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, 11:48, 16. Sep. 2007
Das '''Wallfahren''' gehört zu allen höheren Religionen und wurzelt im Glauben an die örtliche Gegenwart eines Gottes oder Heiligen.
==Geschichte==
Hinweise auf ''Wallfahrten'' finden sich bereits bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern. Aber auch im Lamaismus (Tibet), Hinduismus (vorwiegend Indien), Shintokult (Japan) und in den Lehren des Konfuzius (China) sind ''Wallfahrten'' bekannt. Bei den männlichen Juden pilgerte jeder ab dem 13. Lebensjahr zum Tempel nach Jerusalem.
Seit dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus sind ''Wallfahrten'' auch aus anderen Ländern überliefert: Sinai (Israel und Ägypten), Palästina (heutiges Israel), Mesopotamien (die Länder am Euphrat und Tigris: Syrien, Irak) und Kleinasien.
Bei den Christen entwickelte sich das ''Heilige Grab'' als wichtigstes Wallfahrtsziel. Um die Besichtigung dieses Grabes sicher zu stellen schloss Kaiser Karl der Große mit Kalif Harun al Raschid nach der Eroberung von Jerusalem durch die Araber einen Vertrag, der den freien Zugang der Pilger gewährleistete.
Aber bald waren auch die Gräber in Rom (Italien, Grab des Hl. Apostel Petrus, der spätere ''Petersdom'') oder Santiago de Compostela (Nordwestspanien, Grab des Hl. Jakobus) sehr wichtige Wallfahrtsziele geworden.
==Bräuche==
An Wallfahrtsorten haben sich besondere Bräuche und Rituale entwickelt. Angefangen von Opfer(gaben), Gebete bis hin zu zeremoniellen Reinigungen.
==Reliquienwallfahrten==
Reliquienwallfahrten begannen im im [[13. Jahrhundert]] in Europa. So war das Grab und der Reliquienschrein der Hl. Elisabeth (Heiligsprechung [[1249]]) ein Pilgerziel, ebenso wie Santiago de Compostela. Aber auch Turin (mit dem angeblichen Grabtuch Christi, immer noch nicht einwandfrei bestätigt), Kloster Andechs (Bayern, zwischen Starnberger und Ammersee, Blutreliquie) oder eben [[Heiligenblut]] ([[Kärnten]], Blutreliquie) wurden zu Wallfahrtszentren.
==Gnadenbilder==
Wallfahrten zu Gnadenbildern waren aber wesentlich bedeutender als Wallfahrten zu Reliquien. Dabei wurden nicht nur Bilder verehrt, sondern auch Kreuze. Dabei spricht man von ''Kreuzwallfahrten'' (Beispiel Lucca, Toskana, Italien, zum ''Volto Santo'').
Die meisten Gnadenbilder zeigen die Muttergottes. Je nach Alter des Gnadenbildes thront oder steht Maria. Vesperbilder lassen sich erstmals um [[1280]]/[[1300]] nachweisen. Unter Wallfahrtsbildern von Heiligen fand seit dem [[13. Jahrhundert]] die Hl. Mutter Anna die weiteste Verbreitung. Es kam zu ''Annenwallfahrten''.
Vielen Gnadenbilder wurde früher auch den jeweiligen Feiertagen entsprechend "angezogen". Wertvolle Ornate zierten dann diese Bilder.
==Wallfahrten zu Erscheinungsorten==
Wichtige Wallfahrtsziele bildeten auch Orte von Erscheinungen. Hier seien erwähnt Le Mont Saint Michel am Atlanik in Frankreich (Hl. Michael), Monte Gargano, Apulien, Italien (Hl. Michael), Lourdes, Südfrankreich (Hl. Maria Muttergottes), Fatima, Portugal (Hl. Maria Mutter Gottes).
