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| | Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das einzige Kind der Barone Hagenauer geboren. Ihr Sohn Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat mit ihm verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt). | | Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das einzige Kind der Barone Hagenauer geboren. Ihr Sohn Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat mit ihm verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt). |
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| − | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Sándor Wolf oder zum Weingroßhändler Igor Spitzer. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. | + | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf seine Geschwister sowie alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Sándor Wolf oder zum Weingroßhändler Igor Spitzer. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. |
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| | [[Datei:Simon III. Baron von Hagenauer.jpg|miniatur|Simon III. Baron von Hagenauer, (* Wien 1881, † Wien 1940)]] [[1937]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Erstarken der Nationalsozialisten in der österreichischen Regierung, auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte für ein Jahr das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht und war ab 1937 im (1553 gegründeten) Akademischen Gymnasium in Wien. Nach dem "Anschluss" und dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich [[1938]], waren alle ca. 1400 katholischen Privatschulen, Heime und Bildungsinstitute in Österreich geschlossen worden. Viele neue Mitschüler Wolfgangs stammten nun aus aufgelösten katholischen Gymnasien, wie dem Schottengymnasium, dem Kollegium Kalksburg oder dem Gymnasium "Theresianische Akademie", sowie aus dem Institut der Wiener Sängerknaben. Mit manchen seiner neuen Mitschüler (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) sollte er bis zum Lebensende in freundschaftlicher Verbindung stehen. 1938 sollte sich auch im Akademischen Gymnasium bald vieles für den streng katholisch erzogenen Wolfgang und seine Mitschüler ändern. An Stelle des Morgengebetes und dem damals üblichen Gruß "Grüß Gott", mußten die Schüler den eintretenden Lehrer mit dem "Hitlergruß" begrüßen, die Kreuze wurden in den Klassenzimmern abgehängt und alle verbliebenen jüdischen Mitschüler (immerhin 43 Prozent) wurden von der Schule verwiesen. Die Schulkapelle wurde geschlossen und der allgemeine Druck gegen Katholiken wurde auch für die Schüler immer spürbarer. | | [[Datei:Simon III. Baron von Hagenauer.jpg|miniatur|Simon III. Baron von Hagenauer, (* Wien 1881, † Wien 1940)]] [[1937]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Erstarken der Nationalsozialisten in der österreichischen Regierung, auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte für ein Jahr das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht und war ab 1937 im (1553 gegründeten) Akademischen Gymnasium in Wien. Nach dem "Anschluss" und dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich [[1938]], waren alle ca. 1400 katholischen Privatschulen, Heime und Bildungsinstitute in Österreich geschlossen worden. Viele neue Mitschüler Wolfgangs stammten nun aus aufgelösten katholischen Gymnasien, wie dem Schottengymnasium, dem Kollegium Kalksburg oder dem Gymnasium "Theresianische Akademie", sowie aus dem Institut der Wiener Sängerknaben. Mit manchen seiner neuen Mitschüler (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) sollte er bis zum Lebensende in freundschaftlicher Verbindung stehen. 1938 sollte sich auch im Akademischen Gymnasium bald vieles für den streng katholisch erzogenen Wolfgang und seine Mitschüler ändern. An Stelle des Morgengebetes und dem damals üblichen Gruß "Grüß Gott", mußten die Schüler den eintretenden Lehrer mit dem "Hitlergruß" begrüßen, die Kreuze wurden in den Klassenzimmern abgehängt und alle verbliebenen jüdischen Mitschüler (immerhin 43 Prozent) wurden von der Schule verwiesen. Die Schulkapelle wurde geschlossen und der allgemeine Druck gegen Katholiken wurde auch für die Schüler immer spürbarer. |
