| | Das ab dem frühen 14. Jahrhundert auftretende (wie die Herren von Hagenau ebenfalls) bayrisch-österreichische Geschlecht, das sich ursprünglich de Hahenau und später Hagenauer genannt hatte, war mit den Herren von Hagenau offensichtlich nicht verwandt. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts scheinen Mitglieder dieses Schiffsherren-Geschlechts (Fergen oder Förgen) in Urkunden auf (siehe auch [[Salzachschifffahrt]]). Aus dieser Zeit haben sich Siegel erhalten, auf denen ein Pfahlbau, seitlich davon Ruder, und die Umschrift "de Hahenau" (Seifridi de Hahenau 1315, Laurentii de Hahenaw 1327) dargestellt sind. Diese Schiffsherren Hagenauer (früher Hahenauer) tauchen in Passau und Regensburg auf, später dann auch in verschiedenen oberösterreichischen Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts. Anfänglich nannten sie sich noch de Hahenau und de Hohenau (natürlich nicht mit den Grafen von Hohenau des 19. und 20. Jh. verwandt), dann Hohenauer (bzw. Hahenauer) und schließlich Hagenauer. Der Name leitet sich aber nicht wie bei den Herren von Hagenau von dem Flurnamen "Hagenau" ab, sondern von dem alten Begriff "Hahenau". Hahenau (oder Hohenau) bedeutete soviel wie "ein stromaufwärts gezogenes (Salz)Schiff". Als "Hahenauer" bzw. "Hohenauer" bezeichnete man ursprünglich einen gegen den Strom fahrenden Schiffmann oder einen Schiffszug aus mehreren Schiffen. In Urkunden des 15./16. Jahrhunderts wurde aus "Hahenauer" beziehungsweise "Hohenauer" schließlich "Hagenauer" (altbayrisches Wörterbuch). Diese vermögenden Schiffsherren wurden in Steyregg, Perg, Linz, Eschelberg, Walding und Pürnstein als Bürger, Markt- und Oberförgen (Erbnauffergen), sowie als Marktrichter und Hausbesitzer genannt. An Hand von Urkunden kann man die meisten auf Grund ihrer geographischen Herkunft sowie ihrer Zugehörigkeit zur Gilde der Schiffherren und Kaufleute einem Geschlecht zuordnen. | | Das ab dem frühen 14. Jahrhundert auftretende (wie die Herren von Hagenau ebenfalls) bayrisch-österreichische Geschlecht, das sich ursprünglich de Hahenau und später Hagenauer genannt hatte, war mit den Herren von Hagenau offensichtlich nicht verwandt. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts scheinen Mitglieder dieses Schiffsherren-Geschlechts (Fergen oder Förgen) in Urkunden auf (siehe auch [[Salzachschifffahrt]]). Aus dieser Zeit haben sich Siegel erhalten, auf denen ein Pfahlbau, seitlich davon Ruder, und die Umschrift "de Hahenau" (Seifridi de Hahenau 1315, Laurentii de Hahenaw 1327) dargestellt sind. Diese Schiffsherren Hagenauer (früher Hahenauer) tauchen in Passau und Regensburg auf, später dann auch in verschiedenen oberösterreichischen Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts. Anfänglich nannten sie sich noch de Hahenau und de Hohenau (natürlich nicht mit den Grafen von Hohenau des 19. und 20. Jh. verwandt), dann Hohenauer (bzw. Hahenauer) und schließlich Hagenauer. Der Name leitet sich aber nicht wie bei den Herren von Hagenau von dem Flurnamen "Hagenau" ab, sondern von dem alten Begriff "Hahenau". Hahenau (oder Hohenau) bedeutete soviel wie "ein stromaufwärts gezogenes (Salz)Schiff". Als "Hahenauer" bzw. "Hohenauer" bezeichnete man ursprünglich einen gegen den Strom fahrenden Schiffmann oder einen Schiffszug aus mehreren Schiffen. In Urkunden des 15./16. Jahrhunderts wurde aus "Hahenauer" beziehungsweise "Hohenauer" schließlich "Hagenauer" (altbayrisches Wörterbuch). Diese vermögenden Schiffsherren wurden in Steyregg, Perg, Linz, Eschelberg, Walding und Pürnstein als Bürger, Markt- und Oberförgen (Erbnauffergen), sowie als Marktrichter und Hausbesitzer genannt. An Hand von Urkunden kann man die meisten auf Grund ihrer geographischen Herkunft sowie ihrer Zugehörigkeit zur Gilde der Schiffherren und Kaufleute einem Geschlecht zuordnen. |
