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| | === Kindheit === | | === Kindheit === |
| | [[Datei:Dom Salzburger Taufbecken.jpg|thumb|Taufbecken des Salzburger Doms]] | | [[Datei:Dom Salzburger Taufbecken.jpg|thumb|Taufbecken des Salzburger Doms]] |
| − | Josef Mohr wurde [[1792]] in der [[Altstadt]] von [[Salzburg]] als lediges Kind geboren. Seine Mutter hieß Anna Schoiber und wohnte nicht, so wie man lange glaubte, mit ihren vier ledigen Kindern im Noestlerhaus Nr. 427, der heutigen [[Steingasse]] 9 (wo es auch ein "Stille Nacht"-Museum gibt), sondern im Haus Steingasse Nr. 31. Joseph Mohrs Vater, der desertierte Musketier Franz Mohr, stammte aus [[Mariapfarr]] im [[Lungau]] und war Soldat des Salzburger Militärs. Nicht geklärt ist, ob Mohr nun tatsächlich im Haus in der Steingasse zur Welt kam oder an einem unbekannten Ort in der linken Altstadthälfte. Denn er wurde bereits am Nachmittag, vier Stunden nach seiner Geburt, im [[Salzburger Dom]] getauft (was damals durchaus üblich war, schon so kurz nach der Geburt getauft zu werden), jedoch gehörte die Steingasse zur [[Stadtpfarrkirche St. Andrä|Pfarre St. Andrä]]. Da Taufpflicht in der jeweiligen Pfarre bestand, wo auch die Geburt stattgefunden hatte, muss der tatsächliche Geburtsort wohl auf der anderen Seite der [[Salzach]] gewesen sein. Als Taufpate ist [[Franz Joseph Wohlmuth]], [[Abdecker]] und Scharfrichter, eingetragen. Allerdings ließ er sich bei der Taufe selbst durch eine gewisse Franziska Zachin vertreten, da er offensichtlich als Abdecker zu tun hatte<ref>Quelle Kronenzeitung, Ausgabe 27. Dezember 2009, Beitrag ''Der Abdecker und sein Täufling'' von Roland Girtler, der diese Information bei einem Gespräch mit Rebecca Wurian, deren Großmutter eine geborene Wohlmuth war, erhielt sowie Aussendung [[Stille-Nacht-Gesellschaft]] am 11. Dezember 2012: ''am 11. Dezember 1792, wurde um 12.00 in der Salzburger Dompfarre Joseph Mohr als uneheliches Kind des Musketiers Franz Mohr und der Strickerin Anna Schoiber geboren. Um 16.00 wurde er im Salzburger Dom von Johann Wimbacher auf den Namen Joseph Franz getauft, Taufpatin war Franziska Zach „anstatt des Joseph Wohlmuth, Scharfrichters“, wie der Eintrag im Taufbuch sagt.''</ref>. | + | Josef Mohr wurde [[1792]] in der [[Altstadt]] von [[Salzburg]] als lediges Kind geboren. Seine Mutter hieß Anna Schoiber und wohnte nicht, so wie man lange glaubte, mit ihren vier ledigen Kindern im Noestlerhaus Nr. 427, der heutigen [[Steingasse]] 9 (wo es auch ein "Stille Nacht"-Museum gibt), sondern im Haus Steingasse Nr. 31. Joseph Mohrs Vater, der desertierte Musketier Franz Mohr, stammte aus [[Mariapfarr]] im [[Lungau]] und war Soldat des Salzburger Militärs. |
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| | + | Nicht geklärt ist, ob Mohr nun tatsächlich im Haus in der Steingasse zur Welt kam oder an einem unbekannten Ort in der linken Altstadthälfte. Denn er wurde bereits am Nachmittag, vier Stunden nach seiner Geburt, im [[Salzburger Dom]] getauft (was damals durchaus üblich war, schon so kurz nach der Geburt getauft zu werden), jedoch gehörte die Steingasse zur [[Stadtpfarrkirche St. Andrä|Pfarre St. Andrä]]. Da Taufpflicht in der jeweiligen Pfarre bestand, wo auch die Geburt stattgefunden hatte, muss der tatsächliche Geburtsort wohl auf der anderen Seite der [[Salzach]] gewesen sein. Jüngste Forschungen haben ergeben, dass Mohrs Mutter damals im Armenhaus der [[Erzdiözese Salzburg|Erzdiözese]], heute [[Hotel Weiße Taube]] in der [[Kaigasse]] vorübergehend gewohnt hatte, das zur Dompfarre gehörte<ref>Quelle [[Salzburger Wochenspiegel]] sowie [[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]], Folge 23, Dezember 2014</ref>. |
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| | + | Als Taufpate ist [[Franz Joseph Wohlmuth]], [[Abdecker]] und Scharfrichter, eingetragen. Allerdings ließ er sich bei der Taufe selbst durch eine gewisse Franziska Zachin vertreten, da er offensichtlich als Abdecker zu tun hatte<ref>Quelle Kronenzeitung, Ausgabe 27. Dezember 2009, Beitrag ''Der Abdecker und sein Täufling'' von Roland Girtler, der diese Information bei einem Gespräch mit Rebecca Wurian, deren Großmutter eine geborene Wohlmuth war, erhielt sowie Aussendung [[Stille-Nacht-Gesellschaft]] am 11. Dezember 2012: ''am 11. Dezember 1792, wurde um 12:00 in der Salzburger Dompfarre Joseph Mohr als uneheliches Kind des Musketiers Franz Mohr und der Strickerin Anna Schoiber geboren. Um 16.00 wurde er im Salzburger Dom von Johann Wimbacher auf den Namen Joseph Franz getauft, Taufpatin war Franziska Zach „anstatt des Joseph Wohlmuth, Scharfrichters“, wie der Eintrag im Taufbuch sagt.''</ref>. |
