Kategorie:Geografie]][[Kategorie:Raumordnung]] |
| | [[Kategorie:Politik]] | | [[Kategorie:Politik]] |
| | [[Kategorie:Landwirtschaft]] | | [[Kategorie:Landwirtschaft]] |
| | [[Kategorie:Umwelt]] | | [[Kategorie:Umwelt]] |