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| | [[1420]] kam es zur Vereinigung der [[Pfleggericht]]e Straßwalchen mit jenem von [[Mattsee (Ort)|Mattsee]]. [[1431]] erhält das [[Erzstift Salzburg]] für 9.000 [[Gulden]] von Bayern wiederum das Hals- und oberste Gericht, aber nur pfandweise, [[1442]] kommt das Halsgericht, allerdings gegen Wiedereinlösung, erneut an Salzburg. Fürsterzbischof [[Sigismund I. von Volkersdorf]] und Herzog Ludwig von Bayern schließen [[1458]] einen Vertrag bezüglich der Mautfreiheit der Straßwalchner Bürger und im selben Jahr verleiht Fürsterzbischof Sigismund I. von Volkersdorf Straßwalchen das Marktrecht. Der Marktrichter übte die Niedergerichtsbarkeit aus, das Hals- oder Blutgericht verblieb in Bayern. Sigismund war es auch dann, der [[1464]] der Bürgerschaft das Recht verleiht, ein Wappen zu führen und die Erlaubnis zur Wahl zweier Bürgermeister erteilt. [[1493]] fällt die Halsgerichtsbarkeit über Straßwalchen wegen Wiedereinlösung an Bayern zurück. | | [[1420]] kam es zur Vereinigung der [[Pfleggericht]]e Straßwalchen mit jenem von [[Mattsee (Ort)|Mattsee]]. [[1431]] erhält das [[Erzstift Salzburg]] für 9.000 [[Gulden]] von Bayern wiederum das Hals- und oberste Gericht, aber nur pfandweise, [[1442]] kommt das Halsgericht, allerdings gegen Wiedereinlösung, erneut an Salzburg. Fürsterzbischof [[Sigismund I. von Volkersdorf]] und Herzog Ludwig von Bayern schließen [[1458]] einen Vertrag bezüglich der Mautfreiheit der Straßwalchner Bürger und im selben Jahr verleiht Fürsterzbischof Sigismund I. von Volkersdorf Straßwalchen das Marktrecht. Der Marktrichter übte die Niedergerichtsbarkeit aus, das Hals- oder Blutgericht verblieb in Bayern. Sigismund war es auch dann, der [[1464]] der Bürgerschaft das Recht verleiht, ein Wappen zu führen und die Erlaubnis zur Wahl zweier Bürgermeister erteilt. [[1493]] fällt die Halsgerichtsbarkeit über Straßwalchen wegen Wiedereinlösung an Bayern zurück. |
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| | + | === Dreifürsteneck mit wilder Vergangenheit === |
| | + | [[Datei:Strasswalchen_Mauthaus_Gemeindeamt.jpg|thumb|im Straßwalchener Gemeindeamt hob früher ein bayerischer Mautner Steuern ein ]] |
| | + | Heute ist an Straßwalchens Grenzen alles ziemlich unkompliziert, wenn auch einzigartig. Ganze sechs oberösterreichische Gemeinden hat die Marktgemeinde neben Köstendorf im Westen und Neumarkt im Süden als Nachbarn und ragt wie eine Hundeschnauze ins Oberösterreichische. Diese Randlage verursacht heute keine politischen Verwicklungen mehr, doch blickt Straßwalchen auf mehr als unruhige 500 Jahre zurück, in denen die Gemeinde am geografischen Scharnier dreier Herrschaftsbereiche diese exponierte Lage zu spüren bekam. Die Schwierigkeiten begannen [[1286]], als die Bayerischen Herzöge ihr Gebiet erweiterten und in Straßwalchen auf dem Standort des heutigen Gemeindeamts eine Mautstelle einrichteten. Schließlich wollten auch sie am lukrativen Salzburger [[Salzhandel]] mitnaschen. Da auch der Transportweg über die [[Salzach]] immer wieder von den Bayern behindert wurde, ließen die [[Erzbischöfe]] mit dem "Salzweg" über [[Irrsdorf]] eine Umgehungsroute errichten, wovon noch heute ein Grenzstein bei [[Taign]] aus dem Jahr [[1577]] zeugt. |
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| | + | ====Dreigeteiltes Alltagsleben==== |
| | + | Die Straßwalchener mussten mit einer Dreiteilung leben: Mautrechtlich gehörten sie zu Bayern, pfarrlich zum Bistum Passau und hatten den Salzburger Erzbischof als Landesherren. Damit nicht genug, wechselte die Halsgerichtsbarkeit, also das Recht zur Verhängung von Todesstrafen, laufend zwischen Salzburg und Bayern, und beide Seiten leiteten daraus weitere Ansprüche ab. Der katholische Ortspfarrer durfte über diesen Dingen stehen: Er las die Messe im oberösterreichischen [[Oberhofen]], in [[Heiligenstatt]] (heute in der Gemeinde [[Friedburg]]) in Bayern und in der Straßwalchener Marktkirche auf Salzburger Boden. |
