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[[Datei:Großglockner Hochalpenstrasse 1934 05.jpg|thumb|[[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße]]: links Ing. Franz Wallack, am Steuer Dr. [[Franz Rehrl]]]]
 
[[Datei:Großglockner Hochalpenstrasse 1934 05.jpg|thumb|[[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße]]: links Ing. Franz Wallack, am Steuer Dr. [[Franz Rehrl]]]]
 
[[Datei:Grab-Franz-Wallack.jpg|thumb|Das Grab von Franz Wallack auf dem [[Salzburger Kommunalfriedhof]]]]
 
[[Datei:Grab-Franz-Wallack.jpg|thumb|Das Grab von Franz Wallack auf dem [[Salzburger Kommunalfriedhof]]]]
[[Hofrat]] Dipl.-Ing. '''Franz Friedrich Wallack''' (* [[24. August]] [[1887]] in Wien; † [[31. Oktober]] [[1966]] in [[St. Johann im Pongau]]), war Hoch- und Tiefbauingenieur und Erbauer der [[Großglockner Hochalpenstraße]] sowie der [[Gerlos Alpenstraße]].
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[[Hofrat]] Dipl.-Ing. '''Franz Friedrich Wallack''' (* [[24. August]] [[1887]] in [[Wien]]; † [[31. Oktober]] [[1966]] in [[St. Johann im Pongau]]), war Hoch- und Tiefbauingenieur und Erbauer der [[Großglockner Hochalpenstraße]] sowie der [[Gerlos Alpenstraße]].
    
==Leben==
 
==Leben==
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Zurück nach Kriegsende meldete er sich freiwillig zum Kärntner Abwehrkampf, in dem er eine Gebirgsjägerbatterie gegen jugoslawische Einheiten befehligte. Schließlich trat er dann aber wieder im Kärntner Landesbauamt seinen Dienst an. Kleinere Kraftwerksbauten, Flussregulierungen, Seilbahnprojekte und Straßenbauten zählten zu seinem Aufgabengebiet. [[1924]] erhielt er die Berechtigung eines ''behördlich autorisierten Zivilingenieurs für das Bauwesen und eines Zivilgeometers''.  
 