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| | [[1940]] verstarb jedoch Wolfgangs Vater, Simon Baron von Hagenauer, in Wien. So wurde der vierzehnjährige Wolfgang in die Schweiz auf das St. Gallener Internat "Institut auf dem Rosenberg" gesandt, um ihn dem Wunsch seines verstorbenen Vaters entsprechend der NS-Propaganda und dem Antikatholizismus zu entziehen. Mitten im Zweiten Weltkrieg besuchten Schüler aus 18 verschiedenen Nationen (wie Amerikaner, Engländer, Italiener, Russen, Dänen, Ungarn, Deutsche, Österreicher, Schweizer etc.) dieses internationale schweizer Internat. Die meisten seiner lebenslangen Freunde stammten aus dieser für Baron Wolfgang (VI.) stark prägenden Schweizer Zeit. Dort befreundete er sich auch mit den drei Brüdern Andréewitch, die russischer Abstammung waren, und von denen einer später seine Cousine in Wien heiraten sollte. Während eines Urlaubs im Dezember 1943 in Wien war Wolfgang Hagenauer auf Grund eines nach Berlin gesandten Spitzelberichtes, ''"Hagenauers politische Einstellung entspräche nicht nationalsozialistischen Intentionen und er verkehre in St. Gallen mit Juden"'', die Ausreise aus dem "Deutschen Reichsgebiet" verboten worden. Kurz darauf erhielt er die Einberufung zur Stellung. Nachdem somit seine Rückreise in das schweizer Internat unmöglich geworden war, legte Wolfgang die Matura gezwungenermaßen auf "deutschem Boden" im Benediktinergymnasium des Klosters Ettal (Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ab. | | [[1940]] verstarb jedoch Wolfgangs Vater, Simon Baron von Hagenauer, in Wien. So wurde der vierzehnjährige Wolfgang in die Schweiz auf das St. Gallener Internat "Institut auf dem Rosenberg" gesandt, um ihn dem Wunsch seines verstorbenen Vaters entsprechend der NS-Propaganda und dem Antikatholizismus zu entziehen. Mitten im Zweiten Weltkrieg besuchten Schüler aus 18 verschiedenen Nationen (wie Amerikaner, Engländer, Italiener, Russen, Dänen, Ungarn, Deutsche, Österreicher, Schweizer etc.) dieses internationale schweizer Internat. Die meisten seiner lebenslangen Freunde stammten aus dieser für Baron Wolfgang (VI.) stark prägenden Schweizer Zeit. Dort befreundete er sich auch mit den drei Brüdern Andréewitch, die russischer Abstammung waren, und von denen einer später seine Cousine in Wien heiraten sollte. Während eines Urlaubs im Dezember 1943 in Wien war Wolfgang Hagenauer auf Grund eines nach Berlin gesandten Spitzelberichtes, ''"Hagenauers politische Einstellung entspräche nicht nationalsozialistischen Intentionen und er verkehre in St. Gallen mit Juden"'', die Ausreise aus dem "Deutschen Reichsgebiet" verboten worden. Kurz darauf erhielt er die Einberufung zur Stellung. Nachdem somit seine Rückreise in das schweizer Internat unmöglich geworden war, legte Wolfgang die Matura gezwungenermaßen auf "deutschem Boden" im Benediktinergymnasium des Klosters Ettal (Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ab. |
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| − | [[Datei: Berta Baronin von Hagenauer.jpg|miniatur|Berta Baronin von Hagenauer, (* Graz 1903, † Wien 1972)]] Während der Abwesenheit ihres Sohnes Wolfgang (in der Schweiz, in Deutschland und Italien) hatte Baronin Hagenauer öfters Jüdinnen geholfen und auch in ihrer Wiener Wohnung versteckt. Ebenso hatte sie immer wieder als Bridge-Abende getarnte Treffen ehemaliger österreichischer Politiker (spätere Gründungsmitglieder der ÖVP) organisiert, die im Widerstand arbeiteten. Unter diesen befanden sich auch Lois Weinberger (später Vizebürgermeister von Wien), Leopold Figl (später Bundeskanzler) und Felix Hurdes (später Unterrichtsminister und Nationalratspräsident). Man plante dort den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zukunft Österreichs nach Beendigung des Krieges. Die geheimen Treffen wurden aber von der Gestapo entdeckt und [[1944]] wurde die verwitwete Baronin Hagenauer als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers in Wien wegen „Hochverrats“ von der Gestapo verhaftet und inhaftiert. Sie überlebte die Gefangenschaft trotz Folter und erlittener Herzinfarkte, von denen sie sich nie mehr ganz erholen