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| | Die Hagenauer waren zwar mit mächtigen Adelsfamilien versippt, allerdings begann schon im [[13. Jahrhundert]] ihr Abstieg. Bedingt wurde dies durch Veränderungen der sozialen Strukturen, durch den Niedergang des Hochstiftes Freising als Landesherrschaft sowie durch den Aufstieg der [[Wittelsbacher]]. Der Edle Ludwig von Hagenau hatte einen gerichtlichen Streit mit dem Kloster Reichersberg über die Erblichkeit der Klostervogtei. Schließlich kamen noch massive Konflikte mit dem bayrischen Herzog Otto II. (aus dem Geschlecht der Wittelsbacher) und dem Passauer Hochstift hinzu. Sämtliche Lehen und Besitzungen des in Bayern, Salzburg, Ober- und Niederösterreich sehr begüterten Edlen Ludowicus von Hagenau (letzte Erwähnung [[1239]]) wurden nach seinem Tod vom bayrischen Herzog (unrechtmäßig) eingezogen. Mitte des 13. Jahrhunderts scheint die Braunauer Linie, welche die wohlhabendste aller Linien gewesen war, mit den beiden Söhnen des Edlen Ludowicus von Hagenau erloschen zu sein. Diese beiden Söhne werden zumindest nach der Einziehung der Güter in keinen Urkunden mehr erwähnt. Einige Historiker vertreten jedoch die Meinung, dass diese oberösterreichische Linie bereits Mitte des 12. Jahrhunderts erloschen gewesen war und deren Burg und Lehen hingegen von der Böheimkirchner Linie oder einem Rittergeschlecht (das sich nach der Burg Hagenau benannte) übernommen wurde. Wie auch immer, ein weitere Ursache für den Niedergang der Hagenauer war das Ende des staufischen Kaiserhauses, dessen getreue Gefolgsmänner die Hagenauer gewesen waren. Im Konflikt zwischen Welfen und Staufern stand der Passauer Bischof Reginbert II. von Hagenau auf der Seite der Staufer. Auf dem 2. Kreuzzug nach Jerusalem hatten die zwei Brüder Reginbert II. und Hartwig von Hagenau den Stauferkönig Konrad III. begeleitet und dabei ihr Leben gelassen. Für den Staufer-Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) waren die Hagenauer mit anderen Edelleuten an der Seite der Grafen von Plain gegen Salzburg gezogen, um die Reichsacht zu vollziehen. Im Jahr [[1250]] brach aber die staufische Machtstellung zusammen und die Wittelsbacher, mit denen die Hagenauer zuvor Konflikte gehabt hatten (Herzog Otto II.), waren am Aufstieg. | | Die Hagenauer waren zwar mit mächtigen Adelsfamilien versippt, allerdings begann schon im [[13. Jahrhundert]] ihr Abstieg. Bedingt wurde dies durch Veränderungen der sozialen Strukturen, durch den Niedergang des Hochstiftes Freising als Landesherrschaft sowie durch den Aufstieg der [[Wittelsbacher]]. Der Edle Ludwig von Hagenau hatte einen gerichtlichen Streit mit dem Kloster Reichersberg über die Erblichkeit der Klostervogtei. Schließlich kamen noch massive Konflikte mit dem bayrischen Herzog Otto II. (aus dem Geschlecht der Wittelsbacher) und dem Passauer Hochstift hinzu. Sämtliche Lehen und Besitzungen des in Bayern, Salzburg, Ober- und Niederösterreich sehr begüterten Edlen Ludowicus von Hagenau (letzte Erwähnung [[1239]]) wurden nach seinem Tod vom bayrischen Herzog (unrechtmäßig) eingezogen. Mitte des 13. Jahrhunderts scheint die Braunauer Linie, welche die wohlhabendste aller Linien gewesen war, mit den beiden Söhnen des Edlen Ludowicus