Zurück nach Kriegsende meldete er sich freiwillig zum Kärntner Abwehrkampf, in dem er eine Gebirgsjägerbatterie gegen jugoslawische Einheiten befehligte. Schließlich trat er dann aber wieder im Kärntner Landesbauamt seinen Dienst an. Kleinere Kraftwerksbauten, Flussregulierungen, Seilbahnprojekte und Straßenbauten zählten zu seinem Aufgabengebiet. [[1924]] erhielt er die Berechtigung eines ''behördlich autorisierten Zivilingenieurs für das Bauwesen und eines Zivilgeometers''.  
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Als das Projekt ''Großglockner Hochalpenstraße'' [[1924]] in die Tat umgesetzt werden sollte - es war ja schon bei der [[Amtshandlung in Mittersill]] [[1922]] beschlossen worden - wurde man auf Dipl.-Ing. Wallack aufmerksam. Und so wurde er am [[25. Juni]] 1924 in [[Zell am See]] vor der ersten Trassenbegehung dem [[Großglockner Hochalpenstraßen AG|Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße]] als leitender Techniker vorgestellt. Nach der abendlichen Sitzung des Ausschusses am [[28. Juni]] wurde er mit dem Projekt offiziell betraut und erhielt das geforderte Honorar zugesprochen: etwa sechs Monatsgehälter eines Hofrates, aber immer noch die Hälfte dessen, womit der Ausschuss gerechnet hatte!
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Als das Projekt ''Großglockner Hochalpenstraße'' [[1924]] in die Tat umgesetzt werden sollte - es war ja schon bei der [[Amtshandlung in Mittersill]] [[1922]] beschlossen worden - wurde man auf Dipl.-Ing. Wallack aufmerksam. Und so wurde er am [[25. Juni]] 1924 in [[Zell am See]] vor der ersten Trassenbegehung dem [[Großglockner Hochalpenstraßen AG|Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße]] als leitender Techniker vorgestellt. Nach der abendlichen Sitzung des Ausschusses am [[28. Juni]] wurde er mit dem Projekt offiziell betraut und erhielt das geforderte Honorar zugesprochen: etwa sechs Monatsgehälter eines Hofrates, aber immer noch die Hälfte dessen, womit der Ausschuss gerechnet hatte!
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Wallack übersiedelte nach [[Bruck an der Glocknerstraße]]. Im Sommer [[1925]] unternahm Wallack auf eigene Kosten eine Reise, allerdings mit finanzieller Unterstützung der Länder Salzburg und Kärnten, über alle wichtigen Passstraßen Europas. In fünf Wochen besuchte er 43 Passstraßen und untersuchte deren Straßenbeläge, Lawinenverbauungen und anderes, um Informationen für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße zu sammeln.
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Wallack übersiedelte nach [[Bruck an der Glocknerstraße]]. Im Sommer [[1925]] unternahm Wallack auf eigene Kosten eine Reise, allerdings mit finanzieller Unterstützung der Länder [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Salzburg]] und [[Kärnten]], über alle wichtigen Passstraßen Europas. In fünf Wochen besuchte er 43 Passstraßen und untersuchte deren Straßenbeläge, Lawinenverbauungen und anderes, um Informationen für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße zu sammeln.
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Es folgten dann noch fünf Jahre der Planung, vor allem der Finanzierung und schließlich innerhalb von fünf Jahren 26 Monate Bauzeit, echte Arbeit an der Straße. In einem eigenen Artikel wird der [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]] behandelt, die Wallack mit dem Salzburger [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] jahrelang führen musste.
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Es folgten dann noch fünf Jahre der Planung, vor allem der Finanzierung und schließlich innerhalb von fünf Jahren - 26 Monate Bauzeit - echte Arbeit an der Straße. In einem eigenen Artikel wird der [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]] behandelt, die Wallack mit dem Salzburger [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] jahrelang führen musste.
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Wallacks technische Leistung, diese erste moderne Gebirgsstraße zu bauen, zählt längst zu den bedeutendsten historischen Ereignissen des [[20. Jahrhundert]]s. Am [[3. Juli]] [[1935]] erfolgte nach nur fünfjähriger Bauzeit (in den Sommermonaten) die Eröffnung dieser Nord-Süd-Verbindung über die [[Zentralalpen]]. Im selben Jahr wurde ihm der Titel ''Hofrat'' verliehen.  
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Wallacks technische Leistung, diese erste moderne Gebirgsstraße zu bauen, zählt längst zu den bedeutendsten historischen Ereignissen des [[20. Jahrhundert]]s. Am [[3. August]] [[1935]] erfolgte nach nur fünfjähriger Bauzeit (in den Sommermonaten) die Eröffnung dieser Nord-Süd-Verbindung über die [[Zentralalpen]]. Im selben Jahr wurde ihm der Titel ''Hofrat'' verliehen.  
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Von 1939 bis 1945 war er Leiter einer Schneeforschungsstelle und Mitglied des [[Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen]] Kraftfahrerkorps (NSKK).  Seine beiden Aufnahmeanträge in die NSDAP 1940 und 1941 wurden abgelehnt. 1945 erfolgte eine staatspolitische Registrierung als Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation, die erst 1947 wieder gelöscht wurde.
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Von 1939 bis 1945 war er Leiter einer Schneeforschungsstelle und Mitglied des [[Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen]] Kraftfahrerkorps (NSKK).  Seine beiden Aufnahmeanträge in die NSDAP 1940 und 1941 wurden abgelehnt. 1945 erfolgte eine staatspolitische Registrierung als Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation, die erst 1947 wieder gelöscht wurde.
    
1946 erfolgte die Ernennung zum "''wirklichen Hofrat''" im Personalstand der Kärntner Landesregierung.
 
1946 erfolgte die Ernennung zum "''wirklichen Hofrat''" im Personalstand der Kärntner Landesregierung.
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Wallack war aber nicht nur ein hervorragender Straßenbauer, sondern er liebte auch die Natur. Er trassierte die Straße so, dass sie sich harmonisch in die Landschaft schmiegt und der Natur möglichst keine Gewalt antut.  
 
Wallack war aber nicht nur ein hervorragender Straßenbauer, sondern er liebte auch die Natur. Er trassierte die Straße so, dass sie sich harmonisch in die Landschaft schmiegt und der Natur möglichst keine Gewalt antut.  
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Bis zur Fertigstellung seines Lebenswerkes überquerte Wallack über 260 Mal zu Fuß den [[Alpenhauptkamm]] und legte dabei geschätzte 15 000 Kilometer zurück. Noch mit 73 Jahren leitete Wallack den Neubau der [[Gerlos Alpenstraße]]. Franz Wallack war bis zu seinem Tode auch der erste Vorstand und [[Generaldirektor der Großglockner Hochalpenstraßen AG|Generaldirektor]]  der [[Großglockner Hochalpenstraßen AG]].
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Bis zur Fertigstellung seines Lebenswerkes überquerte Wallack über 260 Mal zu Fuß den [[Alpenhauptkamm]] und legte dabei geschätzte 15 000 Kilometer zurück. Noch mit 73 Jahren leitete Wallack den Neubau der [[Gerlos Alpenstraße]]. Franz Wallack war bis zu seinem Tode auch der erste Vorstand und [[Generaldirektor der Großglockner Hochalpenstraßen AG|Generaldirektor]]  der [[Großglockner Hochalpenstraßen AG]] (GROHAG).
    
