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| | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 01.jpg|thumb|von links: [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] Dipl.-Ing. [[Adolf Rieger|Adi Rieger]], [[Landesrat|Landesrätin]] Mag.<sup>a</sup> [[Martina Berthold]], Mag. [[Michael Weese]] ([[Museum in der Fronfeste|Museum Fronfeste]]), [[Ingrid Weydemann]] MAS (Museumsleiterin), Dr. [[Brigitta Pallauf]] ([[Landtagspräsident]]in) und Dr. [[Ulrich Sinnißbichler]] (Obmann [[Museumsverein Neumarkt am Wallersee|Museumsverein Fronfeste]])]] | | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 01.jpg|thumb|von links: [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] Dipl.-Ing. [[Adolf Rieger|Adi Rieger]], [[Landesrat|Landesrätin]] Mag.<sup>a</sup> [[Martina Berthold]], Mag. [[Michael Weese]] ([[Museum in der Fronfeste|Museum Fronfeste]]), [[Ingrid Weydemann]] MAS (Museumsleiterin), Dr. [[Brigitta Pallauf]] ([[Landtagspräsident]]in) und Dr. [[Ulrich Sinnißbichler]] (Obmann [[Museumsverein Neumarkt am Wallersee|Museumsverein Fronfeste]])]] |
| − | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 02.jpg|thumb| von links: [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] Dipl.-Ing. [[Adolf Rieger|Adi Rieger]], Mag. [[Michael Weese]] ([[Museum in der Fronfeste|Museum Fronfeste]]), [[Landesrat|Landesrätin]] Mag.<sup>a</sup> [[Martina Berhold]], [[Ingrid Weydemann]] MAS (Museumsleiterin), Dr. [[Brigitta Pallauf]] ([[Landtagspräsident]]in) und Dr. [[Ulrich Sinnißbichler]] (Obmann [[Museumsverein Neumarkt am Wallersee|Museumsverein Fronfeste]])]] | + | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 02.jpg|thumb| von links: [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] Dipl.-Ing. [[Adolf Rieger|Adi Rieger]], Mag. [[Michael Weese]] ([[Museum in der Fronfeste|Museum Fronfeste]]), [[Landesrat|Landesrätin]] Mag.<sup>a</sup> [[Martina Berthold]], [[Ingrid Weydemann]] MAS (Museumsleiterin), Dr. [[Brigitta Pallauf]] ([[Landtagspräsident]]in) und Dr. [[Ulrich Sinnißbichler]] (Obmann [[Museumsverein Neumarkt am Wallersee|Museumsverein Fronfeste]])]] |
| | [[Datei:Weese Michael.jpg|thumb|Mag. [[Michael Weese]]]] | | [[Datei:Weese Michael.jpg|thumb|Mag. [[Michael Weese]]]] |
| | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 03.jpg|thumb|Mag. [[Michael Weese]] und [[Ingrid Weydemann]] MAS vor der Vitrine mit dem [[Rupertus Kreuz]]]] | | [[Datei:Von hier und dort Ausstellungseröffnung Neumarkt am Wallersee 03.jpg|thumb|Mag. [[Michael Weese]] und [[Ingrid Weydemann]] MAS vor der Vitrine mit dem [[Rupertus Kreuz]]]] |
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| | ''Warum zeigt das Museum Fronfeste aus Anlass der [[Bischof Kaiser Jedermann|Salzburger Landesausstellung 20.16]] eine große Sonderausstellung mit dem Titel „Von Hier. Und Dort. Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land“? '' | | ''Warum zeigt das Museum Fronfeste aus Anlass der [[Bischof Kaiser Jedermann|Salzburger Landesausstellung 20.16]] eine große Sonderausstellung mit dem Titel „Von Hier. Und Dort. Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land“? '' |