von Hagenau erloschen zu sein. Diese beiden Söhne werden zumindest nach der Einziehung der Güter in keinen Urkunden mehr erwähnt. Einige Historiker vertreten jedoch die Meinung, dass diese oberösterreichische Linie bereits Mitte des 12. Jahrhunderts erloschen gewesen war und deren Burg und Lehen hingegen von der Böheimkirchner Linie oder einem Rittergeschlecht (das sich nach der Burg Hagenau benannte) übernommen wurde. Wie auch immer, ein weitere Ursache für den Niedergang der Hagenauer war das Ende des staufischen Kaiserhauses, dessen getreue Gefolgsmänner die Hagenauer gewesen waren. Im Konflikt zwischen Welfen und Staufern stand der Passauer Bischof Reginbert II. von Hagenau auf der Seite der Staufer. Auf dem 2. Kreuzzug nach Jerusalem hatten die zwei Brüder Reginbert II. und Hartwig von Hagenau den Stauferkönig Konrad III. begeleitet und dabei ihr Leben gelassen. Für den Staufer-Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) waren die Hagenauer mit anderen Edelleuten an der Seite der Grafen von Plain gegen Salzburg gezogen, um die Reichsacht zu vollziehen. Im Jahr [[1250]] brach aber die staufische Machtstellung zusammen und die Wittelsbacher, mit denen die Hagenauer zuvor Konflikte gehabt hatten (Herzog Otto II.), waren am Aufstieg. |
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| − | Das Hochstift Freising, in dessen Hoheitsbereich sich das Stammgebiet der bayrischen Herren von Hagenau befand, war durch dessen Niedergang als Landesherrschaft als Schutzmacht verloren gegangen. Die Isolierung der Herren von Hagenau nach den Konflikten mit dem Passauer Hochstift (nach Freising der wichtigste Protektor) und dem Bayrischen Herzog Otto II., sowie der daraus folgende Verlust von Lehen und Ämtern, hatte die Hagenauer ihrer einstigen Stellung beraubt. ''"Eine Besonderheit der Hagenauer ist es, dass sie sich bis tief in das 14. Jahrhundert hinein im freiem Stand erhalten haben, während rings herum um sie die edelfreien Geschlechter zu Dutzenden verschwanden. Den Grafenrang haben sie freilich nicht erreicht; dazu waren sie zu wenig vermögend"'' (Dr. G. Flohrschütz). Ab Mitte des [[14. Jahrhundert]]s wurde durch den Schwund an Familienmitgliedern und die Einziehung vieler Lehen, der ehemals so weit verzweigten Sippe der Hagenauer, der ohnedies bereits beschnittene Einfluss derer von Hagenau noch geringer. Die Herren von Hagenau hatten sich in die [[Ministerialen|Ministerialität]] von Kirchenfürsten, Kirchen und Klöstern begeben, jedoch dann deren Wohlwollen verloren. Die Folge war die Verarmung der noch bestehenden Böheimkirchner Linie und der Freisinger Linie. Einige Mitglieder der Böheimkirchner Linie hatten sich sodann in den Schutz von Städten wie Wien, Wiener Neustadt und St. Pölten begeben, wo sie später auch als Bürger genannt wurden. Der Stammsitz bei Böheimkirchen wurde bereits im Jahr [[1347]] aufgegeben. Im selben Jahr war auch das Epitaph des Reimprechts von Hagenau von seinem Nachfahren Otto von Hagenau, Stiftskämmerer des Augustiner Chorherrenstiftes in St. Pölten, aus der Eigenkirche St. Peter entfernt worden und zusammen mit einer Grabplatte seiner verstorbenen Eltern vorläufig in der Stiftskirche St. Pölten aufstellen worden. Ebenfalls im Jahr 1347 erhielt