==Anlässe von Wallfahrten==
Gründe für eine Wallfahrt gab und gibt es viele. Geschichtlich gesehen waren es zunächst die Entbehrungen, die man auf sich nehmen musste, um zu den entfernt gelegenen Wallfahrtszielen zu gelangen, von denen man sich Heil erwartete. Sie waren auch Buße für viele Pilger. Wallfahrten wurden beispielsweise von Behörden als Strafe (= Buße) auferlegt. So gibt es Pilgerstätter, die eigene Pranger hatten für diese ''Pilger''.
Natürlich war die Verehrung der oder des Heiligen eine wichtige Motivation. Man versprach sich Heilung von Leiden oder Lösung von Problemen. Die Politik oder nationale Motivation waren seit jeher Gründe für Wallfahrten. Santiago de Compostela lag gerade noch nicht im Einflussbereich der Mauren (Araber, Muslime). Eine Wallfahrt dorthin über mehrere Tausend Kilometer war nicht nur Entbehrung, sondern auch Dokumentation des festen Willens von Europa, dass dieser Ort christlich bleibt. Was ja dann auch die Geschichte bewiesen hat. Auch bei von Regimen unterdrückten Völker entwickelte sich eine Art von Protestwallfahrt. Beispiele dafür sind Andocs in Ungarn, oder für aus ihrer Heimat Vertriebene, die ihr landsmannschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl damit festigten wie in Altötting, Bayern.
Zu berufsmäßigen Pilgern führte ab dem [[14. Jahrhundert]] das Brauchtum, Wallfahrten für Verstorbene durchzuführen. Dies war aber nur eine der Zweck entfremdeten Wallfahrtsarten, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten.
==Organisation von Wallfahrten==
Durch ein Netzwerk von Klöster und Herbergen, die in Abständen von Tagesmärschen an den Pilgerstrecken zu finden waren, wurde die Übernachtung und Verköstigung gesichert. Zunächst waren diese Leistungen auch kostenlos. Erst durch die Zunahme des Pilger''tourismus'' entwickelten sich auch kostenpflichtige Unterkünfte.
Die Pilger erhielten einen Pilgerausweis, mit dem sie sich bei den einzelnen Stationen ausweisen konnten. Auch wurde darin das Erreichen des Ziels bestätigt.
Leider zogen Pilgerwege auch Diebe und Mörder an. So gab es immer wieder auch Streckenabschnitte, die man besser nicht alleine, sondern nur in Gruppen oder gar von Soldaten begleitet, hinter sich brachte.
==Wallfahrten in Salzburg==
* Wallfahrt nach Großgmain
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrt Großgmain]]
: Die geheimnisvolle Geschichte der Muttergottesstatue aus [[1076]] zog immer wieder die Menschen in ihren Bann. Mitte des [[17. Jahrhundert]]s war die Wallfahrt nach Großgmain die größe und wichtigste Wallfahrt im [[Erzbistum (Überblick)|Erzstift]] Salzburg gewesen.
* Wallfahrt St. Jakob am Thurn
:: ''Hauptartikel: [[Sankt Jakob am Thurn]]''
* Wallfahrt Maria Bühel
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtskirche Maria Bühel]]''
* Wallfahrt Maria Dürrnberg
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg]]''
* Wallfahrt Maria Kirchenthal
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal]]''
* Wallfahrt Maria Plain
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtsbasilika Maria Plain]]''
* Wallfahrt St. Leonhard im Lungau
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg]]''
* Wallfahrt St. Leonhard bei Grödig
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrtskirche Sankt Leonhard (Grödig)]]
==Wallfahrten in Grenzregionen==
* Großglockner Wallfahrt
:: ''Hauptartikel: [[Großglockner Wallfahrt]]''
:Die Großglockner Wallfahrt findet seit rund 300 Jahren jeweils am [[28. Juni|28.]] oder [[29. Juni]] an den Festtagen der Apostel Petrus und Paulus statt.
* Wallfahrt zu St. Wolfgang
:: ''Hauptartikel: [[Wallfahrt zu St. Wolfgang]]
==Weblinks==
==Quellen==
* ''Pilgerstätten Europas'', Clemens Jöckle, Karl Müller Verlag, Erlangen (BRD), 1997, ISBN 3-86070-437-0