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| − | Unterschiedliche Formen von Migration waren und sind keine Besonderheiten in diesem Land. Sie konnten im Lauf der Geschichte in Form von Ein- und Auswanderung, als Flucht und Vertreibung erfolgen, sie konnten in Form von grenzüberschreitender Migration oder als Arbeits- und Binnenmigration, z. B. als Stadt- oder Landflucht geschehen. Vergessen wir nicht: Im Jahr [[1816]] – also vor jenen 200 Jahren, in denen Salzburg an [[Österreich]] gefallen ist - waren hier im schönen, malerischen Salzburger [[Alpenvorland]] alte, ausgediente Menschen oft zur unfreiwilligen Wanderschaft gezwungen - sie zogen als [[Einleger]] von einem Hof zum anderen. Jüngere blieben als wandernde [[Dienstboten]] oft ihr Leben lang besitzlose Knechte und Mägde, und besonders die weiblichen Dienstboten hatten damals unter der Rechtlosigkeit ihres Standes zu leiden. Zumeist wurden ihre Kinder ausgestiftet und schon im Kindesalter als billige Arbeitskräfte von ihren Müttern weg zu Bauern in den Dienst geschickt. 200 Jahre später sind nun so viele Kinder, jüngere und ältere Menschen unterwegs wie noch nie. Und noch nie wurden diese Bewegungen so stark thematisiert und problematisiert. '' | + | ''Unterschiedliche Formen von Migration waren und sind keine Besonderheiten in diesem Land. Sie konnten im Lauf der Geschichte in Form von Ein- und Auswanderung, als Flucht und Vertreibung erfolgen, sie konnten in Form von grenzüberschreitender Migration oder als Arbeits- und Binnenmigration, z. B. als Stadt- oder Landflucht geschehen. Vergessen wir nicht: Im Jahr [[1816]] – also vor jenen 200 Jahren, in denen Salzburg an [[Österreich]] gefallen ist - waren hier im schönen, malerischen Salzburger [[Alpenvorland]] alte, ausgediente Menschen oft zur unfreiwilligen Wanderschaft gezwungen - sie zogen als [[Einleger]] von einem Hof zum anderen. Jüngere blieben als wandernde [[Dienstboten]] oft ihr Leben lang besitzlose Knechte und Mägde, und besonders die weiblichen Dienstboten hatten damals unter der Rechtlosigkeit ihres Standes zu leiden. Zumeist wurden ihre Kinder ausgestiftet und schon im Kindesalter als billige Arbeitskräfte von ihren Müttern weg zu Bauern in den Dienst geschickt. 200 Jahre später sind nun so viele Kinder, jüngere und ältere Menschen unterwegs wie noch nie. Und noch nie wurden diese Bewegungen so stark thematisiert und problematisiert. '' |
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| | ''Wir erleben derzeit, wie sich am Thema Migration unsere Gesellschaft polarisiert und zwei Sorten von Antworten zu geben versucht: Folgern die einen, dass der Mensch seit seiner Vertreibung aus dem Paradies – übrigens ein altiranisches Wort und Bild, das selbst weiter gewandert ist und erst sehr viel später von der Bibel übernommen wurde – ständig in Bewegung ist und dass Migration nicht der Ausnahmezustand sondern der Normalfall des Menschen ist, kommen andere zum Schluss, dass Wanderungsbewegungen durch staatliche oder bauliche Maßnahmen zu steuern oder weitestgehend zu unterbinden sind. Migration gerät heute zunehmend unter negativen Vorzeichen auf die Titelblätter auflagenstarker Tageszeitungen. Sie wird dann zuallererst als Problemfeld wahrgenommen, auf dem über Obergrenzen und über die Ausweitung der Grenzkontrollen berichtet, auf dem über ein Zuviel des Guten oder ein Zuwenig des Getanen debattiert, über Unterwanderung und Übergriffe, über Parallelgesellschaften und Grundwerte gestritten wird. Begleitet werden diese Debatten von der Bedeutungszunahme der politisierten und ethnisierten Kategorie der Heimat – gerade der Bundespräsidentenwahlkampf hat dies zuletzt mehr als deutlich gezeigt.'' | | ''Wir erleben derzeit, wie sich am Thema Migration unsere Gesellschaft polarisiert und zwei Sorten von Antworten zu geben versucht: Folgern die einen, dass der Mensch seit