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, 15:01, 15. Jun. 2007
'''Dr. med. Albert Schumacher Ritter von Tännengau''', (* [[8. November]] [[1844]] in [[Salzburg]]; † [[15. März]] [[1913]] ebenda) war ein langjähriger [[Landeshauptmann|Salzburger Landeshauptmann]], [[Salzburger Landtag|Landtagsabgeordneter]] und [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]] im ausklingenden [[19. Jahrhundert|19.]] und beginnendem [[20. Jahrhundert]].
==Biographie==
===Herkunft und Familie===
Albert Schumacher entstammte der Ehe des an der Medizinisch-Chirugischen Lehranstalt in Salzburg tätigen Professors Dr. Ignaz Schumacher mit dessen Gattin Aloisia, geb. Oser. Er absolvierte das Medizinstudium an der Universität in Wien und praktizierte ab [[1871]] in [[Hallein]]. [[1872]] ehelichte er die Fabrikanten- und Kaufmannstochter Emma Zeller aus Salzburg und übersiedelte in die Landeshauptstadt.
===Politische Laufbahn===
[[1879]] wurde er in den [[Salzburger Gemeinderat]] gewählt, von [[1888]] bis [[1890]] amtierte er als Bürgermeister der aufstrebenden Stadt. Ab [[1889]] gehörte er als Vertreter Salzburgs dem Landtag an, bei der Landtagswahl von [[1896]] vertrat er die Stadt Hallein.
1890 wurde er als erster Bürgerlicher zum Landeshauptmann des damaligen k.k. Kronlandes Salzburg ernannt. Nach der Niederlage der deutsch-freiheitlichen Partei bei den Landtagswahlen von 1896 folgte nach längeren Verhandlungen am [[17. Jänner]] [[1897]] seine Ablöse durch seinen bisherigen Stellvertreter [[Alois Winkler]]. Bis zum Beginn seiner zweiten Amtsperiode fungierte Schumacher als Stellvertreter seines konservativen Nachfolgers, den er im [[Dezember]] [[1902]] wiederum in seinem Amt beerbte. Auf Grund seines schlechter werdenden Gesundheitszustandes nahm er [[1908]] von einer neuerlichen Kandidatur für den Landtag Abstand und zog sich nach 20 Jahren in der Funktion des Landeshauptmanns bzw. des LH-Stellvertreters nach Auslaufen seiner Amtszeit im [[Juli]] [[1909]] aus der Politik und dem öffentlichen Leben zurück.
=== Wirken im Umfeld seiner Zeit===
In die kurze Amtsperiode Schumachers als Bürgermeister fiel die Auflassung der Frühjahrsdult und die Einstellung der Karolinenbrückenmaut.
Als Landeshauptmann nahm er regen Anteil an den politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit (Regierung Badeni). Während seiner beiden Funktionsperioden wurde am [[1. Mai]] [[1890]] erstmals der Arbeiterfeiertag begangen. Im selben Jahr kam es zur Eröffnung des elektrischen Aufzugs auf den [[Mönchsberg]] und zur Gründung der [[Salzkammergut-Lokalbahn Aktiengesellschaft]], des Gewerbeförderungsinstituts (heutiges [[Wirtschaftsförderungsinstitut]]) sowie der [[Halleiner Zellulosefabrik]], dem heute größten Industriebetrieb des Bundeslandes Salzburg.
Für die Stadt Salzburg von nachhaltiger Bedeutsamkeit waren der Bau der [[Riedenburgkaserne]] ([[1890]]-[[1892]]), die Anlage des [[Jüdischer Friedhof Salzburg|Jüdischen Friedhofs]] in [[Aigen]] ([[1893]]), der Neubau des [[Stadttheaters]] (Eröffnung am [[15. Oktober]] [[1893]]), die Regulierung des [[Hellbrunnerbach]]es, die Kanalisierung der [[Riedenburg]] ([[1901]]-[[1905]]) und die Einstellung der [[Dult]], die ihre Wiederbelebung erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr.
[[1896]]/[[1897|97]] erlebte er die Jahrhundert-Hochwasserkatastrophe, die neben der Landeshauptstadt vor allem Hallein und [[Oberndorf]] stark in Mitleidenschaft zog und zur Beschlussfassung über die Verlegung des Marktes Oberndorf (Ortsteile Alt-Oberndorf und Altach) bzw. zum Bau von Neu-Oberndorf – dem heutigen Ortskern der Stadt Oberndorf – führte.