| − | Im 15. Jahrhundert tauchten im Raum Oberösterreich - Bayern auch einige Bäcker und Bauern des Namens Hagenauer auf. Ob diese ebenfalls dem Geschlecht der "Hahenauer" angehörten sei dahingestellt. Interessant erscheinen jedenfalls jene Hagenauer, die in Urkunden des Klosters [[Raitenhaslach]] (ehemaliger Besitz des Bistums Salzburg) sowie in Starhemberger Urkunden genannt wurden. In einer Raitenhaslacher Urkunde aus dem Jahr 1474 findet man den Pfarrer zu Loiching (Lewching), Ortlof Hagenauer (Ortolff Hagnawer). Er stiftete 1488 die Allerseelenbruderschaft in dieser Pfarrei Loiching (bei Dingolfing), die eine eigene Kapelle, zahlreichen Grundbesitz und ein Anwesen in Piegendorf besaßen. Er ist möglicher Weise noch ein Angehöriger des bayrischen Zweiges der Herren von Hagenau. 1496 wird in einer weiteren Urkunde des Klosters Raitenhaslach der zu Munderfing (Mundolfing) gesessene Bäcker Linhard Hagenwer (Leonhard Hagenauer?) und sein verstorbener Vater genannt. Munderfing gehörte damals zu Bayern und wurde erst 1779 österreichisch. Linhard verkaufte die ebenfalls schon von seinem Vater besessenen Ansprüche an der zu "freyer stifft inngehabt"en Mühle zu Munderfing an den Abt Benedikt Eck (1463 bis 1499) und das Konvent des [[Kloster Mondsee|Klosters Mondsee]]. Ob der Name "Hagenwer" überhaupt eine mögliche Schreibvariante des Namens Hagenauer ist, müßte von einem Sprachwissenschaftler geklärt werden. In dieser Form taucht er jedenfalls weder davor noch danach in irgendwelchen Urkunden auf. Kurz vor 1600 wurden einige Hagenauer in Oberösterreich bei Eschelberg nördlich von Linz genannt. Woher diese in den Raitenhaslacher Urkunden genannten Hagenauer, die Bäcker und später Bauern waren, kamen und von welchem Hagenau sie ihren Namen hatten ist unbekannt. Es bieten sich jedoch die in der Nähe liegenden Ortschaften Hagenau bei Braunau oder Hagenau bei Linz an. Später tauchten in den Starhemberger Urkunden 1592 auch ein Bernhard Hagenauer, 1651 ein Paul Hagenauer und seine Frau Katharina, sowie 1670 ein Wolf Hagenauer auf, alle aus dem Bauernstand. 1687 wurde noch ein Bestätigungsbrief des Gundaker Tomas Reichsgraf v. Starhemberg über Adam Hagenauers "eigentümliche Hofwiese, zur Hft. (Herrschaft) Eschelberg dienstbar" ausgestellt. | + | Im 15. Jahrhundert tauchten im Raum Oberösterreich - Bayern auch einige Bäcker und Bauern des Namens Hagenauer auf. Ob diese ebenfalls dem Geschlecht der "Hahenauer" angehörten sei dahingestellt. Interessant erscheinen jedenfalls jene Hagenauer, die in Urkunden des Klosters [[Raitenhaslach]] (ehemaliger Besitz des Bistums Salzburg) sowie in Starhemberger Urkunden genannt wurden. In einer Raitenhaslacher Urkunde aus dem Jahr 1474 findet man den Pfarrer zu Loiching (Lewching), Ortlof Hagenauer (Ortolff Hagnawer). Er stiftete 1488 die Allerseelenbruderschaft in dieser Pfarrei Loiching (bei Dingolfing), die eine eigene Kapelle, zahlreichen Grundbesitz und ein Anwesen in Piegendorf besaßen. Er ist möglicher Weise noch ein Angehöriger des bayrischen Zweiges der Herren von Hagenau. 1496 wird in einer weiteren Urkunde des Klosters Raitenhaslach der zu Munderfing (Mundolfing) gesessene Mühlenbesitzer und Bäcker Linhard Hagenwer (Leonhard Hagenauer?) und sein verstorbener Vater genannt. Munderfing gehörte damals zu Bayern und wurde erst 1779 österreichisch. Linhard verkaufte die ebenfalls schon von seinem Vater besessenen Ansprüche an der zu "freyer stifft inngehabt"en Mühle zu Munderfing an den Abt Benedikt Eck (1463 bis 1499) und das Konvent des [[Kloster Mondsee|Klosters Mondsee]]. Ob der Name "Hagenwer" überhaupt eine mögliche Schreibvariante des Namens Hagenauer ist, müßte von einem Sprachwissenschaftler geklärt werden. In dieser Form taucht er jedenfalls weder davor noch danach in irgendwelchen Urkunden auf. Kurz vor 1600 wurden einige Hagenauer in Oberösterreich bei Eschelberg nördlich von Linz genannt. Woher diese in den Raitenhaslacher Urkunden genannten Hagenauer, die Bäcker und später Bauern waren, kamen und von welchem Hagenau sie ihren Namen hatten ist unbekannt. Es bieten sich jedoch die in der Nähe liegenden Ortschaften Hagenau bei Braunau oder Hagenau bei Linz an. Später tauchten in den Starhemberger Urkunden 1592 auch ein Bernhard Hagenauer, 1651 ein Paul Hagenauer und seine Frau Katharina, sowie 1670 ein Wolf Hagenauer auf, alle aus dem Bauernstand. 