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| | Bei einem Spaziergang während eines Fronturlaubes wurde das Paar von einem rabiaten Nazi angepöbelt. Er drohte Frau Toledo sie anzuzeigen, weil sie als „Saujüdin“ mit einem Wehrmachtssoldaten eingehängt spazieren gehe. | | Bei einem Spaziergang während eines Fronturlaubes wurde das Paar von einem rabiaten Nazi angepöbelt. Er drohte Frau Toledo sie anzuzeigen, weil sie als „Saujüdin“ mit einem Wehrmachtssoldaten eingehängt spazieren gehe. |
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| − | Franz Schmeisser wurde von der Wehrmacht bald wieder entlassen, da er alles unternommen hatte um aus gesundheitlichen Gründen als untauglich zu gelten. | + | Franz Schmeisser wurde von der Wehrmacht bald wieder entlassen, da er alles unternommen hatte, um aus gesundheitlichen Gründen als untauglich zu gelten. |
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| − | Zurück in Salzburg wurde er mehrfach aufgefordert, sich von seiner „nichtarischen“ Frau scheiden zu lassen. Nach seiner beharrlichen Weigerung wurde er zur Strafarbeit in das Arbeitslager Gera gebracht. Von da an lebte Irma Rafaela Toledo in Todesangst. Sie dachte sogar an Selbstmord, um den Mann und die Kinder zu retten. Jedes Treppenknarren konnte das Ende bedeuten. Nun wurde auch sie zu [[Zwangsarbeit]] verpflichtet und musste Uniformen nähen. Die Kinder brachte sie bei Bauern unter. | + | Zurück in Salzburg wurde er mehrfach aufgefordert, sich von seiner „nichtarischen“ Frau scheiden zu lassen. Nach seiner beharrlichen Weigerung wurde er zur Strafarbeit in das Arbeitslager Gera gebracht. Von da an lebte Irma Rafaela Toledo in Todesangst. Sie dachte sogar an Selbstmord, um den Mann und die Kinder zu retten. Jedes Treppenknarren konnte das Ende bedeuten. Nun wurde auch sie zu [[Zwangsarbeit]] verpflichtet und musste Uniformen nähen. Die Kinder brachte sie bei Bauern unter. |
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| | ===Flucht vor der Gestapo=== | | ===Flucht vor der Gestapo=== |
| | Als bei Franz Schmeisser TBC diagnostiziert wurde, wurde er entlassen und kam nach Salzburg zurück. | | Als bei Franz Schmeisser TBC diagnostiziert wurde, wurde er entlassen und kam nach Salzburg zurück. |
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| − | [[1944]] tauchte die [[Gestapo]] auf und wollte Irma Toledo zur Deportation abholen. Zum Glück war sie zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Nachdem sie von ihrer Vermieterin, einer [[NSDAP]]-Angehörigen, informiert worden war, übersiedelte sie mit ihrer ganzen Familie in ein „Zuhäusl“ bei einem Bauern auf dem [[Schlenken]] (Rengerberg). Dieses Zuhäusl hatte die Familie schon längere Zeit als Ferienhaus gemietet. Leider war die dort erhoffte Sicherheit ein Trugschluss, denn die Gegend um den Schlenken war auch bei den Nazis beliebt. Nahe Zillreith auf dem Höhenrücken Richtung [[Krispl]] lag die „Treuvolkhütte“. Diese gehörte der national orientierten Wandervogelbewegung, die in Österreich nach 1938 in BdM und HJ aufging, und es fanden dort zahlreiche Treffen statt. | + | [[1944]] tauchte die [[Gestapo]] auf und wollte Irma Toledo zur Deportation abholen. Zum Glück war sie zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Nachdem sie von ihrer Vermieterin, einer [[NSDAP]]-Angehörigen, informiert worden war, übersiedelte sie mit ihrer ganzen Familie in ein „Zuhäusl“ bei einem Bauern auf dem [[Schlenken]] (Rengerberg). Dieses Zuhäusl hatte die Familie schon lange Zeit als Ferienhaus gemietet. Leider war die dort erhoffte Sicherheit ein Trugschluss, denn die Gegend um den Schlenken war auch bei den Nazis beliebt. Nahe Zillreith auf dem Höhenrücken Richtung [[Krispl]] lag die „Treuvolkhütte“. Diese gehörte der national orientierten Wandervogelbewegung, die in Österreich nach 1938 in BdM und HJ aufging, und es fanden dort zahlreiche Treffen statt. |
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| | Die Angst vor der Gestapo hielt an, aber die Familie wurde von niemandem denunziert. | | Die Angst vor der Gestapo hielt an, aber die Familie wurde von niemandem denunziert. |
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| | Irma Rafaela Toledo überlebte, aber beinahe alle ihre Verwandten kamen in NS-Konzentrationslagern um. Für sie begann nun ein neues Leben. Sie tauchte aus dem Untergrund auf und begann zu malen. | | Irma Rafaela Toledo überlebte, aber beinahe alle ihre Verwandten kamen in NS-Konzentrationslagern um. Für sie begann nun ein neues Leben. Sie tauchte aus dem Untergrund auf und begann zu malen. |
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| − | Sie nutzte vorerst die Sonntage, wenn ihr Mann mit den Kindern spazieren ging, und malte vor allem Naturerlebnisse, Wiesen, den [[Hoher Göll|Göll]]. „Ich musste einfach von innen heraus malen, es war für mich ein Erkenntnisweg.“ Erst jetzt legt sie sich den Künstlernamen Toledo zu, nach dem Grillparzerstück „Die Jüdin von Toledo“. | + | Sie nutzte vorerst die Sonntage, wenn ihr Mann mit den Kindern spazieren ging, und malte vor allem Naturerlebnisse, Wiesen, den [[Hoher Göll|Göll]]. „Ich musste einfach von innen heraus malen, es war für mich ein Erkenntnisweg.“ Erst jetzt legte sie sich den Künstlernamen Toledo zu, nach dem Grillparzerstück „Die Jüdin von Toledo“. |
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| | 1951 waren erstmals Bilder von ihr im Künstlerhaus ausgestellt, [[1952]] fand sie Aufnahme in die legendäre „[[Salzburger Gruppe]]“. | | 1951 waren erstmals Bilder von ihr im Künstlerhaus ausgestellt, [[1952]] fand sie Aufnahme in die legendäre „[[Salzburger Gruppe]]“. |