| Zeile 29: |
Zeile 29: |
| | === 2. Etappe: Vom Knappenbäuelsee über das Ödenkar zur Bergstation und zum Gipfel === | | === 2. Etappe: Vom Knappenbäuelsee über das Ödenkar zur Bergstation und zum Gipfel === |
| | | | |
| − | Der Weg wendet sich nun nach (Nord-)Osten hinauf, zum Teil der Trasse des Schlepplifts folgend. Nach ordentlichem Anstieg, aber noch unterhalb der Bergstation des Schlepplifts, lohnt sich ein Blick auf die Gegend, die sich von hier nach Norden hinüber zu den Wänden des [[Salesenkgogel]]s erstreckt. Ins Auge stechen hier mehrere mächtige, bis ca. 0,5 m "dicke" Quarzadern (siehe Bild), deren Besonderheit darin besteht, dass sie sich isoliert bis zu ca. einem Meter vom Muttergestein freistehend abheben. Es sind die hier typischen "Neunerklüfte", so genannt, da sie ziemlich genau nach Osten, also nach "Stund neun", ihr "Streichen" haben. Ihr "Fallen" liegt annähernd bei 0°, das heißt, sie gehen senkrecht in die Tiefe. Wenn man sich die Entstehung dieser Gänge vorstellen will, so muss man sich in geologische Zeiträume von zigtausend Jahren zurück versetzen. Jahrtausende hindurch erodierten Frost, Wasser und Sturmwind das im Vergleich zum [[Quarz]] viel weichere Muttergestein (geschieferter Siglitzgneis) weg, und die senkrechte Außenfläche rückte Milimeter um Millimeter nach hinten, sodass der harte Quarz gewissermaßen immer weiter "herauszuwachsen" begann: Ein potentielles Musterbeispiel für ein Lehrbuch der Geomorphologie! | + | Der Weg wendet sich nun nach (Nord-)Osten hinauf, zum Teil der Trasse des Schlepplifts folgend. Nach ordentlichem Anstieg, aber noch unterhalb der Bergstation des Schlepplifts, lohnt sich ein Blick auf die Gegend, die sich von hier nach Norden hinüber zu den Wänden des [[Salesenkgogel]]s erstreckt. Ins Auge stechen hier mehrere mächtige, bis ca. 0,5 m "dicke" Quarzadern (siehe Bild), deren Besonderheit darin besteht, dass sie sich isoliert bis zu ca. einem Meter vom Muttergestein freistehend abheben. Es sind die hier typischen "Neunerklüfte", so genannt, da sie ziemlich genau nach Osten, also nach "Stund neun", ihr "Streichen" haben. Ihr "Fallen" liegt annähernd bei 0°, das heißt, sie gehen senkrecht in die Tiefe. Dazu noch eine sprachlich-sachliche Bemerkung: Wenn die alten Bergleute von "Kluft" sprechen, meinen sie im Normalfall immer "gefüllte Kluft", wobei die Füllung Quarz oder auch Erz sein kann. Der Ausdruck "Erzader" oder "Quarzgang" ist ebenfalls etwas irreführend, denn es handelt sich immer um "Blätter" von riesigen Dimensionen, sowohl in der senkrechten als auch in der horizontalen Erstreckung. Bei Erzgängen hat man es manchmal mit Kilometern zu tun. |
| | | | |
| − | An die Wände des Salesenkogels sollte man, vom Dr. Fritz Gruber Weg etwas abweichend, sich nur mit allergrößter Vorsicht nähern, denn es besteht Steinschlaggefahr, besonders, wenn sich im Gipfelbereich Schafe aufhalten. Hier kommen etliche Pflanzen vor, etwa das [[Edelweiß]], die auf den darunter liegenden Weideflächen fehlen. Aber es gibt hier auch etliche "normale" Blütenpflanzen, zum Beispiel die Berg-Ringdistel, die man an den nach unten führenden Hang- und Weiderasenbereichen über rund 500 Höhenmeter nie antrifft! Die Weideflächen wurden ursprünglich von [[Gletscher]]n abgeschliffen ([[Denudation]]) und mussten sich nach deren Rückzug mühsam, quasi zehntelmillimeterweise neue Erde aufbauen. Hingegen ist der ganze Gipfelbereich des Salesenkogels, der wegen seiner Höhe nie von einem Gletscher überdeckt wurde, ein ehemaliger Nunatak. Das Wort stammt übrigens aus dem Eskimoischen. Die wohl Millionen von Jahren alte Erde in den Ritzen und Spalten der Felsen und deren Südexposition bietet - seit