Schumachers persönliches Interesse galt dem Ausbau des Schulwesens, hierbei förderte er besonders die für die Wirtschaft wichtigen Schulen, etwa die Landwirtschaftsschulen (z. B. [[Berti-Hof]] in [[Kleingmain]] und [[Winklhof]] in [[Oberalm]]). Während seiner Amtszeit kam es aber auch zum Bau zahlreicher Volksschulen, darunter die [[Volks- und Bürgerschule St. Andrä]] (1893) in der später Albert Einstein seine Relativitätstheorie vortrug, die evangelische Volksschule in der [[Schwarzstraße]] (1906) und die [[Mülln]]er Volksschule. Ein weiteres Anliegen war ihm der Bau der „[[Vereinigten Versorgungsanstalten der Stadt Salzburg]]“ in [[Nonntal]], mit deren Errichtung die bisherigen Anstalten [[Bürgerspital]], [[Kronhaus]] ([[Griesgasse]]), [[Bruderhaus]] ([[Linzer Gasse]]) und [[Erhardspital]] (Nonntal) einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden konnten.
Die Bedeutung Schumachers für Salzburg und besonders für die Salzburger Wirtschaft liegt vor allem in seinem unermüdlichen Einsatz für den Ausbau des Eisenbahnnetzes, wozu er unter anderem die Erlassung des „Landeseisenbahngesetzes“ zur Förderung der Lokalbahnen veranlasste. [[1891]] eröffnete er in seiner Funktion als Landeshauptmann die [[Lokalbahn]]teilstrecke von [[Salzburg]] nach [[Mondsee]]. [[1894]] wurde die [[Salzkammergut-Lokalbahn]] bis ins oberösterreichische Bad Ischl und die, vor allem für den [[Lungau]] wichtige, [[Murtalbahn]] vom steirischen Unzmarkt nach [[Mauterndorf]] fertiggestellt und eröffnet. [[1896]] folgte die Inbetriebnahme der Lokalbahn von Salzburg über Oberndorf nach [[Lamprechtshausen]].
Am [[20. September]] [[1905]] eröffnete Schuhmacher gemeinsam mit [[Kaiser Franz Joseph]] am Bahnhof in [[Sankt Veit im Pongau]] (heute [[Schwarzach im Pongau]]) das erste Teilstück der [[Tauernbahn]] bis [[Bad Gastein]]. Kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit folgte am [[5. Juli]] [[1909]] die offizielle Eröffnung der zweiten Teilstrecke von [[Badgastein]] durch den [[Tauerntunnel]] nach Spittal an der Drau, womit der Bau der Tauernbahn, die sich nachhaltig als wirtschaftlicher Entwicklungsmotor für das ganze Salzburger Land und vor allem für den [[Pongau]] erwiesen hat, vollendet war.
Gegen sein Lebensende hin verfasste Schumacher eine umfangreiche Autobiographie, die er in nur 40 Exemplaren drucken und bis zum Tod all seiner Zeitgenossen unter Sperre halten ließ. Dieses Werk warte bis heute auf eine Auswertung.
==Ehrungen==
[[1909]] (laut „Netsch“ bereits [[1908]]) wurde Schumacher mit dem
Prädikat „Ritter von Tännengau“ ausgezeichnet und in den Ritterstand erhoben. Nach seinem Ableben fand er seine letzte Ruhestätte in der Familiengruft der Kaufmannsfamilie Zeller am [[Salzburger Kommunalfriedhof]]. Dem Grabmal Schumachers wurde von der Stadtgemeinde Salzburg der Status eines – mittlerweile aufgehobenen– Ehrengrabes zuerkannt.
Der Salzburger Gemeinderat beschloss [[1946]] die Benennung der heutigen [[Schumacherstraße]] im Stadtteil [[Lehen]] nach dem einstigen, verdienstvollen Bürgermeister und Landeshauptmann.
==Literatur und Quellen==
* Ludwig Netsch: ''Die Salzburger Bürgermeister ab 1847''; Magistrat Salzburg. Dokumentation über das Geschehen in der Stadt; Salzburg 1987
* [[Josef Brettenthaler]] (Hg.): ''Salzburger Synchronik'', Verlag Alfred Winter, Salzburg 2005; ISBN 3-85380-055-6
* Friederike Zaisberger, Reinhard R. Heinisch: ''Leben über den Tod hinaus... Prominente im Salzburger Kommunalfriedhof''. Mitteilungen der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]]. 23. Ergänzungsband. Selbstverlag der Gesellschaft. Salzburg 2006
==Siehe auch==
* [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]]
* [[Landeshauptmann|Landeshauptleute von Salzburg]]
[[Kategorie:Bürgermeister (Salzburg)|Schumacher, Albert]]
[[Kategorie:Landeshauptmann|Schumacher, Albert]]