sollte. Ihr gelang nach einem Bombentreffer des Gefängnis-Gebäudes Anfang April [[1945]] aus diesem zu fliehen und mit Hilfe von Freunden die letzten Kriegstage in einem Spital unterzutauchen. Dort wurde sie in den folgenden Monaten auf ihre in Gefangenschaft erlittenen Infarkte behandelt. Aus der Familie selbst war aber nicht nur Wolfgangs Mutter von den Nationalsozialisten verhaftet worden, sondern auch Wolfgangs Onkel Adolf Proksch. Dr. Adolf Proksch, Ehemann seiner Tante Sabine von Hagenauer, war als ehemaliger Finanzberater des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und als "Hochverräter" mit dem ersten österreichischen „Prominenten-Transport“ 1938 ins KZ Dachau gebracht worden. ''"Das Schicksal von Proksch war besonders tragisch-grotesk: Wegen der zufälligen Namensgleichheit mit dem „Reichstreuhänder der Arbeit“, Proksch, wurde er 1945 gleich nach der Befreiung von den Amerikanern wieder eingesperrt."'' Ein weiteres Familienmitglied der Hagenauer, Ministerialrat Max Vladimir Freiherr von Allmayer-Beck, wurde im Februar 1940 als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers von der Gestapo verhaftet (Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien). Dem Sohn von Hersilie Freifrau von Beck, geborene von Hagenauer der italienischen Linie, warf man legitimistische Betätigung (Standpunkt der Unabsetzbarkeit des K.u.K. Herrscherhauses) vor. | + | [[Datei: Berta Baronin von Hagenauer.jpg|miniatur|Berta Baronin von Hagenauer, (* Graz 1903, † Wien 1972)]] Während der Abwesenheit ihres Sohnes Wolfgang (in der Schweiz, in Deutschland und Italien) hatte Baronin Hagenauer öfters Jüdinnen geholfen und auch in ihrer Wiener Wohnung versteckt. Ebenso hatte sie immer wieder als Bridge-Abende getarnte Treffen ehemaliger österreichischer Politiker (spätere Gründungsmitglieder der ÖVP) organisiert, die im Widerstand arbeiteten. Unter diesen befanden sich auch Lois Weinberger (später Vizebürgermeister von Wien), Leopold Figl (später Bundeskanzler) und Felix Hurdes (später Unterrichtsminister und Nationalratspräsident). Man plante dort den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zukunft Österreichs nach Beendigung des Krieges. Die geheimen Treffen wurden aber von der Gestapo entdeckt und [[1944]] wurde die verwitwete Baronin Hagenauer als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers in Wien wegen „Hochverrats“ von der Gestapo verhaftet und inhaftiert. Sie überlebte die Gefangenschaft trotz Folter und erlittener Herzinfarkte, von denen sie sich nie mehr ganz erholen sollte. Ihr gelang nach einem Bombentreffer des Gefängnis-Gebäudes Anfang April [[1945]] aus diesem zu fliehen und mit Hilfe von Freunden die letzten Kriegstage in einem Spital unterzutauchen. Dort wurde sie in den folgenden Monaten auf ihre in Gefangenschaft erlittenen Infarkte behandelt. Aus der Familie selbst war aber nicht nur Wolfgangs Mutter von den Nationalsozialisten verhaftet worden, sondern auch Wolfgangs Onkel Adolf Proksch. Dr. Adolf Proksch, Ehemann seiner Tante Sabine (geb. Baroness von Hagenauer), war als ehemaliger Finanzberater des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und als "Hochverräter" mit dem ersten österreichischen „Prominenten-Transport“ 1938 ins KZ Dachau gebracht worden. ''"Das Schicksal von Proksch war besonders tragisch-grotesk: Wegen der zufälligen Namensgleichheit mit dem „Reichstreuhänder der Arbeit“, Proksch, wurde er 1945 gleich nach der Befreiung von den Amerikanern wieder eingesperrt."'' Ein weiteres Familienmitglied der Hagenauer, Ministerialrat Max Vladimir Freiherr von Allmayer-Beck, wurde im Februar 1940 als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers von der Gestapo verhaftet (Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien). Dem Sohn von Hersilie Freifrau von Beck, geborene von Hagenauer der italienischen Linie, warf man legitimistische Betätigung (Standpunkt der Unabsetzbarkeit des K.u.K. Herrscherhauses) vor. |
