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| | Mehr als Täler zählen Gräben im Bergland zur alltäglichen Herausforderung. Auf dem Talboden oder an den Abhängen über dem Talboden lebt man, aber die Gräben müssen bei der Bewirtschaftung der Wiesen und Felder gefahrlos gequert, die Kinder müssen vor dem Absturz, das Weidevieh vor dem Versteigen und „Abkugeln“ – wie das Abstürzen im Volksmund heißt - bewahrt werden. Bei Hochwettern droht die Gefahr von Plaiken und [[Mure]]n und nachfolgenden Verklausungen, die ihrerseits Bachausbrüche mit Überflutungen verursachen können. | | Mehr als Täler zählen Gräben im Bergland zur alltäglichen Herausforderung. Auf dem Talboden oder an den Abhängen über dem Talboden lebt man, aber die Gräben müssen bei der Bewirtschaftung der Wiesen und Felder gefahrlos gequert, die Kinder müssen vor dem Absturz, das Weidevieh vor dem Versteigen und „Abkugeln“ – wie das Abstürzen im Volksmund heißt - bewahrt werden. Bei Hochwettern droht die Gefahr von Plaiken und [[Mure]]n und nachfolgenden Verklausungen, die ihrerseits Bachausbrüche mit Überflutungen verursachen können. |
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| − | Um die während der landwirtschaftlichen Arbeit oft unbeaufsichtigten Kinder im Hofnähe zu hüten und vor unvorsichtigem Verhalten im Nahbereich gefährlicher Gräben zu bewahren, warnte man sie einst vor dem Grabenputz und der Habergeiß. Grausliche Schreckgestalten, die Kinder holen oder in den Abgrund reißen, wenn sie sich unfolgsam zu weit vom Haus entfernen. | + | Um die während der landwirtschaftlichen Arbeit oft unbeaufsichtigten Kinder im Hofnähe zu hüten und vor unvorsichtigem Verhalten im Nahbereich gefährlicher Gräben zu bewahren, warnte man sie einst vor dem ''Grabenputz'' und der ''Habergeiß''. Grausliche Schreckgestalten, die Kinder holen oder in den Abgrund reißen, wenn sie sich unfolgsam zu weit vom Haus entfernen. |
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| | Neben diesen rational begründbaren Gefahren waren möglicherweise auch Reste alten Geister- und Aberglaubens der eigentliche Hintergrund solcher Warnungen. In diesen oft dunkel und unheimlich wirkenden, unwegsamen Gräben standen ja insbesondere vor den modernen Möglichkeiten der Holzernte mittels Seilbringung Jahrhunderte alte Bäume, die vor Ort weder gefällt noch aufgearbeitet werden konnten. Diese beherbergten real und wohl auch in der Phantasie allerlei Getier wie beispielsweise den Kauz, der als Totenvogel galt und im [[Unterpinzgau]] „Auwei“ genannt wurde. Der Schrei des „Auwei“ stand für die Schreckgestalt der kinderholenden Habergeiß. Auch waren derart alte Bäume Zeitzeugen über Generationen von Menschen hinweg und mögen allerhand Dunkles „erlebt“ und „in Erinnerung behalten“ haben. | | Neben diesen rational begründbaren Gefahren waren möglicherweise auch Reste alten Geister- und Aberglaubens der eigentliche Hintergrund solcher Warnungen. In diesen oft dunkel und unheimlich wirkenden, unwegsamen Gräben standen ja insbesondere vor den modernen Möglichkeiten der Holzernte mittels Seilbringung Jahrhunderte alte Bäume, die vor Ort weder gefällt noch aufgearbeitet werden konnten. Diese beherbergten real und wohl auch in der Phantasie allerlei Getier wie beispielsweise den Kauz, der als Totenvogel galt und im [[Unterpinzgau]] „Auwei“ genannt wurde. Der Schrei des „Auwei“ stand für die Schreckgestalt der kinderholenden Habergeiß. Auch waren derart alte Bäume Zeitzeugen über Generationen von Menschen hinweg und mögen allerhand Dunkles „erlebt“ und „in Erinnerung behalten“ haben. |
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| | [[Theresia Oblasser]] erinnert sich daran, dass ihre Großmutter oft gegen Abend, wenn es dämmerte und aus dem nahen Graben der Ruf des „Auwei“ zu hören war, vor dem Grabenputz und vor der Habergeiß gewarnt hat, als würden sie die Kräfte der Finsternis und die ihr innewohnende vorchristliche Geisterwelt verkörpern. | | [[Theresia Oblasser]] erinnert sich daran, dass ihre Großmutter oft gegen Abend, wenn es dämmerte und aus dem nahen Graben der Ruf des „Auwei“ zu hören war, vor dem Grabenputz und vor der Habergeiß gewarnt hat, als würden sie die Kräfte der Finsternis und die ihr innewohnende vorchristliche Geisterwelt verkörpern. |
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