Jahrtausenden ununterbrochen! - vielen seltenen und "normalen" Pflanzen eine ideale "Wohnung", wie die frühen Botaniker sagten. Aber wer heute gefahrlos die Pracht der alpinen bis nivalen Alpenpflanzen genießen will, kann das ganz oben am Gipfel tun, der ja ebenfalls ein ehemaliger Nunatak ist, damals umflossen vom Weißenbachtalgletscher und dem Hörkargletscher. | + | Wenn man sich die Entstehung dieser an der Oberfläche herausragenden Gänge bzw. "Blätter" vorstellen will, so muss man sich in geologische Zeiträume von zigtausend Jahren zurück versetzen. Jahrtausende hindurch erodierten (denudierten) Frost, Wasser und Sturmwind das im Vergleich zum [[Quarz]] viel weichere Muttergestein (geschieferter Siglitzgneis) weg, und die senkrechte Außenfläche rückte Milimeter um Millimeter nach hinten, sodass der harte Quarz gewissermaßen immer weiter "herauszuwachsen" begann: Ein potentielles Musterbeispiel für ein Lehrbuch der Geomorphologie! Die so gut wie immer milchigen "Neunerklüfte", die selbst nicht erzhältig sind, spielten trotzdem im historischen Bergbau eine Rolle. Sehr oft dienten sie sozusagen als Zugang zu den eigentlichen Erzgängen, die hier immer im Bergesinneren NNO nach SSW verlaufen. Die zwei Gelände-"Rinnen", die vom Salesenkogel steil nach unten ziehen, markieren geiwssermaßen das Ausbeißen des Radhausberger Hauptgangs bzw. des östlichen Hangendganges. - Der "Neunerkluft"-Zugang erfolgte immer an der "weichen", weil nicht immer ganz dichten Kontaktzone zwischen dem Quarz und dem anschließenden Muttergestein. Im konkreten Fall scheint aber kein Stollen eingetrieben worden zu sein, es sei denn, das Mundloch ist total verschüttet, aber diese typische Konstellation lässt sich am Beispiel des St. Thomas Stollens (siehe unten) und wiederholt am Rauriser Goldberg gut erkennen. |
| | + | |
| | + | An die Wände des Salesenkogels sollte man, vom Dr. Fritz Gruber Weg etwas abweichend, sich nur mit allergrößter Vorsicht nähern, denn es besteht Steinschlaggefahr, besonders, wenn sich im Gipfelbereich Schafe aufhalten. Hier kommen etliche Pflanzen vor, etwa das [[Edelweiß]], die auf den darunter liegenden Weideflächen fehlen. Aber es gibt in den Felswänden auch etliche "normale" Blütenpflanzen, zum Beispiel die Berg-Ringdistel oder den Gewöhnlich-Wiesen-Klee (nicht aber den "normalen" Saat-Wiesen-Klee!), die man an den nach unten führenden Hang- und Weiderasenbereichen über rund 500 Höhenmeter nie antrifft! Die Weideflächen wurden ursprünglich von [[Gletscher]]n abgeschliffen ([[Denudation]]) und mussten sich nach deren Rückzug mühsam, quasi zehntelmillimeterweise neue Erde aufbauen. Hingegen ist der ganze Gipfelbereich des Salesenkogels, der wegen seiner Höhe nie von einem Gletscher überdeckt wurde, ein ehemaliger Nunatak. Das Wort stammt übrigens aus dem Eskimoischen. Die wohl Millionen von Jahren alte Erde in den Absätzen sowie Ritzen und Spalten der Felsen und deren Südexposition bieten - seit Jahrtausenden ununterbrochen! - vielen seltenen und "normalen" Pflanzen eine ideale "Wohnung", wie die frühen Botaniker zu sagen pflegten. Aber wer heute gefahrlos die Pracht der alpinen bis (sub-)nivalen Alpenpflanzen genießen will, kann das ganz oben am Gipfel des Kreuzkogels tun, der ja ebenfalls ein ehemaliger Nunatak ist, damals umflossen vom Weißenbachtalgletscher und dem Hörkargletscher. |
| | | | |