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| | === Ausbildung und musikalische Begabung === | | === Ausbildung und musikalische Begabung === |
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| | In Wagrain wohnte er am längsten und arbeitete am nachhaltigsten. Er wirkte als Vikar elf Jahre lang bis zu seinem Tod in Wagrain. Im Pfarrarchiv befinden sich originale Schriften. Der Bau eines Schulhauses ging auf seine Initiative zurück. Bereits in seinem ersten Winter in Wagrain, 1837/1838, sammelten die Wagrainer dafür Baumaterial. Der Neubau erfolgte im darauffolgenden Sommer und im November 1838 konnte die Schule eingeweiht werden. Er führte das so genannte Schulgeld (Aversum) ein, welches auch den Kindern armer Familien den Schulbesuch ermöglichte. Für den Kauf einer neuen Feuerwehrspritze schenkte er den Wagrainern 40 [[Gulden]] – das entsprach damals dem Wert einer guten Kuh. Mohr kümmerte sich auch um den Aufbau der Armenpflege. Er bekämpfte vor allem die Härten des "Einlegerwesens". Dieses sah vor, dass Arme und Alte, die keinen einigen Besitz hatten ([[Dienstboten]], Mägde usw.) an ihrem Lebensabend von Bauernhof zu Bauernhof wanderten und jeweils für gewisse Zeit verpflegt wurden. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr in Wagrain an den Folgen einer Lungenlähmung. | | In Wagrain wohnte er am längsten und arbeitete am nachhaltigsten. Er wirkte als Vikar elf Jahre lang bis zu seinem Tod in Wagrain. Im Pfarrarchiv befinden sich originale Schriften. Der Bau eines Schulhauses ging auf seine Initiative zurück. Bereits in seinem ersten Winter in Wagrain, 1837/1838, sammelten die Wagrainer dafür Baumaterial. Der Neubau erfolgte im darauffolgenden Sommer und im November 1838 konnte die Schule eingeweiht werden. Er führte das so genannte Schulgeld (Aversum) ein, welches auch den Kindern armer Familien den Schulbesuch ermöglichte. Für den Kauf einer neuen Feuerwehrspritze schenkte er den Wagrainern 40 [[Gulden]] – das entsprach damals dem Wert einer guten Kuh. Mohr kümmerte sich auch um den Aufbau der Armenpflege. Er bekämpfte vor allem die Härten des "Einlegerwesens". Dieses sah vor, dass Arme und Alte, die keinen einigen Besitz hatten ([[Dienstboten]], Mägde usw.) an ihrem Lebensabend von Bauernhof zu Bauernhof wanderten und jeweils für gewisse Zeit verpflegt wurden. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr in Wagrain an den Folgen einer Lungenlähmung. |
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| − | In Hallein erinnert der [[Mohrweg (Hallein)]] an ihn.
| + | == War Mohr auch Komponist? == |
| | + | Dieser Frage ist der zentrale Forschungsbeitrag der Ausgabe 49 der “[[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]]” gewidmet. [[Eva Neumayr]] skizziert den Weg des musikalisch immer aktiven jungen Mohr, der sich durch musikalische Dienste sein Studium in Salzburg und [[Kremsmünster]] zumindest teilweise finanziert haben dürfte. Mohr soll auch “neben den Instrumenten, die er beherrschte, nämlich der Violine, mit der er sich in seiner Gymnasialzeit seinen Unterhalt verdiente, und der Gitarre, mit der er die Uraufführung von ‘Stille Nacht! Heilige Nacht!’ begleitete, auch noch Klarinette und Orgel gespielt haben.” |
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| − | == War Mohr auch Komponist? ==
| + | Neumayr erläutert in diesem Beitrag den aktuellen Forschungsstand, der einige Fragen etwa nach einem von [[Karl Heinrich Waggerl]] erwähnten “Tantum ergo” oder einer Festmesse offen lässt, und präsentiert ein geistliches Lied “Das Glück eines guten Gewissens” mit 16 Strophen von [[Christian Fürchtegott Gellert]], dessen Komposition Joseph Mohr zugeschrieben wird: “''Die Frage nach einer Kompositionstätigkeit des Dichters von ‘Stille Nacht! Heilige Nacht!’ muss daher solange offen bleiben, bis weitere Quellen ans Licht kommen.''” |
| − | Dieser Frage ist der zentrale Forschungsbeitrag der Ausgabe 49 der “[[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]]” gewidmet. [[Eva Neumayr]] skizziert den Weg des musikalisch immer aktiven jungen Mohr, der sich durch musikalische Dienste sein Studium in Salzburg und Kremsmünster zumindest teilweise finanziert haben dürfte. Mohr soll auch “neben den Instrumenten, die er beherrschte, nämlich der Violine, mit der er sich in seiner Gymnasialzeit seinen Unterhalt verdiente, und der Gitarre, mit der er die Uraufführung von ‘Stille Nacht! Heilige Nacht!’ begleitete, auch noch Klarinette und Orgel gespielt haben.”
