| | Der 1881 in Wien geborene Simon (III.) von Hagenauer war in seiner Jugend ein begeisterter Jäger, Segler und Reiter und besaß später auch Rennpferde. Nach Absolvierung des Franz-Joseph-Gymnasiums und des Jus-Studiums in Wien wurde er wie sein Vater Jurist. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Simon von Hagenauer Amtsleiter in der Bezirkshauptmannschaft des damals steirischen Bezirkes Windischgraz (heute okraj Slovenji Gradec in Slovenien). Der Bezirk Windischgraz wurde 1919, nach dem Vertrag von Saint-Germain, dem Königreich Jugoslawien zugewiesen. Danach war Dr. Hagenauer als Bezirkskommisär bei der Landeshauptmannschaft in Graz tätig. Zwischen 1921 und 1926 war der inzwischen zum wirkl. Hofrath ernannte Verfassungsjurist Dr. Simon Hagenauer in der burgenländischen Landes-Hauptmannschaft mit der Ausarbeitung der Gesetze für das jüngst zur Republik Österreich hinzugekommene Bundesland Burgenland betraut worden. 1922 wechselte Dr. Hagenauer in die Burgenländische Landeshauptmannschaft und wohnte vorerst in einer angemieteten Villa in Bad Sauerbrunn, wo sich der provisorische Sitz der burgenländischen Landesregierung befand. Im Jahr [[1924]] heiratete Simon Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien der einzige Sohn des Ehepaars Hagenauer, Wolfgang (VI.), von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat sogar mit ihnen verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt). | | Der 1881 in Wien geborene Simon (III.) von Hagenauer war in seiner Jugend ein begeisterter Jäger, Segler und Reiter und besaß später auch Rennpferde. Nach Absolvierung des Franz-Joseph-Gymnasiums und des Jus-Studiums in Wien wurde er wie sein Vater Jurist. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Simon von Hagenauer Amtsleiter in der Bezirkshauptmannschaft des damals steirischen Bezirkes Windischgraz (heute okraj Slovenji Gradec in Slovenien). Der Bezirk Windischgraz wurde 1919, nach dem Vertrag von Saint-Germain, dem Königreich Jugoslawien zugewiesen. Danach war Dr. Hagenauer als Bezirkskommisär bei der Landeshauptmannschaft in Graz tätig. Zwischen 1921 und 1926 war der inzwischen zum wirkl. Hofrath ernannte Verfassungsjurist Dr. Simon Hagenauer in der burgenländischen Landes-Hauptmannschaft mit der Ausarbeitung der Gesetze für das jüngst zur Republik Österreich hinzugekommene Bundesland Burgenland betraut worden. 1922 wechselte Dr. Hagenauer in die Burgenländische Landeshauptmannschaft und wohnte vorerst in einer angemieteten Villa in Bad Sauerbrunn, wo sich der provisorische Sitz der burgenländischen Landesregierung befand. Im Jahr [[1924]] heiratete Simon Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien der einzige Sohn des Ehepaars Hagenauer, Wolfgang (VI.), von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat sogar mit ihnen verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt). |
| − | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 waren unter den, auch von Baron von Hagenauer ausgearbeiteten, Verfassungs-Gesetzen Burgenlands das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden, da man aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen wollte. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren königlichen Dekret Viktor Emanuel III. wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war auch die freundschaftliche Beziehung der Barone Hagenauer zu Ungarn (Burgenländern) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Igor Spitzer und zum Weingroßhändler Sándor Wolf. Die von Wolf geführte Weingroßhandlung "Leopold Wolf Söhne" war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im Leinnerhaus (Eisenstadt) des Familienunternehmens untergebracht hatte. 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Sammlung verzichten und floh über Triest nach Palästina. Auch Herr Spitzer wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei ihm die Hagenauer geholfen hatten. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. | + | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 waren unter den, auch von Baron von Hagenauer ausgearbeiteten, Verfassungs-Gesetzen Burgenlands das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden, da man aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen wollte. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren königlichen Dekret Viktor Emanuel III. wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war auch die freundschaftliche Beziehung der Barone Hagenauer zu Ungarn (Burgenländern) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Igor Spitzer und zum Weingroßhändler Sándor Wolf. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Sammlung verzichten und floh über Triest nach Palästina. Auch Herr Spitzer wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei ihm die Hagenauer geholfen hatten. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. |
