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Das '''Fresko''' trägt den Titel „Weg des Paulus“. Auf klassische Weise mit reinem Kalkputz hergestellt, ist es in fünf Segmente aufgeteilt, die von rechts nach links zu lesen sind. Mit der ihm eigenen Handschrift geht der Künstler mit archaischen Formen, aber nichtsdestoweniger großer Sensibilität dem seelischen Weg eines Menschen nach.
 
Das '''Fresko''' trägt den Titel „Weg des Paulus“. Auf klassische Weise mit reinem Kalkputz hergestellt, ist es in fünf Segmente aufgeteilt, die von rechts nach links zu lesen sind. Mit der ihm eigenen Handschrift geht der Künstler mit archaischen Formen, aber nichtsdestoweniger großer Sensibilität dem seelischen Weg eines Menschen nach.
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(1) Das rote gewolkte Feld ganz rechts steht für die Aggression und die Leidenschaft des Pau-lus, der ja alles andere als ein Durchschnittsmensch war. Das Rot bezieht sich wohl auch auf das Leid, das Paulus nach seinen eigenen Worten über die „Leute vom Weg“, wie man die Christen zunächst nannte, gebracht hat, bis hin zur Ermordung des Stefanus, bei der er ja anwesend war.
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(1) Das rote gewolkte Feld ganz rechts steht für die Aggression und die Leidenschaft des Paulus, der ja alles andere als ein Durchschnittsmensch war. Das Rot bezieht sich wohl auch auf das Leid, das Paulus nach seinen eigenen Worten über die „Leute vom Weg“, wie man die Christen zunächst nannte, gebracht hat, bis hin zur Ermordung des Stefanus, bei der er ja anwesend war.
 
 
 
(2) Das zweite Feld stellt den erstarrten Menschen dar, in der Härte des Gesetzesmenschen. In der Körpermitte ist er hier eingeengt durch zwei schwarze Flächen, die ihm jede Bewegungsfreiheit nehmen. Arme und Beine sind starr, die Ohren eckig, die Augen grau verschattet. Dass der Kopf vom Körper durch eine Linie getrennt ist, kann man wohl so verstehen, dass der Mensch von seinem Gefühl abgeschnitten ist.  
 
(2) Das zweite Feld stellt den erstarrten Menschen dar, in der Härte des Gesetzesmenschen. In der Körpermitte ist er hier eingeengt durch zwei schwarze Flächen, die ihm jede Bewegungsfreiheit nehmen. Arme und Beine sind starr, die Ohren eckig, die Augen grau verschattet. Dass der Kopf vom Körper durch eine Linie getrennt ist, kann man wohl so verstehen, dass der Mensch von seinem Gefühl abgeschnitten ist.  
 
 
(3) Das große Lichtfeld in der Mitte ist ein starker Ausdruck für das sogenannte Damaskuser-lebnis des Paulus. Diese intensive Christusbegegnung trägt und bestimmt Paulus sein Leben lang. Die Farbe ist ein Gelb, das nicht nur warm und angenehm ist. Im Damaskuserlebnis erleidet Paulus zunächst ja einen völligen Zusammenbruch. Dass er drei Tage blind ist, ist eine Parallele zu den drei Tagen des Jesus im Grab. Im Grund ist diese Erfahrung ein Durchgang durch den Tod hin zur Auferstehung. Der Apostel hat sich diese Lebenswende nicht ausgesucht, wie auch der Künstler selber betont hat. Das Harte und Plötzliche des Lichtes wird durch die Glühbirne angedeutet, die zudem ein Zitat aus „Guernica“, einem Werk Picassos, darstellt. Dieses Mittelfeld lässt uns im Fresko „Weg des Paulus“ auch ein Werk zum Thema „Auferstehung“ sehen.
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(3) Das große Lichtfeld in der Mitte ist ein starker Ausdruck für das sogenannte Damaskuserlebnis des Paulus. Diese intensive Christusbegegnung trägt und bestimmt Paulus sein Leben lang. Die Farbe ist ein Gelb, das nicht nur warm und angenehm ist. Im Damaskuserlebnis erleidet Paulus zunächst ja einen völligen Zusammenbruch. Dass er drei Tage blind ist, ist eine Parallele zu den drei Tagen des Jesus im Grab. Im Grund ist diese Erfahrung ein Durchgang durch den Tod hin zur Auferstehung. Der Apostel hat sich diese Lebenswende nicht ausgesucht, wie auch der Künstler selber betont hat. Das Harte und Plötzliche des Lichtes wird durch die Glühbirne angedeutet, die zudem ein Zitat aus „Guernica“, einem Werk Picassos, darstellt. Dieses Mittelfeld lässt uns im Fresko „Weg des Paulus“ auch ein Werk zum Thema „Auferstehung“ sehen.
 
