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Die MONTANSIEDLUNG ALTBÖCKSTEIN
Der Name "Altböckstein" kam Ende des 19. Jahrhunderts auf. Früher hieß die nur landwirtschaftlich als Wiese genutzte Gegend einfach "Böckstein" und ist so seit 1427 bezeugt (Salzburger Landesarchiv, Lehenbuch II). Der Name hat höchstwahrscheinlich nichts mit "Böcken" (mhd. Mz. "bocca") zu tun, sondern ist ein Übersetzhungsname des nahgelegenen "die Peck" (karantanisch-altsüdslawisch: Ofen, wärmender Fels): Peck-Stein. Ein Herleitung des Wortes von (bergmännisch) "pochen" ist unrichtig.

"Montansiedlung" ist korrekt. Als im Jahr 1741 die bergmännischen Anlagen (Aufbereitung mit Pochwerken,Erzmahlsteinen, Schlämmrinnen und Amalgamations-"Quickmühlen") in der alten "Peck" (heute "Hotel Österreichische Evianquelle") im untersten Gasteiner Nassfeldtal von einer riesigen Schneelawine gänzlich zerstört wurden, entschlossen sich die montanistischen Hofräte der damaligen Regierung des Fürsterzbistums Salzburg als alleinigem Gasteiner Gewerken, die zerstörten Anlagen nicht mehr an der gleichen Stelle zu errichten, sondern in dem ca. 400 Meter weiter nördlich gelegenen Böckstein, also im Bereich des heutigen "Altböckstein". Die gesamte Anlage mit Werksgebäuden, Wohngebäuden, einem riesigen Pferdestall, einem Salzstadel (für den Salzhandel über den Tauern als Zwischenlager, heute Museum) und einem Verwaltungsgebäude wurde 1745 vom Reißbrett weg nach funktionalen Gesichtspunkten geplant und in den Folgejahren verwirklicht. Ganz Altböckstein war im Grunde genommen eine riesige montanistische Aufbereitungsanlage mit diversen Detailbereichen, aber ohne Schmelzhütte. Es ist der früheste Fall eines geplanten und verwirklichten industrie-archäologischen Gesamtensembles in den Ostalpen.

Bei den Neubauten achtete man darauf, die damals modernsten technischen Innovationen zu verwenden und baute nach dem Vorbild von bereits laufenden Machinen in der Teichel bei Obervellach in Oberkärnten (Werksspionage!) die neuen "Stoßherde auf ungarische Art". Alles bewährte sich hervorragend, sodass Bergwerksverwalter Johann Conrad Hagger nach Salzburg berichten konnte, dass sich die Produktivität um satte 100% (!) verbessert habe, dass aber auch 43 Arbeiter entlassen und durch die Arbeit von Maschinen ersetzt wurden. Als Antriebskraft diente Wasser, das man in mächtigen Holzgerinnen aus dem Nassfeldbach, von der "Wasserfallklamm", heranführte und mit Wasserrädern bestückte.

Auf Anregung von Dr. Fritz Gruber (Tauerngold-Tagung der Geschichtsausschüsse des BVÖ und des DMG in Bad Gastein vom 18.-10. August 1976) gründete sich ein Arbeitskreis aus Leobner Experten, dem die Unterschutzstellung des gesamten industrie-archäologisch höchst wertvollen Gebäudeensembles gelang. Der Unterschutzstellungs-Bescheid wurde am 31. Jänner 1978 vom östereichischen Bundesdenkmalamt erlassen, Zl. 504/78, mit ausführlicher Begründung.

Heute sind in Altböckstein zwei Gebäude musealen Zwecken gewidmet und somit dem Besucherpublikum aus nah und fern frei zugänglich. Der Betreiber der Museen ist der "Montanverein Altböckstein" unter der Leitung von Dr. Roland Krenn und Michael Hemm, welch Letzterer vor Ort die führende Kraft ist. Wie schon in der erzbischöflichen Zeit wiederholt Besucher aus den Bergbaugebieten Sachsens nach Altböckstein kamen und die Anlagen bewunderten, so kommen heute tausende Besucher aus Östereich und den Nachbarstaaten. Autobus-Zufahrt ist möglich.

Quellen:
Dr. Fritz Gruber: ''Altböckstein und die jüngere Geschichte der Tauerngoldproduktion'' (Böcksteiner Montana, Bd.1), Leoben 1979, zweite erweiterte Auflage Böckstein 2003.
Imhof Karl: ''500 Jahre Gastein und sein Goldbergbau'', in: Festschrift zur 500-Jahr-Feier des Welt-Kurorts, Bad Gastein 1936.
Ferdinand Scheminzky: ''Der Thermalstollen von Bad Gastein-Böckstein, seine Geschichte, Erforschung und Heilkraft, Innsbruck 1963.
H. Wehdorn: ''Montandenkmal Böckstein. Denkmalwerte und Möglichkeiten einer Revitalisierung, in: Der Anschnitt 29, Bochum 1977.
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