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| − | Neumayr erläutert in diesem Beitrag den aktuellen Forschungsstand, der einige Fragen etwa nach einem von [[Karl Heinrich Waggerl]] erwähnten “Tantum ergo” oder einer Festmesse offen lässt, und präsentiert ein geistliches Lied “Das Glück eines guten Gewissens” mit 16 Strophen von [[Christian Fürchtegott Gellert]], dessen Komposition Joseph Mohr zugeschrieben wird: “Die Frage nach einer Kompositionstätigkeit des Dichters von ‘Stille Nacht! Heilige Nacht!’ muss daher solange offen bleiben, bis weitere Quellen ans Licht kommen.”
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| | Seit dem Auffinden einer eigenhändigen Handschrift von Joseph Mohr sind sämtliche immer wieder geäußerten Mutmaßungen, dass Mohr nicht nur den Text, sondern auch die Melodie des Stille-Nacht-Liedes geschrieben hätte absolut widerlegt.<ref>vergleiche [[Stille Nacht, Heilige Nacht]] - Entstehungsgeschichte</ref>. | | Seit dem Auffinden einer eigenhändigen Handschrift von Joseph Mohr sind sämtliche immer wieder geäußerten Mutmaßungen, dass Mohr nicht nur den Text, sondern auch die Melodie des Stille-Nacht-Liedes geschrieben hätte absolut widerlegt.<ref>vergleiche [[Stille Nacht, Heilige Nacht]] - Entstehungsgeschichte</ref>. |
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| − | ==Weblinks== | + | == Ehrungen == |
| − | * [http://www.stillenachtland.at/ www.stillenachtland.at]
| + | In Hallein erinnert der [[Mohrweg (Hallein)|Mohrweg]] an ihn. |
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| | ==Zum Nachlesen== | | ==Zum Nachlesen== |
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| | == Bildergalerien == | | == Bildergalerien == |
| | '''Gedenktafeln''' | | '''Gedenktafeln''' |
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| | Bild:Josef_Mohr1.JPG|Gedenktafel von [[Josef Zenzmaier]], [[Pfarrkirche Hl. Maria und Pankraz|Pfarrkirche Kuchl]] | | Bild:Josef_Mohr1.JPG|Gedenktafel von [[Josef Zenzmaier]], [[Pfarrkirche Hl. Maria und Pankraz|Pfarrkirche Kuchl]] |
| | Datei:Gedenktafel_Joseph_Mohr_Geburtshaus.jpg|Gedenktafel in Salzburg in der [[Steingasse]] Nr. 9 dem "vermeintlichen" Geburtshaus Joseph Mohrs | | Datei:Gedenktafel_Joseph_Mohr_Geburtshaus.jpg|Gedenktafel in Salzburg in der [[Steingasse]] Nr. 9 dem "vermeintlichen" Geburtshaus Joseph Mohrs |
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| − | == Weitere Bilder == | + | === weitere Bilder === |
| | {{Commonscat|Joseph Mohr}} | | {{Commonscat|Joseph Mohr}} |
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| | ==Literatur == | | ==Literatur == |
| | * ''Dem Textdichter des Weihnachtsliedes "Stille Nacht! Heilige Nacht!" Joseph Mohr zum 150. Todestag am 4. Dezember 1998'', [[Salzburger Museumsblätter]], Nr. 10, 59. Jg., Dezember 1998, Salzburg | | * ''Dem Textdichter des Weihnachtsliedes "Stille Nacht! Heilige Nacht!" Joseph Mohr zum 150. Todestag am 4. Dezember 1998'', [[Salzburger Museumsblätter]], Nr. 10, 59. Jg., Dezember 1998, Salzburg |
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| | * Spatzenegger, Hans: ''"Refugium peccatorum" - Mohr in Hintersee.'' In [[Blätter der Stille-Nacht-Gesellschaft]], Folge 1, 1980, S.5-7. | | * Spatzenegger, Hans: ''"Refugium peccatorum" - Mohr in Hintersee.'' In [[Blätter der Stille-Nacht-Gesellschaft]], Folge 1, 1980, S.5-7. |
| | * [[Traumstraßen durch das "Stille Nacht" Land]], auf den Spuren von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber | | * [[Traumstraßen durch das "Stille Nacht" Land]], auf den Spuren von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber |
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| | + | ==Weblinks== |
| | + | * [http://www.stillenachtland.at/ www.stillenachtland.at] |
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| | ==Quellen und Fußnoten== | | ==Quellen und Fußnoten== |