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| | == Restaurierung 2010 - 2011 == | | == Restaurierung 2010 - 2011 == |
| − | Das Turmuhrwerk des „Torwarthauses“ neben Schloss Kleßheim stammt von [[Joseph Christoph Schmid]], der es [[ 1732]] fertigte. Beim Umbau [[1794]] von [[Johann Bentele sen.]], ein Uhrmachermeister aus Salzburg, erhielt es auch ein vier Meter langes Pendel mit einer Pendellinse aus „Höglauerstein“ – vom Steinbruch am [[Högl]] auf der bayrischen [[Salzach]]<nowiki>seite</nowiki>. | + | Das Turmuhrwerk des „Torwarthauses“ neben Schloss Kleßheim stammt von [[Joseph Christoph Schmid]], der es [[ 1732]] fertigte. Beim Umbau [[1794]] von [[Johann Bentele senior]], ein Uhrmachermeister aus Salzburg, erhielt es auch ein vier Meter langes Pendel mit einer Pendellinse aus „Höglauerstein“ – vom Steinbruch am [[Högl]] auf der bayrischen [[Salzach]]<nowiki>seite</nowiki>. |
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| | Als [[Michael Neureiter]] mit seiner Firma [[horologium]] 2010 vom Land Salzburg den Auftrag erhielt, das historische Uhrwerk zu revitalisieren, musste er feststellen, dass das Pendel samt der Pendellinse verschwunden war – 1926 war es laut einem Bericht vom Salzburger Historiker [[Franz Martin]] noch vorhanden. | | Als [[Michael Neureiter]] mit seiner Firma [[horologium]] 2010 vom Land Salzburg den Auftrag erhielt, das historische Uhrwerk zu revitalisieren, musste er feststellen, dass das Pendel samt der Pendellinse verschwunden war – 1926 war es laut einem Bericht vom Salzburger Historiker [[Franz Martin]] noch vorhanden. |
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| | == Die Geschichte im Detail == | | == Die Geschichte im Detail == |
| − | Das Turmhaus von Kleßheim, auch „Torwarthaus“ (wegen des daneben liegenden Tores) und „Wachstubenturm“ genannt, wurde [[1731]] unter Erzbischof [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] erbaut, der vielleicht der erste Landesfürst war, der das nach Plänen [[Johann Bernhard Fischer von Erlach]]s anfangs des Jahrhunderts erbaute Schloss tatsächlich als Sommersitz benützte. | + | Das Turmhaus von Kleßheim, auch „Torwarthaus“ (wegen des daneben liegenden Tores) und „Wachstubenturm“ genannt, wurde [[1731]] unter [Fürsterzbischof]] [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] erbaut, der vielleicht der erste Landesfürst war, der das nach Plänen [[Johann Bernhard Fischer von Erlach]]s anfangs des Jahrhunderts erbaute Schloss tatsächlich als Sommersitz benützte. |
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| − | Die intensive Bautätigkeit dieses Erzbischofs dürfte „sohin auf seine Bemühungen, den Nachteilen des wenig wohnlichen Schlosses durch einige kleinere Herstellungen und Ergänzungen im Innern, sowie durch Errichtung von Nebengebäuden (Wachturm, Meierei, Hoyoshaus) (entgegenzuwirken), zurückzuführen sein“ ([[Franz Martin]]: Schloß Klesheim.- In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band IV. Wien: Krystall-Verlag (1926): S. 175-195. Hier S. 193). | + | Die intensive Bautätigkeit dieses Fürsterzbischofs dürfte „''sohin auf seine Bemühungen, den Nachteilen des wenig wohnlichen Schlosses durch einige kleinere Herstellungen und Ergänzungen im Innern, sowie durch Errichtung von Nebengebäuden (Wachturm, Meierei, Hoyoshaus) (entgegenzuwirken), zurückzuführen sein''“ ([[Franz Martin]]: Schloß Klesheim.- In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band IV. Wien: Krystall-Verlag (1926): S. 175-195. Hier S. 193). |