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| | Im März 1944, gleich nach seiner Matura in Bayern, inskribierte Baron Wolfgang Medizin an der Universität in Wien. Er wurde danach sofort zur Wehrmacht nach Augsburg eingezogen. Nach einer kurzen Ausbildung zum Fliegerfunker in München wurde er nach Novi Ligure (Provinz Alessandria) in Norditalien verlegt. Dort entkam er mit Hilfe des italienischen Bauern Andrea Cerai, mit dem er sich angefreundet hatte, und der ihn zu den Partisanen brachte. Baron von Hagenauer schloss sich Widerstandskämpfern (Resistenza) der Brigata Val Lemme-Capurro an. Bei den italienischen Partisanen leistete er in den Bergen Liguriens (Nordwestitalien) bewaffneten Widerstand gegen das faschistische und das [[NS]]-Regime. Unter dem Decknamen "Piccin(o)" (der Kleine), obwohl oder weil er über 1,90 m groß war, kämpfte er an der Seite einer christlich-demokratischen Widerstandsgruppe, unter denen sich auch Familienmitglieder berühmter italienischer Geschlechter wie der Grafen Spinola oder der Grafen Gramatica befanden. Die Wehrmachtsjustiz ging mit erbarmungsloser Härte gegen so genannte Fahnenflüchtige vor, wobei 22.750 zum Tode verurteilt wurden und man viele noch in den letzten Kriegstagen umgebracht hatte. Nach dem Ende des Krieges verbrachte Baron Wolfgang einige Zeit auf dem Castello di Tassarolo bei der Familie seines Freundes Marchese Paolo Spinola (der später Filmregisseur werden sollte). Danach wurde er als ehemaliger Partisane bei der U.S.Army beim Kommando der 88. Division (den sogenannten „blue devils“) eingesetzt. Schließlich verbrachte er auf Grund einer schweren Hepatitis einige Zeit in einem Spital in Bozen, wobei sich sein Jugendfreund Graf von Brandis immer wieder um ihn kümmerte, da dessen Eltern im nur 25 km entfernten südtiroler Lana (südlich von Meran) Besitzungen hatten. 1946 kehrte Baron von Hagenauer mit einem Gefangentransport nach Graz zurück. Von dort reiste er mit Hilfe des mit der Familie befreundeten Grazer Politikers Dr. Alfons Gorbach (spätere Bundeskanzler) nach Wien, der mit Wolfgangs Onkel Dr. Adolph Proksch ebenfalls mit dem „Prominententransport“ im KZ Dachau und KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen war. | | Im März 1944, gleich nach seiner Matura in Bayern, inskribierte Baron Wolfgang Medizin an der Universität in Wien. Er wurde danach sofort zur Wehrmacht nach Augsburg eingezogen. Nach einer kurzen Ausbildung zum Fliegerfunker in München wurde er nach Novi Ligure (Provinz Alessandria) in Norditalien verlegt. Dort entkam er mit Hilfe des italienischen Bauern Andrea Cerai, mit dem er sich angefreundet hatte, und der ihn zu den Partisanen brachte. Baron von Hagenauer schloss sich Widerstandskämpfern (Resistenza) der Brigata Val Lemme-Capurro an. Bei den italienischen Partisanen leistete er in den Bergen Liguriens (Nordwestitalien) bewaffneten Widerstand gegen das faschistische und das [[NS]]-Regime. Unter dem Decknamen "Piccin(o)" (der Kleine), obwohl oder weil er über 1,90 m groß war, kämpfte er an der Seite einer christlich-demokratischen Widerstandsgruppe, unter denen sich auch Familienmitglieder berühmter italienischer Geschlechter wie der Grafen Spinola oder der Grafen Gramatica befanden. Die Wehrmachtsjustiz ging mit erbarmungsloser Härte gegen so genannte Fahnenflüchtige vor, wobei 22.750 zum Tode verurteilt wurden und man viele noch in den letzten Kriegstagen umgebracht hatte. Nach dem Ende des Krieges verbrachte Baron Wolfgang einige Zeit auf dem Castello di Tassarolo bei der Familie seines Freundes Marchese Paolo Spinola (der später Filmregisseur werden sollte). Danach wurde er als ehemaliger Partisane bei der U.S.Army beim Kommando der 88. Division (den sogenannten „blue devils“) eingesetzt. Schließlich verbrachte er auf Grund einer schweren Hepatitis einige Zeit in einem Spital in Bozen, wobei sich sein Jugendfreund Graf von Brandis immer wieder um ihn kümmerte, da dessen Eltern im nur 25 km entfernten südtiroler Lana (südlich von Meran) Besitzungen hatten. 1946 kehrte Baron von Hagenauer mit einem Gefangentransport nach Graz zurück. Von dort reiste er mit Hilfe des mit der Familie befreundeten Grazer Politikers Dr. Alfons Gorbach (spätere Bundeskanzler) nach Wien, der mit Wolfgangs Onkel Dr. Adolph Proksch ebenfalls mit dem „Prominententransport“ im KZ Dachau und KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen war. |