seiner Vertreibung aus dem Paradies – übrigens ein altiranisches Wort und Bild, das selbst weiter gewandert ist und erst sehr viel später von der Bibel übernommen wurde – ständig in Bewegung ist und dass Migration nicht der Ausnahmezustand sondern der Normalfall des Menschen ist, kommen andere zum Schluss, dass Wanderungsbewegungen durch staatliche oder bauliche Maßnahmen zu steuern oder weitestgehend zu unterbinden sind. Migration gerät heute zunehmend unter negativen Vorzeichen auf die Titelblätter auflagenstarker Tageszeitungen. Sie wird dann zuallererst als Problemfeld wahrgenommen, auf dem über Obergrenzen und über die Ausweitung der Grenzkontrollen berichtet, auf dem über ein Zuviel des Guten oder ein Zuwenig des Getanen debattiert, über Unterwanderung und Übergriffe, über Parallelgesellschaften und Grundwerte gestritten wird. Begleitet werden diese Debatten von der Bedeutungszunahme der politisierten und ethnisierten Kategorie der Heimat – gerade der Bundespräsidentenwahlkampf hat dies zuletzt mehr als deutlich gezeigt.'' |
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| | ''Auch die Idee des Asyls kennen wir bereits aus der Antike. Ein "Asylon" galt dort als heiliger Bereich, von dem Schutzsuchende nicht mit Gewalt entfernt werden durften. Und dieses Asylon der griechischen und römischen Heiligtümer ging später in abgewandelter Form in das kirchliche Asylrecht über. Nur wenige wissen heute um die Schutz-Symbolik, die sich noch im Eingangsbereich vieler unserer Kirchen wiederfindet. So findet sich etwa über dem Eingang der Kirche [[St. Leonhard in Mühlberg|St. Leonhard]] in [[Mühlberg (Eugendorf)|Mühlberg]] in [[Seekirchen am Wallersee|Seekirchen]] und am Portal der [[Franziskanerkirche]] die Schwurhand als heute noch sichtbares Zeichen von Kirchenasyl.'' | | ''Auch die Idee des Asyls kennen wir bereits aus der Antike. Ein "Asylon" galt dort als heiliger Bereich, von dem Schutzsuchende nicht mit Gewalt entfernt werden durften. Und dieses Asylon der griechischen und römischen Heiligtümer ging später in abgewandelter Form in das kirchliche Asylrecht über. Nur wenige wissen heute um die Schutz-Symbolik, die sich noch im Eingangsbereich vieler unserer Kirchen wiederfindet. So findet sich etwa über dem Eingang der Kirche [[St. Leonhard in Mühlberg|St. Leonhard]] in [[Mühlberg (Eugendorf)|Mühlberg]] in [[Seekirchen am Wallersee|Seekirchen]] und am Portal der [[Franziskanerkirche]] die Schwurhand als heute noch sichtbares Zeichen von Kirchenasyl.'' |
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| − | ''Apropos Kirche: Unter den ehemaligen Bischöfen und [[Erzbischöfe]]n, die in Salzburg die politische und kirchliche Macht innehatten und die großen Einfluss auch auf Neumarkt ausübten, befanden sich viele Zuwanderer: Bereits der erste Bischof Salzburgs, der [[Rupert von Worms|heilige Rupert]], stammt nicht aus Salzburg, sondern aus dem fränkischen Worms. Auch der wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen als „Vater des Landes Salzburg“ bezeichnete [[Eberhard II. von Regensberg]], hat auswärtige Wurzeln. Er stammt aus dem Kanton Zürich in der [[Schweiz]]. Durch ihn wird im Jahr [[1240]] auch Neumarkt an der Nordgrenze des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums]] gegründet. Ein weiterer bedeutender Salzburger Erzbischof, [[Paris Graf von Lodron]], entstammt dem [[Trentino]] im Norden Italiens. Auch [[Paris Lodron]] hinterlässt in Neumarkt seine Spuren - in seiner Amtszeit erweitert Dombaumeister [[Santino