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| | [[1727]] war das Brunnenmacherhaus am Bache gebaut worden, 1731 wurde der Salzburger Bildhauer [[Josef Anton Pfaffinger]] mit den „''vier ligent weiß marmorsteinerne Hirsch bei der neuen Auffahrt zu Klesheim''“ beauftragt (der Bau des [[Kavalierhaus]]es folgte erst 1880). Am [[29. Dezember]] 1731 wurde mit Großuhrmacher Joseph Christoph Schmidt „wegen Verfertigung einer neuen Schlag- und Zeiguhr im Wachstubenturm“ ein Kontrakt abgeschlossen. Es kann somit angenommen werden, dass das Uhrwerk aus 1732 stammt. | | [[1727]] war das Brunnenmacherhaus am Bache gebaut worden, 1731 wurde der Salzburger Bildhauer [[Josef Anton Pfaffinger]] mit den „''vier ligent weiß marmorsteinerne Hirsch bei der neuen Auffahrt zu Klesheim''“ beauftragt (der Bau des [[Kavalierhaus]]es folgte erst 1880). Am [[29. Dezember]] 1731 wurde mit Großuhrmacher Joseph Christoph Schmidt „wegen Verfertigung einer neuen Schlag- und Zeiguhr im Wachstubenturm“ ein Kontrakt abgeschlossen. Es kann somit angenommen werden, dass das Uhrwerk aus 1732 stammt. |
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| | Schmidt hatte 1712 das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerrecht]] als Werkstattnachfolger von [[Jeremias Sauter]], dem Erbauer des [[Salzburger Glockenspiel]]s, erworben. | | Schmidt hatte 1712 das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerrecht]] als Werkstattnachfolger von [[Jeremias Sauter]], dem Erbauer des [[Salzburger Glockenspiel]]s, erworben. |
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| − | Erzbischof Firmian war ein großer Sammler und Liebhaber von komplizierten Uhrwerken und von Sonnenuhren: Ernst von Bassermann-Jordan sprach vom „Uhrenfreund“ und verwies [in der „Uhrmacher-Woche“ 1929) ebenso wie Peter Martin Husty in seiner Diplomarbeit (Pater Bernard Stuart (*1706, † 1755). Ein Salzburger Hofarchitekt und die Aufgaben der Zeit. Salzburg 1989] auf prächtige Standuhren ebenso wie auf die beiden steinernen polyedrischen Sonnenuhren auf den Balustraden des Schlosses Kleßheim, die sich in Verwahrung befinden. Firmian ging in die Geschichte allerdings mehr als „[[Protestantenvertreibung|Protestantenvertreiber]]“ denn als kunstsinniger Landesfürst ein – er hatte zwei Monate vor dem Auftrag für die Turmuhr am [[31. Oktober]], am Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther 1517, das „[[Emigrationspatent]]“ unterzeichnet, aufgrund dessen mehr als 20 000 [[Protestanten]] das Land Salzburg verlassen mussten.
| + | Fürsterzbischof Firmian war ein großer Sammler und Liebhaber von komplizierten Uhrwerken und von Sonnenuhren: Ernst von Bassermann-Jordan sprach vom „Uhrenfreund“ und verwies [in der „Uhrmacher-Woche“ 1929) ebenso wie Peter Martin Husty in seiner Diplomarbeit (Pater Bernard Stuart (*1706, † 1755). Ein Salzburger Hofarchitekt und die Aufgaben der Zeit. Salzburg 1989] auf prächtige Standuhren ebenso wie auf die beiden steinernen polyedrischen Sonnenuhren auf den Balustraden des Schlosses Kleßheim, die sich in Verwahrung befinden. Firmian ging in die Geschichte allerdings mehr als „[[Protestantenvertreibung|Protestantenvertreiber]]“ denn als kunstsinniger Landesfürst ein – er hatte zwei Monate vor dem Auftrag für die Turmuhr am [[31. Oktober]], am Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther 1517, das „[[Emigrationspatent]]“ unterzeichnet, aufgrund dessen mehr als 20 000 [[Protestanten]] das Land Salzburg verlassen mussten. |
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| | === Das Turmuhrwerk 1732 === | | === Das Turmuhrwerk 1732 === |
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| | Schon 1794 wurde das Turmuhrwerk 1732 gründlich umgebaut: Johann Bentele ersetzte vermutlich das vorher verwendete kurze Pendel mit Spindelhemmung durch einen knapp vier Meter langen Perpentikel (Clement‘sche Hemmung) und verewigte sich auf der Pendellinse aus „Höglauer Stein“ vom [[Högl]] auf der anderen Seite der [[Saalach]]. | | Schon 1794 wurde das Turmuhrwerk 1732 gründlich umgebaut: Johann Bentele ersetzte vermutlich das vorher verwendete kurze Pendel mit Spindelhemmung durch einen knapp vier Meter langen Perpentikel (Clement‘sche Hemmung) und verewigte sich auf der Pendellinse aus „Höglauer Stein“ vom [[Högl]] auf der anderen Seite der [[Saalach]]. |