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| | + | Mit den Mauteinnahmen waren auch die zu kontrollierenden Straßen zu erhalten. Nicht immer wurde dem nachgekommen, weshalb etwa [[1702]] eine Fuhre von 6 000 Eiern, die als Zehent an die [[Festung Hohensalzburg]] abzuliefern war, überwiegend zerbrochen den Empfänger erreichte – Verwaltungsversäumnisse wurden so auf recht anschauliche Weise auf den (Knack)punkt gebracht. |
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| | + | ====Handgreiflicher Maut-Protest==== |
| | + | Die Straßwalchener erkämpften sich immerhin eine Mautbefreiung für den Eigenbedarf, deren Auslegung jedoch wiederholt für Streit mit der Mautverwaltung sorgt. Handgreiflichkeiten waren da nicht die Ausnahme: So geriet ein Fuhrknecht, der seine voll beladenen Wägen auf der ungeräumten Straße über mehrere Tage und Nächte stehen lassen musste, derart in Rage, dass er den Mautschreiber als Lumpenkerl bezeichnete und der verwitweten Mautnerin einen Stoß in den "S. V: hintern" versetzte. |
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| | + | Gänzlich der Kragen platzte den Straßwalchenern, als die Maut kurzerhand um das Doppelte erhöht wurde und der Bierpreis drastisch stieg. Aus diesem Grund wurden [[1716]] von der Bevölkerung das Mauthaus im Straßwalchener Ortszentrum und die Beimaut in [[Steindorf (Straßwalchen)|Steindorf]] überfallen und die Schilder demoliert. |
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| | + | ====Nachbarliches Bierverbot==== |
| | + | Ob es am Geschmack lag, lässt sich heute nicht mehr eruieren, doch war es den bayerischen Behörden ein Dorn im Auge, wenn die eigenen Leute ihren Durst beim Salzburger Nachbarn löschten und ordneten [[1750]] bei Strafe von 24 Talern an, dass kein Bayerischer Untertan in Salzburger Wirtshäusern [[Bier]] trinken darf. |
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| | + | Auch der Galgen an der Straßwalchener Hinrichtungsstätte wurde Opfer des Gezerres um die Blutgerichtsbarkeit zwischen Bayern und Salzburg. Von [[Braunau am Inn|Braunauer]] – also damals bayerischer – Seite wurde er wiederholt umgehackt, und das trotz militärischer Bewachung. |
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| | + | ====Ab 1779 kehrt Ruhe ein==== |
| | + | Einen vorläufigen Schlussstrich unter die Zwistigkeiten wurde mit der Angliederung des ehemals Bayerischen [[Innviertel]]s [[1779]] an Österreich gezogen. Jetzt war das Gedankenspiel, beim Dreiländereck in den Ausläufern des [[Kobernaußerwald]]es die Fürsten Bayerns, [[Österreich]]s und Salzburgs an einem Tisch, doch jeden in seinem Herrschaftsgebiet sitzen und miteinander sprechen zu lassen, endgültig unmöglich geworden. Bis 1816 Straßwalchen endgültig und vollinhaltlich zu Salzburg kam, gab es noch einige administrative Geplänkel, doch seither ist Ruhe eingekehrt in den nordöstlichen Zipfel des Flachgaus. |
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| | * [http://www.openstreetmap.org/ www.openstreetmap.org] | | * [http://www.openstreetmap.org/ www.openstreetmap.org] |
| | * {{Quelle FN|12. Juli 2012}} | | * {{Quelle FN|12. Juli 2012}} |
| | + | * Quelle für "Dreifürsteneck mit wilder Vergangenheit" [[Salzburger Landeskorrespondenz]], [http://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=53736 6. November 2014] |
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| | {{Gemeinden im Flachgau}} | | {{Gemeinden im Flachgau}} |
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