[[1952]] konstruierte er die [[Wallack-Rotations-Schneefräse]] für die [[Schneeräumung Großglockner Hochalpenstraße|Schneeräumung]] der Großglockner Hochalpenstraße, die erstmals [[1953]] zum Einsatz kam.
 
[[1952]] konstruierte er die [[Wallack-Rotations-Schneefräse]] für die [[Schneeräumung Großglockner Hochalpenstraße|Schneeräumung]] der Großglockner Hochalpenstraße, die erstmals [[1953]] zum Einsatz kam.
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Hofrat Wallack verstarb im 80. Lebensjahr am 31. Oktober 1966 und wurde am [[7. November]] 1966 in einem Ehrengrab der Stadtgemeinde Salzburg am [[Kommunalfriedhof]] begraben.  
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Hofrat Wallack verstarb im 80. Lebensjahr am 31. Oktober 1966 und wurde am [[7. November]] 1966 in einem Ehrengrab der [[Stadtgemeinde Salzburg]] am [[Kommunalfriedhof]] begraben.  
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=== Wallack persönlich ===
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Zeitzeugen wie Kurt Schwaiger, der als 22-Jähriger zur GROHAG kam und bis zum Tod von Franz Wallack eng mit ihm zusammenarbeitete, beschrieb ihn anlässlich seines 50. Todestages 2016 "''Der Hofrat Wallack war sehr militärisch, barsch, energisch, tatkräftig, bestimmend und hart mit seinen Mitarbeitern, aber auch hart zu sich selbst. Dabei war er aber auch ein gläubiger und humorvoller Mensch''".<ref name="GP">Zitat Quelle [[Großglockner Panorama]], Ausgabe 2/2016</ref>.
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Man erzählte sich, dass es sich Hofrat Wallack zur Gewohnheit machte, seine Rückkehr vom Glockner nach Bruck an der Großglocknerstraße vom Mautner in [[Ferleiten]] ankündigen zu lassen. In Bruck lebte er mit seiner Frau Josefine, der Schwiegermutter und einer Nichte. Mit diesem Telefonanruf wusste die Familie, was zu tun ist: Die Fahne wurde gehisst, das Einfahrtstor geöffnet und sie nahmen vor dem Haus Aufstellung. Durch dieses Spalier seiner Familienmitglieder kehrte Wallack vom Arbeitstag nach Hause.
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Sein Auto war ein BMW Sportcabrio 327/28. Ein weiteres "Markenzeichen" des Ingenieurs war seine ''Glocknerkleidung'': ein heller, leicht gemusterter Anzug mit Kniehose und orangefarbener Strickkrawatte. Halbschuhe, Pullmannmütze und Trenchcoat trug er bei Betriebsabenden ebenso wie bei den alljährlichen Schneeräumungen der Großglockner Hochalpenstraße. Als passionierter Schlittschuhläufer ließ er sogar mehrmals auf der [[Fuscher Lacke]] und in [[Heiligenblut]] einen Eislaufplatz errichten und lehrte einheimischen Kinder das Eislaufen.
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Während der Bauzeit der Glocknerstraße kehrte er von Heiligenblut nach [[Fusch an der Großglocknerstraße]] zu Fuß zurück, wenn ihm kein Fahrzeug zur Verfügung stand. Vom [[Glocknerhaus]] bis nach Ferleiten benötigte er dazu - nach eigenen Angaben - unglaubliche drei Stunden und zwanzig Minuten. Wollten andere Personen mit ihm gehen, hängte er diese durch seinen forschen Gang stets ab. Daher hat man ihm einst geraten, sich ein Schild umzuhängen, auf dem geschrieben stehen sollte "''Warnung! Alleingeher! Nachlaufen gefährlich und aussichtslos!''" Sein plötzliches Auftauchen über den Berg bei den verstreut liegenden Straßenbaustellen war gefürchtet und die Arbeiter entwickelten dafür ein eigenes Pfeifwarnsystem.
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Eine weitere Leidenschaft von ihm war das Komponieren. Von 1942 bis 1943 schuf er einen Zyklus von acht "[[Hochtor]]-Liedern".
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Mitarbeitern, die er besonders mochte, gab er einen Spitznamen. Er selbst erhielt den Spitznamen "Eisbändiger" (wie noch heute eine im Einsatz befindliche Wallack-Rotations-Schneefräse genannt wird). Ein markanter Fels im Bereich der [[Hexenküche]] an der Großglockner Hochalpenstraße erhielt den Namen "Hexenzahn" und, wohl mit Respekt gedacht, den Namen "Der Keppelzahn vom Hofrat".<ref name="GP"></ref>
    
=== Gesellschaftliches ===
 
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[[Kategorie:Zuagroaste]]
 
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