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Lager I und II waren für Kriegsgefangene, Lager II war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen Donaumonarchie (Galizien und der Bukowina)  vorgesehen. Das im Endausbau bis zu 40 000 Gefangene beherbergende k & k Kriegsgefangenenlager Grödig hatte zwei Wachbataillone zugeteilt gehabt und bestand aus etwa 290 Baracken. Darunter waren eine Theaterbaracke, es gab eine Bibliothek mit  Lesehalle, eine katholische, evangelische und eine orthodoxe Kirche  sowie einen jüdischen Tempel und einen muslimischen Gebetsraum. Die  Lagerkinder wurden in einer russischen, einer ukrainischen und einer  jüdischen Schule unterrichtet.  
 
Lager I und II waren für Kriegsgefangene, Lager II war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen Donaumonarchie (Galizien und der Bukowina)  vorgesehen. Das im Endausbau bis zu 40 000 Gefangene beherbergende k & k Kriegsgefangenenlager Grödig hatte zwei Wachbataillone zugeteilt gehabt und bestand aus etwa 290 Baracken. Darunter waren eine Theaterbaracke, es gab eine Bibliothek mit  Lesehalle, eine katholische, evangelische und eine orthodoxe Kirche  sowie einen jüdischen Tempel und einen muslimischen Gebetsraum. Die  Lagerkinder wurden in einer russischen, einer ukrainischen und einer  jüdischen Schule unterrichtet.  
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Schon im Winter 1914/15 trafen die ersten Gefangenen in Grödig ein und wurden vor der Fertigstellung des Lagers in [[Glanegg]] untergebracht.Mit [[28. April]] 1915 kamen die ersten Gefangenentransporte an, etwa 2 000 Personen mit der Lokalbahn am [[Bahnhof Grödig]] ein. Später führte vom Bahnhof ein Schleppgleis bis in die Lager. Die Lagerstadt zählte zur Zeit des Höchstbelages bei einer Fläche von 598 000 m² an die 40 000 Menschen und war damit größer als die Landeshauptstadt Salzburg (35 000).
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Schon im Winter 1914/15 trafen die ersten Gefangenen in Grödig ein und wurden vor der Fertigstellung des Lagers in [[Glanegg]] untergebracht.Mit [[28. April]] 1915 kamen die ersten Gefangenentransporte an, etwa 2 000 Personen mit der Lokalbahn am [[Bahnhof Grödig]] ein. Später führte vom Bahnhof ein Schleppgleis bis in die Lager. Die Lagerstadt zählte zur Zeit des Höchstbelages bei einer Fläche von 598 000 m² an die 40 000 Menschen und war damit größer als die Landeshauptstadt Salzburg (35 000). Etwa 900 Gefangene wurden in einem [[Gefangenenlager Thalgau|Außenlager]] in [[Thalgau]] für Arbeiten in der Gemeinde (u. a. zur Errichtung der [[Russenstraße]]) untergebracht.
    
Neben Menschen aus dem Osten und dem Balkan waren auch Italiener inhaftiert. Obwohl es eine Kanalisation und eine Trinkwasserleitung vom [[Untersberg]] her gab, traten immer wieder Infektionskrankheiten auf wie Blattern, Ruhr, Cholera und Typhus. An manchen Tagen starben daran bis zu 40 Menschen. Mehr als  2 000 Lagerinsassen verloren in dieser Zeit ihr Leben. Dennoch waren Fluchtversuche waren selten. Am [[1. April]] [[1918]] brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3 000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet. Ab dem Februar desselben Jahres kam es zum ersten Rücktransport der Flüchtlinge. Im November 1918 begannen die Entlassungen und die Heimtransporte der Kriegsgefangenen und ab dem [[15. Jänner]] 1919 die Schließung der Lager I und II. Im Lager III zogen Obdachlose ein. Aufgrund der Zunahme von Bettelei, Holzdiebstählen und Milchlieferungen forderte im Jänner 1919 die Gemeinde Anif den zuständigen Landesrat in einem Schreiben auf, die Lagerbewohner direkt von der Landesregierung mit allen Lebensmitteln zu versorgen.
 
Neben Menschen aus dem Osten und dem Balkan waren auch Italiener inhaftiert. Obwohl es eine Kanalisation und eine Trinkwasserleitung vom [[Untersberg]] her gab, traten immer wieder Infektionskrankheiten auf wie Blattern, Ruhr, Cholera und Typhus. An manchen Tagen starben daran bis zu 40 Menschen. Mehr als  2 000 Lagerinsassen verloren in dieser Zeit ihr Leben. Dennoch waren Fluchtversuche waren selten. Am [[1. April]] [[1918]] brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3 000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet. Ab dem Februar desselben Jahres kam es zum ersten Rücktransport der Flüchtlinge. Im November 1918 begannen die Entlassungen und die Heimtransporte der Kriegsgefangenen und ab dem [[15. Jänner]] 1919 die Schließung der Lager I und II. Im Lager III zogen Obdachlose ein. Aufgrund der Zunahme von Bettelei, Holzdiebstählen und Milchlieferungen forderte im Jänner 1919 die Gemeinde Anif den zuständigen Landesrat in einem Schreiben auf, die Lagerbewohner direkt von der Landesregierung mit allen Lebensmitteln zu versorgen.
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* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
 
* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
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[[Kategorie:Geschichte|Niederalm, Lager]]
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[[Kategorie:Flachgau|Niederalm, Lager]]
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[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Anif|Niederalm, Lager]]
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[[Kategorie:Grödig]]
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[[Kategorie:Erster Weltkrieg]]

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