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| | ==Gängige Familienbegriffe== | | ==Gängige Familienbegriffe== |
| | ===Kleinfamilie=== | | ===Kleinfamilie=== |
| − | Die seit den 50er-Jahren des [[20. Jahrhundert]]s üblichen Familienform ist die sogenannte Kleinfamilie. Der Prototyp besteht aus Vater und Mutter, die in der Regel miteinander verheiratet sind, und ihren gemeinsamen ehelich geborenen leiblichen Kindern, die zusammen mit ihren Eltern in einem Haus oder in einer Wohnung leben. | + | Die seit den 50er-Jahren des [[20. Jahrhundert]]s übliche Familienform ist die sogenannte Kleinfamilie. Der Prototyp besteht aus Vater und Mutter, die in der Regel miteinander verheiratet sind, und ihren gemeinsamen ehelich geborenen leiblichen Kindern, die zusammen mit ihren Eltern in einem Haus oder in einer Wohnung leben. |
| | ===Patchworkfamilie=== | | ===Patchworkfamilie=== |
| | Durch die ökonomische Veränderung und die Liberalisierung der Gesetzgebung entstand eine neue und recht vielseitige Familienform: die Patchworkfamilie. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ein Kind oder mehrere Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen zusammen mit einem leiblichen Elternteil und dessen / deren anders- oder gleichgeschlechtlichen Lebensabschnittpartner oder -partnerin in einem Haus oder in einer Wohnung zeitweise oder dauernd zusammenleben. Die Kinder in Patchworkfamilien können daher Geschwister, Halbgeschwister oder nicht miteinander verwandt sein. Die im Haushalt lebenden Erwachsenen können ein leiblicher Elternteil von einem oder mehreren der mitlebenden Kinder sein oder mit den Kindern gar nicht verwandt sein. | | Durch die ökonomische Veränderung und die Liberalisierung der Gesetzgebung entstand eine neue und recht vielseitige Familienform: die Patchworkfamilie. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ein Kind oder mehrere Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen zusammen mit einem leiblichen Elternteil und dessen / deren anders- oder gleichgeschlechtlichen Lebensabschnittpartner oder -partnerin in einem Haus oder in einer Wohnung zeitweise oder dauernd zusammenleben. Die Kinder in Patchworkfamilien können daher Geschwister, Halbgeschwister oder nicht miteinander verwandt sein. Die im Haushalt lebenden Erwachsenen können ein leiblicher Elternteil von einem oder mehreren der mitlebenden Kinder sein oder mit den Kindern gar nicht verwandt sein. |
| | ===Großfamilie=== | | ===Großfamilie=== |
| − | Unter dem Sprach-Konstrukt Großfamilie versteht man üblicherweise die Mehrgenerationenfamilie. Also ein Zusammenleben mehrerer, in aufsteigender Linie miteinander verwandter Generationen, wie Großeltern, Eltern und deren Kinder. Die Großfamilie steht für traditionelle bäuerliche Familien der Vergangenheit, die von bestimmten Interessensträgern bis in die Gegenwart als Idealform harmonischen und sittlich geordneten Zusammenlebens dem vermeintlichen moralischen Verfall des (städtischen) Restes der Gesellschaft als anzustrebendes Vorbild gegenüber gestellt wird. | + | Unter dem Sprach-Konstrukt Großfamilie versteht man üblicherweise die Mehrgenerationenfamilie. Also ein Zusammenleben mehrerer, in aufsteigender Linie miteinander verwandter Generationen, wie Großeltern, Eltern und deren Kinder. Die Großfamilie steht für traditionelle bäuerliche Familien der Vergangenheit, die von bestimmten Interessensträgern bis in die Gegenwart als Idealform harmonischen und sittlich geordneten Zusammenlebens dem vermeintlichen moralischen Verfall des (städtischen) Restes der Gesellschaft als anzustrebendes Vorbild gegenüber gestellt wird. |
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| | ==Mehrgenerationenfamilie, die Realität== | | ==Mehrgenerationenfamilie, die Realität== |
| | Das Salzburgspezifische der Mehrgenerationenfamilie liegt in der inner Gebirg bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gepflogenen bäuerlichen Subsistenzwirtschaft, deren Wirtschaftsbasis die arbeitsintensive Viehhaltung war, für die zahlreiche [[Dienstbote]]n benötigt wurden. Dazu kam das Anerbenrecht, das üblicherweise die Weitergabe des Betriebes an den ältesten Sohn zur Folge hatte. Der älteste Sohn war oft nur wenig mehr als 20 Jahre jünger als der betriebsführende und im Besitz stehende Bauer. Die Hofübergabe erfolgte daher nicht selten erst dann, wenn der Hoferbe bereits über vierzig Jahre alt und damit selbst bereits jenseits der Lebensmitte war. Späte Übergaben resultierten aus der späten Übernahme des Hofes durch den im Besitz stehenden Bauern, die bei einer frühen Übergabe an den Hoferben nur eine relativ kurze selbständige Bewirtschaftungszeit erlaubte. Sowie aus dessen Angst, nach der Übergabe im Ausgedinge zum Kostenfaktor zu werden, als solcher nur mehr geduldet zu sein und nichts mehr zu sagen zu haben. Ein diesbezügliches häufig wiederholtes Sprichwort lautet daher: „Übagebn – nimma lebn!“. | | Das Salzburgspezifische der Mehrgenerationenfamilie liegt in der inner Gebirg bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gepflogenen bäuerlichen Subsistenzwirtschaft, deren Wirtschaftsbasis die arbeitsintensive Viehhaltung war, für die zahlreiche [[Dienstbote]]n benötigt wurden. Dazu kam das Anerbenrecht, das üblicherweise die Weitergabe des Betriebes an den ältesten Sohn zur Folge hatte. Der älteste Sohn war oft nur wenig mehr als 20 Jahre jünger als der betriebsführende und im Besitz stehende Bauer. Die Hofübergabe erfolgte daher nicht selten erst dann, wenn der Hoferbe bereits über vierzig Jahre alt und damit selbst bereits jenseits der Lebensmitte war. Späte Übergaben resultierten aus der späten Übernahme des Hofes durch den im Besitz stehenden Bauern, die bei einer frühen Übergabe an den Hoferben nur eine relativ kurze selbständige Bewirtschaftungszeit erlaubte. Sowie aus dessen Angst, nach der Übergabe im Ausgedinge zum Kostenfaktor zu werden, als solcher nur mehr geduldet zu sein und nichts mehr zu sagen zu haben. Ein diesbezügliches häufig wiederholtes Sprichwort lautet daher: „Übagebn – nimma lebn!“. |