| | Der Name "Salesenkogel" ist [[Karantanien|karantanisch]]-altslowenischen Ursprungs und beweist, dass die hier heimischen [[Südslawen]] des [[8. Jahrhundert|8.]] bis [[10. Jahrhundert|10. nachchristlichen Jahrhunderts]] das bedeutende Erzvorkommen kannten. Zugrunde liegt dem Namen das Wort желѐзо = Eisen, Erz. Der kleinere Nebengipfel ist der [[Radhauskogel]], eine junge Namensform, abgeleitet von viel älterem "[[Radhausberg]]". Dessen Schreibung mit >th< ist unetymologisch und sollte nicht verwendet werden. | | Der Name "Salesenkogel" ist [[Karantanien|karantanisch]]-altslowenischen Ursprungs und beweist, dass die hier heimischen [[Südslawen]] des [[8. Jahrhundert|8.]] bis [[10. Jahrhundert|10. nachchristlichen Jahrhunderts]] das bedeutende Erzvorkommen kannten. Zugrunde liegt dem Namen das Wort желѐзо = Eisen, Erz. Der kleinere Nebengipfel ist der [[Radhauskogel]], eine junge Namensform, abgeleitet von viel älterem "[[Radhausberg]]". Dessen Schreibung mit >th< ist unetymologisch und sollte nicht verwendet werden. |
| | | | |
| | ==== Die Reste des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bergbaus ==== | | ==== Die Reste des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bergbaus ==== |
| − | Noch ein Stück höher als die ins Auge fallenden Quarzadern kommen wir, direkt bei der Seilbahnstütze Nr. 8, an einen Haufen mit Schlacken und Sand, etwa in der Kubatur eines Einfamilienhauses. Es sind rund 500 Jahre alte Schmiedeschlacken, die entstanden, als die bergmännischen "Bergeisen" (quasi die Meißel) im Feuer immer wieder aufs Neue gehärtet wurden. Allein aus der Menge der Schlacken kann man erahnen, wie viele Knappen in den Stollen arbeiteten - es war ein großes wirtschaftliches Unternehmen, auf dessen Habenseite immer [[Goldbergbau|Gold]] und [[Silberbergbau|Silber]] standen. Im Jahr [[1557]] waren es 830 kg Gold und 2723 kg Silber. | + | Noch ein Stück höher als die ins Auge fallenden Quarzadern kommen wir, direkt bei einer Seilbahnstütze, an einen Haufen mit Schlacken und Sand, etwa in der Kubatur eines Einfamilienhauses. Es sind rund 500 Jahre alte Schmiedeschlacken, die entstanden, als die bergmännischen "Bergeisen" (quasi die Meißel) im Feuer immer wieder nachgehärtet wurden. Allein aus der Menge der Schlacken kann man erahnen, wie viele Knappen in den Stollen arbeiteten - es war ein großes wirtschaftliches Unternehmen, auf dessen Habenseite immer [[Goldbergbau|Gold]] und [[Silberbergbau|Silber]] standen. Im Jahr [[1557]] waren es 830 kg Gold und 2723 kg Silber. |
| | | | |
| − | Unweit gegen Süden stehen noch die Reste des [[St. Thomas Berghaus]]es, insgesamt, mit Nebenanlagen, eine Fläche von knapp einem Hektar einnehmend. Von dort kann man auch einen Blick nach Süden hinunter machen in das [[Gräbmer Kar]], wo ebenfalls mehrere Stollen in Betrieb standen. Bei zwei der Stollen ist noch ein "Schneekragen" erhalten; das war ein mit Holzbalken oder Steinplatten gedeckter Laufgang zwischen dem Stolleneingang und dem Berghaus. Er ersparte im Winter das Schneeschaufeln und schützte außerdem vor [[Lawine]]n. | + | Unweit gegen Süden stehen noch die Reste des [[St. Thomas Berghaus]]es, insgesamt, mit Nebenanlagen, eine Fläche von knapp einem Hektar einnehmend. Von dort kann man auch einen Blick nach Süden hinunter machen in das [[Gräbmer Kar]], wo ebenfalls mehrere Stollen in Betrieb standen. Bei zwei der Stollen ist noch ein "Schneekragen" deutlich erhalten; das war ein mit Holzbalken oder Steinplatten gedeckter Laufgang zwischen dem Stolleneingang und dem zugehörigen Berghaus. Er ersparte im Winter das Schneeschaufeln und schützte außerdem vor [[Lawine]]n. |
| | | | |
| | ==== Der Gipfel - ein aufgeschlagenes Buch der Alpenflora ==== | | ==== Der Gipfel - ein aufgeschlagenes Buch der Alpenflora ==== |
| | | | |