Solari]] den [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] und errichtet das [[Schanzhäusl]]. [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach]] entstammt einem Adelsgeschlecht, das zur Mitte des [[15. Jahrhundert]]s aus Franken in die [[Steiermark]] eingewandert war, und der letzte Fürsterzbischof Salzburgs stammt eigentlich aus Wien - [[Hieronymus Graf von Colloredo]]. Diesen Zuwanderern im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht hat die Historikerin [[Sabine Veits-Falk]] im selben Ausstellungsraum die Belege von Binnenmigration im [[19. Jahrhundert]] gegenübergestellt – Armutszeugnisse, Arbeits- und Wanderbücher der umherziehenden Knechte und Dienstboten. Die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufstieg erfüllten sich für die wenigsten von ihnen.'' | + | ''Apropos Kirche: Unter den ehemaligen Bischöfen und [[Erzbischöfe]]n, die in Salzburg die politische und kirchliche Macht innehatten und die großen Einfluss auch auf Neumarkt ausübten, befanden sich viele Zuwanderer: Bereits der erste Bischof Salzburgs, der [[Rupert von Worms|heilige Rupert]], stammt nicht aus Salzburg, sondern aus dem fränkischen Worms. Auch der wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen als „Vater des Landes Salzburg“ bezeichnete [[Eberhard II. von Regensberg]], hat auswärtige Wurzeln. Er stammt aus dem Kanton Zürich in der [[Schweiz]]. Durch ihn wird im Jahr [[1240]] auch Neumarkt an der Nordgrenze des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums]] gegründet. Ein weiterer bedeutender Salzburger Erzbischof, [[Paris Graf von Lodron]], entstammt dem [[Trentino]] im Norden Italiens. Auch [[Paris Lodron]] hinterlässt in Neumarkt seine Spuren - in seiner Amtszeit erweitert Dombaumeister [[Santino Solari]] den [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] und errichtet das [[Schanzhäusl]]. [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach]] entstammt einem Adelsgeschlecht, das zur Mitte des [[15. Jahrhundert]]s aus Franken in die [[Steiermark]] eingewandert war, und der letzte Fürsterzbischof Salzburgs stammt eigentlich aus Wien - [[Hieronymus Graf Colloredo|Hieronymus Graf von Colloredo]]. Diesen Zuwanderern im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht hat die Historikerin [[Sabine Veits-Falk]] im selben Ausstellungsraum die Belege von Binnenmigration im [[19. Jahrhundert]] gegenübergestellt – Armutszeugnisse, Arbeits- und Wanderbücher der umherziehenden Knechte und Dienstboten. Die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufstieg erfüllten sich für die wenigsten von ihnen.'' |
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| | ''Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis wird von [[Hemma Ebner]] anhand der Kriegserlebnisse – [[Erster Weltkrieg]] - des aus [[Thalham]] stammenden [[Johann Sinnhuber]] rekonstruiert, und [[Siegfried Goellner]] thematisiert die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den [[1930er]] und [[1940er|40er]] Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren. | | ''Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis wird von [[Hemma Ebner]] anhand der Kriegserlebnisse – [[Erster Weltkrieg]] - des aus [[Thalham]] stammenden [[Johann Sinnhuber]] rekonstruiert, und [[Siegfried Goellner]] thematisiert die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den [[1930er]] und [[1940er|40er]] Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren. |
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