die dortige (1248 erstmals genannte) Filialkirche St. Peter am Anger durch die Stiftung mehrerer Hagenauer Cousins einen eigenen Kaplan. Die verbliebenen Güter der Böheimkirchner Linie wurden schließlich eines nach dem anderen verkauft. So in einer St. Pöltner Urkunde von [[1374]], in der Friedrich von Hagenau (Hagenawer) und seine Gattin Agnes dem Stifte seinen freieigenen ''"Hof und Gehölz"'' (Wälder) zu Anger in der Pfarre Böheimkirchen und noch andere Güter und Gülten (mit Burgrechten) verkaufte, wobei als Zeugen und nächste Anverwandte, Hans, Jacob und Stephan, die Hagenauer aufgeführt worden sind. Oder in einer [[1431]] von Bischof Christoph von Wiener Neustadt ausgestellten Urkunde, in der ''"Hanns Hagenauer, Bürger von Wiener Neustadt und Affra seine Hausfrau 22½ Pfund Pfennig jährlichen Überzins von ihrer Mühle gelegen in dem Moos an der Fischau..."'' stifteten. Wahrscheinlich gehörte der zu ''"Gotesprunn gesessene Larenz (Lorenz) Hagenauer und Dorothe, sein hausfrau"'' in einer Wiener Urkunde (Schuldbrief) von [[1434]] auch zur Sippe der Herren von Hagenau. Der Edle Georg Hagenauer (Jörg Hagenawer) taucht [[1439]] das letzte mal in einer Urkunde auf, in der er Abt Christian und dem Konvent von Melk sein vom Kloster rührendes Lehen, Gülten, Bergrecht und Vogtrecht verkauft. Dorothea Hagenauer (Hagenawer), Tochter des Georg (Jörg) Hagenauer, wird allerdings noch in einer Linzer Urkunde aus dem Jahr [[1451]] bezüglich der Streitigkeit eines Heiratsbriefes genannt. Georg Hagenauer wurde in der Literatur für lange Zeit als letzter Hagenauer der Böheimkirchner Linie gesehen. Jedoch scheint erst mit Albrecht dem Hagenauer (Albrechten der Hagnauer), der [[1446]] zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern in einer von König Friedrich IV. (spätere Kaiser Friedrich III.) gezeichneten Wiener Neustädter Urkunde bezüglich des Bleiberechts im Burgfried genannt wurde, auch die Böheimkirchner Linie ausgestorben zu sein. Auch hier konnte die Freisinger Linie keine verbliebenen Besitzungen oder Lehen übernehmen. | + | Das Hochstift Freising, in dessen Hoheitsbereich sich das Stammgebiet der bayrischen Herren von Hagenau befand, war durch dessen Niedergang als Landesherrschaft als Schutzmacht verloren gegangen. Die Isolierung der Herren von Hagenau nach den Konflikten mit dem Passauer Hochstift (nach Freising der wichtigste Protektor) und dem Bayrischen Herzog Otto II., sowie der daraus folgende Verlust von Lehen und Ämtern, hatte die Hagenauer ihrer einstigen Stellung beraubt. Ab Mitte des [[14. Jahrhundert]]s wurde durch den Schwund an Familienmitgliedern und die Einziehung vieler Lehen, der ehemals so weit verzweigten Sippe der Hagenauer, der ohnedies bereits beschnittene Einfluss derer von Hagenau noch geringer. Die Herren von Hagenau hatten sich in die [[Ministerialen|Ministerialität]] von Kirchenfürsten, Kirchen und Klöstern begeben, jedoch dann deren Wohlwollen verloren. Die Folge war die Verarmung der noch bestehenden Böheimkirchner Linie und der Freisinger Linie. Einige Mitglieder der Böheimkirchner Linie hatten sich sodann in den Schutz von Städten wie Wien, Wiener Neustadt und St. Pölten begeben, wo sie später auch als Bürger genannt wurden. Der Stammsitz bei