| | [[1938]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte bis 1935 das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht, das jedoch wie alle anderen 1400 geistlichen Schulen in Österreich kurz nach dem "Anschluss" 1938 geschlossen worden war. So kam er vorerst in das Akademische Gymnasium in Wien, wo viele seiner neuen Mitschüler ebenfalls aus aufgelösten katholischen Gymnasien (Schottengymnasium, Kollegium Kalksburg, Gymnasium der "Theresianische Akademie" etc.) stammten. Mit manchen Mitschülern (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) stand er bis zum Lebensende in Verbindung. [[1940]] verstarb jedoch Wolfgangs Vater, Simon Baron von Hagenauer, in Wien. So wurde Wolfgang in die Schweiz auf das St. Gallener Internat "Institut auf dem Rosenberg" gesandt, um ihn dem Wunsch seines verstorbenen Vaters entsprechend der NS-Propaganda zu entziehen. Mitten im Zweiten Weltkrieg besuchten Schüler aus 18 verschiedenen Nationen (wie Amerikaner, Engländer, Italiener, Russen, Dänen, Ungarn, Deutsche, Österreicher, Schweizer etc.) dieses internationale schweizer Internat. Die meisten seiner lebenslangen Freunde stammten aus dieser für Baron Wolfgang (VI.) stark prägenden Schweizer Zeit. Während eines Urlaubs im Dezember 1943 in Wien war Wolfgang Hagenauer auf Grund eines nach Berlin gesandten Spitzelberichtes, ''"Hagenauers politische Einstellung entspräche nicht nationalsozialistischen Intentionen und er verkehre in St. Gallen mit Juden"'', die Ausreise aus dem "Deutschen Reichsgebiet" verboten worden. Kurz darauf erhielt er die Einberufung zur Stellung. Nachdem somit seine Rückreise in das schweizer Internat unmöglich geworden war, legte Wolfgang die Matura gezwungenermaßen auf "deutschem Boden" im Benediktinergymnasium des Klosters Ettal (Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ab. | | [[1938]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte bis 1935 das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht, das jedoch wie alle anderen 1400 geistlichen Schulen in Österreich kurz nach dem "Anschluss" 1938 geschlossen worden war. So kam er vorerst in das Akademische Gymnasium in Wien, wo viele seiner neuen Mitschüler ebenfalls aus aufgelösten katholischen Gymnasien (Schottengymnasium, Kollegium Kalksburg, Gymnasium der "Theresianische Akademie" etc.) stammten. Mit manchen Mitschülern (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) stand er bis zum Lebensende in Verbindung. [[1940]] verstarb jedoch Wolfgangs Vater, Simon Baron von Hagenauer, in Wien. So wurde Wolfgang in die Schweiz auf das St. Gallener Internat "Institut auf dem Rosenberg" gesandt, um ihn dem Wunsch seines verstorbenen Vaters entsprechend der NS-Propaganda zu entziehen. Mitten im Zweiten Weltkrieg besuchten Schüler aus 18 verschiedenen Nationen (wie Amerikaner, Engländer, Italiener, Russen, Dänen, Ungarn, Deutsche, Österreicher, Schweizer etc.) dieses internationale schweizer Internat. Die meisten seiner lebenslangen Freunde stammten aus dieser für Baron Wolfgang (VI.) stark prägenden Schweizer Zeit. Während eines Urlaubs im Dezember 1943 in Wien war Wolfgang Hagenauer auf Grund eines nach Berlin gesandten Spitzelberichtes, ''"Hagenauers politische Einstellung entspräche nicht nationalsozialistischen Intentionen und er verkehre in St. Gallen mit Juden"'', die Ausreise aus dem "Deutschen Reichsgebiet" verboten worden. Kurz darauf erhielt er die Einberufung zur Stellung. Nachdem somit seine Rückreise in das schweizer Internat unmöglich geworden war, legte Wolfgang die Matura gezwungenermaßen auf "deutschem Boden" im Benediktinergymnasium des Klosters Ettal (Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ab. |