1687 wurde noch ein Bestätigungsbrief des Gundaker Tomas Reichsgraf v. Starhemberg über Adam Hagenauers "eigentümliche Hofwiese, zur Hft. (Herrschaft) Eschelberg dienstbar" ausgestellt. |
| | Alle diese eben genannten Hagenauer sind in Oberösterreich im Mühlviertel in der Umgebung von Schloss Eschelberg im Bezirk Urfahr-Umgebung angesiedelt, in der Herrschaft der Grafen Starhemberg. Die Starhembergs waren damals wie die meisten anderen Oberösterreicher Protestanten. So waren höchst wahrscheinlich auch die meisten dieser Hagenauer evangelischen Glaubens, da in Oberösterreich die Anzahl der Protestanten vor 1600 bei fast 90 Prozent lag. Im Jahr 1600 hatte Kaiser Rudolf II. den Protestantismus in Linz verboten und durch das Reformationspatent von Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1624 mußten alle Evangelischen, die nicht zum katholischen Glauben konvertierten, Oberösterreich verlassen (Frankenburger Würfelspiel). Einige Hagenauer scheinen den katholischen Glauben behalten oder wieder angenommen zu haben und durften bleiben, die anderen mußten Oberösterreich verlassen. Von den ungefähr 100.000 oberösterreichischen Protestanten wanderten die meisten nach Mittelfranken aus (im 17. Jahrhundert werden Hagenauer auch in Nürnberg genannt). Eine Teil der vertriebenen Protestanten zog auch Richtung Ungarn und so tauchten Mitglieder der Hagenauer in ungarischen Urbaren des 17. Jahrhunderts auf. Im südlichen Burgenland (damals ein Teil Ungarns) fanden sie bei Freiherrn Franz II. Batthyány Aufnahme, der selbst Calvinist war und sich als Schutzherr der Protestanten verstand. Batthyánys Sohn Adam trat jedoch zum katholischen Glauben über und sein Enkelsohn Paul Graf Batthyány verpfändete aus Geldnot bereits 1661 Höfe von protestantischen Besitzern, unter denen sich auch ein Gregor Hagenauer befand. | | Alle diese eben genannten Hagenauer sind in Oberösterreich im Mühlviertel in der Umgebung von Schloss Eschelberg im Bezirk Urfahr-Umgebung angesiedelt, in der Herrschaft der Grafen Starhemberg. Die Starhembergs waren damals wie die meisten anderen Oberösterreicher Protestanten. So waren höchst wahrscheinlich auch die meisten dieser Hagenauer evangelischen Glaubens, da in Oberösterreich die Anzahl der Protestanten vor 1600 bei fast 90 Prozent lag. Im Jahr 1600 hatte Kaiser Rudolf II. den Protestantismus in Linz verboten und durch das Reformationspatent von Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1624 mußten alle Evangelischen, die nicht zum katholischen Glauben konvertierten, Oberösterreich verlassen (Frankenburger Würfelspiel). Einige Hagenauer scheinen den katholischen Glauben behalten oder wieder angenommen zu haben und durften bleiben, die anderen mußten Oberösterreich verlassen. Von den ungefähr 100.000 oberösterreichischen Protestanten wanderten die meisten nach Mittelfranken aus (im 17. Jahrhundert werden Hagenauer auch in Nürnberg genannt). Eine Teil der vertriebenen Protestanten zog auch Richtung Ungarn und so tauchten Mitglieder der Hagenauer in ungarischen Urbaren des 17. Jahrhunderts auf. Im südlichen Burgenland (damals ein Teil Ungarns) fanden sie bei Freiherrn Franz II. Batthyány Aufnahme, der selbst Calvinist war und sich als Schutzherr der Protestanten verstand. Batthyánys Sohn Adam trat jedoch zum katholischen Glauben über und sein Enkelsohn Paul Graf Batthyány verpfändete aus Geldnot bereits 1661 Höfe von protestantischen Besitzern, unter denen sich auch ein Gregor Hagenauer befand. |