Böheimkirchen wurde bereits im Jahr [[1347]] aufgegeben. Im selben Jahr war auch das Epitaph des Reimprechts von Hagenau von seinem Nachfahren Otto von Hagenau, Stiftskämmerer des Augustiner Chorherrenstiftes in St. Pölten, aus der Eigenkirche St. Peter entfernt worden und zusammen mit einer Grabplatte seiner verstorbenen Eltern vorläufig in der Stiftskirche St. Pölten aufstellen worden. Ebenfalls im Jahr 1347 erhielt die dortige (1248 erstmals genannte) Filialkirche St. Peter am Anger durch die Stiftung mehrerer Hagenauer Cousins einen eigenen Kaplan. Die verbliebenen Güter der Böheimkirchner Linie wurden schließlich eines nach dem anderen verkauft. So in einer St. Pöltner Urkunde von [[1374]], in der Friedrich von Hagenau (Hagenawer) und seine Gattin Agnes dem Stifte seinen freieigenen ''"Hof und Gehölz"'' (Wälder) zu Anger in der Pfarre Böheimkirchen und noch andere Güter und Gülten (mit Burgrechten) verkaufte, wobei als Zeugen und nächste Anverwandte, Hans, Jacob und Stephan, die Hagenauer aufgeführt worden sind. Oder in einer [[1431]] von Bischof Christoph von Wiener Neustadt ausgestellten Urkunde, in der ''"Hanns Hagenauer, Bürger von Wiener Neustadt und Affra seine Hausfrau 22½ Pfund Pfennig jährlichen Überzins von ihrer Mühle gelegen in dem Moos an der Fischau..."'' stifteten. Wahrscheinlich gehörte der zu ''"Gotesprunn gesessene Larenz (Lorenz) Hagenauer und Dorothe, sein hausfrau"'' in einer Wiener Urkunde (Schuldbrief) von [[1434]] auch zur Sippe der Herren von Hagenau. Der Edle Georg Hagenauer (Jörg Hagenawer) taucht [[1439]] das letzte mal in einer Urkunde auf, in der er Abt Christian und dem Konvent von Melk sein vom Kloster rührendes Lehen, Gülten, Bergrecht und Vogtrecht verkauft. Dorothea Hagenauer (Hagenawer), Tochter des Georg (Jörg) Hagenauer, wird allerdings noch in einer Linzer Urkunde aus dem Jahr [[1451]] bezüglich der Streitigkeit eines Heiratsbriefes genannt. Georg Hagenauer wurde in der Literatur für lange Zeit als letzter Hagenauer der Böheimkirchner Linie gesehen. Jedoch scheint erst mit Albrecht dem Hagenauer (Albrechten der Hagnauer), der [[1446]] zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern in einer von König Friedrich IV. (spätere Kaiser Friedrich III.) gezeichneten Wiener Neustädter Urkunde bezüglich des Bleiberechts im Burgfried genannt wurde, auch die Böheimkirchner Linie ausgestorben zu sein. Auch hier konnte die Freisinger Linie keine verbliebenen Besitzungen oder Lehen übernehmen. |
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| | == Der letzte einflussreiche Hagenauer in Bayern == | | == Der letzte einflussreiche Hagenauer in Bayern == |
| − | Der letzte einflussreiche Hagenauer in Bayern war Abt Heinrich (V.) von Hagenau aus der Freisinger Linie, der dem Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg vorstand. Er hatte sein Amt [[1292]] angetreten, wurde jedoch [[1315]] zum Rücktritt gezwungen. Das Bistum Freising war ja als Schutzmacht verloren gegangen und die wenigen verbliebenen Güter und Lehen der Hagenauer lagen vorwiegend in ihrem alten Stammgebiet nördlich von München, im Umkreis von Freising. So hatten sich bereits im 14. Jahrhundert einige Familienmitglieder der Freisinger Linie (nach alten Konflikten mit dem Hause Wittelsbach und dem Bistum Passau) dazu entschieden, in den Schutz der Residenzstadt München zu begeben, wo sie später Bürger wurden. München war im Mittelalter keine freie Reichsstadt, sondern immer einem Stadtherren unterstellt gewesen. Der Stadtherr von München war, nach dem Gründer Heinrich der Löwe (aus dem Geschlecht der Welfen), ab 1180 der jeweilige Bischof von Freising. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts konnten sich jedoch die bayerischen Herzöge (Haus Wittelsbach) in der Stadtherrschaft gegenüber dem Freisinger Bischof durchsetzen. Im Jahr 1328 wurde München auch Residenzstadt des [[Reich|römisch-deutschen]] Kaisers Ludwig IV. (aus dem Haus der Wittelsbacher). Im 14. und [[15. Jahrhundert]] wurden die Freisinger Hagenauer in zahlreichen Münchner sowie Indersdorfer Tausch-, Kauf- und Stiftungs-Urkunden genannt. Im Jahr [[1365]] wurde Bertold Hagenauer noch unter den äußeren Stadträten (Stadträte für den außerhalb der Stadtmauern liegenden Teil Münchens) der Münchner Patrizier genannt. Der Abstieg ging jedoch stetig voran und es gelang den Hagenauern nicht mehr Ämter von Vögten, Burggrafen oder Landrichtern zur Verwaltung fürstlicher beziehungsweise kirchlicher Güter zu erlangen. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte auch die bayrische Linie der Herren von Hagenau nahezu alle ihre Lehen und Güter verloren. Der ursprüngliche Stammsitz, der "Edelsitz Hagenau" bei Schrobenhausen, war ja bereits 1348 aufgegeben worden. Der neue Stammsitz, der allerdings ebenfalls ein alter Besitz der Herren von Hagenau gewesen war, befand sich jetzt südlich von Allershausen. Die Hagenauer waren wirtschaftlich tief gefallen und [[1484]] verkaufte der ''"ehrbare Herr Stephan Hagenauer zu Allershausen"'' den bayrischen Stammsitz Allershausen (Indersdorfer Urkunde). Die Hagenauer hatten ihr Erbbegräbnis bei der Abtei Weihenstephan. Martin v. Deutinger, Dompropst zu München, berichtete über das Begräbnis eines Ritters Warmund von Fraunberg, der in der im Jahr 1501 errichteten Kapelle bei der Abtei Weihenstephan in Freising begraben wurde; dort ''"fanden auch Adelige aus verschiedenen Geschlechtern (von Hagenau, Fraunhofen und Aiterbach) ihre letzte Ruhestätte"''. | + | Der letzte einflussreiche Hagenauer in Bayern war Abt Heinrich (V.) von Hagenau aus der Freisinger Linie, der dem Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg vorstand. Er hatte sein Amt [[1292]] angetreten, wurde jedoch [[1315]] zum Rücktritt gezwungen. ''"Eine Besonderheit der Hagenauer ist es, dass sie sich bis tief in das 14. Jahrhundert hinein im freiem Stand erhalten haben, während rings herum um sie die edelfreien Geschlechter zu Dutzenden verschwanden. Den Grafenrang haben sie freilich nicht erreicht; dazu waren sie zu wenig vermögend"'' (Dr. G. Flohrschütz). Das Bistum Freising war ja als Schutzmacht verloren gegangen und die wenigen verbliebenen Güter und Lehen der Hagenauer lagen vorwiegend in ihrem alten Stammgebiet nördlich von München, im Umkreis von Freising. So hatten sich bereits im 14. Jahrhundert einige Familienmitglieder der Freisinger Linie (nach alten Konflikten mit dem Hause Wittelsbach und dem Bistum Passau) dazu entschieden, in den Schutz der Residenzstadt München zu begeben, wo sie später Bürger wurden. München war im Mittelalter keine freie Reichsstadt, sondern immer einem Stadtherren unterstellt gewesen. Der Stadtherr von München war, nach dem Gründer Heinrich der Löwe (aus dem Geschlecht der Welfen), ab 1180 der jeweilige Bischof von Freising. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts konnten sich jedoch die bayerischen Herzöge (Haus Wittelsbach) in der Stadtherrschaft gegenüber dem Freisinger Bischof durchsetzen. Im Jahr 1328 wurde München auch Residenzstadt des [[Reich|römisch-deutschen]] Kaisers Ludwig IV. (aus dem Haus der Wittelsbacher). Im 14. und [[15. Jahrhundert]] wurden die Freisinger Hagenauer in zahlreichen Münchner sowie Indersdorfer Tausch-, Kauf- und Stiftungs-Urkunden genannt. Im Jahr [[1365]] wurde Bertold Hagenauer noch unter den äußeren Stadträten (Stadträte für den außerhalb der Stadtmauern liegenden Teil Münchens) der Münchner Patrizier genannt. Der Abstieg ging jedoch stetig voran und es gelang den Hagenauern nicht mehr Ämter von Vögten, Burggrafen oder Landrichtern zur Verwaltung fürstlicher beziehungsweise kirchlicher Güter zu erlangen. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte auch die bayrische Linie der Herren von Hagenau nahezu alle ihre Lehen und Güter verloren. Der ursprüngliche Stammsitz, der "Edelsitz Hagenau" bei Schrobenhausen, war ja bereits 1348 aufgegeben worden. Der neue Stammsitz, der allerdings ebenfalls ein alter Besitz der Herren von Hagenau gewesen war, befand sich jetzt südlich von Allershausen. Die Hagenauer waren wirtschaftlich tief gefallen und [[1484]] verkaufte der ''"ehrbare Herr Stephan Hagenauer zu Allershausen"'' den bayrischen Stammsitz Allershausen (Indersdorfer Urkunde). Die Hagenauer hatten ihr Erbbegräbnis bei der Abtei Weihenstephan. Martin v. Deutinger, Dompropst zu München, berichtete über das Begräbnis eines Ritters Warmund von Fraunberg, der in der im Jahr 1501 errichteten Kapelle bei der Abtei Weihenstephan in Freising begraben wurde; dort ''"fanden auch Adelige aus verschiedenen Geschlechtern (von Hagenau, Fraunhofen und Aiterbach) ihre letzte Ruhestätte"''. |
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| | Stephans Verwandter, Ulrich Hagenauer de Allershausen, der [[1470]] geheiratet hatte, besaß noch ein Gut in der Nähe von Allershausen (Westerndorf). Dieses Gut hatte sein Sohn Georg um [[1503]] übernommen, kurz bevor der Landshuter Erbfolgekrieg (1504-1505) ausbrach, in dem viele Dörfer niedergebrannt wurden. Um [[1530]] wurde Georg Hagenauer das letzte Mal auf seinem Gut bei Westerndorf genannt. Wahrscheinlich hatte er es übergegeben, möglicher Weise an seinen Sohn Sebastian. Der damalige Landesfürst des 1505 (auf Grund des Landshuter Erbfolgekrieges) entstandenen Fürstentums Pfalz-Neuburg, Pfalzgraf Ottheinrich (von der Pfalz), war 1542 zum evangelischen Glauben übergetreten. Im darauffolgenden schmalkaldischen Krieg (1546-1547) zogen mehrere zehntausend Landsknechte plündernd und brandschatzend durch diese Gegend Bayerns. Schließlich verließ Georgs Sohn Sebastian Hagenauer de Allershausen um [[1546]] Bayern in Richtung Salzburg. Nach Salzburg hatten die Hagenauer ja zumindest seit 1493 urkundlich belegten Kontakt zu Mitgliedern alter (auch in Bayern begüterter) Salzburger Patrizier-Familien, wie zum Geschlecht der [[Keutzl]] oder zum Geschlecht der [[Althamer]]. Die Familie Keutzl war ein wohlhabendes Geschlecht aus Salzburg (dort bereits im 14. Jh. genannt), unter deren Mitgliedern sich viele Pfleger, Bürgermeister (sechs mal zwischen 1375 und 1441), Richter und Kaufleute befanden. Der bekanntestete Keutzl war der Salzburger Abt von St. Peter, [[Rupert V. Keutzl|Rupert V.]], der die oben erwähnte Urkunde von [[1493]] siegelte. Das ebenfalls in dieser Urkunde genannte Geschlecht der Althamer, das später durch mehrere Heiraten mit den Hagenauern versippt war, scheint ab 1442 in Passauer und Salzburger Urkunden auf. Die Althamer, unter denen sich auch viele Geistliche befanden, stellten mit [[Sebastian Althamer]] im Jahr [[1565]], sowie von [[1573]] - [[1576]] (ebenfalls ein Sebastian Althamer) den [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]]. Nach 1550 wird der nun ausgewanderte Sebastian Hagenauer mit seinem (nach dem Großvater benannten) Sohn Georg im Erzbistum Salzburg in Urkunden erwähnt. | | Stephans Verwandter, Ulrich Hagenauer de Allershausen, der [[1470]] geheiratet hatte, besaß noch ein Gut in der Nähe von Allershausen (Westerndorf). Dieses Gut hatte sein Sohn Georg um [[1503]] übernommen, kurz bevor der Landshuter Erbfolgekrieg (1504-1505) ausbrach, in dem viele Dörfer niedergebrannt wurden. Um [[1530]] wurde Georg Hagenauer das letzte Mal auf seinem Gut bei Westerndorf genannt. Wahrscheinlich hatte er es übergegeben, möglicher Weise an seinen Sohn Sebastian. Der damalige Landesfürst des 1505 (auf Grund des Landshuter Erbfolgekrieges) entstandenen Fürstentums Pfalz-Neuburg, Pfalzgraf Ottheinrich (von der Pfalz), war 1542 zum evangelischen Glauben übergetreten. Im darauffolgenden schmalkaldischen Krieg (1546-1547) zogen mehrere zehntausend Landsknechte plündernd und brandschatzend durch diese Gegend Bayerns. Schließlich verließ Georgs Sohn Sebastian Hagenauer de Allershausen um [[1546]] Bayern in Richtung Salzburg. Nach Salzburg hatten die Hagenauer ja zumindest seit 1493 urkundlich belegten Kontakt zu Mitgliedern alter (auch in Bayern begüterter) Salzburger Patrizier-Familien, wie zum Geschlecht der [[Keutzl]] oder zum Geschlecht der [[Althamer]]. Die Familie Keutzl war ein wohlhabendes Geschlecht aus Salzburg (dort bereits im 14. Jh. genannt), unter deren Mitgliedern sich viele Pfleger, Bürgermeister (sechs mal zwischen 1375 und 1441), Richter und Kaufleute befanden. Der bekanntestete Keutzl war der Salzburger Abt von St. Peter, [[Rupert V. Keutzl|Rupert V.]], der die oben erwähnte Urkunde von [[1493]] siegelte. Das ebenfalls in dieser Urkunde genannte Geschlecht der Althamer, das später durch mehrere Heiraten mit den Hagenauern versippt war, scheint ab 1442 in Passauer und Salzburger Urkunden auf. Die Althamer, unter denen sich auch viele Geistliche befanden, stellten mit [[Sebastian Althamer]] im Jahr [[1565]], sowie von [[1573]] - [[1576]] (ebenfalls ein Sebastian Althamer) den [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]]. Nach 1550 wird der nun ausgewanderte Sebastian Hagenauer mit seinem (nach dem Großvater benannten) Sohn Georg im Erzbistum Salzburg in Urkunden erwähnt. |