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| − | Das Pendel wurde von Franz Martin in den [[1920er]] Jahren samt der Inschrift „J.B. 1794“ dokumentiert, leider ist es nun ebenso verschwunden | + | Das Pendel wurde von Franz Martin in den [[1920er]] Jahren samt der Inschrift „J.B. 1794“ dokumentiert, leider ist es nun ebenso verschwunden wie das damals noch auf dem Uhrwerk befindliche ausgeschnittene und auf der Vorderseite bemalte Blechwappen Erzbischof Firmians aus 1732 und die drei (vermutlich steinernen?) Gewichte. |
| − | wie das damals noch auf dem Uhrwerk befindliche ausgeschnittene und auf der Vorderseite bemalte Blechwappen Erzbischof Firmians aus 1732 und die drei (vermutlich steinernen?) Gewichte. | + | |
| | + | In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] wurden im Zuge der Umbauarbeiten von Kleßheim nach einem Konzept von 1940 die beiden Flügel des Turmhauses beseitigt und durch einen Neubau ersetzt, in den beiden neuen Wohnungen sollten der Kastellan und der Haushofmeister untergebracht werden. |
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| − | In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] wurden im Zuge der Umbauarbeiten von Kleßheim nach einem Konzept von 1940 die beiden Flügel des Turmhauses beseitigt und durch einen Neubau ersetzt, in den beiden neuen Wohnungen sollten der Kastellan und der Haushofmeister untergebracht werden.
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| | Heute ist eine der beiden Wohnungen besetzt. Der alte Turm blieb (samt Turmuhrwerk und Glocken) erhalten, das Gebäude wurde in der alten Form wiederhergestellt. | | Heute ist eine der beiden Wohnungen besetzt. Der alte Turm blieb (samt Turmuhrwerk und Glocken) erhalten, das Gebäude wurde in der alten Form wiederhergestellt. |
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| − | Bei der Revitalisierung 2011durch das Kleinunternehmen „ horologium. michael neureiter“ wurde im Auftrag des Landes Salzburg in ständigem Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt (Hofrat Dr. Ronald Gobiet und Mag. Gerd Pichler; Bescheid des Bundesdenkmalamts, Abteilung Klangdenkmale, vom 10 12 2010) eine umfassende Restaurierung des Werks vorgenommen: Nach dem Zerlegen und Reinigen wurden fehlende Messinglager nachgebaut, ein devastiertes Zahnrad im Viertelstundenschlagwerk durch ein ähnlich altes ersetzt, Kleinteile (insbesondere Keile) ergänzt und die Oberflächensicherung mit mikrokristallinem Wachs durchgeführt. Schließlich erfolgte der Wiederaufbau des Werks und eine gründliche und zeitintensive Abstimmung. | + | Bei der Revitalisierung 2011 durch das Kleinunternehmen „ horologium. michael neureiter“ wurde im Auftrag des Landes Salzburg in ständigem Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt (Hofrat Dr. [[Ronald Gobiet]] und Mag. Gerd Pichler; Bescheid des Bundesdenkmalamts, Abteilung Klangdenkmale, vom 10 12 2010) eine umfassende Restaurierung des Werks vorgenommen: Nach dem Zerlegen und Reinigen wurden fehlende Messinglager nachgebaut, ein devastiertes Zahnrad im Viertelstundenschlagwerk durch ein ähnlich altes ersetzt, Kleinteile (insbesondere Keile) ergänzt und die Oberflächensicherung mit mikrokristallinem Wachs durchgeführt. Schließlich erfolgte der Wiederaufbau des Werks und eine gründliche und zeitintensive Abstimmung. |
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| | Die beiden aufgefundenen historischen Schlaghämmer wurden von Mag. Kolmanitsch restauriert und von mir wieder eingebaut. Die Hebelkrümmung bei einem Hammer und die Windungen bei beiden Trägern lassen auf einen Umbau schließen? | | Die beiden aufgefundenen historischen Schlaghämmer wurden von Mag. Kolmanitsch restauriert und von mir wieder eingebaut. Die Hebelkrümmung bei einem Hammer und die Windungen bei beiden Trägern lassen auf einen Umbau schließen? |