| − | Das letzte Stück des Aufstiegs führt nahe an der Bergstation des Schlepplifts links (nördlich) vorbei und in großem Rechtsbogen hinauf zur Bergstation der Goldbergbahn. Hier taucht, wie schon unten bei der [[Schiedeck-Hütte]], wieder die halbkugelförmige Metallkonstuktion auf, die der renommierte Salzburger Architekt [[Gerhard Garstenauer]] vor ca. vier Jahrzehnten entworfen hat. Wir gehen aber noch ein Stückchen weiter nach Süden hinauf und erreichen endlich den Gipfel des Kreuzkogels in 2 686 m. A. Seehöhe. Es bietet sich ein gewaltiger Rundblick über die Dreitausender, vom [[Ankogel]] über [[Geiselkopf]] und [[Schareck]] zum [[Hohen Sonnblick|Sonnblick]] und [[Hocharn]]. Nach einer wohlverdienten Rast widmen wir unser Augenmerk den Pflanzen. Es gibt in dieser Höhe sogar noch eine Weide, nämlich die winzige [[Kraut-Weide]. Je nach Jahreszeit blühen die [[Zwerg-Primel]], die [[Kleb-Primel]] ("Blauer Speik"), der [[Gletscher-Hahnenfuß]], der [[Frühlings-Enzian]], der [[Alpen-Mannsschild]], verschiedene [[Steinbrech]]-Arten, die [[Kriech-Nelkenwurz]], der [[Eigentliche-Tauern-Eisenhut]] (sehr giftig!), der [[Alpen-Mauerpfeffer]] ("Fetthenne") und viele weitere. Von den Farnen ist es der Bruch-Blasenfarn, der sehr hoch steigt, bis ca. 2500 [[m ü. A.]]. Aus der Gruppe der [[Flechte]]n sind als Gipfelbereich-Beispiele zu nennen die [[Landkartenflechte]], die [[Totengerippe-Flechte]], die [[alpine Strunkflechte]]. | + | Das letzte Stück des Aufstiegs führt nahe an der Bergstation des Schlepplifts links (nördlich) vorbei und in großem Rechtsbogen hinauf zur Bergstation der Goldbergbahn. Hier taucht, wie schon unten nächst der [[Schiedeck-Hütte]], wieder die halbkugelförmige Metallkonstuktion auf, die der renommierte Salzburger Architekt [[Gerhard Garstenauer]] vor ca. vier Jahrzehnten entworfen hat. Wir gehen aber noch ein Stückchen weiter nach Süden hinauf und erreichen endlich den Gipfel des Kreuzkogels in 2 686 m. A. Seehöhe. Es bietet sich ein gewaltiger Rundblick über die Dreitausender, vom [[Ankogel]] über [[Geiselkopf]] und [[Schareck]] zum [[Hohen Sonnblick|Sonnblick]] und [[Hocharn]]. Nach einer wohlverdienten Rast widmen wir unser Augenmerk den Pflanzen. Es gibt in dieser Höhe sogar noch eine Weide, nämlich die winzige [[Kraut-Weide]. Je nach Jahreszeit blühen die [[Zwerg-Primel]], die [[Kleb-Primel]] ("Blauer Speik"), der [[Gletscher-Hahnenfuß]], der [[Frühlings-Enzian]], der [[Alpen-Mannsschild]], verschiedene [[Steinbrech]]-Arten, die [[Kriech-Nelkenwurz]], der [[Eigentliche-Tauern-Eisenhut]] (sehr giftig!), der [[Alpen-Mauerpfeffer]] ("Fetthenne") und viele weitere. Von den Farnen ist es der Bruch-Blasenfarn, der sehr hoch steigt, bis ca. 2500 [[m ü. A.]]. Aus der Gruppe der [[Flechte]]n sind als Gipfelbereich-Beispiele zu nennen die [[Landkartenflechte]], die [[Totengerippe-Flechte]] und die [[alpine Strunkflechte]]. |
| | | | |
| | Zurück bei der Bergstation-Garstenauer-Kugel haben wir für den Abstieg zwei Möglichkeiten. Entweder wie beim Heraufgehen den Weg zurück zum Parkplatz oder, für Leute mit guter Kondition, den Abstieg nach Osten zur [[Keuchenscharte]] und dann nach Norden über den [[Ing. Florentin Weg]] und die [[Haitzingalm]]-Forststraße über ca. 1 400 Höhenmeter zur Mautstelle der [[Gasteiner Alpenstraße]]. Von dort kann man in einen Bus zusteigen, der taleinwärts nach Sportgastein und zum Parkplatz fährt. | | Zurück bei der Bergstation-Garstenauer-Kugel haben wir für den Abstieg zwei Möglichkeiten. Entweder wie beim Heraufgehen den Weg zurück zum Parkplatz oder, für Leute mit guter Kondition, den Abstieg nach Osten zur [[Keuchenscharte]] und dann nach Norden über den [[Ing. Florentin Weg]] und die [[Haitzingalm]]-Forststraße über ca. 1 400 Höhenmeter zur Mautstelle der [[Gasteiner Alpenstraße]]. Von dort kann man in einen Bus zusteigen, der taleinwärts nach Sportgastein und zum Parkplatz fährt. |