 
 
(4) Die Paulus-Figur links ist das Bild des Menschen, der aus einer Krise hervorgeht und sich auf einen neuen Weg begibt. Langsam beginnt er sich zu bewegen, hebt eine Hand, ist in seiner Haltung gelöst. Auffällig ist der Rücken, der nicht mehr in eine starre Form gepresst ist, sondern der Linie der Wirbelsäule folgt. Das Ohr ist nicht mehr eckig, im Auge ist Klarheit und Farbe. Das Blau im Auge wiederholt sich im Ohr, im Mund und auf dem Arm. Nicht nur das Sehen wird neu, sondern auch das Hören, das Reden und das Handeln. Vielleicht wollte der Künstler schon mit der kleinen blauen Fläche bei den Füßen der starren Figur auf dem zweiten Feld die Wandlungsfähigkeit des Paulus andeuten. Das gitterförmige Ornament des vierten Feldes ist eine Dekoration, stilisierte Lilien werden manchmal so dargestellt. Den Kopf umgibt ein Heiligenschein in kräftiger, roter Farbe. Im Vergleich der beiden Figuren zeigt sich, dass Paulus der selbe geblieben ist. Es ist gleichermaßen wohltuend wie realistisch, dass es sich trotz aller Veränderungen um den selben Menschen handelt.
 
(4) Die Paulus-Figur links ist das Bild des Menschen, der aus einer Krise hervorgeht und sich auf einen neuen Weg begibt. Langsam beginnt er sich zu bewegen, hebt eine Hand, ist in seiner Haltung gelöst. Auffällig ist der Rücken, der nicht mehr in eine starre Form gepresst ist, sondern der Linie der Wirbelsäule folgt. Das Ohr ist nicht mehr eckig, im Auge ist Klarheit und Farbe. Das Blau im Auge wiederholt sich im Ohr, im Mund und auf dem Arm. Nicht nur das Sehen wird neu, sondern auch das Hören, das Reden und das Handeln. Vielleicht wollte der Künstler schon mit der kleinen blauen Fläche bei den Füßen der starren Figur auf dem zweiten Feld die Wandlungsfähigkeit des Paulus andeuten. Das gitterförmige Ornament des vierten Feldes ist eine Dekoration, stilisierte Lilien werden manchmal so dargestellt. Den Kopf umgibt ein Heiligenschein in kräftiger, roter Farbe. Im Vergleich der beiden Figuren zeigt sich, dass Paulus der selbe geblieben ist. Es ist gleichermaßen wohltuend wie realistisch, dass es sich trotz aller Veränderungen um den selben Menschen handelt.
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Manchen erscheint die Formensprache von Prof. Hubert Schmalix unzugänglich oder zumindest gewöhnungsbedürftig. Das Bedeutende an der Gestaltung dieses Kirchenraums ist aber, dass der Künstler von den Wurzeln her denkt und fühlt. Er versucht, dem Selbstverständnis des Paulus auf den Grund zu gehen, so wie er uns wirklich in seinen Briefen begegnet. Gerade die dem Bild eigene Spur von Ironie zeigt einen Weg der Annäherung an die schwierige Persönlichkeit des Paulus. Möglicherweise findet, wer sich mit diesem Werk auseinandersetzt, etwas von sich und seiner eigenen religiösen Erfahrung wieder.
 
Manchen erscheint die Formensprache von Prof. Hubert Schmalix unzugänglich oder zumindest gewöhnungsbedürftig. Das Bedeutende an der Gestaltung dieses Kirchenraums ist aber, dass der Künstler von den Wurzeln her denkt und fühlt. Er versucht, dem Selbstverständnis des Paulus auf den Grund zu gehen, so wie er uns wirklich in seinen Briefen begegnet. Gerade die dem Bild eigene Spur von Ironie zeigt einen Weg der Annäherung an die schwierige Persönlichkeit des Paulus. Möglicherweise findet, wer sich mit diesem Werk auseinandersetzt, etwas von sich und seiner eigenen religiösen Erfahrung wieder.
      
==== Weitere Gegenstände im Altarraum ====
 
==== Weitere Gegenstände im Altarraum ====
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